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Kultur + Lifestyle Reise

Virgil, Dante, Goethe und die Habsburger – Faszination Lago di Garda.

Ein Prolog – Spanisch-österreichische Geschichte.

I. – „Ziemlich spanisch das Ganze“: Mit dem Geheimrat von Innsbruck an den „Lago“.

Die Italienischen Reise Goethes im Gepäck, reist Viva España von Innsbruck an den „Lago“, wie Innsbrucker kurz zum Lago di Garda sagen. Er gilt als Meer der Tiroler, denn dort unten ist es mediterran. Liegt in Tirol noch Schnee, ist am Lago schon Frühling und der Herbst ist lang und warm. Nach eineinhalb Stunden Autofahrt wartet eine andere Welt auf den Reisenden. Südländische Leichtigkeit und Lebenslust, kulinarische Genüsse und ein traumhaftes Klima, das auch Goethe vom ersten Tag an begeisterte.

Faszination Lago di Garda.

Faszination Lago di Garda.

Es mag verwundern, was an dieser Reise „spanisch“ sein sollte – ganz viel sogar! Kein Land Europas war je mit Spanien so verbunden wie Österreich. Auch wenn es eigen klingt, Spanien (definiert als iberische Halbinsel) hat seinen ersten König dem römisch-deutschen Kaiser Maximilian I. zu verdanken, so man ihn denn mochte oder mag: Carlos primero oder Karl V., wie er im Deutschen genannt wird, Enkel des Kaiser Maximilian I. Carlos primero schuf das vereinigte Spanien, liess die neue Welt entdecken. Konflikte daraus wirken bis heute nach, wie beispielsweise in Katalonien, dass dadurch seine Privilegien, die es vom Königreich Asturien Jahrhunderte erhielt, verlustig wurde. Und auch in Lateinamerika wirken die zementierten Strukturen der Conquista, wie eine ewige, nicht abzuschüttelnde Last, weiter. In Spanien ist es kaum anders, eine Landreform scheiterte bis heute. Wird ein unbarmherziger Blick auf das ländliche Spanien geworfen, könnte ein „Lateinamerika light“ entdeckt werden.

II. – „Kaiser Max“: Die Habsburger steigen zur führenden Macht Europas auf.

Zur Person Maximilian I.

Mit Maximilian I. (* 22.3.1459, Burg Wiener Neustadt – † 12.01.1519, Burg Wels), römisch-deutschen Kaiser, Sohn des verarmten Habsburger Kaisers Friedrich III., begann der Aufstieg der Habsburger zur europäischen Grossmacht, die von einer klugen Heiratspolitik befeuert wurde. Maximilian I. wird in Tirol nur „Kaiser Max“ genannt, denn er liebte das Erzherzogtum Tyrol. Wien mied er, so es ging, denn er erlebte als kleines Kind die Belagerung der Wiener Hofburg, was er zeitlebens als traumatisches Erlebnis mit sich trug und ihn sichtlich prägte. Lieber war Max in Tirol zur Jagd, baute Innsbruck zur prächtigen Renaissance Stadt aus, errichte dort sogar sein Grabmal. Die „Schwarzen Mander“, die den Sarkophag umgeben und beschützen: 28ig Ahnen der Habsburger, heute eine Attraktion. Die Hofkirche, in dem es errichtet wurde, realisierte erst sein Enkel Ferdinand I. Tiroler nennen die Hofkirche „Schwarzmander Kiche“. Mit dem Grabmal in der Innsbrucker Hofkirche, liess sich Max das grösste Kaiser Monument errichten, welches das Abendland je gesehen hatte. Der moderne Monarch wollte ein Zeichen setzen, meinte, man solle sich rechtzeitig zu Lebzeiten um ein Denkmal und die Geschichtsschreibung kümmern, um ihr nicht ausgeliefert zu sein. „Publizität und Propaganda“ lag Max. Als erster Herrscher nutzte er den gutenbergschen Buchdruck, um Flugzettel und anderes in grosser Menge unter das Volk zu bringen.

Der kunstbeflissene Monarch beschäftige u.a. keinen geringeren als Alfred Dürer zur Gestaltung seines Grabmals, liess sich vom Meister auch gerne portraitieren. Dort fand er jedoch nie seine letzte Ruhe. Schon krank und geschwächt von einem Gallen- und Nierenleiden, reiste der Monarch vom Reichstag in Augsburg, der am 27. August 1518 stattfand, zurück in seine Erblande. Er dürfte den bevorstehenden Tod geahnt haben, hielt er doch eine Abschiedsrede, merkte an „müde und alt“ geworden zu sein und äusserte den Wunsch, seine Zeit nun mit „mehrer ruhe verzehren“ zu wollen. So fand Max auch Zeit, in Ehrenberg und am Heiterwanger See einen Stopp einzulegen, um seiner geliebten Jagd nachzugehen. Eine Vorhut der Entourage war bereits in Innsbruck angelangt, erhielt dort jedoch erst kein Quartier, da Max bei den Wirten der Stadt hoch verschuldet war. So musste die Vorhut erst im Freien nächtigen, bis ein Teil der Rechnungen beglichen war.

Als Maximilian I. am 30. Oktober 1518 eintraf, bezog er seine Räumlichkeiten in der Innsbrucker Hofburg. Dass ihm kein Quartier gewährt worden wäre, ist eine Legende. Den Herrschaften hätte wohl das gleiche Schicksal ereilt, wie den Verteidigern der Festung Kufstein um den Kommandanten Hans Pienzenauer: Kopf ab. Am 3. November, von Fieber geplagt, brach Maximilian von Innsbruck zum Landtag nach Linz auf, wurde jedoch in einer Sänfte getragen, da er nicht mehr reiten konnte. Ab Hall ging es am Wasserweg bis nach Wels weiter, wo in seiner Burg Quartier gemacht wurde. Am 12. Jänner 1519 starb der Herrscher zwischen den Zeiten auf der Burg Wels. Seinen Anordnungen entsprechend, wurde sein Leichnam nicht einbalsamiert, gegeisselt, die Zähne herausgebrochen und an seinem Geburtsort Wiener Neustadt und nicht Innsbruck, beigesetzt. Max wollte als Büsser vor seinen Schöpfer treten. Er bestimmte aber auch, dass sein Herz an der Seite seiner ersten Frau Maria von Burgund seine letzte Ruhe finden sollte. Eine eindringliche emotionale Geste an seine erste Frau, welcher der Kaiser in tiefer Liebe verbunden war. Das Herz des Kaisers wurde in einer Urne in der Liebfrauenkirche in Brügge im Sarkophag Marias beigesetzt.

Tiroler lieben „ihren Max“ heiss. Überall prangt „Max“ in Tirol, als Wandgemälde auf Privathäusern, „Max“ bei der Jagd, als Hotel oder Gaststätte „Zum Kaiser Max“, „Kaiser Max“ Wanderwege, oder Kaiser Max Souvenirs, „Max“ ist omnipräsent. Diesbezüglich stehen Tiroler den Bayern um nichts nach, die „ihren Ludwig“ sehr geschäftstüchtig verehren.

Portrait Maximilian I. von Albrecht Dürer, 1519.

Portrait Maximilian I. (Albrecht Dürer, 1519).

Maximilian I. stellt die Weichen für Karl V.

Maximilian I. war, abseits seiner Finanzen, ein geschickter und visionärer Renaissance Herrscher, ein Brückenbauer zwischen Mittelalter und Neuzeit. Die erste Münze der Geschichte, die in der Prägung den Schriftzug „Europa“ trägt, liess Maximilian von der Münze Hall prägen. Die Silbermünzen aus Hall genannt Taler (Tahler), entsprachen vom Materialwert einer goldenen Guldenmünze jener Zeit. Der Begriff Dollar, leitete sich übrigens von „Thaler“ ab.

Silberthaler von 1632, geprägt in Hall in Tirol.

Silberthaler von 1632, geprägt in Hall in Tirol.

Maximilian wurde mit Maria von Burgund verheiratet. Es entwickelte sich eine innige Liebesbeziehung, auch das konnte zufällig vorkommen, wenn auch selten. Aus der Verbindung, die nur kurz währte, da die begeisterte Falknerin Maria mit 25 Jahren nach einem Jagdunfall starb, gingen Philipp und Margarete hervor. Maria von Burgund war zu jenen Zeiten die reichste Fürstin Europas. Hübsch und zierlich war sie obendrein. Der burgundische Reichtum erleichterte seinem Vater Ferdinand III., Maximilian noch zu seinen Lebzeiten (!), zum römisch-deutschen König wählen zu lassen. Das Amt war nicht erblich und noch keinem römisch-deutschen Kaiser glückte es bisher, einen Sohn als Nachfolger auf den Thron zu setzen. Schon aus machtpolitischen Gründen lehnte die Kurie derartiges ab. Aber die Kurfürsten erhofften sich Vorteile aus dem Reichtum Burgunds. Burgund war ein Musterland in Sachen Verwaltung und Wirtschaft und das wohlhabendste Land in Europa, Gent das Manhattan der damaligen Zeit und nach Paris die grösste Stadt Europas.

Maximilan I. verheiratet seinen Sohn Philip I., „der Schöne“, Herzog von Burgund, ebenfalls geschickt. So kam Kastilien und León ins Reich. Aus der Ehe ging Karl V., Carlos primero (24.01.1500, Prinzenhof, Gent – † 21.09.1558, Kloster von Yuste, Extremadura), hervor. Beide Kinder Maximilians, Philipp und Margarete, starben früh. So trat Karl V. im Alter von erst 16 Jahren das Erbe ab 1516 unter dem spanischen Namen Carlos I., als König von Kastilien, León und Aragón, an.

Gent, das Manhatten des Spätmittelalters.

Gent, das Manhatten des Spätmittelalters.

Lupenrein waren die Vorgänge um die Erbfolge nicht. Nach Habsburger Sicht, wäre die Mutter Karls, Johanna, die rechtmässige Thronfolgerin gewesen. In Burgund war eine weibliche Thronfolge jedoch nicht vorgesehen. In Kastilien, León und Aragón, wäre es möglich gewesen, wenn es auch nicht gerne gesehen wurde. Es ergab sich ein Ausweg. Der Tod ihres Mannes Philipp, einziger Sohn Maximilans, traf Johanna von Kastilien schwer. Eine recht übliche Sache sollte man meinen. Angeblich verfiel Johanna in völlige Apartheid. Praktisch, so konnte ihr Vater Ferdinand II. von Aragón Johanna für regierungsunfähig erklären. Johanna wurde im Kloster Santa Clara von Tordesillas bis zu ihrem Lebensende vom eigenen Vater eingesperrt. Sie starb dort „geistig umnachtet“, weshalb sie auch den Namen „Johanna die Wahnsinnige“ trägt. Die Haftbedingungen waren sicher für die Psyche einer Frau, die als sehr sensibel aber klug galt, bestens geeignet, den Verstand tatsächlich zu verlieren.

Ferdinand II. von Aragó nahm interimistisch die Regentschaft wahr, bis sie Karl V., nun Carlos primero, mit 16 Jahren antrat. Karl V. musste feststellen, dass er alles andere als willkommen war und zwar nicht nur in Spanien. Er sprach kein Wort Spanisch und machte auch keine Anstanden, es zu erlernen. Das kam nicht gut an. Die Habsburger Sippe wiederum war verschnupft, da Karl kaum Deutsch sprach. Schlüsselstellen in seinem neuen Reich, besetzte Karl mit gut ausgebildeten und erfahrenen Vertrauten aus Burgund. Vor allem der kastilische Adel fürchtete um seine Privilegien und rebellierte. Carlos primero zeigte schon als Teenager seinen absoluten Herrscherwillen und liess kurzerhand die aristokratischen Redelsführer öffentlich enthaupten. Für Kastilien ein schier undenkbarer Vorgang, der aber seine Wirkung zeigte. Dass der 16 jährige an den Enthauptungen persönlich anwesend war, setzte ein weiteres starkes Zeichen. Danach war im kastilischen Adel bei jenen, die noch einen Kopf auf den Schultern trugen, Ruhe.

Die Wahl des Carlos primero zum römisch-deutschen Kaiser.

Dem ehrgeizigen Maximilian I., der sich zeitlebens als göttlich auserwählt und berufen sah, war dies alles nicht genug. Er wollte mit Carlos primero die Macht der Habsburger weiter ausbauen. Er setzte zu einem Husarenstück an. Max erreichte noch zu Lebzeiten, dass Carlos primero nach ihm zum römisch-deutschen König gewählt wurde, in guter Manier seines Vaters Friedrich III. Und das vollumfänglich, das bedeutete zu jener Zeit Krönung im Aachener Dom sowie die Besteigung des Throns Karl des Grossen. Die Krönung musste wegen einer Pestepidemie übrigens vier Monate verschoben werden. François I. König von Frankreich tobte. Karl wurde sogar einstimmig gewählt, eine Demütigung für François, denn er sah sich als einzigen angemessenen Nachfolger, der überdies mehr Erfahrung aufweisen konnte, was auch zutraf.

François I. König von Frankreich.

François I. König von Frankreich.

Für Karl war die einstimmige Wahl  eine besondere Genugtuung, behandelte doch François I. seinen Grossvater Kaiser Maximilian I. immer herablassend und bezeichnete ihn abschätzig als „Bürgermeister von Augsburg“, da er von den Fuggern finanziert wurde. Als Karl V. François I. in Frankreich traf, liess er sich den Staatsschatz zeigen und kommentierte das verächtlich mit den Worten, dieses und noch wesentlich mehr, könne sich ein Weber aus Augsburg leisten. Das war die Anspielung auf Jakob Fugger, auch genannte Jakob Fugger der Reiche, dessen Familie als Tuchweber und Händler ihre Karriere begann. Auch Heinrich der VIII. stellte sich der Wahl, war aber chancenlos. Er revanchierte sich bei Carlos primero, in dem er ihn, wo er nur konnte, drangsalierte, wie auch schon Isabella von Kastilien und Ferdinand von Arogan, die „reyes católicos“, zuvor Er zündelte in der Normandie, drangsalierte die Spanier auf ihren Handelsrouten und liess sich sonst einiges einfallen. Heinrich der VIII. war generell kein angenehmer Zeitgenosse. Das könnten wenigstens seine beiden Frauen bestätigen, denen er den Kopf abhacken liess.

Der Thron Karls des Großen im Aachener Dom.

Der Thron Karls des Großen im Aachener Dom.

Von Maximilian I. erbte Karl V. das Erzherzogtum Österreich. 1520 wurde der römisch-deutsche König Carlos primero mit 20 Jahren, als letzter Herrscher, von einem Papst, Clemens VII., zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt. Die Jahre 1519 und 1520 waren die Geburtsjahre der „Casa Austria“, der spanischen Habsburgerlinie. Die iberische Halbinsel war, so unglaublich das klingt, mit Burgund, dem Erzherzogtum Tyrol, sowie dem Erzherzogtum Österreich vereint. Carlos primero liess die neue Welt erobern, einte das heutige Spanien mit straffer Verwaltung und eiserner Hand und stieg zum reichsten Herrscher der damaligen Welt auf. Das hielt ihn, durch seine fortwährenden Kriege, die er besessen und teils recht ungeschickt führte, nicht davon ab, je nachdem wie gerechnet wird, bis zu sieben mal im Staatsbankrott zu landen. Schon damals wurden „Staatsanleihen“ als Finanzinstrument emittiert, die bei Carlos gerne platzten. EU Schuldenkrise – das ist wirklich ein alter Hut!

Aachener Dom mit Pfalzkapelle.

Aachener Dom mit Pfalzkapelle.

Kaisermacher – die Fugger.

Doch wie gelang Maximilian I. dieser grandiose strategische Schachzug, der seinen Enkel Karl V. zu einem Herrscher aufsteigen liess, in dessen Reich die Sonnen nie unterging, wie Karl sein Reich selbst gerne beschrieb? Die Antwort ist trivial: Geld! Jakob Fugger war zur Zeit von Maximilian, so heisst es, der reichste Mann des Planeten. Jakob war eigentlich Montan Unternehmer, nachdem er mit dem Tuchhandel in Augsburg zu Grösserem aufbrach. Er gewährte dem europäischen Adel Kredite, wollte dafür aber nie Zinsen, sondern Schürfrechte. Eine sichere Sache, daher platzten seine Kredite nie. Und die gewährte ihm Maximilan, denn Schwaz in Tyrol nahe Innsbruck, war zu jener Zeit der grösste Bergbaubetrieb Europas. Es wurde Silber geschürft, so erfolgreich, das Schwaz unglaublicher Weise bevölkerungsmässig grösser als Wien war.

Das Fugger Haus in der Silber Bergwerkstadt Schwaz in Tirol.

Das Fugger Haus in der Silber Bergwerkstadt Schwaz in Tirol.

Maximilian gewann Jakob Fugger, die Kaiserwahl seines Enkels Carlos primero zu „finanzieren“, denn die ging zu jener Zeit wenig demokratisch vor sich Sie glich eher einer Auktion. Die Kurie, die Kurfürsten, waren berechtigt den König zu wählen. Zum Ärger der Habsburger fand sich aber keiner der ihren in der Kurie. Daher erfanden sie für sich mit einer gefälschten Urkunde den Titel „Erzherzog“, um sich zwischen den gemeinen Herzogen und den Kurfürsten zu platzieren. Die Wahl des Kaisers durch die Kurfürsten lief aber keineswegs edel und nach Überzeugung ab, den Besten zu wählen. Im Hintergrund herrschte reges Geschacher, welcher König Anwärter am meisten zu bieten hatte. Einem Fugger konnte niemand etwas entgegen setzen. Als François I. alles auf den Tisch gelegte hatte, was er aufbieten konnte, legte Jakob Fugger einfach noch einmal kräftig nach und das Geschäft war gemacht.

Margarete von Österreich, Gemälde von Bernards van Orley.

Margarete von Österreich (Bernards van Orley).

Die diplomatische „Strippenzieherin“ in Maximilians Sache, war die politisch erfahrene Tochter von Max, Margarete von Österreich. Sie erzog auch Karl und nicht seine Mutter Johanna. Die Wahl Carlos primero zum römisch-deutschen König war eine gemachte Sache. Die Kurfürsten waren erfolgreich gekauft. Viele Historiker bestreiten, dass die Königskrone des Karl V. gekauft wurde, verweisen darauf, dass die „Handsalbung“, wie damals Bestechungsgeld hiess, eine durchaus übliche Sache war. Ein schwaches Argument, in vielen Ländern weltweit ist auch heute Bestechung Tagesgeschäft und aus diesem Grunde auch nicht rechtmässig. Das sah die Kurie mit der Zeit auch so. Es wurde den Kurfürsten verboten, „Handsalbungen“ anzunehmen. Sie sollten ausschliesslich ihrem Gewissen folgend, den besten der Anwärter die Krone aufsetzen.

Kuriosum – die Schwarzer Bergordnung.

Kuriosum am Rande: Maximilian I. regelte in der „Schwarzer Bergordnung“ aus dem Jahre 1490, dem „Codex Maximilianeus“, detailliert die Rechte der bedeutenden und selbstbewussten Bergknappen in Schwaz Tyrol. Arbeitszeiten unter Tage, Freizeit, Rechte gegenüber dem Dienstgeber, alles war detailliert geregelt. Maximilian war der Wegbereiter einer modernen Staatsverwaltung, die er im Burgundischen gelernt hatte und auf sein Reich anwendete. Carlos primero führte die „Schwarzer Bergordnung“ in „Neuspanien“, in den mittelamerikanischen Silberbergwerken, ein. Ein theoretischer Akt, vor Ort sah es natürlich anders aus. Die indigene Bevölkerung musste versklavt ans Werk gehen. Die permanenten Berichte des Mönchs Bartholomé de las Casas an Carlos primero, der drastisch über die Gräueltaten, vor allem des überaus skrupellosen bis sadistischen Hernán Cortés berichtete, wurden vom Kaiser ignoriert, obwohl er die Taten verachtete. Carlos brauchte das Silber für seine unzähligen Kriege und die Schuldentilgung an die Fugger. Da musste die indigene Bevölkerung hintanstehen.

Der Codex Maximilianeus im Stadtpark Schwaz, Tirol.

Der Codex Maximilianeus im Stadtpark Schwaz, Tirol.

Erbzwist bei den Habsburgern.

Wie in einer gemeinen Familie, kam es auch bei den Habsburgern, durch unterschiedliches Erbrecht, zwischen der spanischen und österreichischen Linie zum Erbstreit, denn es ging um viel Geld und Land. In bürgerlichen Familien geht es, so es nicht handgreiflich wird, vor Gericht, in kaiserlichen Kreisen auf das Schlachtfeld. So brach der spanische Erbfolgekrieg (1702 – 1703) aus. Er wurde in Riva del Garda, Torbole, Trient, Südtirol, am Brenner, in Innsbruck, Seefeld, Kufstein und anderen Ortes ausgetragen, nur nicht in Spanien. Die Bayern mischten sich engagiert ein. Sie witterten die Gunst der Stunde, wollten sogar mit den Franzosen gegen Wien ziehen. Das wurde aber nichts, denn sie hatten nicht mit den wehrhaften, konservativen und kaisertreuen Tirolern gerechnet, die ihren Vormarsch stoppten.

Der Spanische Saal Schloss Ambras, Renaissance Bau des Kaisers Ferdinand II.

Der Spanische Saal Schloss Ambras, Renaissance Bau des Kaisers Ferdinand II.

Jahrhunderte bestanden zwischen Spanien und Österreich enge Bande. Vielleicht verstehen sich daher Österreicher und Spanier auch heute noch so gut. Es lassen sich viele Gemeinsamkeiten entdecken, auch im österreichischen Deutsch, interessante Lehnwörter, denen eine etwas abweichende Bedeutung gegeben wurde. Im „deutschen Deutsch“ sind sie nicht zu finden. Das Verhältnis Spanien und Österreich erweist sich teils kurios und verblüffend, wenn in der Geschichte gegraben wird.

III. – „Die Anmut“: Mediterraner Flair in den Bergen.

Viel Geschichte, wer sie nicht kennt und versteht, dem bleibt der klare Blick auf die Regionen, die Goethe auf der Italienischen Reise, durchstreifte, versperrt. Sizilien und Sardinien waren spanisch, Triest ein Österreichischer Kriegshafen, Maria Theresia lies in Torbole Strassen bauen und eröffnete diese sogar feierlich. Die Österreichisch-Ungarische Doppelmonarchie liess eine Bahnlinie von Rovereto nach Riva del Garda bauen und vieles mehr.

Zurück zum Lago, bevor die Reise los geht. Der Lago di Garda übt eine packende Faszination aus, die jeden ansteckt, so er das erste Mal über den Passo di Giovanni nach Torbole hinunter fährt. Das Gefühl in Alpendörfern anzukommen entsteht, doch überall Olivenbäume, Zitrusfrüchte, Trauben, es blüht und duftet, die Luft ist mild, es riecht nach Urlaub. Riva del Garda liegt 70 m ü.d.A.. Es könnte also fast gesagt werden auf Adriahöhe. Über Riva erhebt sich dramatisch der Monte Tremalzo (1974 m), in der Ferne des Ostufers grüsst der Monte Baldo (2218 m), im Frühling noch schneebedeckt. Oben Skifahren, unten am See surfen und in der Sonne Cappuccino trinken. Mittelalterliche hübsche und gemütliche Dörfer säumen das Seeufer, andere liegen spektakulär hoch über dem See wie Pregasina.

Ölbäume am Passo die San Giovanni in Nago, hoch über Torbole.

Ölbäume am Passo die San Giovanni in Nago, hoch über Torbole.

Auch Goethe wollte am Weg nach Verona den Lago di Garda keineswegs verpassen. Unter Roveredo*) vermerkt der Geheimrat: „Heute abend hätte ich können in Verona sein, aber es lag mir noch eine herrliche Naturwirkung an der Seite, ein köstliches Schauspiel, der Gardasee, den wollte ich nicht versäumen, und bin herrlich für meinen Umweg belohnt.“1) und notiert in seinem Tagebuch in Torbole: „Keine Worte drücken die Anmut dieser so reich bewohnten Gegend aus.“2)

Faszination Lago di Garda.

Faszination Lago di Garda.

Zeit zum Lago aufzubrechen. Karlsbad den 3. September 1786, Goethe besteigt eine Postchais*) und eilt ungeduldig seinem Ziel Italien entgegen.

Die Reise – von Innsbruck immer nach Süden.

Innsbruck – von Karlsbad in die Renaissance Stadt Kaiser Maximilians.

Aufbruch in Karlsbad.

3 Uhr nachts des 3. Septembers 1786, mit leichtem Gepäck macht sich Goethe zur lang ersehnten Italienreise auf. Als mittlerweile angesehener Künstler und hoher Staatsbeamter, setzen ihm seine vielen administrativen Aufgaben zu. Er möchte endlich wieder schreiben und „flieht“. „Ich warf mich ganz allein, nur einen Mantelsack*) und Dachsranzen*) aufpackend, in eine Postchaise*) und gelangte halb acht Uhr nach Zwota, an einem schönen stillen Nebelmorgen.“3) In seinem Dachsranzen trug Goethe das Manuskript der „Iphigenie“, denn Johann Gottfried Herder machte den Meister darauf aufmerksam, dass diese „… noch einige Aufmerksamkeit …“ benötigen würde. „Egmont“ war ebenso im Ranzen auch auch sein „Linné“, wie Goethe vermerkt. Carl von Linné, der Urvater der wissenschaftlichen botanischen Klassifikation.

Darstellung einer britischen Postchais in einem Stich von 1876.

Darstellung einer britischen Postchais in einem Stich von 1876.

Durch Regensburg + München.

Von Zwota ging es sogleich nach Regensburg weiter, wo der Geheimrat um halbeins die Postkutsche nach München bestieg, um dort um sechs Uhr morgens einzutreffen. Siebzehneinhalb Stunden für rund 130 Km, das war im 18. Jhd. die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit in Postkutschen von lediglich 7,5 Km/h. Ein halbwegs ambitionierter Rennradfahrer bewältigt Regensburg – München heute problemlos in 6 Stunden.

Wie in Regensburg, wo Goethe schnell einen Teil einer Opernaufführung der Jesuiten besuchte, fiel auch der Besuch in München kurz aus. Lediglich der „Bildergalerie“ wurde kurze Aufmerksamkeit geschenkt. Es wird wohl die gerade neu errichtete Galerie in der Hofgartenresidenz gewesen sein, die zwischen 1777 und 1782 erbaut wurde und die Vorgängerin der „Alten Pinakothek“ war. Kurz darauf sitzt der Geheimrat schon wieder in der Postkutsche: „Als ich um fünf Uhr von München wegfuhr, hatte sich der Himmel aufgeklärt. An den Tiroler Bergen standen die Wolken in ungeheuern Massen fest.“4) 1786 präsentierte sich der Sommer in Deutschland und Österreich als kalt und verregnet. Die historischen Wetteraufzeichnungen melden einen August, der von heftigen Regenfällen und Kälte geprägt war. Die Ernte fiel schlecht aus und Goethe hoffte auf einen schönen Herbst in Italien. Als es über den Walchen- und Kochelsee hinauf nach Mittenwald, Scharnitz und das Seefelder Plateau geht, wird er von verschneiten Bergen empfangen. „Es war eine Kälte, wie sie nur im Februar erlaubt ist.“5)

Die Hofgarten Residenz in München.

Die Hofgarten Residenz in München.

Durchs Karwendel nach Innsbruck.

Doch die Laune des Dichterfürsten hebt sich nach Seefeld schlagartig. Das Seefelder Plateau ist eine Wetterscheide, die Wolken verziehen sich: „Bei Zirl fährt man ins Inntal herab. Die Lage ist unbeschreiblich schön, und der hohe Sonnenduft machte sie ganz herrlich. Der Postillon eilte mehr, als ich wünschte: er hatte noch keine Messe gehört und wollte sie in Innsbruck, es war eben Marientag, um desto andächtiger zu sich nehmen.“6).

Als Goethe nach Zirl die Martinswand passierte, vermerkte er: „Zu dem Platze, wohin Kaiser Maximilian sich verstiegen haben soll, getraute ich mir wohl ohne Engel hin und her zu kommen, ob es gleich immer ein frevelhaftes Unternehmen wäre.“7) Goethe schien gut auf die Reise vorbereitet gewesen zu sein, da er die Martinswand, samt der Anekdote, kannte. Kaiser Maximilian I. verstieg sich in dieser, als er bei der Jagd einer Gämse nachsetzte. Errettet wurde er nicht durch Engel sondern einen Jäger. Max war für die damalige Zeit ein hervorragender Alpinist, was er seinem Vater Ferdinand III. zu verdanken hatte. Max, der auch als letzter Ritter bezeichnet wird, erhielt die klassische Ausbildung und die bestand aus reiten, Turnierkampf, schießen, schwimmen, ringen, tanzen & hofieren und eben klettern.

Kaiser Max Grotte in der Martinswand bei Zirl, Tirol.

Kaiser Max Grotte in der Martinswand bei Zirl, Tirol.

Ob sich da der Herr Geheimrat nicht etwas überschätzte. In jungen Jahren litt der Meister unter extremer Höhenangst und versuchte sich diese als Student der Rechtswissenschaften in Straßburg abzutrainieren: „Ich erstieg ganz allein den höchsten Gipfel des Münsterturms, und saß in dem sogenannten Hals, unter dem Knopf oder der Krone, wie man’s nennt, wohl eine Viertelstunde lang, bis ich es wagte, wieder heraus in die freie Luft zu treten, wo man auf einer Platte, die kaum eine Elle ins Gevierte haben wird, ohne sich sonderlich anhalten zu können, stehend das unendliche Land vor sich sieht,  …“8)

Das Straßburger Münster mit seinem imposanten Nordturm.

Das Straßburger Münster mit seinem imposanten Nordturm.

In der Tat ein schwindelerregendes Unterfangen, denn der Nordturm des Straßburger Münsters war mit 142 m zu Goethes Zeiten das höchste Bauwerk der Menschheit, ganze drei Meter höher als die Cheops-Pyramide. Das Strassburger Münster ein imposantes Bauwerk, das sogar vom Schwarzwald aus zu sehen ist. Goethe war von dem Münster derart fasziniert, dass er in seinem Aufsatz „Von deutscher Baukunst“, den Werkmeister Erwin von Steinbach euphorisch als „Genius“ feierte.

Heute führt durch die Martinswand der Kaiser-Max Klettersteig, der als extrem schwer gilt, senkrecht mit Überhängen. Der Ort, an dem „Max“ festsass, ist der letzte Notausstieg. Dort wurde eine Andacht samt ein gut zu gehender, gesicherter Pfad für Jedermann in die Wand geschlagen. Schwindelfrei sollte der Besucher trotzdem sein!

Kaiser Max Grotte in der Martinswand bei Zirl, Tirol.

Kaiser Max Grotte in der Martinswand bei Zirl, Tirol.

Zu Tisch im Goldenen Adler zu Innsbruck.

Goethe erreicht zu Mittag die von Max geliebte Renaissance Stadt Innsbruck. Nicht die Italienische Reise aber die Analen9) des Gasthofs „Goldener Adler“ verraten, dass er dort zu Mittag ass. Der Gasthof war zu jener Zeit die erste Adresse in Innsbruck. Der europäische Adel kehrte auf Reisen dort regelmässig ein, wie auch Carlos primero am 6. April 1552. Auch Künstler liebten und lieben das altehrwürdige Haus: Heinrich Heine, Albert Camus oder Jean Paul Sartre logierten dort und verarbeiteten den Aufenthalt literarisch. Gleich gegenüber des Goldenen Adlers liegt die Ottoburg, eines der ältesten Gebäude von Innsbruck, 1180 von den Andechser Grafen als Wehrturm einer Burg erbaut, die es schon lange nicht mehr gibt. 1460 schenkte sie Kaiser Max seiner geliebten Kinderfrau, später wurde sie zum Gasthaus, das noch heute besteht.

Die Ottoburg in Innsbruck, Tirol.

Die Ottoburg in Innsbruck, Tirol.

Goethe, so heisst es, war zu Tisch in ein angeregtes Gespräch mit dem jungen Sohn des Wirtes gekommen. Er erkannte in ihm den „… leibhaftigen Söller …“10). In dem Lustspiel „Die Mitschuldigen“, bricht Söller in das Zimmer eines Gastes ein, öffnet mit einem Dietrich seine Schatulle und stiehlt einen grossen Geldbetrag. Ein fragwürdiges Kompliment. Ob das den Wirtsleuten bewusst war? Jedenfalls schien der Aufenthalt Goethe sehr zugesagt zu haben. Vier Jahre später kehrte er zusammen mit Herzogin Amalie von Sachsen-Weimar zurück und quartierte sich mit ihr zwei Tage im Goldenen Adler ein. Dass er gerade mit Amalie zurück kehrte, hatte seine Gründe. Unter dem Pseudonym A. Serena komponierte sie Opern und Kantaten, nachdem sie eine breite musikalische Ausbildung genossen hatte, Kompositionsunterricht bei keinem geringeren als Carl Maria von Weber genossen hatte. Als Amalie Heiter schrieb sie Theaterstücke, vornehmlich Lustspiele des leichteren Metiers, die zu ihrer Zeit recht populär waren, danach keine Würdigung mehr fanden.

Nach dem Essen bestieg der Geheimrat eine Kutsche. Es ging hinaus an den südlichen Stadtrand von Innsbruck. Italien lag vor der Türe. Innsbruck schenkte der Dichter keine weitere Aufmerksamkeit.

Durch die Sillschlucht zum Posthaus am Brenner.

Mariä Geburt – Wallfahrt zum Stift Wilten.

„Gesund und wohlhäbig, zu Scharen, wallfahrten sie nach Wilten, einem Andachtsorte, eine Viertelstunde von der Stadt gegen das Gebirge zu. Um zwei Uhr, als mein rollender Wagen das muntere bunte Gedränge teilte, war alles in frohem Zug und Gang.“11) Es ist der 8. September, Mariä Geburt und das barockisierte Stift Wilten im Süden von Innsbruck, an der Trienter Brücke und der Sillschlucht, erlebt gerade seine Blühte. Es wurde auf der alten römischen Siedlung „Veldidena“ von Laienpriestern errichtet und 1138 von den Prämonstratensern übernommen, die es bis heute bewirtschaften, führen und sich um die Seelsorge kümmern.

Das barocke Stift Wilten in Innsbruck, Tirol.

Wie so oft, lässt uns der Geheimrat über Reisedetails im Ungewissen. Er scheint an der Trienter Brücke, die am Ende der Sillschlucht über die Sill führt, aus dem Wagen gestiegen zu sein und die Sillschlucht hinauf zum Brenner durchstiegen zu haben. Eine strategisch bedeutende Brücke, die einzige zu jener Zeit über die Sill, die immer wieder, auch von Andreas Hofer, hartnäckig verteidigt wurde. Wer sie kontrollierte, kontrollierte das südliche Innufer bis Schwaz hinunter. Und sie muss auch von Innsbruck überquert werden, um die Sillschlucht zu durchsteigen, denn der Pfad durch diese läuft östlich und beginnt exakt an der Brücke.

Das barocke Stift Wilten in Innsbruck, Tirol.

Das barocke Stift Wilten in Innsbruck, Tirol.

Mit zwei Uhr mittags, war Goethe spät dran. Zum Posthaus am Brennerpass sind es über den Steig gut 35 Km, 850 Höhenmeter sind zu bewältigen, wofür jedenfalls acht Stunden mit Gepäck veranschlagt werden sollten. Der Steig ist teils anspruchsvoll und ohne Führer und Träger für den „Sackmantel *), hätte es wohl Goethe, in die Dunkelheit kommend und ohne Ortskenntnis, kaum alleine geschafft. Vielleicht bestieg der Geheimrat aber auch auf der Strecke im Posthaus Schönberg oder Matrei am Brenner eine Kutsche oder ein Pferd. Eine Reitausbildung hatte der Geheimrat wie auch im Fechten. Jedenfalls kam er am Abend des 8. September wohlbehalten im Posthaus am Brennerpass an. Wie er das schaffte, bleibt im Dunkel.

Durch die wildromantische Sillschlucht.

Die Sillschlucht zu durchsteigen, ist ein wunderbares Naturerlebnis. Auch heute ist es in der „hinteren Schlucht“ immer noch ganz einsam, da nur der erste, einfache Teil, von Spaziergängern begangen wird. An der Trienter Brücke öffnet sich die Schlucht weit, die Felsen stürzen vom Bergisel steil nach Innsbruck ab. Ein breiter Weg führt entlang der Sill, die friedlich durch eine breite sonnige und bewaldete Schlucht mäandert, jedoch begrenzt von steilen Felsen. Hier und da stürzt ein kleiner Wasserfall vom Hochplateau in Vill hinab. „Von Innsbruck herauf wird es immer schöner, da hilft kein Beschreiben. Auf den gebahntesten Wegen steigt man eine Schlucht herauf, die das Wasser nach dem Inn zu sendet, eine Schlucht, die den Augen unzählige Abwechselungen bietet.“12)

Schlagartig verengt sich die Schlucht, wird schattig, begrenzt von mächtigen Felswänden. Aus der bisher gutmütigen Sill, wurde zu Goethes Zeiten ein Wildbach, der heute vom Sillkraftwerk, oberhalb der Schlucht, gezähmt wird. Der breite Weg geht übergangslos in einen schmalen, glitschigen nassen Steig über, der die östliche Flanke der Schlucht hinauf klettert und teils 50 m über dieser verläuft. Ausrutschen wäre fatal. Heute begeht der Wanderer den „Hans Seberiny Steig“, der unter seiner Leitung vor gut 80 Jahren angelegt wurde. Näheres ist nicht mehr bekannt.

Mangels Optionen in der Schlucht, wird wohl auch Goethe eine ältere Variante dieser Wegführung begangen haben. So überraschend sich die Schlucht verengt, so plötzlich öffnet sie sich wieder. Ein letzter Wasserfall stürzt im Westen von den Natterer Hochplateau hinab, ihm folgen saftige Wiesen an erst steileren, dann sanfteren Hängen. Wenn der Weg nah am schroffsten Felsen hergeht, ja in ihn hineingehauen ist, so erblickt man die Seite gegenüber sanft abhängig, so daß noch kann der schönste Feldbau darauf geübt werden.“13) Der Geheimrat ist am „Färberbach“ angekommen, an dem auf das erste Gehöft nach der Schlucht gestossen wird. Der Hof samt Färberei am Bach, wurde exakt im Jahre 1786 errichtet. Goethe muss es im November bereits im neu erbauten Zustand passiert haben.

Am Färberbach hat die Sill den Felsriegel vor Innsbruck durchbrochen. Es wird weit, ein einfacher Weg führt weiter nach Mühlbachl, wo der nächste Felsriegel wartet. Bis dahin „… liegen Dörfer, Häuser, Häuschen, Hütten, alles weiß angestrichen, zwischen Feldern und Hecken auf der abhängenden hohen und breiten Fläche. Bald verändert sich das Ganze; das Benutzbare wird zur Wiese, bis sich auch das in einen steilen Abhang verliert.“14)

In Mühlbachl überquerte einst die Römerstrasse die Sill und verlief ab dann westlich des Flusses hinauf zum Brenner. An jener Brücke vereinte sich dann die theresianische Postkutschen Strasse, heute als Bundesstrasse, mit jener. Goethe hätte also auch bequem eine „Postchaise“*) hinauf zum Brenner nehmen können, die über die Poststationen Schönberg, Matrei am Brenner und Griess am Brenner hinauf führte.

Die Schlucht hinauf zum Brennerpass, mit 1.370 m der niedrigste Alpenpass, wird immer imposanter, eingerahmt von mächtigen Felsen, jedoch recht weit und einfach zu begehen. Spät abends muss Goethe das Posthaus am Brenner erreicht haben und nahm dort Quartier in der Nacht auf den 9. September. „Nun bin ich hier, finde ein sehr sauberes bequemes Gasthaus; Will ausruhen, meine vergangenen Tage überlegen und alles … in Ordnung bringen, auch mich zu weiterer Reise zu bereiten.“15)

Bahnstation und Posthaus am Brenner im Jahr 1868.

Bahnstation und Posthaus am Brenner im Jahr 1868.

Intermezzo: Der Brenner wird wieder befahrbar – die „Inkammerierung“ der Taxis’schen Post durch Maria Theresia.

Dass Goethe in der Nacht des 9. September 1786 eine Postkutsche nach Roveredo*) via Sterzing, Brixen, Bozen, Trient besteigen konnte, hatte er (Titular-) Kaiserin Maria Theresia (* 13.5.1717, Wien – † 29.11.1780 ebenda) zu verdanken, denn eine Postkutschen taugliche Strasse, liess die Kaiserin erst 9 Jahre zuvor anlegen.

Von der High-tech Römerstrasse zum primitiven Saumpfad.

In der Antike war der Brenner, als niedrigster Pass der Alpen, für die Römer der wichtigste Übergang in die nördlichen Provinzen. Sie bauten ihn mit einer wetterfesten Strasse, der Via Raetia“ aus, die sogar das anspruchsvolle Eisacktal meisterte. Die Via Raetia hätte mit der heutigen Strassenbautechnik problemlos mitgehalten. Drei Schichten Unterbau wurden angelegt, die Strasse selbst mit zugeschlagenen Basaltplatten gepflastert, Begrenzungssteine an den Rändern sowie links und rechts Quader für den Fussweg gesetzt. Die maximale Steigung war definiert und entsprach jener, die ein beladener Karren, von zwei Ochsen gezogen, bewältigen konnte. Die Spurweite der Karren war ebenso genormt. Über die Jahre entstanden schienengleiche Rillen in den Basaltplatten, in denen die Räder der Karren liefen.

Mit dem Zusammenbruch der Kultur und Technologie der Antike, begann in Europa die „dunkle Zeit“. Europa fiel in seiner Entwicklung Jahrhunderte zurück, bis endlich die Renaissance den Kontinent wieder wach küsste. Der Warenverkehr wurde im Mittelalter wieder primitiv auf Saumpfaden von Trägern abgewickelt, die Römerstrassen verfielen und gerieten in Vergessenheit. Auch über den Brenner ging es nur noch zu Fuss. Relikte der Via Raetia, wurden am nördlichen Ufer des Brennersees beim ehemaligen Gasthof Taxer freigelegt.

Antike Römerstrassen – Via Appia, Rom.

Antike Römerstrassen – Via Appia, Rom.

Taxis’sche Post – Postkurs über den Brenner.

Im 16. Jhd. wurde dem Adelsgeschlecht der Taxis das Privileg erteilt, im Heiligen Römischen Reich die kaiserliche Kurierpost abzuwickeln und ihnen erlaubt, sich folgend in Thurn und Taxis umzubenennen, ein lombardisches Geschlecht des Hochadels. Damit kann Karl V. als Gründer der ersten europäischen Post gesehen werden. Mit ihr und dem exzellenten Nachrichtendienst der Fugger, wusste er binnen Tagen, was in seinem Reich, in dem die Sonne nie unterging, geschah. Essentiell für Karl V., denn er regierte „aus dem Sattel“, war immer auf Reisen, um das mächtige Reich zusammen zu halten.

Karl V. – Carlos primero.

Karl V. – Carlos primero (Jakob Seisenegger, 1532).

Sämtliche wichtigen Dokumente führte Karl V. auf seinen Reisen in einem kastenförmigen Wagen, der einem damaligen Leichenwagen glich, mit. Als sich Karls Gesundheit begann zu verschlechtern, führte das zum Gerücht, Karl hätte in Anbetracht des nahen Todes, immer einen Sarg auf Reisen bei sich. Dieses Gerücht hält sich bis in die heutige Zeit hartnäckig.

Die Taxis’sche Post transportierte von beginn an auch Privat- und Geschäftspost und stieg alsbald in die Personenbeförderung ein, die bis heute in den österreichischen „Postbussen“ weiter lebt. Der Verweis auf den „cursus publicus“ als erste Post Europas, initiiert von Gaius Iulius Caesar, ausgebaut durch Kaiser Augustus, hinkt, denn mit ihr wurden nur staatliche Dokumente transportiert, wie dies auch ab dem 30ig-jährigen Krieg bei der Schwedischen Post üblich war.

Thurn und Taxis richteten bereits 1522 einen Postkurs über den Brenner ein, auf dem Postreiter unterwegs waren. Ihre Geschwindigkeit verdankte die Taxis’sche Post dem Bau von Relaisstationen, Posthäusern, an denen die Pferde gewechselt wurden. Alle zwei Meilen befand sich eine solche Station, wobei es sich nicht um geographische Meilen handelte, sondern eine Strecke von zwei Stunden, die auf der jeweiligen Route bewältigt werden konnte. Die Postreiter kündigten ihre Ankunft mit dem typischen Signal des Posthorns an, damit das frische Pferd schon bereit stand. Thurn und Taxis setzte durch, dass dieses markante Signal ausschliesslich von der Taxis’schen Post genutzt werden durfte. Es war somit die erste verbriefte Klangmarke der europäischen Geschichte.

Maria Theresia – Inkammerierung der Taxis’sche Post.

1769 beschloss die aufklärerisch beeinflusste Kaiserin Maria Theresia, die Taxis’sche Post zu „inkammerieren“. Heute wird das Verstaatlichung genannt. Thurn und Taxis blieb jedoch ihr Jagdsitz in Lans über Innsbruck, der Grünwalder Hof in prächtiger Lage, den sie 1550 erwarben. Poststation, wie bisweilen vermutet, war er nie. Erst 1777, technische Gründe waren die Ursache, liess die Kaiserin den Brennerpass zu einer Postkutschen tauglichen Strasse ausbauen. Das war keine einfache Sache, denn die Römerstrasse durch das anspruchsvolle Eisacktal war schon lange verfallen. Ein befahrbarer direkter Brennerzugang existierte nicht mehr. Der Fahrverkehr musste einen grossen Umweg über den Kreuzbergpass ab Sterzing via Bruneck und Sexten nach Bozen ins Etschtal nehmen. Wie heute, fiel auf der Strecke ordentlich Maut an.

Bozen – bedeutender Verkehrsknotenpunkt und Handelsplatz im Etschtal.

Bozen – bedeutender Verkehrsknotenpunkt und Handelsplatz im Etschtal.

Doch auch, wenn immer mehr alte Römerstrassen wieder zu befahrbaren Verkehrswegen ausgebaut wurden, ging es anfänglich sehr gemütlich zu. In der Pionierzeit schafften Postkutschen gerade einmal eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 2 Km/h. Zu Goethes Zeiten betrug sie bereist 5,5 – 7,5 Km/h, was sich mit den Zeitangaben des Meisters in der Italienischen Reise deckt. Das Reisen in den Postchais*) war ein holpriges und anstrengendes Vergnügen, nur schwach gefedert. Sie boten zwei bis vier Sitzplätze, die Postillions sassen oben hinter der geschlossenen Passierkabine, damit die Reisenden über ein Frontfenster die Landschaft geniessen konnten. Eine Postkutschenreise war, wie einst eine Flugreise in der Pionierzeit, nur etwas für Vermögende.

Eilig vom Brenner nach Trient und Rovereto.

Nachdem Goethe die Sillschlucht durchwandert hatte und in der Nacht vom 8. auf den 9. September im Posthaus am Brenner Quartier genommen hatte, wollte er sich am nächsten Tag erholen und auf die weitere Reise vorbereiten. Es war ein Samstag, er sass den ganzen Tag über Manuskripten, fühlte sich sichtlich wohl. Er freute sich, in einem „… wohlgebauten, reinlichen, bequemen Hause …“16) rasten und arbeiten zu können. Im späten Licht versuchte der viel begabte Meister noch „… die Herberge, das Posthaus auf dem Brenner, in seiner Lage zu zeichnen, aber es gelang nicht …“17) weshalb der Geheimrat „… verdrießlich nach Hause kam.“18).

Dort erwartete ihn schon das nächste Ungemach, denn der Postwirt wollte ihn sogleich wieder auf Weiterreise schicken: „Der Wirt fragte mich, ob ich nicht fort wollte, es sei Mondenschein und der beste Weg, und ob ich wohl wußte, daß er die Pferde morgen früh zum Einfahren des Grummets*) brauchte und bis dahin gern wieder zu Hause hätte, sein Rat also eigennützig war, so nahm ich ihn doch, weil er mit meinem innern Triebe übereinstimmte, als gut an. … ich packte ein, und um sieben Uhr fuhr ich weg. Die Atmosphäre ward über die Wolken Herr und der Abend gar schön.“19)

Bozen, planmässig als Marktsiedlung errichtet – der zentraler Markplatz genannt Kornplatz.

Bozen, planmässig als Marktsiedlung errichtet – der zentraler Markplatz genannt Kornplatz.

Rasant geht es den Brennerpass nach Sterzing hinunter: „Der Postillon schlief ein, und die Pferde liefen den schnellsten Trab bergunter, immer auf dem bekannten Wege fort …“20) So wurde schon um neun Uhr abends Sterzing, erreicht. Dort wurden die Pferde gewechselt  und es ging auf einer Gewalttour, mit mehrmaligem Wechseln des Gespanns, durch die Nacht. „Bei heiterm Sonnenschein kam ich nach Bozen. … Ein absichtliches, wohlbehagliches Dasein drückt sich recht lebhaft aus. Auf dem Platze saßen Obstweiber mit runden, flachen Körben, über vier Fuß im Durchmesser, worin die Pfirschen nebeneinander lagen, daß sie sich nicht drücken sollten. Ebenso die Birnen.“21) Immer wieder begeistert sich Goethe in der Italienischen Reise für das hervorragende Obst, die Feigen und Trauben und meint mit trockenem Humor: „Sie haben lange kein so gutes Jahr gehabt; es gerät alles; das Üble haben sie uns zugeschickt.“22)    

Das fruchtbare Südtirol – Apfelhaine an den Südhängen.

Das fruchtbare Südtirol – Apfelhaine an den Südhängen.

Bei herrlichem Sonnenschein geht es weiter. Begeistert beobachtet Goethe die vielen Obstplantagen an den Hängen, die an ihm vorbei ziehen, geniesst die stärker werdende südliche Sonne nach dem kalten, verregneten Sommer in Weimar und verspürt das, was auch heute Nordtiroler so magisch nach Südtirol, das Trentino den Lago zieht, wenn daheim schon der Winter anklopft, jenseits des Brenners noch sommerliches Wetter bis weit in den Herbst hinein herrscht. Es ist ein Gefühl aus Sehnsucht nach Süden und einer intensiven Lebenslust. Als der Dichter Trient erreicht, vermerkt er in seinem Tagebuch: „Und nun, wenn es Abend wird, bei der milden Luft wenige Wolken an den Bergen ruhen, am Himmel mehr stehen als ziehen, und gleich nach Sonnenuntergang das Geschrille der Heuschrecken laut zu werden anfängt, da fühlt man sich doch einmal in der Welt zu Hause und nicht wie geborgt oder im Exil. … Auch der Abend ist vollkommen milde wie der Tag.“23)

Das fruchtbare Südtirol – Apfelhaine an den Südhängen.

Das fruchtbare Südtirol – Apfelhaine an den Südhängen.

Goethe spaziert in Trient umher und sucht sich einen Führer, der ihm die „Merkwürdigkeiten“*) der Stadt zeigen solle. Kein gutes Haar lässt er an der Stadt: „… daran bemerkte der gute Mensch aber nicht, daß es nämlich das einzige Haus von gutem Geschmack ist, das ich in Trient gesehen habe, in einer älteren Zeit gewiß von einem guten Italiener aufgeführt“24) Der Geheimrat scheint durch die strapaziöse Passage vom Brenner bis nach Trient, eher launische als sachliche Blicke auf die Stadt zu werfen. Trient wartet mit dem Palazzo Pretorio samt dem Torre di Piazza, erstmals 1071 urkundlich erwähnt, oder dem Castello del Buonconsiglio mit herrlicher venezianischen Loggia, dem wichtigsten Profanbau des Trentino, auf. Auch der Dom von Trient wäre einen Besuch wert gewesen. Immerhin wurde Maximilan I. in diesem, am 4. Februar 1508, zum Kaiser des heiligen römischen Reichs gekrönt, da ihm der Papst, aus machtpolitischen Gründen, den Einzug nach Rom verwehrte. Da hatte der Geheimrat wohl einen schlechten Führer.

Trient – Castello del Buonconsiglio mit der Venezianischen Loggia.

Trient – Castello del Buonconsiglio mit der venezianischen Loggia.

Auch in Sachen Sprache, hätte der Geheimrat viel zu entdecken gehabt. Nicht nur, dass genau hier, die Bruchlinie des Deutschen zum Italienischen beginnt, die Stadt ist ein Schmelztiegel kultureller Einflüsse, auch sprachlich. Hier prallen nicht nur Deutsch und Italienisch aufeinander, auch die zwei Oberdeutschen Sprachen Fresentalerisch und Zimbrisch, sowie das Ladinische, wohl ein romanischer Dialekt, aufeinander. Vor allem das Ladinische wurde zu jeder Zeit, auch heute noch, gepflegt. Die Wissenschaft sagt dazu gerne Rätoromanisch, was den Ladinern weniger gefällt. Sprachwissenschaftler sind sich bis heute nicht sicher, wo es einzuordnen sei. Egal, wer in Oberitalien mit dem schönen Gruss „Allegra“ empfangen wird, weiss, er hat es mit einem traditionsbewussten Ladiner zu tun. Es heisst soviel wie „Freu dich!“, das ist doch eine sympathische Lebenseinstellung.

Trient – Basilika Santa Maria Maggiore.

Trient – Basilika Santa Maria Maggiore.

Der Meister hätte viel zu studieren gehabt, aber er war wohl zu „verdrießlich“. Nachdem er den 10. September in Trient verbracht und wenig gesehen und noch weniger gehört hatte, bestieg er um fünf Uhr abends die Postkutsche nach Roveredo*), was nur eine Poststation ist, rund 25 Km.

Am nächsten Tag in Roveredo den 11. September scheint sich die Laune Goethes wieder zu heben. Er berichtet, dass das erste Mal einen „stockwelschen Postillion“ gehabt hätte und sein Wirt im Ort des Deutschen in keiner Silbe mächtig wäre. „… ich muß nun meine Sprachkünste versuchen. Wie froh bin ich, daß nunmehr die geliebte Sprache lebendig, die Sprache des Gebrauchs wird!“25) Der Dichterfürst freut sich schon auf die Arena in Verona, die zum Greifen nahe liegt, doch „Heute abend hätte ich können in Verona sein, aber es lag mir noch eine herrliche Naturwirkung an der Seite, ein köstliches Schauspiel, der Gardasee, den wollte ich nicht versäumen, und bin herrlich für meinen Umweg belohnt.“26)

Von Rovereto durch das Camaras Tal zum Passo San Giovanni.

Wer die Italienischen Reise studiert stellt fest, Goethe sass gerne am Tag über seinen Manuskripten oder brach zu Erkundungen auf. Die Postkutschen bestieg er am liebsten gegen Abend. So wie das heute viel beschäftigte Geschäftsleute tun. „Tagesrandverbindungen“ werden sie sperrig genannt. So nimmt Goethe auch in Roveredo*) gegen fünf Uhr nachmittags die Kutsche nach Torbole.

Der verlandete Lago die Loppio im Camaras Tal.

Der verlandete Lago die Loppio im Camaras Tal.

Auch der neuzeitliche Reisende verlässt heute noch bei Rovereto die Autostrada an der Abfahrt Casello Rovereto Sud, so er an den nördlichen Gardasee nach Riva, Malcesine, Limone oder eben Torbole möchte. Er umfährt lediglich Mori in einem Tunnel, der den Ort vor dem regelmässigen Verkehrschaos erlöste. Doch dann folgt die alte, schmale und kurvige Bundesstrasse wieder exakt dem Kurs Goethes. Es geht durch das schöne Cameras Tal. In weitem Talboden wird Jahrtausende alte Kulturlandschaft durchquert. Weinreben, Haine von Obstbäumen, jedes Stück Land ist genutzt. Goethe zeigte sich begeistert, die ersten Feigenbäume auszumachen. Für das Maulbeergewächs hatte er eine ausgesprochene Vorliebe. Schon in den Leiden des jungen Werthers, isst der Protagonist Feigen, um seine Stimmung zu heben. Gegen Westen und den Gardasee verjüngt sich das Cameras Tal immer mehr, wird eng und schattig, die schmale Strasse kurvt zum Pass San Giovanno empor.

Der verlandete Lago die Loppio im Camaras Tal.

Der verlandete Lago die Loppio im Camaras Tal.

Der Geheimrat hatte noch das Vergnügen, vor dem Anstieg zum Pass, den Lago di Loppio zu passieren. Auf der Insel Santa Andrea de Loppio, wurden in den 1980igern römische Siedlungsreste entdeckt und freigelegt. Der See war von der Römerzeit, über die Republik Venetien bis zu Kaiser Maximilan I., von grosser strategischer Bedeutung, um die Handelsroute Gardasee Nord – Etschtal zu kontrollieren. Gut zwei Kilometer muss die Kutsche des Dichters am Ufer des wunderschön gelegenen Sees entlang gerollt sein. Die schmale alte Bundesstrasse verläuft immer noch ebenso. Heute jedoch ist der Lago di Loppio nur noch ein Sumpf, von Zugvögel geliebt.

Beginnend 1953 wurde der durch Fels geschlagene Etsch-Gardaseekanal angelegt, der das Cameras Tal vor den regelmässigen Überschwemmungen des Talbodens durch die Etsch schützt. Führt die Etsch Hochwasser, wird es einfach in den Gardasee abgeleitet. Der mächtige Kanal beginnt im Felsen bei Mori und mündet am südlichen Stadtrand von Torbole in den Gardasee. Ein imposantes Loch, einem Autobahntunnel gleich, klafft in einer Felswand und stellt den Touristen vor ein Rätsel. Gleichzeitig wurden die Quellen des Lago die Loppio mit Drainagen in den Hauptkanal abgeleitet, ohne weiteren Grund. Illegaler Landgewinn war wohl das Motiv, das nicht aufging. Details kamen nie ans Licht. Ab dem Trentino ist eben heute Italien.

Römische Siedlung auf der Insel San Andrea im Lago di Loppio.

Römische Siedlung auf der Insel San Andrea im Lago di Loppio.

Recht genau vor dem See, wird das Cameras Tal im Norden vom Monte Bondone (2180 m) und dem Monte Baldo (2228 m) eingerahmt, mit dem Monte Tremalzo (1974 m) im fernen Westen, die drei markanten Gardasee Berge. Monte Baldo und Monate Bondone lassen sich aus dem Tal nur erahnen. Eine Passstrasse zweigt nach Norden zum Monte Bondone ab. Die Strasse quert unterhalb des Gipfels auf einem Pass (1650 m) den Berg ost-west und erreicht Torbole via Arco. Eine landschaftlich reizvolle Alternative. Rennradfahrer aus Torbole nutzen die kurvige alte Passstrasse gerne als reizvolle Rundtour mit giftigen Höhenmetern und kehren über Goethes Kurs retour. Mountainbiker zweigen am Pass auf einen Jeepweg hinauf zum Gipfel ab.

Maria Theresia grüsst – vom Passo die Giovanni hinunter nach Torbole.

Nachdem sich die Strada Statale 240 im hinteren, engen und schattigen Cameras Tal zum Passo die Giovanni (287 m) hinauf geschraubt hat, wird der Reisende von gleissendem Sonnenlicht und unverschämt eleganten Zypressen empfangen, die hoch in den Himmel ragen. Ja, das ist endgültig Italien, wie es sich der Nordländer vorstellt. Weite Blicke werden in Richtung Monte Tremalzo frei gegeben. Es geht leicht kurvig durch Weinreben hinunter nach Nago. Goethe berichtet, die ersten Ölbäume auszumachen. Wunderbare Gärten mit Olivenbäumen, finden sich heute auf den südlichen Plateaus über Nago, die über einen Feldweg erreicht werden.

Ölbäume am Passo die San Giovanni in Nago, hoch über Torbole.

Ölbäume am Passo die San Giovanni in Nago, hoch über Torbole.

Von Nago geht es steil nach Torbole hinunter. Exakt 219 Höhenmeter sind es in gewagtem Gefälle abwärts, so steil, das LKW Fahrverbot herrscht. „Wenn man hinaufkommt, liegt ein ungeheurer Felsriegel hinten vor, über den man nach dem See hinunter muß.“27) Einsam und entlegen war Torbole, mit dem Etschtal über Nago nur durch einen Steig verbunden. Das änderte sich erst, als Kaiserin Maria-Theresia die erste Strasse hinunter anlegen liess und diese 1765 höchstpersönlich mit ihrem Sohn Erzherzog Kaiser Josef II. (* 13.3.1741, Schloss Schönbrunn, Wien – † 20.2.1790, Wien) eröffnete. Kein Zufall, denn sie liebte den Gardasee.

Portrait der elfjährigen Maria Theresia von Andreas Möller, 1728.

Portrait der elfjährigen Maria Theresia (Andreas Möller, 1728).

Goethe konnte bereits die neue Strasse nutzen. „Wenn man hinabkommt, liegt ein Örtchen am nördlichen Ende des Sees und ist ein kleiner Hafen oder vielmehr Anfahrt daselbst, es heißt Torbole.“28). Nun trägt die Strasse den Namen Via Europa, die schnurgerade zum heutigen Piazza Goethe herunter führt, mitten ins kleine Zentrum von Torbole. Nur kurz vor dem Piazza macht die Via Europa eine scharfe S-Kurve, um besagten Felsriegel zu umkurven. Direkt 80 Höhenmeter senkrecht über dieser Kurve, liegt das historisch bedeutende Castill Penede. Wie es Goethe nicht erwähnen konnte ist überraschend, dichtete doch dort oben Dante für sein Werk Die göttliche Komödie einige Zeilen. Lago di Loppio und nun Castill Penede unbeachtet passiert? Recht überraschend beim akribischen Geheimrat.

Torbole – Virgil, Dante und Goethe.

Das bescheidene Quartier des Geheimrates.

Der Piazza Goethe ist das kulturelle Zentrum von Torbole. Am Beginn der Via Europa prangt ein unbeachtetes und unauffälliges Schild und erinnert stolz, dass diese Strasse von Kaiserin Maria Theresia in Auftrag gegeben und von ihr persönlich eröffnet wurde. Goethe fand direkt am Piazza seine Bleibe, ein winziges Haus venezianischen Ursprungs, wohl aus dem Jahre 1439, mit wenig Komfort, weshalb er auch nur eine kurze Nacht in ihm vom 12. auf den 13. September verbrachte.

Ursprünglich war es ein Nutzgebäude für den Hafen. Ein kunstvolles Bogengewölbe verband die Piazza mit dem Porto. Venezianer liebten es eben stilvoll. Als Goethe sein Quartier bezog, war das Gewölbe jedoch zugemauert. Nach den Hungersnöten, die von 1764 bis 1784 andauerten, erreichte Goethe Torbole zwei Jahre nachdem sich die Lage gebessert hatte. Aus dem venezianischen Nutzgebäude, war mittlerweile zum Teil ein Getreidelager für Notzeiten geworden, das aus hygienischen Gründen mit schönen Bodenplatten versehen wurde. Heute ist der Durchgang wieder offen, die schönen (original) Platten unterbrechen die groben Pflastersteine und erinnern an das Lager, über dem der Geheimrat wenig standesgemäss nächtigen sollte.

Torbole, Blick auf das Goethehaus mit seinem Durchgang zum Piazza Goethe.

Torbole, Blick auf das Goethehaus mit seinem Durchgang zum Piazza Goethe.

Es verwundert nicht, das 1786 dieses Haus wenig Luxus bot, was Goethe ausgiebig bemängelte und gewissenhaft, einer Mängelliste gleich, aufzählte: „… zweitens sind die Fenster mit Ölpapier statt Glasscheiben geschlossen; …“29). Doch es kam noch schlimmer für den Geheimrat, der einen gewissen Lebensstil pflegte: „… drittens fehlt eine höchst nötige Bequemlichkeit*), so daß man dem Naturzustande hier ziemlich nahe kömmt. Als ich den Hausknecht nach einer gewissen Gelegenheit fragte, deutete er in den Hof hinunter. »Qui abasso può servirsi!« Ich fragte: »Dove?« – »Da per tutto, dove vuol!« antwortete er freundlich.“30) Die Tür der Kammer kam auch „dem Naturzustand“ gleich, denn sie besass kein Schloss, was Goethe ebenso echauffierte. Der Wirt aber versicherte: „ … ich könnte ganz ruhig sein, und wenn alles, was ich bei mir hätte, aus Diamanten bestünde …“ 31). Die Kammer entsprach zwar nicht den Ansprüchen des Geheimrates in Sachen Komfort, in Bezug auf die Aussicht schon. Der See konnte bis weit hinunter nach Süden eingesehen werden und der geschäftige Hafen lag direkt zu seinen Füssen.

Der Porto von Torbole.

Der Porto erlebte gerade nach der venezianischen Zeit (1439 – 1509) seine zweite Blühte, denn Maria Theresia liess ihn ausbauen, um die Handelsroute ins Etschtal zu stärken. Eine Kuriosität am Rande: Im zweiten Weltkrieg war das Trentino der Operationszone Alpenvorland zugeteilt. Befehligt wurde sie von Oberst Hans-Wolfgang von Schleinitz, der seine Kommandantur in Bozen hatte und direkt Adolf Hitler unterstellt war. Er nahm die Verteidigung des Gardasees anscheinend sehr ernst und liess im Hafen von Torbole, direkt vor dem Hotel Benaco Nodari Giovanni & C., welches noch heute, unter selbigem Namen, existiert, ein mini U-Boot an den Kai legen. Zur Abschreckung? Das hat schon Monty Python Qualität. Es feuerte nie einen Torpedo ab. Kurz bevor die 10th Mountain Division der US Army am 30. April 1945 in Torbole einrückte, dummer Weise über Land und nicht den See wie geplant, wurde das U Boot auf den Lago hinaus gefahren und versenkt.

Historisches Hafenmeister und Zollhaus im Hafen von Torbole, Blick Richtung Goethe Haus.

Historisches Hafenmeister- und Zollhaus im Hafen von Torbole, Blick Richtung Goethe Haus.

Zu Tisch – Forellen aus dem Sarcatal.

Als es „zu Tische“ ging, fiel das Urteil des Dichters nicht so harsch wie bezüglich seiner Kammer aus. „Der Wirt verkündigte mir mit italienischer Emphase*), daß er sich glücklich finde, mir mit der köstlichsten Forelle dienen zu können. Sie werden bei Torbole gefangen, wo der Bach vom Gebirge herunter kommt und der Fisch den Weg hinauf sucht.“32) Der Wirt sprach das wunderschöne Sarcatal an, in dem der Gebirgsfluss Sarca am Ort Arco vorbei bei Torbole in den Gardasee mündet. Die Sarca entspringt im Norden im Adamello-Brenta-Massiv und durchfliesst ein wildromantisches bis idyllisches Tal. Dabei speist sie mit ihrem sauerstoffreichen Wasser auch fischreiche Seen wie den Lago di Cavédine, aus dem Sorten wie Felche, Bachforelle, Flussbarsch, Hecht, Karpfen und Schleie gezogen werden.

Castel Toblino am Lago di Toblino im Sarcatal.

Castel Toblino am Lago di Toblino im Sarcatal.

Was der Wirt Goethe nicht berichtete, dass das Sarcatal eine der besten Adressen für den italienischen Grappa ist, der aus lokalem Weisswein destilliert wird. Interessante Weiser machten ihn die geschäftstüchtigen Jesuiten im 16. Jhd. populär. Der Meister fällt jedenfalls ein gnädiges Urteil über sein „Nachtmal“: „Es sind keine eigentlichen Forellen, groß, manchmal funfzig Pfund schwer, über den ganzen Körper bis auf den Kopf hinauf punktiert; der Geschmack zwischen Forelle und Lachs, zart und trefflich.“ 33)

Das Leben in Torbole – sorglos und geschwätzig.

„Nach Tische“ erkundete Goethe noch Ort und Umgebung: „In der Abendkühle ging ich spazieren und befinde mich nun wirklich in einem neuen Lande, in einer ganz fremden Umgebung. Die Menschen leben ein nachlässiges Schlaraffenleben …“34) Noch ist Goethe kein Italienkenner. Der Hang des Italieners zur permanenten Kommunikation, sprachlich wie mit Händen, die auch gerne ins theatralische abgleitet, scheint ihm noch fremd und überraschend: „Durchaus zeigt sich die größte Sorglosigkeit, doch Leben und Geschäftigkeit genug. Den ganzen Tag verführen die Nachbarinnen ein Geschwätz, ein Geschrei, und haben alle zugleich etwas zu tun, etwas zu schaffen. Ich habe noch kein müßiges Weib gesehn.“ 35)

Hafen von Torbole, Lago di Garda.

Hafen von Torbole, Lago di Garda.

Auch konnte der Geheimrat von gesunden Menschen berichten: „Am Gardasee fand ich die Leute sehr braun und ohne den mindesten rötlichen Schein der Wangen, aber doch nicht ungesund, sondern ganz frisch und behaglich aussehend.“36) Er spielt auf die blass und hager aussende ländliche Bevölkerung an, die er in Südtirol antraf. Zu Goethes Zeiten hatten diese auch kein angenehmes Leben, wurden von Grundherren ausgepresst, Fleisch kam nie auf den Tisch. Auch den Weinbauern ging es nicht viel besser. Sie wurden von Händlern nach allen Regeln der Kunst ausgebeutet. In schlechten Jahrgängen liehen diese ihnen das Geld zum Leben, in den guten, mussten sie Kredit und Zinsen mit dem Wein der vortrefflichen Jahrgänge zurück zahlen. Sie gerieten immer tiefer in Schulden und Abhängigkeit. Goethe vermerkt dazu in der Italienischen Reise mit anteilnehmender Resignation. „Doch das ist überall dasselbe.“37)

Aufbruch nach Verona.

Goethe will am nächsten Tag schon weiter nach Verona. Die Arena di Verona ging seit Reiseantritt in seinem Kopf umher, er konnte es nicht erwarten, sie zu sehen. „Nach Mitternacht bläst der Wind von Norden nach Süden, wer also den See hinab will, muß zu dieser Zeit fahren; denn schon einige Stunden vor Sonnenaufgang wendet sich der Luftstrom und zieht nordwärts.“38) Das hiess früh aufbrechen am Mittwoch, den 13. September. Goethe verbrachte eine kurze Nacht in seiner ungeliebten Kammer.

Intermezzo: Castill Penede.

Goethe ignorierte es, Dante dichtete dort.

Am Dienstag, den 12. September 1786, passierte Goethe das Castill Penede unbemerkt oder uninteressiert – wer weiss – wie auch den Lago di Loppio im Cameras Tal. Zu seiner Verteidigung muss vorgebracht werden, dass der französische Marschall duc de Vendôme, Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Italien, im Oktober 1703 Castill Penede im Zuge des spanischen Erbfolgekrieges sprengen liess, bevor er weiter gegen den Brenner zog. Verdient hätte das Castill die Aufmerksamkeit des Geheimrates dennoch, inspirierte doch die grandiose Aussicht Dante Alighieri (1265 – 1321) dort oben, einige Zeilen in der Burg für seine Divina Commedia zu dichten:

„Ein See liegt an des schönen Welschlands Rande,
Am Fuß des Alpgebirgs, das Deutschland schließt,
Benaco*) heißend, beim Tiroler Lande.
Zwischen Camonica und Gard ergießt,
Und Apennin, sich Flut in tausend Bächen,
Die in besagtem See zusammenfließt.“ 39)

Dante Alighieri war mit dem Geschlecht der Castelbarcos befreundet, denen die Burg in Arco, umfangreiche Ländereien am Lago di Garda und im Sarcatal, sowie auch die Burg Castill Penede gehörte, zeitweilig zumindest. Dante verbachte 1315 und 1316 einige Zeit am Lago bei den Castelbarcos.

Die Büste des Dante Alighieri in Torbole, Lago di Garda.

Die Büste des Dante Alighieri in Torbole, Lago di Garda.

Das Castill liegt auf einem Bergsporn, der 80 m senkrecht nach Torbole, ziemlich genau zum Piazza Goethe, abfällt. Funde weisen bereits urzeitliche Besiedelungen nach, denn der Bergsporn bot hervorragenden Schutz und weite Sicht, um potentielle Angreifer rechtzeitig auszumachen. Auch Reste einer römischen Nekrepolis, samt römischen und gotischen Münzen, wurden gefunden. Mit der Zeit, vor allem auch schon unter den Castelbarcos, entwickelte sich das Castill jedoch primär zu einem strategischen Posten. Der Handelshafen von Torbole, der direkt unter dem Castill liegt, sowie der Übergang ins Etschtal, der Passo die Giovanni, liessen sich mit dem Castill hervorragend kontrollieren. Wer im Besitz des Castills war, kontrollierte den Warenverkehr. Mit dem Castello di Arco, das uneinnehmbar auf einem frei im Tal stehenden „Felsklotz“ thront, kontrollierten die Castelbarcos den Zugang zum fruchtbaren Sarca Tal und seinem Fischreichtum. Doch die Castelbarcos waren nicht die Ersten auf dem Felsen. Siedlungsreste aus dem 300 Jhd. v.Chr. wurden entdeckt.

Beide Burgen hoben Zölle ein, die überaus reich ausfielen und dem Adelsgeschlecht sowie dem Fürstbischof von Trient zu Gute kamen. Überdies standen dem Königshaus jährlicher Fruchtzins aus der Region zu, wie beispielsweise Forellen aus dem Sarcatal, die Goethe beim Nachtmahl in Torbole lobte. Es mag aus heutiger Sicht verwundern, dass der Warenverkehr aus der Poebene, vor allem Getreidesorten und der Transport von Wein und Früchten aus Südtirol und dem Trentino, wie auch der Salzhandel aus Hall in Tirol und anderes, nach Süden, den offensichtlichen Umweg über den Lago di Garda wählte und nicht schnurgerade den Weg durch das Etschtal nahm. Das hatte Gründe.

Der Lago di Garda als Güterverkehrsroute.

Das Etschtal litt unter regelmässigen Überschwemmungen und ging Richtung Poebene in eine Malaria verseuchte Sumpflandschaft über. Durch Trockenlegungen und sprühen von DDT durch die amerikanischen Streitkräfte nach dem WK II., konnte der Anopheles*) nach und nach der Gar ausgemacht werden und fester Boden gewonnen werden. Die erste Bahnverbindung Brenner-Verona, die Ferrovia del Brennero, kam erst spät. Der Bau begann 1864 und dauerte drei Jahre. Die Schlüsselstelle war das schwierige Eisacktal, ab Bozen musste die Linie auf einem Hochwasser sicheren Bahndamm geführt werden. Vor der Bahnverbindung war es sicherer und schneller, den Weg über den Gardasee zu nehmen. Ganze 50 Km geht es gerade nach Süden hinunter, oder eben nach Norden hinauf. Die Lastkähne konnten segeln. Der Wind bläst am Lago verlässlich wie ein Uhrwerk: Ab Mitternacht beginnt er stetig seine Kraft nach Süden über den See zu entfachen, ab mittags des nächsten Tages dreht er nach Nord. Die Winde sind von beachtlicher Stärke, sodass auch schwere Lastkähne schnell voran kamen. Den zweiten Grund, den Lago zum Warentransport zu nutzen, liefert ein Blick auf die Karte: Die Route Genua, Mailand, Brescia von Norden oder Richtung Süden, war eine deutliche Abkürzung, so der Lago genutzt wurde. Die Route wird auch heute noch gerne als Umfahrung genutzt, wenn in Messezeiten Richtung Mailand der Verkehrskollaps droht.

Der Hochwasser sichere Bahndamm der Ferrovia del Brennero im Etschtal.

Der Hochwasser sichere Bahndamm der Ferrovia del Brennero im Etschtal.

Der zerstörungswütige Louis II. Joseph de Bourbon, duc de Vendôme.

Die Besitzverhältnisse des Castill Penede würden ein Buch füllen. Heiss umkämpft war es, mal hatten es die Castelbarcos, dann wieder andere, es wurde kriegerisch eingenommen, in Verhandlungen abgetreten oder zurück gewonnen. All dem setzte Louis II. Joseph de Bourbon, duc de Vendôme im Oktober 1703 während des spanischen Erbfolgekrieges, ein Ende. Er schoss es mit Artillerie sturmreif und liess es dann sprengen. Es wurde nie wieder aufgebaut. Die Zeit der Burgen war vorbei. Es diente den Anwohnern als Steinbruch, im ersten Weltkrieg lieferte es Material für Schützengräben. Aktuell wird der Geschichte des Castills nachgegangen. Ausgrabungen finden statt und so sind nur Teile der wunderschön gelegenen Burg zugänglich.

Louis II. Joseph de Bourbon, duc de Vendôme.

Louis II. Joseph de Bourbon, duc de Vendôme.

Louis II. Joseph de Bourbon, duc de Vendôme, war ein überaus unangenehmer und ehrgeiziger Zeitgenosse und machte sich im spanischen Erbfolgekrieg sicher auch materielle Hoffnungen, denn er entstammte aus einer Seitenlinie der Bourbonen. Auf seinem Marsch Richtung Brenner hinterliess er eine Spur der Verwüstung, die ihm zu Kopfe stieg. Er plante sich in Tirol mit den aufsässigen Bayern, die ihre Chance witterten, zu vereinen und Richtung Wien zu marschieren. Diesem Ansinnen machten die Tiroler hinter dem Brenner den Garaus. Der duc de Vendôme trat eine wenig ehrenhafte Flucht an und wurde im spanischen Erbfolgekrieg nicht mehr auffällig. Der eitle und selbstherrliche Bourbone zog es vor, noch einige Jahre zu leben, setzte sich nach Vinaròs, Katalonien ab, wo er im Juni 1712, vier Jahre nach seiner für damalige Verhältnisse schändlichen Niederlage gegen vornehmlich Bauern, starb.

Dort drüben, jenseits Torbole – Riva del Garda.

Der Geheimrat muss es recht eilig gehabt haben, nach Verona zu kommen. Ein kurzer Blick auf die landschaftliche Schönheit des Lago di Garda reichte ihm. Hätten ihn die Winde des Gardasees nicht nach Malcesine abgetrieben, keine zwei Reisetage wären in dieser wunderbaren und historisch so bedeutenden Region voll geworden. Lago Liebhabern hadern schwer mit dem Dichterfürst, werfen sie einen Blick in die rund 750 Seiten starke Italienische Reise und bemerken, nur wenige Seiten sind dem Lago gewidmet, ist es endgültig mit ihnen vertan!

Riva del Garda vom Lago aus gesehen.

Riva del Garda vom Lago aus gesehen.

Der Ort Riva del Garda.

Riva hat Überraschendes zu bieten, das wenigen bekannt ist. So erwacht einmal im Jahr der Touristenort im Januar eine Woche lang aus dem Winterschlaf. Dann blickt die Welt der Schuhliebhaber nach Riva del Garda. Es findet die Expo Riva Schuh International, die grösste Schuhmesse weltweit, statt. In Vergessenheit geraten, das Riva ab 1891 mit der Bahnverbindung Rovereto-Mori-Nago-Arco-Riva an die Ferrovia del Brennero angebunden war.

Der historische Bahnhof der K+K Schmalspurbahn Riva del Garda – Mori.

Der historische Bahnhof der K.K. Schmalspurbahn Riva del Garda – Mori.

Die Bahnlinie überquerte tatsächlich den Passo di Giovanni und bog in Nago Richtung Arco ab, um den steilen Ab- bzw. Aufstieg zu meistern. Auf der ehemaligen Trasse verläuft heute die etwas eigen trassiert wirkende Landstrasse SS240dir. Es war eben eine Bahnstrecke, heute Strasse, die LKWs wegen dem geringeren Gefälle zum See hinab nehmen müssen. Die Lokalbahn hatte enge Kurven zu nehmen und wurde daher als Schmalspurbahn ausgeführt, kurioser Weise in der bosnischen Spurweite, auch Bosnaspur gennant. Der Hintergrund ist wohl jener, dass die Spurweite auch als militärische Feldbahn beliebt war und die K.K. Monarchie die Bahn Rovereto-Riva auch zur Truppen- und Materialverlegung in der Hinterhand haben wollte. Die Militärs hatten ein gewichtiges Wort beim Bau mitzureden. Dazu wurde sie dann im ersten Weltkrieg auch genutzt. Ihre letzte Fahrt trat die Bahn im ersten Weltkrieg zu zivilem Zwecke an: Am 23. Mai 1915 wurde die lokale Bevölkerung mit ihr evakuiert. Danach standen die Dampflocks still.

Die K+K Schmalspurbahn Mori – Riva del Garda passiert den Lago di Loppio.

Die K+K Schmalspurbahn Mori – Riva del Garda passiert den Lago di Loppio.

Römische Therme + Porta San Guiseppe.

Das alles fand nach Goethe statt, doch die Begeisterung des Meisters für die Antike, hätte auch in Riva del Garda bedient werden können. An der heutigen Viale Roma liegen die Reste einer römischen Therme, die von Mitte des 1. Jhd. bis zur Mitte des 3. Jhd. n.Chr. betrieben wurde. Dort lag das antike Zentrum der Stadt. Nach massiven und wiederkehrenden Überschwemmungen, wurde das Viertel aufgegeben. Wird von der Therme hundert Meter weiter Richtung Lago spaziert, wird die Porta San Guiseppe erreicht, an welcher der Geheimrat seine besondere Freude gehabt hätte. Sie ist das älteste religiöse Bauwerk Rivas und wurde erstmals 1275 als Kapelle erwähnt, in der ein Eremit lebte. Wahrscheinlich war es das Jahr 1671, indem beschlossen wurde, sie zur prächtigen Kirche auszubauen: Zwei Kirchenschiffe, eine grosse Sakristei, vier Altäre und ein Chor mit Gestühl heisst es in Überlieferungen, seien es gewesen. Der Kirche wurde ein Krankenhaus angegliedert, das die Laienbruderschaft der Flagelanten betreute. Heute ist das Gotteshaus ein Durchgang, eine Porta wie der Name schon sagt. Der Reisende mag sich über die monumentale Fassade des Durchgangs wundern und über die kunstvollen Innengewölbe: Er durchschreitet das Hauptschiff der ehemaligen Kirche.

Hafen und Wasserburg.

Der Hafen von Riva del Garda an der Wasserburg.

Der Hafen von Riva del Garda an der Wasserburg.

Schnurgerade von der Porta San Guiseppe geht es hinunter zum Hafen von Riva und zur Wasserburg. Auch hier wütete der duc de Vendôme und ging am 12. Oktober 1703 seiner liebsten Beschäftigung nach: Er liess die Wasserburg sprengen. Entwickelt wurde der Hafen ab 1438, als die Republik Venetien Nago, Torbole und Riva eroberte und die altehrwürdige Dynastie der Visconti aus Mailand vor die Tür setzte. Der Norden des Gardasees blühte auf, in Riva lagen 33 venezianische Schiffe, davon 8 Galeeren und Fregatten zur Verteidigung, der Rest Lastkähne für den Handel. Die 33 Schiffe nach Riva zu schaffen, war eine logistische Meisterleistung der Venezianer, denn der südliche Gardasee Zugang war den Venezianer für das geplante Unternehmen seinerzeit verwehrt. So schifften die Venezianer die Etsch bis nach Mori hinauf, zogen die Schiffe an Land und transportierten sie über Land, nach historischen Quellen mit 2.000 Ochsen, Sklaven und zwangsverpflichteter Lokalbevölkerung, bis an den Lago di Loppio, den Goethe unbeachtet passierte. Auf diesem ging es weiter, bis zum Anstieg zum Passo di Giovanni. Mit Ochsen, Menschen, Winden an Ölbäumen und Zuhilfenahme der Segel, ging es hinauf zum Pass. Über Winden wurden die Schiffe nach Torbole hinabgelassen und dort zu Wasser gebracht. Was für ein Stoff wir einen Film: Werner Herzogs Fitzcaraldo auf venezianisch!

Hoch über Riva del Garda – die Bastione.

150 Höhenmeter über der Altstadt von Riva del Garda, erhebt sich die Bastione, die kurz vor dem Ende der venezianischen Herrschaft 1509 auf einer bisher unbebauten Fläche errichtet wurde. Sie liegt am steilen Hang des Cima SAT (1246 m), auf den ab der Bastione ein Klettersteig führt, der spektakuläre Tiefblicke auf den nördlichen Gardasee eröffnet. Nichts für Menschen, die nicht absolut schwindelfrei sind.

Blick von der Bastione auf Riva del Garda.

Blick von der Bastione auf Riva del Garda.

Der Bau begann 1507 und sollte Riva gegen Norden absichern, denn die mittelalterlichen Stadtmauern waren so vernachlässigt worden, dass sie zur Verteidigung nicht mehr taugten. Die Mühe hätten sich die Venezianer jedoch sparen können. Am 14. Mai 1509 wurden sie in der Schlacht von Agnadello, von den nach Süden vorrückenden Truppen Ludwigs XII. von Frankreich, kapital geschlagen und musste sich, wie einst die Visconti aus Mailand, davon machen. Die Bastione fiel in die Hände des Fürstbischofes von Trient Georg III. von Neideck, welcher der Liga von Cambrai angehörte, eine Vereinigung, die sich gegen die Republik Venetien richtete und den Großen Venezianerkrieg einleitete. Bis ins 17. Jahrhundert war die Bastione voll einsatzbereit. Wie könnte es anders sein und wieder tritt Louis II. Joseph de Bourbon, duc de Vendôme, der Bourbone unangenehm in Erscheinung. Die Kanoniere setzen dem einstigen Bollwerk massiv zu, französische Mineure sprengten sie. Wie das Castill Pinede, wurde sie nicht wieder aufgebaut.

Die Bastione über Riva del Garda – ein Renaissance Bau der Venezianer.

Die Bastione über Riva del Garda – ein Renaissance Bau der Venezianer.

Alleine schon wegen des Ausblicks, ist die Bastione einen Besuch wert. Von Riva wird sie über den historischen Zugang über eine Strasse im Wald, die an den steilen Passagen gepflastert ist, erreicht. Um die Aussicht bequem zu erschliessen, wurde 1950 sogar ein Sessellift hinauf gebaut. 2002 entschloss sich die autonome Provinz Trient endlich, dem Verfall des interessanten Bauwerks ein Ende zu setzen, befestigte die verblieben Mauern und legte im Inneren der Bastion ein Treppensystem an, damit sie erkundet werden kann. Wer dies tut, wird auf einen wunderbaren Renaissance Bau stossen, in dem eine der vielen Innovationen dieser Epoche zu bewundern ist. Das Innere der Burg ist eine Schraubenlinie, im Volksmund Rondell o.ä. Es gibt keine Stockwerke mit schmalen Treppen wie in mittelalterlichen Burgen, der Boden schraubt sich nach oben. Das machte die Verteidigung mobil. Geschütze konnten in Windeseile verlegt werden, Munition war leicht zu transportieren. Der Blick durch die Scharten lässt erkennen, das die Bastione jeden Winkel im Blick hatte.

Im Zuge der Sanierung der Bastione, wurde eine neue Standseilbahn errichtet. Steil fährt sie entlang der Bergflanke zügig aufwärts und muss dazu die Bodenneigung dem aktuellen Steigungswinkel anpassen. Das gelingt jedoch nur so ungefähr. Die Waagrechte wird nur in der Berg- und Talstation annähernd hergestellt, ansonsten empfiehlt sich ein solider Haltegriff.

Über die Ponale nach Pregasina.

Bevor es mit Goethe auf dem Seeweg weiter nach Limone sul Garda und Malcesine geht, noch ein letzter, aber besonderer Abstecher, den der Geheimrat ebenso zum Greifen nahe verpasste. Es geht in den Ort Pregasina. Er liegt auf 532 m, also rund 460 Meter über Riva del Garda. Die Lage, die Aussicht und der Weg dorthin sind absolut spektakulär!

1424 wird Pregasina bereits urkundlich erwähnt. Die ersten sesshaften Siedler, dürften Köhler gewesen sein. Doch diesen sicheren, schwer zu erreichenden und anzugreifenden Ort, der noch mit Wasser und Weiden gesegnet ist, wurde schon in Zeiten der Völkerwanderung als Zufluchtsort genutzt. Der Name verrät es: „pre“ nimmt, vom Italienischen „prato“, „Wiese“, „Rasen“, Bezug auf die Weideflächen, „gasina“ hat seinen Ursprung im Langobardischen und bedeutet soviel wie „schönes Panorama“. Schöner und besser könnte der herrliche Ort über dem Gardasee kaum beschrieben werden – Weiden mit wunderbarem Panorama. So ist es, Weinreben haben sich noch dazugesellt. Es wurde auch Kalk gebrannt, mit der Holzkohle eine kleine Schwarzpulver Produktion betrieben, die im 19. Jhd. durch Unachtsamkeit in die Luft flog und 13 Menschen in den Tod riss.

Die fruchtbaren Felder von Pregasina, Lago di Garda.

Die fruchtbaren Felder von Pregasina, Lago di Garda.

Lange war Pregasina österreichisch und fiel erst mit dem „Vertrag“ von Saint-Germain (10. September 1919) Italien zu, als wider jeder Vernunft eine Grenze am Brenner gezogen wurde, die weder auf Jahrhunderte alte Geschichte noch gesprochene Sprache Rücksicht nahm. Die historische, gewachsene Grenze, verlief Jahrhunderte am Gardasee, Malcesine im Osten und Limone sul Garda im Westen des Lago Ufers. Dass der „Vertrag“ von Saint-Germain lediglich kurzfristige Interessen bediente, jedoch die Basis für Zwist und Unfrieden in Europa legte, die bis heute nachwirken, lässt sich schwer seriös weg argumentieren.

Bis 1956 war Pregasina nur über einen Saumpfad von Riva oder Limone sul Garda zu erreichen. Jahrhunderte eine sehr mühsame aber wichtige Verbindung zwischen den beiden Orten Riva und Limone. Bevor von 1928 bis 1931 die Gardesana Occidentale, mit nicht enden wollenden Tunneln, in die steilen Felswände des Lago gesprengt wurde, waren die Orte im Norden des Gardasees nur mit dem Boot oder über teils gewagte Pfade durch die Berge zu erreichen. Wer von Riva nach Limone wollte und kein Boote bezahlen konnte, musste erst hinauf nach Pregasina, dann extrem steil hinauf zum Passo Rochetta auf 1150 m, der eine fulminante Aussicht bietet und danach noch steiler in der Diretissima hinunter nach Limone. Der historische Weg ist heute beliebter Wanderweg und Mountainbike Tour für jene, die ordentlich „Schmalz“ in den Beinen haben. Die Anstiege sind teils extrem giftig und grenzwertig. Hinunter nach Limone geht es noch steiler auf alten mit Flusssteinen gepflasterten Wegen. Setzt Regen ein, wird der Weg glitschig wie Eis.

Blick vom Passo Rochetta auf den Gardasee.

Blick vom Passo Rochetta auf den Gardasee.

1956 wurde Pregasina an die restliche Welt angeschlossen. Von Riva führt die sogenannte „Ponale“ nach Le Zete fulminant hinauf. Sie wurde mit grossartiger Ingenieurskunst in den Berg gesprengt und 1851 eröffnet: Schotter, einspurig, Ausweichstellen, teils geht es hunderte Meter senkrecht zum Lago hinunter, gesichert nur durch Begrenzungssteine. Sogar eine Raststation gab es in schwindelerregender Höhe, die heute als kleines leeres Häuschen ihr Leben fristet. Viele Gedenktafeln erinnern, das einige über die Felsen zum See abstürzten. Die Strasse hatte und hat es in sich. Kaum zu glauben, der Postbus verkehrte auf der Route hinauf zum Ledro See von dem es in alle Richtungen weiter geht: Brescia, Mailand, Bozen, Bormio, Madonna die Campiglio, wo auch immer hin. 1956 wurde dann bei Le Zete ein Abzweig hinauf nach Pregasina gebaut.

Den majestätisch thronenden Ort hat das kaum verändert. Eine Kirche aus dem Jahre 1633 oder 1694, hier widersprechen sich die Angaben, wurde auf einem kleinen Plateau über dem Ort errichtet. Diese und der Heilige Georg, „Drachentöter“ sowie einer der 14 Nothelfer, dem die Kirche geweiht wurde, sollen wohl über den Ort wachen. Es lohnt hinein zu gehen. Sie besitzt einen barocken Altar aus Marmor gearbeitet, der von Riva hinauf getragen werden musste. Zur Kirche gesellen sich weiter unten das Hotel Rosalpina, das Hotel Ristorante Panorama. Seit kurzem kam auch noch das B&B Posta Pregasina dazu, das wars schon. Pregasina ist wie eh und je verschlafen. Es wirkt geradezu wie ein Idyll. Alte, gedrängt stehende spätmittelalterliche Häuser aus Natursteinen, zu Mittag klappert es in den Küchen und Essensduft zieht durch die engen Gassen, eine andere Welt.

Das Hotel Ristorante Panorama in Pregasina, Lago di Garda.

Das Hotel Ristorante Panorama in Pregasina, Lago di Garda.

Belebt wird der Ort nur kurz am späten Vormittag während der Saison, wenn Wanderer und Mountainbiker einfallen und sich vor dem Passo Rochetta noch stärken wollen. Vor allem Mountainbiker, die über den Pass ganz hinauf zum Monte Tremalzo wollen und nicht nur nach Limone, um dann mit dem Schiff zurück nach Riva zu fahren, haben noch das „Schlimmste“ vor sich. Es ist üblich dann den Garten des Ristorante Panorama anzusteuern, wo sich herrlich über dem Lago sitzen lässt. Ein Teller Spagetti ist dann als Energiequelle obligatorisch. Manch einer versumpft auch auf der sonnigen Wiese bei grandioser Aussicht. Hinunter nach Riva geht es schnell. Die Pedalen müssen dazu kein einziges mal bemüht werden. Die Gefahren der Ponale sollten aber im Kopf gegenwärtig sein.

Über die Gardasene Orientale nach Limone sul Garda.

Die Winde des Lago die Garda.

Der Norden des Lago di Garda, ist von mächtigen Bergen eingerahmt, deren Felswände steil, teils senkrecht, in den See abstürzen. Aus diesem Grund konnten die nördlichen Orte des Lago tatsächlich Jahrtausende nur über den See oder anstrengend und zeitaufwändig über Pässe erreicht werden. 1931 änderte sich das, als die Gardesana Occidentale von Gargano nach Riva fertiggestellt wurde. Eine Strasse, die weniger trassiert als in den Fels gesprengt wurde. Spektakulär.

Gardesana Occidentale – Tunnelbau zwischen Gargnano und Riva del Garda (1928–1931).

Gardesana Occidentale – Tunnelbau zwischen Gargnano und Riva del Garda (1928–1931).

Das Ambiente in Riva und Torbole ist vereinnahmend. Die imposanten Felswände schiessen in den Himmel hinauf, der alpine Betrachter fühlt sich von Dreitausendern umgeben. Doch es täuscht, um die 2.000 Meter hoch sind sie. Riva und Torbole liegen lediglich auf rund 70 m Seehöhe. Ein Grund für das milde Klima. Um aber das mediterrane Flair, die Blühtenpracht, entstehen und die Zitrusfrüchte spriessen zu lassen, bedarf es mehr. Zwischen 12 und 15 Uhr frischt ein milder thermischer Wind auf, der von der wärmeren Adria über die Poebene streift, dann über den Lago und weiter hinauf in das Sarcatal. Er wird am Gardasee „Òra“ genannt. Über den Tagesverlauf wird er wärmer, die Sonne heizt zusätzlich den Talkessel und die Täler auf. Wasser sprudelt ausreichend von den Bergen. Das alles macht es aus, schafft das einzigartige mediterrane Flair am Lago. Gegen 3 Uhr morgens dreht der der Wind auf Nord, der kühle „Pelèr“, der aus dem Gebirge und dem Sarcatal über den Lago und die Poebene bläst, nimmt seinen Tagesgang auf. Die Gardasee Winde, eine stetige und verlässliche Kraft, die wechselnd nach Norden oder Süden wirkt. Das machte den Gardasee so ideal, um auf Lastkähnen Waren zu transportieren. Immerhin 50 Km lang ist der See.

Vorbei an Limone sul Garda nach Bardolino, verblasen nach Malcesine.

Goethe will von Torbole hinunter nach Bardolino, um dort ein Maultier zu besteigen. Es soll nach Verona gehen. Die antike Arena steht auf dem Programm. Um den Nordwind zu nutzen, verlässt der Geheimrat frühmorgens seine ohnedies ungeliebte Kammer. Der Porto lag direkt vor der Tür. Gegen 3 Uhr früh legte seine besegelte Barca mit zwei Ruderern mit Kurs Süden ab. Der Wind stand günstig: „Der Morgen war herrlich, zwar wolkig, doch bei der Dämmerung still. Wir fuhren bei Limone vorbei, dessen Berggärten, terrassenweise angelegt und mit Zitronenbäumen bepflanzt, ein reiches und reinliches Ansehn geben.“40)

Die Zitronengärten von Limone sul Garda.

Die Zitronengärten von Limone sul Garda.

Offensichtlich trägt der Ort seinen Namen von den gepflegten weissen Terrassen, die an den Hängen über Limone Sul Garda steil ansteigen. Doch nicht alles, das offensichtlich erscheint, ist auch richtig. „Limone“ leitet sich vom lateinischen „limes“ (anm. Grenze) ab. Nördlich Limones wurde eine imaginäre Linie über den Lago hinüber zum nördlichen Ortsende von Malcesine gezogen. Die Grenzziehung geht weit in der Geschichte zurück und bestand auch zu Zeiten Goethes: Am „limes“ trafen die K.K. Monarchie und das Königreich Italien aufeinander. Das sollte Goethe später noch deutlich zu spüren bekommen. Genauso wie Torbole oder Pregasina, war auch Limone bis in die Neuzeit hinein nur über Saumpfade oder über den See zu erreichen.

Limone sul Garda.

Limone sul Garda.

Goethe genoss die ruhige Fahrt im Mondschein, doch Ungemach tat sich auf. Der Wind meinte es nicht gut mit ihm. Im Juni bis September lebt der Nordwind sehr verlässlich zwischen Mitternacht und 3 Uhr Früh auf, erst nur im Norden, sobald die Sonne aufgeht, streift er über den gesamten See. Die Abfahrt Goethes um 3 Uhr am Morgen des 13. Septembers war ideal. Der Schiffsführer hatte alles richtig gemacht. Doch plötzlich drehte nach Angaben des Geheimrates der Wind: „Das Betrachten und Beschauen dieser angenehmen Gegenstände ward durch eine langsame Fahrt begünstigt, und so waren wir schon an Malcesine vorbei, als der Wind sich völlig umkehrte, seinen gewöhnlichen Tagweg nahm und nach Norden zog. Das Rudern half wenig gegen die übermächtige Gewalt, und so mußten wir im Hafen von Malcesine landen.“41)

Der „gewöhnliche Tagweg“ wäre das keinesfalls gewesen. Wenn es sich so zutrug, war es ein sehr eigenes Wetterphänomen. Der frische Nordwind, der „Pelèr“, mit dem Gotehe um 3 Uhr auslief, wird erst nachmittags zwischen 12 und 15 Uhr, vom warmen Südwind, dem „Òra“, abgelöst. Von Torbole nach Limone sind es 10 km. Mit dem Nordwind dafür mindestens 15 Stunden? Nein, keinesfalls. Goethe beschreibt eine aufgewühlte See. An solchen Tagen dreht der Wind nie auf Süd. Tiefenwasser steigt auf, die Seeoberfläche ist zu kühl. Die Wellen in dieser Form auf einem See, müssen Goethe überrascht und erschrocken haben. Am nächsten Tag bezeichnet er die Fahrt als „Abenteuer“. Virgil, Publius Vergilius Maro, wird zitiert: „… Fluctibus et fremitu resonans Benace marino. Der erste lateinische Vers, dessen Inhalt lebendig vor mir steht, und der in dem Augenblicke, da der Wind immer stärker wächst und der See höhere Wellen gegen die Anfahrt wirft, noch heute so wahr ist als vor vielen Jahrhunderten.“42)

Von Limone über den Lago nach Malcesine.

Der Ort Malcesine.

Eine Laune der Natur wollte es so, dass die Winde Goethe in Malcesine und nicht in Bardolino anlanden liessen. Kein schlechter Zufall, denn Malcesine wird auch die Perle des Gardasees genannt. So nennen sich zwar auch gerne Riva und Limone, aber der Titel gebührt eindeutig Malcesine. Eine kleine mittelalterliche Stadt, enge Gassen mit gemütlichen Cafés, Piazzas am See, die sich überraschend auftun und dem wohl schönste Hafen des Lago. Architektonische Juwelen wie der Pallazo dei Capitani finden sich im Ort, denn Malcesine war kein unbedeutendes Kaff wie Limone, das nur mit dem Schiff oder über Saumpfade zu Fuss zu erreichen war, es gab eine Strasse entlang des Sees. Um dies alles zu schützen, wurde eine solide Festung, das Castello Scaligero, errichtet. Es sicherte nicht nur den Ort sondern auch die Grenze. Die Art der Bedrohung wechselte laufend. Die mittelalterliche Stadt ist wunderbar erhalten, wie soviele Städte dieser Zeit in Italien oder auch Spanien. Sie waren nicht Ziel der brutalen Massenbombardements der Alliierten. Davor war Malcensine vom Glück gesegnet: Der burgundische duc de Vendôme hatte es so eilig zu seiner verheerenden Niederlage am Brenner zu kommen, dass er sich damit begnügte, über Riva und Torbole herzufallen.

Der Hafen von Malcesine, Lago di Garda.

Der Hafen von Malcesine, Lago di Garda.

Das historische Malcesine wäre schon Perle genug, doch der Ort ist facettenreicher. Über ihm erhebt sich das Monte Baldo Massiv mit dem Gipfel auf 2.218 m und einem 30 Km langen Bergrücken, der nach Norden und Torbole hinüber verläuft. Aus Malcesine führt eine moderne Seilbahn auf den 1760 m hoch gelegenen Passo Tratto Spino. Über diesen verlief ein Saumpfad hinüber ins Etschtal zum Ort Borghetto sull’Adige und weiter nach Verona. Das war bzw. ist die kürzeste Verbindung Malcesine – Verona, so es nach Kilometern geht. Wanderer können aussichtsreich vom Passo nach Nago und Torbole aufbrechen. Im Winter schnallen Sportler die Ski und Bords an, im Sommer stürzen sich Downhiller mit ihren Bikes über Trails atemberaubende 1.670 Höhenmeter zum See hinunter. Cappuccino und dann ein kühles Bad im See. Wo gibt es so etwas?

Blick vom Monte Baldo hinunter auf Val di Sogno, Malcesine.

Blick vom Monte Baldo hinunter auf Val di Sogno, Malcesine.

Auch Paragleiter lieben den Monte Baldo. Steht die Thermik gut, ist der Himmel bunt. Einen eigenen Landeplatz gibt es nördlich von Malcesine mit englischem Rasen samt Rettungsboot, denn der Landestreifen ist schmal und nicht selten landen Anfänger auch gerne im See. Malcesine ist belebt, kein Museum, das Publikum, das sich dort einmietet, jung und aktiv. Das tut dem Ort gut. Jenseits des Lago, in Limone, geht es ruhiger zu. Ausser durch den Ort zu schlendern, sich einen übel überzuckerten Limoncello aufschwätzen zu lassen und ein Eis zu essen, gibt es nichts zu tun. Restaurants, die Gaumenfreuden bieten, auch Fehlanzeige. So man nicht vor hat, über den Passo Rochetta nach Riva aufzubrechen, mit dem Mountainbike oder zu Fuss, ist Limone irgendwie Endstation. Der Limone Urlauber sucht mehr die letzten Sonnenstrahlen, die das Leben noch für ihn bereit hält und gönnt sich von der Erbmasse ein letztes Mal das Park Hotel Imperial.

Hotel San Marco.

Wie in Torbole, quartierte sich der Geheimrat direkt am Hafen, in vorderster Front, ein. Er bezog im Hotel San Marco, in der Via Capitanato 9, ein Zimmer mit Blick auf den Hafen. Eine Gedenktafel prangt am Hauseck in der Vicolo Cieco di Mezzo. Auch die Website des Hauses verabsäumt nicht, gleich in der ersten Headline auf Goethe zu verweisen und dass auch noch in Deutsch. Im Erdgeschoss bietet das San Marco das, was alle Häuser im Hafen bieten: Snacks. In Sachen Sonne ist das Haus klar bevorteilt. Selbst im Winter lässt es sich vor ihm herrlich im Hafen in der Sonne sitzen. Die Lage im Nordeck, schützt das San Marco vor dem Nordwind, dem „Pelèr“, der im Winter unangenehm frisch werden kann. Goethe hielt es aber nicht lang im Haus, er machte sich zum Castello Scaligero auf, um es zu zeichnen.

Hotel San Marco in Malecesine, Lago di Garda.

Hotel San Marco in Malecesine, Lago di Garda.

Das Castello Scaligero.

Malcesine stand nicht am Reiseplan Goethes. Die Winde verschlugen ihn zur „Perle des Gardasees“. Es scheint, dass er über den bedeutenden Ort und seine „Merkwürdigkeiten“, wie der Geheimrat pflegte Sehenswürdigkeiten zu bezeichnen, wenig wusste. Was trieb ihn also als Erstes und sofort nachdem er Quartier gemacht hatte auf das Castello Scaligero, um es zu zeichnen? Es mag wohl daran gelegen haben, dass es vom See aus betrachtet derart dominant und imposant auf einem Felsen über Malcesine liegt, dass alles andere auf den ersten Blick untergeht. Vom Ort aus betrachtet oder über die Strasse kommend, hat das Castello nicht annähernd die Wirkung.

Castello Scaligero am Lago di Garda in Malcesine.

Castello Scaligero am Lago di Garda in Malcesine.

Ausser der Bastione über Riva del Garda, wurde jede mittelalterliche Burg am Lago auf urzeitlichen Siedlungsresten errichtet. Beim Castello Scaligero ist es nicht anders. In der Bronze- und Eisenzeit wurde der Fels schon als Zufluchtsort genutzt, Etruskische Spuren, vermutlich einer Nekropole, wurden gefunden. Der Felsen war ideal, vom See nicht einzunehmen, im Süden und Osten schützten ihn natürliche Gräben, tiefe Bachbette. In der Römerzeit begann sich rund um den Fels eine Siedlung zu entwickeln.

Die erste Burg am Felsen errichteten die Langobarden 568. Der Gardasee immer heiss umkämpft, fiel die Burg. Als 774 Malcesine in die Hände von Karl dem Grossen gelangte, wurde sie wieder aufgebaut. 1277 ging Malcesine und Burg an die Scaligeri (dt. Scaliger), ein Adelsgeschlecht aus Verona. Zur Zeit, als Goethe im Castello sass um es zu zeichnen, wollte er eigentlich schon in Verona sein. Dass er in Malcesine auf historischem veroneser Boden sass, war ihm wohl nicht bewusst. Die Scaligeri waren mit den Wittelsbachern verwandt und obwohl aus Verona, zählten sie zum Bayerischen Adel und zwar nicht zu irgendeinem, sondern zu den „Hochfreien“, eine Adelsschicht, die besondere kaiserliche Privilegien genoss. Nutzte den Scaligeri aber in Verona recht wenig, denn aus diesem wurden sie 1387 vertrieben. Der Name des Adelsgeschlechts ist recht eigen, leitet es sich doch vom Italienischen „Scala“ ab, also die „Herren der Leiter“. Eine Anspielung auf das Familienwappen, in dem eine silberne Leiter zu sehen ist. In Oberitalien errichteten die Scaligeri einige Burgen, die Scaliger Burgen. Sie sind recht leicht zu erkennen, da das Adelsgeschlecht, sozusagen als Markenzeichen, ihre Burgen mit Schwalbenschwanzzinnen schmücken liessen. Besonders schön etwas südlichicher von Malcesine in Sirmione zu sehen.

Castello Scaligero – Goethe „enttarnt als Spion“.

Der Dichterfürst war begeisterter Zeichner und wie bei allen Dingen, die er betrieb, äusserst emsig. Rund 2.600 Zeichnungen sind erhalten. Eine systematische Ausbildung erhielt er nie, doch gaben ihm bekannte Künstler seiner Zeit im Privaten Unterweisungen. Einwenig fühlte sich Goethe wohl auch als bildender Künstler, denn er signierte seine Werke gerne mit dem Pseudonym „pittore Filippo Miller“ oder „Maler Müller“. In Malcesine nahm er im Castello Platz, um den Torre zu zeichnen. Zu Goethes Zeit war die Burg recht verfallen, hatte noch nicht einmal Tore. Nachdem sich die Artillerie rasant entwickelt hatte, waren klassische Burgen bedeutungslos geworden. (Der heutige Zustand wurde durch eine Restaurierung erreicht.)

Johann Wolfgang von Goethe (Joseph Karl Stieler, 1828).

Johann Wolfgang von Goethe (Joseph Karl Stieler, 1828).

Goethe berichtet, dass sich recht bald eine grössere Menschenansammlung bildete, die ihn beobachtete, was er da treiben würde. Die Wehranlage zu zeichnen, erwies sich rasch als Fehler. So, wie man in den meisten Ländern tunlichst keine militärischen Einrichtungen fotografieren sollte, verhielt es sich damals mit dem Zeichnen. Nördlich Malcesines verlief die Grenze zwischen Österreich und dem Königreich Italien. Und auch, wenn sich die Burg in einem schlechten Zustand befand, so war sie doch Jahrhunderte die Grenzbefestigung und ein Herrschaftssymbol. Auf die Österreicher waren Italiener obendrein nicht gut zu sprechen. Die aufklärerischen Ideen Joseph II. stiessen auf keine Gegenliebe. Besorgt war man aber mehr über den Expansionsdrang des Kaisers. Die Sorgen waren nicht unberechtigt. Dass es Ideen gab, sich Richtung Süden zu erweitern, waren Recht offensichtlich. Ein Seehafen lockte. 18 Jahre nach der Italienischen Reise, wurde Triest 1804 Teil des neu gegründeten Kaisertums Österreich und österreichischer Kriegshafen. Nicht verwunderlich, dass bald Amtsträger erschienen, die Goethe als Spion verdächtigten und schliesslich den Podestà*) riefen, der die Sache klären sollte.

Blick von der Scaliger Burg in Malcesine auf den Lago.

Blick von der Scaliger Burg in Malcesine auf den Lago.

Wer sich für den Diskurs interessiert, der sich zwischen dem Podestà*), allerlei anderen Teilnehmern und Goethe zugetragen haben soll, der kann das auf geschlagenen fünf Seiten detailliert in der Italienischen Reise nachlesen. Keiner einzigen „Merkwürdigkeit“*) der Reise, räumte der Meister soviel Platz ein. In selbstverliebter Art stellt er dar, mit welcher Raffinesse er eloquent in feinem Italienisch argumentiert, Vorwürfe entkräftet, gegenüber Menschen, also Einheimischen, die des Italienischen nur in grober Sprache mächtig wären.

Alles fand selbstverständlich unter dem begeisterten Zuspruch junger, hübscher Damen, statt: „»Von Frankfurt am Main!« rief eine hübsche junge Frau, »da könnt Ihr gleich sehen, Herr Podestà*), was an dem Fremden ist, den ich für einen guten Mann halte …“43) Der Erzählung folgend, dürfte nach und nach der gesamte Burghof gefüllt gewesen sein und alle Anwesenden lauschten Goethes Worten andächtig: „Ich sprach noch manches dergleichen; man schien mich gern zu hören, und indem ich mich an einige wohlwollende Frauengesichter wendete, glaubte ich, Beistimmung und Billigung wahrzunehmen.44“) Gegen Ende des Diskurses, hatte sich wohl das gesamte Dorf vollzählig eingefunden, selbst der Quartiergeber Goethes war herbeigeeilt, um das historische Ereignis nicht zu verpassen. Er zeigte sich restlos begeistert vom Geheimrat: „Der Wirt, bei dem ich eingekehrt war, gesellte sich nun zu uns und freute sich schon auf die Fremden, welche auch ihm zuströmen würden, wenn die Vorzüge Malcesines erst recht ans Licht kämen.“45) – ans rechte Licht kämen, natürlich durch ihn, Goethe selbst, wen sonst? Schliesslich hatte alles ein Happy End, das war knapp und aufregend: Goethe musste nicht in den Kerker nach Verona, auch wenn er bereits in anderer Mission dorthin unterwegs war. Sein grösster Fürsprecher in der Inszenierung, Gregorio, wurde ihm treu zur Seite gestellt: „Dieses alles ward für gut erkannt, und ich erhielt die Erlaubnis, mit Meister Gregorio nach Belieben den Ort und die Gegend zu besehen.“46) Der Leser der Italienischen Reise sackt nach diesen spannenden Seiten erschöpft zusammen.

Herr Goethe, wärs nicht noch etwas aufdringlicher und selbstverliebter gegangen?

Der Pallazo dei Capitani.

Keine Zeit fand Goethe, den wunderbaren Pallazo dei Capitani, zu besuchen. Die Vorstellung seiner Eloquenz und Scharfsinnigkeit im Castello, hatte wohl zuviel Zeit beansprucht. Der herrliche Palazzo wurde im 13. Jhd. von den Scaligeri als Wohnsitz und Residenz für ihren Capitano, den Statthalter, erbaut. Man tat etwas für seine Angestellten. Die schlichte Fassade in der Viva Capinato, gleich gegenüber dem Hotel San Marco in dem Goethe sein Zimmer bezog, lässt keine grosse Hoffnung auf Spektakuläres im Inneren erwarten. Es täuscht! Wird die Residenz betreten, steigt der Gast über eine breite Treppe in einen Empfangssaal, der zu einem grossen Garten und Terrasse am See führt. Der Capitano landete nicht wie das gemeine Volk im Hafen an, sondern hatte seinen eigenen, repräsentativen, Landesteg. Im 15. Jhd. wurde der Palazzo mit gotischen Stilelementen umgestaltet. Das herrliche Gewölbe samt der Fresken, welche die Eingangshalle überspannen, sind ein wunderbares Werk dieser Epoche. Zu jener Zeit kontrollierte die Republik Venetien das Ostufer des Lago bis Malcesine. Es wurde von einem Gouverneur verwaltet, der drei Dienstsitze hatte, in Garda, Torri del Benaco und eben in Malcesine, im Pallazo dei Capitani.

Pallazo dei Capitani in Malcesine, Lago di Garda.

Pallazo dei Capitani in Malcesine, Lago di Garda.

Aufbruch nach Bartolio*)

Nachdem Goethe mit seinem neuen, zur Seite gestellten Freund, Gregorio, den Abend in dessen Obstgarten verbracht hatte und die Köstlichkeiten dort lobte, verliess er die lieben Menschen von Malcesine. Seine Entourage geleitete ihn zu seiner Barca: „Gegen Mitternacht begleitete mich mein Wirt an die Barke, das Fruchtkörbchen tragend, welches mir Gregorio verehrt hatte, und so schied ich mit günstigem Wind von dem Ufer, welches mir lästrygonisch*) zu werden gedroht hatte.“47)

Die Wege trennen sich – nach Norden zu Kaiser Max, gegen Süden nach Verona.

„Abschied ist solch bitter süsser Schmerz.“ heisst es in Shakespeares Hamlet, dem Meister der bildreichen Sprache. Dieses Oxymoron*) können wohl viele Reisende nachempfinden, so sie den Lago di Garda wieder verlassen. „Durch allzu große Vertrautheit neigt man zum Übersehen.“ meinte Charles Darwin treffend. Der Alltag zieht ein und mit der Zeit wird Schönheit zu einer Selbstverständlichkeit, die kaum noch zur Kenntnis genommen wird. Den Lago in vollen Zügen geniessen kann nur jener, der zu Besuch kommt, sein schweres Alltagsgepäck zu Hause gelassen hat und offen dafür, sich ganz auf den Lago di Garda einzulassen, neugierig und aktiv, aber auch mit einer soliden Neigung zum Genuss.

Der Porto von Bardolino.

Der Porto von Bardolino.

In Bardolino trennen sich die Wege. Goethe erreicht mit seiner Barca Bartolino*) und „Nun von meiner Seefahrt! Sie endete glücklich, nachdem die Herrlichkeit des Wasserspiegels und des daran liegenden brescianischen Ufers mich recht im Herzen erquickt hatte. Da, wo an der Abendseite das Gebirge aufhört, steil zu sein, und die Landschaft flächer nach dem See fällt, liegen in einer Reihe, in einer Länge von ungefähr anderthalb Stunden, Gargnano, Boiacco, Cecina, Toscolan, Maderno, Verdom, Saló, alle auch wieder meist in die Länge gezogen. Keine Worte drücken die Anmut dieser so reich bewohnten Gegend aus. Früh um zehn Uhr landete ich in Bartolino, lud mein Gepäck auf ein Maultier und mich auf ein anderes. Nun ging der Weg über einen Rücken, der das Tal der Etsch von der Seevertiefung scheidet.“48)

Die Arena von Verona – Sehnsuchtsort des Johann Wolfgang von Goethe.

Die Arena von Verona – Sehnsuchtsort des Johann Wolfgang von Goethe.

Goethe strebt erwartungsvoll auf dem Rücken seines Maultiers, einem Tagesritt, dem 40 Km entfernt gelegenen Verona entgegen, in dem die Arena di Verona auf ihn wartete. Nach Norden geht es zurück über den Brenner, ins Land Tyrol, Kaiser Maximilians geliebtes Land. Max, der die Weichen für Karl V. stellte, damit die Einigung der iberischen Halbinsel zum heutigen Spanien initiierte und das Fundament für das grösste Reich der Menschheitsgeschichte legte, dem Reich Karls, in dem die Sonne nie unterging.

*) – Zum Nachschlagen.

Anopheles – Malaria-, Fiebermücke.

Bartolino – Das heutige Bardolino.

Benacus – Antike und mittelalterliche Bezeichnung für den Lago di Garda, in der Ortsbezeichnung „Torri del Benaco“ noch erhalten. Neben Malcesine und Garda Sitz des venezianischen Gouverneurs des Ostufers.

Bequemlichkeit – „Annehmlichkeit, meist als Element des zivilisierten, kultivierten Lebens.“#)

Dachsranzen  – „Mit Dachsfell überzogener Rucksack.“#) In Deutschland bis in die Nachkriegszeit des WK II. beliebt.

Emphase – „Nachdruck, rednerische Ausdruckskraft.“#)

Grummet – Der erste Schnitt einer Heuwiese heisst „Heu“, die folgenden Schnitte „Grummet“.

lästrygonisch – „für Reisende gefährlich.“#)

Mantelsack – „Für den Transport auf dem Reitpferd geeignetes, aus derbem Stoff oder Leder gefertigtes Behältnis für Reisegepäck.“#) Vorläufer des heutigen Reisekoffers.

Oxymoron – Sich ausschliessende, widersprechende Begriffe, in Verbindung gebracht.

Podestà – Eine Art Gouverneur, der von den Herren einer Gemeinde oder Stadt bestellt wurde, diese in ihren Eigentumsrechten und Privilegien zu vertreten. Podestà vom Lateinischen „potestas.“ – „Amtsgewalt.“. Sie brachten Erfahrung und entsprechende Ausbildung mit.

Postchaise oder Post-Chaise – Postkutschen Art im 18. und 19. Jahrhundert mit geschlossener Kabine, 2 bis 4 Passagiersitzen, die von 2 bis 4 Pferden gezogen wurde und für schnelles Reisen gedacht waren.

Roveredo – Das heutige Rovereto.

#) Goethe Wörterbuch: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.

Weiter lesen.

Alighier, Dante: Die göttliche Komödie. Anaconda Verlag, April 2005. (ISBN-13: 978-3938484111).

Bernecker, Walther L.: Spanische Geschichte: Vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart. C.H.Beck, 6., aktualisierte Edition, April 2015. (ISBN-13: 978-3406480874).

Goethe, Johann Wolfgang von: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit: Autobiographie. Zenodot Verlagsgesellscha, September 2016. (ISBN: 978-3843090230).

Goethe Wörterbuch: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.

Heimann, Heinz-Dieter: Die Habsburger: Dynastie und Kaiserreiche. C.H.Beck, 5. Edition, August 2017.Ogger, Günther: Kauf dir einen Kaiser. Knaur, Dezember 1979. (ISBN-13: 978-3426036136).

Schilling, Heinz: Karl V.: Der Kaiser, dem die Welt zerbrach. C.H.Beck, 2., durchgesehene Edition, August 2020. (ISBN-13: 978-3406748998).

Stemmler, Theo: Goethe und Friederike: Wahrheit und Dichtung. Insel Verlag, 1. Edition, September 2019. (ISBN-13: 978-3458194712).

Stollberg-Rilinger, Barbara: Maria Theresia: Die Kaiserin in ihrer Zeit. Eine Biographie. C.H.Beck, 5., durchgesehene Edition, Februar 2018. (ISBN-13: 978-3406697487).

Weiss, Sabine: Maximilian I.: Habsburgs faszinierender Kaiser. Tyrolia, November 2019. (ISBN-13: 978-3702237097).

Zitate.

1) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 19.

2) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 25.

3) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 4.

4) Goethe, Johann Wolfgang von. Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 7.

5) Goethe, Johann Wolfgang von Verlagsgesellschaft. Kindle-Version, S. 9.

6) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 9.

7) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 9.

8) Goethe, Wolfgang Johann von: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit: Autobiographie. Hofenberg Digital, Berlin 2016, S. 280-281.

9) Geschichte des Goldenen Adler Innsbruck Tirol.

10) Geschichte des Goldenen Adler Innsbruck Tirol.

11) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 10.

12) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 10.

13) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 10.

14) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 10.

15) Maurer, Golo: Am Brenner. Wo das grenzenlose Europa endet. FAZ, 12.01.2020.

16) Maurer, Golo: Am Brenner. Wo das grenzenlose Europa endet. FAZ, 12.01.2020.

17) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 15.

18) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 15.

19) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 15.

20) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 15.

21) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 16.

22) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 27.

23) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 17.

24) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 18.

25) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 19.

26) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 19-20.

27) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 20.

28) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 19.

29) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 19-20.

30) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 19-20.

31) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 19-20.

32) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 21.

33) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 21.

34) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 21.

35) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 21.

36) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 28.

37) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 28.

38) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 20.

39) Alighieri, Dante: Die Göttliche Komödie. Kindle-Version, S. 84.

40) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 20.

41) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 21.

42) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 21.

43) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 23.

44) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 23.

45) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 24.

46) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 24.

47) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 25.

48) Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise: Vollständige Ausgabe beider Bände. Zenodot Verlagsgesellschaft, Kindle-Version, S. 25.

Bildnachweis.

Der überwiegende Teil der in diesem Artikel publizierten Bilder, steht unter dem Copyright von Dr. Ingmar Köhler. Bildmaterial, welches darüber hinaus verwendet wird, ist im Rahmen einer Creativ Commons Lizenz veröffentlicht. Details zum Copyright, sind in den EXIFF Daten des jeweiligen Bildes, einzusehen.

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