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Schöne Töchter

Madeira – bewegte Geschichte und ein Airport für Nervenstarke.

Madeira die Holzinsel.

„Madeira“, das steht im Portugiesischen für „Holz“, spanisch „la madera“. Die Insel, die u.a. wertvolle Hölzer für die berühmten schnittigen portugiesischen Karavellen lieferte, gehört mit den Azoren, Kanaren und den Kapverden zu Makaronesien. Genau genommen besteht die autonome Provinz Madeira aus mehreren Inseln. Die kleine Insel Porto Santo gut 40 Km Nordöstlich der Hauptinsel Madeira, werden noch viele kennen, denn sie bietet die einzigen Sandstrände. Die im Südosten gelegen Inseln Llhas Desertas, oder gar die Llhas Selvages, kennen nur mehr wenige. Letztere sind Naturschutzgebiete, die von einem Ranger streng bewacht werden und nur in seltenen Führungen betreten werden dürfen. Kurios ist, dass die Llhas Selvages, Spanier sagen zu ihr „Islas Salvages“, viel näher der Kanaren Insel Teneriffa als Madeira liegen. Genau genommen ragen diese Inseln nur 165 Km vor Teneriffa aus dem Wasser. Wilde Mythen ranken sich auf den Kanaren um nördlich gelegene Inseln, die manchmal wie aus dem Nichts am Horizont auftauchen. Das bezieht sich wohl auf die „wilden Inseln“, die „Islas Salvages“.

Die vulkanische Küste der Llhas Selvages Portugal.

Die vulkanische Küste der Llhas Selvages Portugal.

Die ewige Eifersucht – Portugiesen und Kastilier teilen sich die Welt.

Rein geografisch wirkt es recht eigenartig, wem welche Inseln Makaronesiens gehören. Als sich im 12. Jhd. das kleine Portugal mit seinen grossen nautischen Kenntnissen und hoch entwickelten Schiffen aufmachte, die führende Kolonialmacht der Welt zu werden, musste der Nachbar Kastilien eifersüchtig zusehen, denn die „Reyes Católicos“, die katholischen Könige Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon, hatten anderes zu tun: Sie mussten sich auf der iberischen Halbinsel mit den Mauren herumschlagen. Portugal nahm Land in Besitz, erreichte selbst Japan und konnte die Staatskasse füllen. Isabella und Ferdinand hatten durch die Reconquista hohe Ausgaben aber keine Einnahmen zu verbuchen.

Schnittige portugiesische Karavelle mit Lateinersegel.

Schnittige portugiesische Karavelle mit Lateinersegel.

Am 2. Januar 1492 änderte sich alles, als der letzte naṣridische Herrscher Muhammad XII. Granada kampflos den katholischen Königen übergab. Er wollte das Juwel Granada vor der Zerstörung bewahren. Bis heute ein grossartiges Geschenk an die Menschheit. Die Reconquista war damit abgeschlossen. Endlich konnte Kastilien und Aragon auch kolonialen Bestrebungen nachgehen. Ein ewiger Streit mit Portugal begann. Kastilien versuchte sogar das reiche Lisboa einzunehmen aber scheiterte. Eifersüchtig blickte jeder auf die wieder entdeckten Inseln im Atlantik.

Portugal beanspruchte alle für sich, denn es erreichte Makaronesien schon Jahrzehnte vor den Spaniern. Dabei wurde tunlichst verschwiegen, dass der Genueser Lancelotto Malocello vermutlich der erste Europäer nach den Römern war, der Lanzarote Anfang des 12. Jhd. wieder betrat und dass noch 60 Jahre bevor die normannischen Eroberer im Auftrag Kastiliens die Insel einnahmen. Zu der Zeit machten Robbenjäger bereits auf die wertvolle Mönchsrobbe jagt und rotteten sie aus. Namen wie „Isla de Lobos“, die „Seehund Insel“, vor Fuerteventura oder der Ort „Câmara de Lobos“ auf Madeira, erinnern daran. Ihr nautisches Wissen war Staats- und Handelsgeheimnis, Verräter wurden ins Jenseits befördert. Niemand der obigen konnte sich rühmen, der Entdecker Makaronesiens zu sein. Jahrhunderte vor ihnen erreichte der Phönizier Hanno der Seefahrer das kanarische Archipel und vor ihm eine Expedition des ägyptischen Pharaos Necao II ca. 450 v.Chr., die angeblich aus 70 Schiffe mit je 50 Mann Besatzung bestand. Weder Portugal noch Spanien konnte seinen Besitzanspruch schlüssig ableiten. Ein Vertrag musste her, um das Thema zu regeln und aus Makaronesien ein Geschäftsmodell machen zu können.

Märchenhaft: Die Alhambra über Granada am Fusse der Sierra Nevanda.

Märchenhaft: Die Alhambra über Granada am Fusse der Sierra Nevanda.

Portugal und Kastilien wandten sich also an den Papst, denn jener war zur damaligen Zeiten der Chef, wenn es um die christliche Inbesitznahme neuen Landes ging. Die Kolonialisierung lief unter dem Denkmantel der Christianisierung. Das war ein guter Vorwand zur moralischen und persönlichen Absicherung. Jegliche Gräueltaten führten also nicht zwingend ins „purgatorio“, ins Fegefeuer. So erliess Papst  Alexander VI. am 4. Mai 1493 die Bulle „Inter caetera“ und teilte Neuentdeckungen unter den Streitparteien auf. Ergänzt wurde sie im Folgejahr durch den Vertrag von Tordesillas, in dem eine Imaginäre Linie über den Globus gezogen wurde, die ab nun Neuentdeckungen aufteilte. Das Madeira aber portugiesisch zu sein habe, wurde im Detailvertrag von Alcáçovas 1469 geregelt. Portugal bestand auf die Inselgruppe, denn die Portugiesen João Gonçalves Zarco und Tristão Vaz Teixeiraging gingen 1418 in Porto Santo als erste königlich entsandte Europäer an Land. Schon im Folgejahr befahl Heinrich der Seefahrer, das gesamte Archipel zu besiedeln und wirtschaftlich zu nutzen. Unter Heinrich entwickelte Portugal ehrgeizige nautische Ambitionen, suchte den Seeweg nach Indien und erreichte sogar Japan. Heinrich selber fuhr nie zur See. Er war eine Landratte.

Spektakuläres Madeira – das Ostkap Ponta de São Lourenço.

Spektakuläres Madeira – das Ostkap Ponta de São Lourenço.

Madeiras Reichtum – Holz, Zuckerrohr und Wein.

Wie auch Teneriffa, beheimatet Madeira alle Klimazonen, die einst Alexander von Humboldt in seinem universellen Klimamodell formulierte. Madeira, eine Inselgruppe im Passatwind Gürtel, bietet in den Staulagen der hohen Berge feuchtes subtropisches Klima, das u.a. den märchenhaften Lorbeerwald gedeihen lässt: Dichtes Grün, Nebel zieht durch ihn, exotische Düfte liegen in der Luft. Die Wetterabgewandte Seite ist karg und trocken. Die moorige Hochebene Paul da Serra, einst dicht mit Zedern und Wacholder bewachsen, Treibhaus wertvoller Hölzer. Sie sieht jener auf der Kanaren Insel El Hierro um San Andrés zum Verwechseln ähnlich.

Der Lorbeerwald von Madeira.

Der Lorbeerwald von Madeira.

Die Klimazonen ermöglichten auch den Anbau von Nutzpflanzen, die Portugiesen gerade erst in Lateinamerika entdeckt hatten. Die Tomate zum Beispiel, die in ihrer Urform an kleine grüne Beeren erinnert oder die lateinamerikanische Süßkartoffel, die auf den Kanaren als „Papas arrugadas“ gegessen wird. Kleine, edle Knollen, die mit der mitteleuropäischen Speisekartoffel nichts zu tun haben. Lange Kohlehydrat Ketten, die dem Reis ähneln, machen sie nicht nur besonders schmackhaft sondern auch sehr gesund. Urtomate und lateinamerikanische Süsskartoffel gedeihen aber nur in feuchten Höhenlagen.

Papas antiguas – die echte lateinamerikanische Kartoffel.

Papas antiguas – die echte lateinamerikanische Kartoffel.

Und dann war da natürlich besonders das Zuckerrohr, das die Entdecker in der Neuen Welt kennen lernten. Portugiesen waren die ersten Europäer, die es kultivierten und die Technik später im Agaete Tal auf Gran Canaria einführten. Die Folge war ein Zuckerboom in Europa. Raffinierter Zucker stand plötzlich in grossen Mengen zur Verfügung, bisher hauptsächlich nur in Form von Honig und so wurden Süssspeisen der breiten Masse zugänglich. Dazu kam noch die Kakaofrucht und fantastische noch nie geschmeckte Süssspeisen wurden erfunden. Sie leben noch heute in der portugiesischen Süssspeisen Kultur, der valenzianischen oder katalanischen weiter. Zucker war das „weisse Gold“ des Spätmittelalters, es schuf Reichtum, der bis in die Moderne weiter wirkt.

Einst Heimat des Zuckerrohrs – das Valle de Agaete Gran Canaria.

Einst Heimat des Zuckerrohrs – das Valle de Agaete Gran Canaria.

Als 1668 durch den Vertrag von Lissabon englische Händler wirtschaftlich das Ruder übernahmen, kam es auf Madeira, wie auch auf den Kanaren Inseln Lanzarote und Teneriffa, zu einem Boom im Weinbau. Briten waren verrückt nach den süssen Malvesia Trauben, jenem Wein, der in den Werken von Shakespeare, besonders in Heinrich VIII. (1612/1613), als pure Lust am Leben inszeniert wurde. Wein von Madeira wurde ausschliesslich auf die trinkfreudige englische Insel exportiert.

Von Shakespeare besungen – der Malvesia Wein von Lanzarote.

Von Shakespeare besungen – der Malvesia Wein von Lanzarote.

„Rule Britannia!“ – der Handel war, der Tourismus ist britisch.

Als Portugal und Spanien zu den Kolonialmächten heran wuchsen, musste England anfangs recht erfolglos zusehen. Doch tatenlos war es nicht. Engländer, später Briten, verstanden es wie kein anderes Land, ihre Interessen auf Umwegen und das besonders skrupellos, durchzusetzen. Schon Heinrich der VIII. zündelte laufend in der Normandie, um dem spanischen König, den Habsburger Karl V. (Carlos primero), zu drangsalieren, zu seiner Zeit der reichste Herrscher weltweit. Heinrich hatte die Verteidigungsanlagen an der Küste der Normandie im Visier und versuchte Sympathisanten zu gewinnen. Folgend terrorisierten, von der englischen Krone bezahlte Piraten, die spanische Handelsflotte und das zog sich sich so weiter über Gibraltar, bis Great Britain in der EU landete und dort Unfrieden stiftete. Vorher rissen sich die Engländer aber noch Madeira unter den Nagel.

Die Burg Château Gaillard in der Normandie.

Die Burg Château Gaillard in der Normandie.

1580 verbanden sich die alten Streithähne Portugal und Spanien zu einer „Personalunion“. Tatsächlich hatten aber Kastilier das uneingeschränkte Sagen und herrschten selbst über die portugiesischen Übersee Kolonien. Den Portugiesen gefiel das so gar nicht, denn Spanien regierte, wie das Karl V. eingeführt hatte, als er die iberischen Königreiche zum heutigen Spanien einte, zentral und kompromisslos. So zettelten Portugiesen den Restaurationskrieg an. Am 13. Februar 1668 fand dieser mit dem Vertrag von Lissabon sein Ende und auch Madeira wurde wieder von Spanien unabhängig. Doch zu einem hohen Preis, hatten es doch die Engländer durch geschicktes taktieren im Hintergrund geschafft, das alle Handelsrechte an sie fielen. Den begehrten Wein aus Madeira durften nur Engländer exportieren und auch sonst kontrollierten sie den Handel. Ein Schachtzug wie 1909, als sich die Briten mit der Anglo-Persian Oil Company (APOC) das iranische Öl für ihre Kriegsmarine sicherten, die gerade von Kohle auf Öl umgestellt wurde. Ab da trugen und bestimmten sie das iranische Regime und wurden damit zum Brandbeschleuniger des aufkeimenden Fundamentalismus.

Doch es ging noch mehr. Als die Napoleonischen Kriege begannen, besetzte Britannien, angeblich, um es gegen die Franzosen zu verteidigen, kurzer Hand im Jahre 1801 Madeira und zogen militärisch erst 1814 wieder ab. Das erinnert an den Falklandkrieg. Briten waren noch nie zimperlich in der Durchsetzung ihrer Interessen. Die Blüte des britischen Handels in Makaronesien wurde jedoch erst Anfang des 19. Jhd. erreicht. Das Empire trat an, zur ersten Industrienation weltweit aufzusteigen und war dadurch von einem unsäglichen Hunger nach Rohstoffen getrieben. Kalk, Soda, Farbstoffe und mehr mussten beispielsweise für die Bau-, Glas- und Stahlindustrie herangeschafft werden und das gab es dort im Atlantik in rauen Mengen. Madeira und die Kanaren florierten wie noch nie. So rasant der Aufstieg so rasant der Untergang, als Anfang des 20. Jhd. die chemische Industrie in Deutschland ihren weltweiten Siegeszug antrat. Sie stürzte die Inseln in eine tiefe und lang anhaltende Rezession.

Historischer Kalk Schachtofen aus dem 19. Jhd.

Historischer Kalk Schachtofen aus dem 19. Jhd.

Der Glanz des Empires ist heute auf Madeira und dem kanarischen Archipel vergangen und manifestiert sich nur noch in historischen Prunkbauten, die in Form herrschaftlicher Villen oder ausgedienter Unternehmenssitze, weiter lebt. Lebendig geblieben ist aber der Tourismus, der sich mit der wirtschaftlichen Vormachtstellung der Briten entwickelte. Es erklärt, warum beispielsweise Madeira immer noch fest in der Hand britischer Touristen ist. Aber auch auf Teneriffa und besonders Gran Canaria waren Briten die Ersten, die Tourismus brachten. In Agaete und Firgaz auf Gran Canaria entwickelte sich Anfang des 20. Jhd. ein mondäner Kurtourismus. Die sulfathaltigen und basischen Vulkanquellen waren als Heilmittel gegen Zivilisationskrankheiten gefragt. Selbst die Heilquelle „Pozo de la Salud“ auf der einsamen Kanaren Insel El Hierro, war angesagt bei Briten.

In Las Palmas de Gran Canaria entwickelten Briten Anfang des 20. Jhd. einen sandigen Landstreifen von Las Palmas de Gran Canaria hinüber zur „Islote“ zum angesagten Strand der Schickeria. Hotels wurden aus dem Boden gestampft und ein kaum bekannter Sandstreifen wurde zum Treffpunkt des Jet Sets, der Reichen und Schönen. Selbst John Huston fand sich am „La Puntilla“ am Playa de las Canteras ein, um dort mit Gregory Peck entscheidende Szenen von Moby Dick zu drehen.

Der Playa de las Canteras Las Palmas de Gran Canaria.

Der Playa de las Canteras Las Palmas de Gran Canaria.

„Rule Britannia!“, ja, touristisch gilt das auf Madeira und in einigen Regionen des kanarischen Archipels immer noch. Britische Exzentrik, unterkühlte Arroganz und spiessige Etikette und Eitelkeit von Kragen bis zum polierten Schuh, wurden von unbekleideter Fettleibigkeit und unterirdischen Umgangsformen abgelöst. Die Mitte ist wohl schwer zu finden.

Aeroporto da Madeira Cristiano Ronaldo (FNC) – spektakulär!

Der Anflug auf den Aeroporto da Madeira Cristiano Ronaldo ist nichts für schwache Nerven. Wer noch die Landemanöver am alten Airport von Hong Kong erleben durfte, wird ein Déjà-vu Erlebnis haben: Wilde Kurven und Manöver werden noch kurz vor der Landung geflogen, alles per Hand, denn ein ILS (Instrumenten Landesystem) ist unter den Bedingungen nicht einsetzbar. Dazu kommen starke Turbulenzen, da über die Berghänge am Flughafen gefährliche Fallwinde strömen und sich mit Strömungen vom Meer zu tückischen Scheerwinden verbinden. Der Aeroporto da Madeira Cristiano Ronaldo gilt als der europäisch dritt, weltweit neunt gefährlichste Flughafen. Um auf ihm als Flugkapitän das erste Mal landen zu dürfen, muss ein Bodentraining absolviert werden, in dem die tückischen Winde und anderes studiert werden. Darüberhinaus gelten strenge Regeln in Bezug auf Flugpraxis, um Katastrophen wie in den 1977igern zu verhindern.

Aeroporto da Madeira Cristiano Ronaldo (FNC).

Aeroporto da Madeira Cristiano Ronaldo (FNC).

Am 19. November 1977 crashte eine portugiesische Boeing 727-700 bei schweren Wetterbindgungen beim dritten Landeversuch. Sie setze viel zu spät auf, schoss über den Runway hinaus und stürzte über die Klippe 40 m ins Meer. Nur 33 der 164 Menschen an Bord überlebten. Nur wenige Wochen danach, am 18. Dezember 1977, annähernd das Gleiche. Eine Schweizer Caravell 10R setze auf der kurzen Landebahn ebenfalls viel zu spät auf, stürzt ins Meer, nur 21 der 57 Menschen an Bord überlebten. Auch diese Unfälle erinnern an den alten Airport von Hong Kong. Dort stürzten die Jets aber nicht über Klippen, sondern schlitterten direkt weiter in die Bucht.

Bereits Anfang der 1970 wurde an Plänen gearbeitet, wie Madeira einen zeitgemässen Flughafen bekommen könnte. Das Thema schwer, da die einzigen ebenen Flächen die Hochebene Paul da Serra auf rund 1.400 m bietet. Doch die liegen zu oft in den dichten Nebel der Passatwolken gehüllt. Also blieb nur eine Verlängerung der Landebahn an der Klippe. 1982 wurde mit den Bauarbeiten begonnen und es dauerte drei Jahre, um die Start- und Landebahn um lediglich 200 m zu verlängern. Doch auch mit nun 1.800 m war die Bahn für Grossraummaschinen, da sie obendrein noch ein leichtes Gefälle hatte, eine riskante Piste. So wurde in den 1990iger begonnen, mit einer spektakulären Stützenkonstruktion die Start- und Landebahn um fast einen Kilometer auf 2.777 zu verlängern. Eine gewagte und imposante Konstruktion entstand direkt an den Klippen, die am 15. September 2000 eingeweiht wurde. Die Gefahren durch den kurze Runway wurde dem FNC damit genommen, die Herausforderungen in Bezug auf Winde, extreme Wettersituationen und den Anflug per Hand ohne ILS blieben aber.

Aeroporto da Madeira Cristiano Ronaldo (FNC).

Aeroporto da Madeira Cristiano Ronaldo (FNC).

Besucher Madeiras, die das Glück haben am richtigen Fenster beim Landeanflug zu sitzen, können, bevor die erste extreme Kurve eingeleitet wird, einen langen Blick auf die faszinierende Konstruktion der Landebahn werfen, auf dem sie in einigen Minuten aufsetzen werden. Wem das Glück nicht zuteil wird, der sollte über die VR 1 von Funchal kommend, den Flughafen ansteuern. Die Autobahn führt direkt unter den Stützen durch und steigt dann hinauf  zum Airport. So wird die imposante Konstruktion hautnah erlebt.

Architektur – modern und gewagt.

Reisende, die nicht affin zur portugiesischen oder spanischen Kultur sind, werden sich wundern, welche spektakuläre Architektur auf den Inseln Makaronesiens zu finden ist. Auf Grund ihrer kolonialen Geschichte haben Portugal und Spanien einen hohen Anspruch an Repräsentation. Das spiegelt sich u.a. in Kleidung und Architektur wider. Verblüffend, mit welcher Leichtig- und Selbstverständlichkeit gewagte moderne Gebäude, neben historischem, kulturell bedeutendem Baubestand, entstehen: Das Auditorio de Tenerife in Santa Cruz de Tenerife, das MAAT (Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia) in Lisboa oder beispielsweise das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Auditorio de Tenerife Santa Cruz de Tenerife.

Auditorio de Tenerife Santa Cruz de Tenerife.

Das Guggenheim-Museum in Bilbao und den Aeroporto da Madeira Cristiano Ronaldo verbindet eine Auszeichnung: Beide Bauwerke wurden mit dem „Outstanding Structure Award“ ausgezeichnet. Ein Preis, den die IABSE (International Association for Bridge and Structural Engineering) unregelmässig vergibt, immer dann, wenn einmal wieder etwas besonders spektakuläres erschaffen wurde. Ausgezeichnet werden Architekten und Bautechniker. In Deutschland dürfen sich drei Bauwerke mit dieser begehrten Auszeichnung schmücken: Das neue Dach der Commerzbank-Arena in Frankfurt, der Zentrale Omnibusbahnhof Hamburg und die Glashalle des neuen Leipziger Messegeländes.

Das MAAT (Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia) in Lisboa.

Das MAAT (Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia) in Lisboa.

Die wunderbare historische Bausubstanz von Funchal, verleiht der Hauptstadt ihren besonderen Charme. Kaum etwas mehr als 100 tsd. Bewohner leben in ihr. Die kleinen Plätze und der Takt der Stadt vermitteln dörfliches Flair. Wer das erste mal durch Funchal schlendert, wird von der kunstvollen Pflasterung der Strassen begeistert sein. Seit Jahrhunderten fixes Element portugiesischer Stadtentwicklung, ob auf der iberischen Halbinsel, in den ehemaligen Kolonien oder eben auf Madeira.

Typisch portugiesisch und spanisch – "azulejos" allgegenwärtig.

Typisch portugiesisch und spanisch – “azulejos” allgegenwärtig.

Jene, die beim Stadt Spaziergang unverhofft auf das Casino da Madeira stossen, werden von diesem Solitär, der kein deutlicherer Kontrapunkt zu seiner Umgebung sein könnte, verblüfft werden. Das Casino da Madeira wurde vom brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entworfen. Seinem Schaffensdrang entstammen unzählige Bauwerke, die zu Ikonen der modernen Architektur des 20. Jhd. zählen. Es sollte auch der zeitliche Kontext gesehen werden, in dem dieses Bauwerk entstand: 1976 wurde es eröffnet. Heute wirkt es modern, zu jener Zeit war es eine Revolution vielleicht auch verstörend.

Casino da Madeira Funchal.

Casino da Madeira Funchal.

Besucher der Insel, die nach der Besichtigung des Casino da Madeira vom architektonischen Mut der Portugiesen noch nicht überzeugt sind, sollten die „Escritorio Trafego“, das Verkehrsamt, aufsuchen, auch wenn kein Behördengang ansteht. Geradezu irritierend ist das Bauwerk für eine Behörde. Die Fassade von radikalem Purismus, das Innere transparent in Glas, Oberlichter fluten die Räume mit Licht und das auch noch mit Farbakzenten.

Moderne Architektur auf Madeira – Escritório tráfego.

Moderne Architektur auf Madeira – Escritório tráfego.

Ist das wirklich eine Behörde und kein schickes Start-up, ein Unternehmensberater, eine Privatbank? Nein, es ist in der Tat eine Behörde. Eins kann Portugal wirklich, die Nation der einst wagemutigsten Seefahrer ihrer Zeit, die sich aufmachten die Welt zu kolonialisieren: In Tradition und Jahrhunderte alter Kultur modern zu leben. Entwicklung statt Stillstand! Lissabon zeigt das prächtig und auch die Katalanen können das, wie Barcelona immer wieder vor macht.

Moderne Architektur auf Madeira – Escritório tráfego.

Moderne Architektur auf Madeira – Escritório tráfego.

Der Architektur interessiert wird, so er Madeira bereist, herausragende moderne Architektur entdecken. Das Mudas (Museu de Arte Contemporânea da Madeira) beispielsweise oder auch viele Privatvillen an steilen Hängen, welche an die Architektur von Frank Lloyd Wright oder Mies van der Rohe erinnern.

Die Spektakulär Landschaft – fast schon untertrieben.

Madeira ist spektakulär. Ein massives Stück Land im Atlantik, ein Gebilde aus vulkanischem Gestein und Sedimenten, das von der Ferne aus betrachtet wie ein riesiger Klotz im Ozean wirkt. 1.862 m ragt dieses Monument aus dem Wasser, die Klippen fallen unter Wasser bis auf 4.000 m ab. Ein Gebilde, das so hoch ist wie der Vulkan Cotopaxi in Ecuador. Irgendwann einmal wird der Sockel, auf dem Madeira ruht, so errodiert sein, das er in sich zusammen bricht und die Blumeninsel ins Meer stürzen wird. Der Tsunami wird so fatal sein, dass New York komplett unter den Fluten begraben werden wird. So es New York dann noch geben sollte. Derzeit ist es aber noch nicht so weit.

Mit herrlichen Sandstränden kann Madeira nicht aufwarten. Wer das sucht, muss zur Nachbarinsel Porto Santo übersetzen oder noch besser Fuerteventura als Reiseziel wählen. Rund um Madeira fallen die Klippen atemberaubend steil und direkt ins Meer ab. Gebadet wird in Naturbecken wie beispielsweise in Porto Moniz.

Porto Moniz Madeira.

Porto Moniz Madeira.

Aber wer Badespass sucht, der ist auf Madeira ohnedies falsch. Auf Madeira geht es um die spektakuläre Landschaft. Die Traumwelt der Hochebene von Paul da Serra beispielsweise, dicht gehüllt in Passatwolken, eine mystische Welt, die im Minutentakt zwischen blitzblauem Himmel und Waschküche wechselt. Wolkenlöcher geben spektakuläre Ausblicke frei und gleich können sie wieder weg sein. Wanderungen entlang der „levadas“, der Wasserwege, die das Nass von der Hochebene zu den tiefer liegenden Plantagen leiten, ein unvergessliches Erlebnis.

Levadas, die Wasserwege von Madeira.

Levadas, die Wasserwege von Madeira.

Der mystische Nebelwald, der Lorbeerwald, wird passiert, subtropische Wasserfälle tauchen plötzlich auf, das alles so spektakulär, wie in einer Kunstwelt durch Hollywood geschaffen. Nein, so schön würden die das gar nicht hinbekommen. Und dann der Frühling, ein Blütenmeer, Genüsse für Auge und Nase, Balsam für die Seele. Rein schauen, in die landschaftlichen Highlights der Blumeninsel Madeira: Madeira – steil, bunt und wunderschön.

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