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Kultur + Lifestyle

Design Museum Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona. Sehenswert.

Mode und Design im Designmuseum Barcelona in Spanien.

Museu del Disseny ist Katalan, die Sprache der stolzen Katalanen, die unter General Franco verboten war und heute wieder von 60% der Bevölkerung gesprochen wird. Kastilisch heisst es Museo de Diseño – alles steht für Design Museum Barcelona. In Barcelona ist es üblich zweisprachig anzuschreiben. Es ist Teil des Selbstbewusstseins des katalanischen Volkes, das über die Jahrhunderte durch Geschick, Handel und Fleiss zu grossem Wohlstand gelangte. Gleich wichtig war und ist jedoch die Lebenslust, Kunst, Kultur, was sich damals wie heute in Barcelona widerspiegelt. Die Katalanen sind Zerrissene: „Seny y rauxa“ – so sehen sie sich selber, was soviel bedeutet wie Fleiss, Disziplin und rauschhafte Erregung. Sie können wahrlich beides perfekt.

Das Haus des Design Museum Barcelona ist ein Ableger des Institut de Cultura de Barcelona und bezog mit seiner Sammlung 2014 das neugeschaffene Gebäude am Plaça de les Glòries. Ein architektonisch interessantes Gebäude, das neben dem weltbekannten Torre de Agbar steht. Beide zusammen bilden ein interessantes Ensemble. Viel Raum wird den beiden Bauwerken geboten, ihre Wirkung zu entfalten. Wählte der Architekt Stephan Braunfels für die Pinakothek der Moderne in München den radikalen Ansatz, dass die Architektur ausnahmslos dem Zwecke zu dienen habe, im inneren einen perfekten Raum für Kunst zu schaffen, liessen sich die Architekten Oriol Martorell, Oriol Bohigas und David Mackay dazu hinreissen, dem Äusseren eine grosse gestalterische Bedeutung einzuräumen. Das rächt sich. Betritt man das Museum stellt man fest: An die Aura und Plattform die Stephan Braunfels im Innenbereich der „Pinakothek der Moderne“ geschaffen hat, Kunst perfekt in Szene zu setzen, dafür ein schlichtes Äusseres akzeptierte, kommt das Museu del Disseny nicht im entferntesten heran.

Für Designinteressierte ist das Museo de Diseño, das Design Museum Barcelona, ein absoluter Pflichttermin. Es ist nichts für normale Touristen, die mit dem Reisführer Funkturm, Sagrada Familia und weiteres abarbeiten. Hier braucht man Zeit, Interesse und ein gewisses Basiswissen sollte man ebenfalls mitbringen. Lesen Sie warum.

Themen des Design Museums Barcelona.

1. Stock – Produktdesign im Design Museum Barcelona.

Der berühmte "Butterfly Chair" der Grupo Austral aus dem Jahre 1938 zu sehen im Design Museum Barcelona.

Der berühmte Butterfly Chair der Grupo Austral aus dem Jahre 1938.

Der erste Stock des Design Museums wurde ganz dem Produkt- und Industriedesign gewidmet. Designklassiker aus dem Bereich Möbel und Lampen finden sich genauso wie funktionales Design von Alltagsprodukten, die auch nach Jahrzehnten noch in identer Form ihren Platz im täglichen Leben haben. Präsentiert wird zeitlos Schönes und Funktionales, Klassiker eben.

Bei den Designklassikern sticht natürlich der berühmte BKFChair, der Butterfly Chair der Grupo Austral (1938 – 41) der Designer Bornet / Kurchan / Ferrari-Hardoy ins Auge und darf nicht im Design Museum Barcelona fehlen. Er ist als selbstragende Konstruktion aus einem leichten Metallrohr-Klapprahmen und einer Bespannung aus Textil oder Leder entworfen, dadurch besonders leicht und transportabel, trotzdem überaus stabil. Ab 1940 wurde das Design exklusiv von Walter Knoll produziert und bereits in den ersten Jahren weltweit millionenfach verkauft.

Ein Blickfang ist auch die weltweit erste Trialmaschine des spanischen Industriedesigners Leopoldo Milá aus dem Jahre 1968, mit der Milá nicht nur eine neue Idee für das Motorrad lieferte, sondern auch für die damalige Zeit, mit dem Einsatz von Aluminium und Fieberglas, mit Materialien experimentierte, die bis Dato im Motorradbau so noch nicht eingesetzt wurden. Folgerichtig findet sich unweit auch die legendäre Motorradbrille CLIMAX, die heute als Retro-Accessoire ungebrochen ihren Erfolg fortsetzt.

1968, das erste Trial Bike der Geschichte – Cota 247, Industriedesigner Leopoldo Milá Unglaublich modern: Stahl, Aluminium, Fieberglas, Acryl.

1968, das erste Trial Bike der Geschichte – Cota 247, Industriedesigner Leopoldo Milá. Unglaublich modern: Stahl, Aluminium, Fieberglas, Acryl.

CLIMAX Motorradbrille – der Designklassiker. Heute neu aufgelegt gefragter denn je! Original im Designmuseum Barcelona.

CLIMAX Motorradbrille – der Designklassiker. Heute neu aufgelegt gefragter denn je!

Wer gerade vom Airport Barcelona kommt, wird auch die Sitzbank von Josep Llusà wieder erkennen und so er sich dort eine Flasche Wasser der in Spanien sehr beliebten Marke Fonte Vella gekauft hat feststellen, dass das Design dieser PET Flasche seit 1999 unverändert seinen Platz in den Supermärkten hat. Im Hotel könnte man auf den legendären Einhandmischer des Designers Ramón Benedito aus 1991 im Badezimmer stossen.

Der 1. Stock des Design Museum Barcelona führt dem Besucher eindringlich vor, was gutes Design ist: Zeitlos, zweckmässig und auch noch schön und vor allem auch in Alltagsgegenständen zu finden ist. Es öffnet dem Designinteressierten die Augen, im Alltag etwas genauer hinzusehen.

Wer kennst Sie nicht? Auf jedem Flugplatz der Welt zu Hause. Sitzbank von Josep Llusà, 1993, im Designmuseum Barcelona.

Wer kennst Sie nicht? Auf vielen Flugplätzen der Welt zu Hause. Sitzbank von Josep Llusà, 1993.

2. Stock – Fashion im Design Museum Barcelona.

Die Fashion, Modeausstellung des Designmuseum Barcelona in Spanien.

Im zweiten Stock befindet sich die Sammlung zum Bereich Textil, dekorative Kunst und Kunstgewerbe. Letztere Bereiche richten sich eher, wenn auch von aussergewöhnlichen Objekten geprägt, die bis in die vorspanische Zeit zurück reichen, an für historisch sehr beschlagene und an Keramik und alten Möbelstücken wie Aussteuertruhen und ähnlichem interessierte Besucher. Laien werden sich hier absolut nicht zurecht finden.

Der Textilbereich des Design Museum Barcelona ist eher jener, der den normalen Besucher in den Bann zieht. Hier wird, ausschliesslich weibliche Mode und Trends von 1550 bis in die heutige Zeit, präsentiert. Sehr schön mit Effektlichtern sind die Objekte im sonst dunklen Ausstellungsbereich in Szene gesetzt, was auch dazu dient, ihre teils prachtvollen und leuchtenden Farben zu bewahren. Es ist ein interessanter Streifzug durch die Jahrhunderte der zeigt, dass weibliche Mode immer einen Fokus hatte: Die weiblichen Linien, gemäss dem herrschenden Schönheitsideal, optimal in Szene zu setzen. Bei vielen Entwürfen stellt der Besucher erstaunt fest, das man vor einigen hundert Jahren gar nicht so prüde war, wie man uns das gerne weiss machen möchte. Schön und gelungen anzusehen, auch für wenig Mode interessierte. Für „passionated followers of fashion“ ein absolutes „must see“ in Barcelona!

Mode im Wandel der Zeit: Damenmode von 1550 - 2015 präsentiert im Designmuseum Barcelona.

Mode im Wandel der Zeit: Damenmode von 1550 - 2015 präsentiert im Designmuseum Barcelona.

Mode im Wandel der Zeit: Damenmode von 1550 – 2015 präsentiert im Design Museum Barcelona.

 

3. Stock – Grafik Design im Design Museum Barcelona.

Objekte aus den Hochzeiten des Grafik-Designs im Designmuseum Barcelona.

Objekte aus den Hochzeiten des Grafik Designs.

Der dritte Stock des Design Museum Barcelona ist ein überaus interessanter Streifzug durch das Grafik Design Metier der letzten Jahrzehnte. Jeder Grafiker, Werbetreibende oder Mensch, der einen Fabel für „Retro“ hat, wird sich hier wohl fühlen. Aber die Ausstellung ist nicht nur zum Anschauen, sie ist auch eine Quelle unzähliger Anregungen und Ideen für Schaffende dieser Branche, sich inspirieren zu lassen oder Anleihen zu nehmen, denn jeder Trend, der wirklich gut war, kommt irgendwann einmal wieder und hat eine neue Zeit, in der er passend und populär sein kann. Man muss ihn nur wieder zum Leben erwecken.

UG – 20.000 Bücher + wechselnde Ausstellungen im Design Museum Barcelona.

Über 20.000 Bücher dokumentieren Geschichte, Technik und Stand des Designs im Designmuseum Barcelona.

Über 20.000 Bücher dokumentieren Geschichte, Technik und Stand des Designs.

Das Untergeschoss des Museu del Disseny de Barcelona, Design Museum Barcelona, hat es in sich. Weit über 20.000 Bücher zum Thema Design lagern hier und warten darauf, aus den Regalen genommen und studiert zu werden. Die Werke reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück! Eine Forschungs- und Inspirationsstätte, die wohl weltweit einzigartig ist, denn es gibt keine Bibliothek die derart konzentriert dieses Wissen bereit hält. Die Präsenz-Bibliothek ist für jedermann frei zugänglich. Alle Bücher sind mit einem RFID Chip ausgestattet, der einem Computer ermöglich, zu protokollieren welche Bücher am meisten gelesen werden und wie lange. So lässt sich das Publikumsinteresse beurteilen. Ausserdem schützt es die wertvolle Sammlung vor Langfingern. Hier triff sich Fachpublikum aus aller Welt zum Netzwerken, entwerfen, forschen und denken. Ein interessanter und besonderer Ort.

Gleich daneben befinden sich die Verwaltungsräumlichkeiten, die durch einen grossen, offenen Gang zugänglich sind und auch von weitem sehr stylisch aussehen. Man bekommt Lust auch das zu besichtigen, wird aber recht bald höflich aufmerksam gemacht, dass man sich in Büroräumlichkeiten befindet und muss den Rückzug antreten.

Über 20.000 Bücher dokumentieren Geschichte, Technik und Stand des Designs im Designmuseum Barcelona.

Über 20.000 Bücher laden zum Stöbern und Forschen über aktuelles und historisches Design.

Enttäuscht muss man nicht sein, denn hier finden auch die wechselnden Sonderausstellungen des Design Museum Barcelona statt. Die Bandbreite ist breit, ob wie im Frühling 2017 die Sonderausstellung zu David Bowie, die sich ganz der Stilikone und dem kreativen Chamäleon David Bowie widmete, oder der Sonderausstellung zum Thema Einsatz neuer Werkstoffe für das Produktdesign: Die Ausstellungen sind immer sehenswert.

Schwerpunktausstellung "Neue Werkstoffe" – Studie hybrid Stiefel aus Holz und Mikrofaser im Designmuseum Barcelona.

Schwerpunktausstellung “Neue Werkstoffe” – Studie hybrid Stiefel aus Holz und Mikrofaser.

 

Entspannen in und vor dem Design Museum Barcelona.

Ein versteckter, kleiner Wintergarten im Designmuseum Barcelona im 2. Stock lädt zum Ausruhen und Blicke auf die Sagrada Familia.

Ein versteckter, kleiner Wintergarten im 2. Stock lädt zum Ausruhen und Blicke auf die Sagrada Familia.

Das Designmuseum Barcelona, das Museu del Disseny de Barcelona, ist fordernd und nicht umsonst ist die Eintrittskarte für zwei Tage gültig. Auch wenn die Dimensionen nicht jener der Pinakothek der Moderne in München oder dem des MOMA in New York entsprechen, ab und zu ist es angezeigt eine Pause einzulegen, um über das Gesehene zu resümieren oder nur den müden Füssen eine Erholung zu gönnen.

Einwenig versteckt und von vielen übersehen da nicht angeschrieben, findet sich im zweiten Stock, an jener der Metro-Station zugewandten Seite, ein Vorbau, Wintergarten gleich, mit grossem Panoramafenster. Wer mit der Metro kommt, sieht den Vorbau schön, wenn er die Fassade nach oben blickt. Hier kann man herrlich auf Stufen in absoluter Ruhe sitzen, durch getönte Scheiben dem Treiben auf der Strasse zusehen oder die Silhouette Barcelonas mit der Baustelle der Sagrada Familia geniessen.

Die Cafeteria des Designmuseum Barcelona lädt stylisch und entspannt ausichtsreich zu entspannen. Trotz Ambiente und Location für jeden leistbar.

Die Cafeteria lädt stylisch und aussichtsreich zum Entspannen. Trotz Ambiente und Location für jeden leistbar.

Ein interessanter Ort, um sich nach dem Besuch des Design Museums auszutauschen, ist die Cafeteria. Hier kann man in entspannter und stylischer Atmosphäre sitzen, lümmeln oder wie man sich eben gerade fühlt, denn es ist keine normale Cafeteria mit einheitlichen Stühlen und Tischen. Viele junge Leute treffen sich hier, Studenten, Studenten die ihr Erasmus Jahr machen und auch Museumsbesucher. Die sind aber eher die Minderheit. Man kann einen Cafe trinken, natürlich alle Arten von Kuchen, Konfitüre und sonstigem geniessen, denn die Katalanen sind seit jeher verrückt nach Schokolade und Süssem oder auch kleine Gerichte essen. Alles sehr freundlich und mit überaus moderaten Preisen. Unbehelligt kann man solange sitzen, wie man mag und durch die grossen Scheiben auf den Teich in Augenhöhe blicken und abschalten oder nachdenken.

Bei sonnigem Wetter im Liegestuhl vor dem Designmuseum Barcelona entspannen. Die Stadt vermietet gegen kleinen Obulus Plätze an der Sonne. Bücher, Zeitungen, Brettspiele inkludiert.

Bei sonnigem Wetter im Liegestuhl vor dem Museum entspannen. Die Stadt vermietet gegen kleinen Obulus Plätze an der Sonne. Bücher, Zeitungen, Brettspiele inkludiert.

Besucher, die aus Ländern kommen, die von der Sonne stiefmütterlich behandelt werden, wird es auf den Platz vor dem Museu del Disseny ziehen. Hier vermieten zwei Herren der Stadtverwaltung, die nicht sehr stilsicher in Strassenkehrer ähnelnden Monturen gekleidet sind, Liegestühle. In einer Rollbox bieten sie, im kleinen Preis für den Liegestuhl inbegriffen, Bücher, Magazine oder Brettspiele an, um sich alleine oder zu zweit die Zeit zu vertreiben. Für jene, die nicht nur faul das Gesicht in die katalanische Sonne strecken wollen, die schon früh im Jahr sehr stark ist. Eine nette Idee mit Verbesserungspotential.

Zeiten, Preise, Anreise und mehr des Design Museum Barcelona.

Oft bemängelt: Kein Audioguide im Designmuseum Barcelona. Stimmt nicht. Moderner eben. Und sonntags klassische Führungen. Was will man mehr?

Oft bemängelt: Kein Audioguide. Stimmt nicht. Moderner eben. Und sonntags klassische Führungen. Was will man mehr?

Das Design Museum Barcelona liegt sehr verkehrsgünstig an der Metro Station Glòries, die von der Linie 1 angesteuert wird. Aber auch unzählige Buslinien, Tram oder das Mietfahrrad erschliessen das Design Museum Barcelona schnell und günstig. Wer die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt, was anzuraten ist, kauft sich am besten eine 10 Fahrten Karte oder ähnliches am Automaten. Damit kommt man schnell und sicher für 99 Cent pro Fahrt von einem an das andere Ende der Stadt. Das Leitsystem ist sehr gut, auch der ausgegebene Fahrplan, mit dem man sich schnell und leicht zurecht findet. Ohne Fahrausweis gelangt man nicht durch die Schranken in die Metro, was unangenehmes Publikum fern hält und die Bahnsteige sauber. Viel Security ist präsent, was nicht nur subjektiv für ein ungewohnt sicheres Gefühl in einer derartigen Millionenmetropole sorgt. Highlight sind die Musikanten, die in den vielen Passagen der Metros, streng reglementiert, aufzuspielen. Professionelle Musiker, Studenten der Musikhochschule und andere fantastische Künstler trifft man hier, von frühmorgens bis spätabends, die konzertreife Musik präsentieren. Alleine daher sollte man schon die Metro nutzen!

Für das Gebotene ist der Eintrittspreis des Design Museum Barcelona überaus fair. Ein Erwachsener bezahlt derzeit 6,- Euro, erwirbt man die Karte vorab über die Website, dann ist sie für 4,- Euro zu haben. Besonders positiv für den Interessierten: Die Karte gilt zwei Tage, die innerhalb einer Frist von sechs Monaten genutzt werden müssen. Wie in allen spanischen Museen üblich, gibt es auch Zeiten, in denen das Museum kostenlos besucht werden kann. Im Design Museum Barcelona ist dies sonntags ab 15:00 Uhr der Fall.

Die Öffnungszeiten des Design Museum Barcelona sind täglich 10:00 bis 20:00 Uhr, montags ist geschlossen, so kein Feiertag ist. Ansonsten schliesst das Museum lediglich am 1.1., 1.5., 24. und 25.12.

Am Sonntag werden auch Führungen angeboten. Audio Museumsführer, wie früher mal modern, gibt es keine. Hier setzt man auf moderneres. Eine App, die einen durch den Besuch begleitet, lässt sich downloaden!

Um sich über die Aktivitäten des Museums zu informieren, davon gibt es unzählige in Form von Werkstätten, Workshops und mehr, besucht man die Website, auch um sich, wenn man Lust hat, auf den Besuch vorzubereiten. Hier wird auch aufgeklärt, mit welcher der Unmengen Barcelona Cards, die es so gibt, ein ermässigter Eintritt erzielt werden kann. Schnäppchenjäger mag das interessieren.

Nützliche Links.

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