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Das Kulturdenkmal Ermita de San Ambrosio – ein vergessener Ort.

Ermita de San Ambrosio – Basilika auf den Fundamenten einer römischen Villa.

Die Ermita de San Ambrosio ist ein wichtiges Zeitdokument des frühchristlichen Spaniens. Sie soll auf den Fundamenten einer römischen Villa errichtet worden sein und wird Pimenius, Bischof von Medina-Sidonia, zugeschrieben, der sie am 14. November 644 geweiht haben soll. ¹)²) Sie ist eine von vier Basilikas, die in diesem Zeitraum in der Region durch ihn geweiht worden sein sollen. Sein Augenmerk legte Pimenius angeblich auch darauf, dass die Kirchen reich mit Reliquien ausgestattet wurden. Obwohl San Ambrosio heute als la ermita bezeichnet wird, also Kapelle oder Einsiedelei, ist sie vom Bautyp her eine recht eigenartige Basilika und wird auch oft so benannt. In der frühen Romanik folgten die christlichen Gotteshäuser dem Baustil griechischer Basilikas, die jedoch in Griechenland weltlichem dienten, dem Handel oder der Gerichtsbarkeit beispielsweise. Stätten, die ebenso diesen Zwecken dienten, denen aber kein Bauwerk gewidmet wurde, benannten die antiken Griechen Agora. Die häufig zu findende Annahme, eine Basilika müsse etwas Monumentales sein, trifft nicht zu, ganz im Gegenteil. Romanische Basilikas sind bescheidene Gotteshäuser ohne Prunk, mit einem (relativ) hohen Mittelschiff, an das sich zwei Seitenschiffe ducken. Der Chor ist als markanter Rundbau gestaltet, auf dem eine Kuppel sitzt. Meist sind es aber, wie bei San Ambrosio, sogenannte falsche Kuppeln. Sie bilden sich aus einem Achteck, da sich dies technisch deutlich einfacher realisieren lässt.

Das zentrale Stadttor von Medina-Sidonia im maurischen Stil.

Das zentrale Stadttor von Medina-Sidonia im maurischen Stil.

Bei genauer Recherche treten Zweifel auf, ob Pimenius tatsächlich, wie in allen hier gesichteten Quellen zu lesen ist, der Urheber oder Weihbischof der Ermita de San Ambrosio ist. Wenigstens war er es wenn, dann wohl noch nicht in Bischofswürden. Emil Hübner befasste sich in seinem Buch „Inscriptiones Hispaniae Christianae“ 1871 extensiv mit spanischen Inschriften. ³). Dort taucht auch ein Bischof Pimenius auf, der diese Würde in Medina-Sodonia inne hatte, das unweit der Ermita de San Ambrosio liegt und zur Provinz Cádiz gehört. Hübner vermerkt Weihinschriften an Kirchen in der Provinz Cádiz, die als authentisch gelten, welche auf Pimenius verweisen. Ebenfalls nach Hübner findet sich ein Bischof Pimenius in Konzildokumenten von Toledo. Nach diesen dürfte Pimenius das Bischofsamt von Medina-Sodonia erst zwischen 671 und 684 ausgeübt haben. Die Jahreszahlen spiessen sich.

Medina-Sidonia – die Iglesia de Santa María la Mayor vom Castillo de Medina Sidonia.

Medina-Sidonia – die Iglesia de Santa María la Mayor vom Castillo de Medina Sidonia aus gesehen.

Mit dem Bike zur Ermita de San Ambrosio – Landstrasse oder Küstentrail nach Barbate?

Der Radweg an der CA-215 bzw. A-2233 von Conil de la Frontera zur Gemeindegrenze von Barbate.

Der Radweg an der CA-215 bzw. A-2233 von Conil de la Frontera zur Gemeindegrenze von Barbate.

Bevor San Ambrosio nur noch eine in sich zusammen gefallene ruina, oder wie es im kanarischen Spanisch heisst achipenco ist, will sich ¡Viva-España! von Conil de la Frontera mit dem Mountainbike aufmachen, die Reste des Kulturdenkmals zu besichtigen. Je nachdem, welche Route gewählt wird, sind es 36 bis 40 Km mit ein paar Höhenmetern. Die kurze Variante ist die komfortable, die Mountainbike und Gravel Bike tauglich ist. Die schöne ist nur mit dem Mountainbike zu machen. Mit dem Strassenrennrad ist ab dem Kreisverkehr an der Gemeindegrenze von Barbate Endstation.

Die kurze, komfortable Variante nutzt den recht neuen und mit dicken Beton Seitenwänden geschützten Radweg, der von Conil de la Frontera, über El Palmar, Zahora, Cabo Trafalgar und seit neuestem bis in die Stadt Barbate führt. Er verläuft entlang der Landstrasse CA-215 bzw. A-2233. Von Conil geht es zügig dahin. Der Radweg führt abwärts, meist schiebt ein Rückenwind dazu kräftig an. Der beginnt ab zehn Uhr zu blasen und erreicht als thermischer Wind seine grösste Stärke am Nachmittag. Beim Rückweg heisst es ordentlich in die Pedale treten. Der Radweg wird erst am Kreisverkehr verlassen, an dem die Gemeinde Barbate beginnt. Der ist nicht zu übersehen, denn bunte 3D Buchstaben wie das gerade Mode ist, verkünden das etwas aufdringlich. Dort ist auch bereits die Ermita de San Ambrosio angeschrieben. Am rotonda, dem Kreisverkehr,  wechselt der Biker auf die Carretera Arroyo de San Ambrosio. Übersetzt heisst die bösartig holprige, mit tiefen Schlaglöchern durchsetzte Piste, so in etwa die Landstrasse des San Ambrosio Bachs. Am rotonda stösst auch die Küsten Variante dazu.

Der Küstentrail von Conil de la Frontera Richtung Barbate, der am Playa Mangueta Richtung Kreisverkehr A-2233 verlassen wird.

Der Küstentrail von Conil de la Frontera Richtung Barbate, der am Playa Mangueta Richtung Kreisverkehr A-2233 verlassen wird.

Die Küstenvariante ist äusserst schön. Sie passiert Kulturdenkmäler wie den Torre del Castilnovo, führt dann durch das bei Surfern angesagte El Palmar, um danach sandigen Pisten und ebensolchen Pfaden entlang der Strände zu folgen. Landeinwärts grasen Vacas retintas, die für ihr besonders schmackhafte Fleisch bekannt sind. Die sandigen Passagen werden öfter so tief, dass schieben angesagt ist, wenn kein Fat Bike im Einsatz ist. Im April und Mai hat diese Passage ihre ganz besonderen Reize. Dann blüht es auf den Wiesen und selbst die Sanddünen tragen Blütenschmuck. Auf ihnen blühen diverse Salzpflanzen, die vor der chemischen Industrie wichtige Rohstofflieferanten waren, denn aus ihnen konnten Soda, Kaliumcarbonat (Pottasche) und Farbstoffe gewonnen werden.

Der Küstentrail von Conil de la Frontera Richtung Barbate, der am Playa Mangueta Richtung Kreisverkehr A-2233 verlassen wird.

Der Küstentrail von Conil de la Frontera Richtung Barbate, der am Playa Mangueta Richtung Kreisverkehr A-2233 verlassen wird.

Der Küstentrail von Conil de la Frontera Richtung Barbate, der am Playa Mangueta Richtung Kreisverkehr A-2233 verlassen wird.

Der Küstentrail von Conil de la Frontera Richtung Barbate, der am Playa Mangueta Richtung Kreisverkehr A-2233 verlassen wird.

Am schönen Playa Mangueta, der sich im Frühling sehr einsam präsentiert, wird die Küste auf einer sandigen, immer besser werdenden Piste verlassen. An einer wunderschönen dehesa, auf der Pferde grasen, wird vorbeigeradelt, die ersten weissen Häuser tauchen auf, Zahora, dann wird auf den oben beschrieben Kreisverkehr gestossen. Eindrücke dieser Variante, vermittelt der Artikel „Runners delight – andalusischer Küsten Trail, brutal schön.“ (s.u.).

Am Kreisverkehr A-2233 an der Gemeindegrenze Barbate – hier vereinen sich beide Varianten.

Am Kreisverkehr A-2233 an der Gemeindegrenze Barbate – hier vereinen sich beide Varianten.

Kreisverkehr A-2233 an der Gemeindegrenze Barbate – Abzweig auf die Piste Carretera Arroyo San Ambrosio.

Kreisverkehr A-2233 an der Gemeindegrenze Barbate – Abzweig auf die Piste Carretera Arroyo San Ambrosio.

Kreisverkehr A-2233 an der Gemeindegrenze Barbate – Abzweig auf die Piste Carretera Arroyo San Ambrosio.

Kreisverkehr A-2233 an der Gemeindegrenze Barbate – Abzweig auf die Piste Carretera Arroyo San Ambrosio.

Über holprige Piste durch die La Breña y Marismas del Barbate.

Es geht auf die wenig befahrene Piste Carretera Arroyo San Ambrosio, die teils idyllisch durch das Naturschutzgebiet La Breña y Marismas del Barbate führt. Als la breña wird ein von Gestrüpp durchsetzter Landstrich bezeichnet, als marismas, Marschland, also Schwemmland, Salzwiesen. Die Soden, die Salzpflanzen, die von der Vaca retinta auf diesen gefressen werden, geben ihrem Fleisch den besonders würzigen Geschmack, wie eben dem Pata negra die Eicheln. Die Vaca retinta oder das Pata negra liefern kein Turbofleisch wie jenes aus der Massentierhaltung, das nach nichts mehr schmeckt. Wer nur das kennt, wird erschrocken feststellen: Das Fleisch schmeckt „nach Tier“. Der Gaumen muss lernen das zu schätzen.

Über die Carretera Arroyo San Ambrosio vorbei an den Dehesas des Naturschutzgebietes La Breña y Marismas del Barbate.

Über die Carretera Arroyo San Ambrosio vorbei an den Dehesas des Naturschutzgebietes La Breña y Marismas del Barbate.

Bei La Breña y Marismas del Barbate handelt es sich um eine dehesa, oder wie im Deutschen bezeichnet eine Almende. Das ist Gemeindegrund, der nach strikten Regeln, wer, wann und wie, von der Allgemeinheit bewirtschaftet werden darf oder sogar werden muss, beispielsweise zum Grasen von Vieh oder dem Wasser wegen. In Spanien ist das vor allem in Andalusien noch sehr verbreitet, wie auch heute noch in der Schweiz, Teilen Süddeutschlands oder Westösterreichs. Dem Begriff dehesa ist aber in Andalusien noch eine weitere Bedeutung zugewiesen. Er bezeichnet weite Weideflächen, die von Korkeichen durchsetzt sind. Die Landschaftsform wird auch als die Savanne Europas bezeichnet und prägt das Landschaftsbild Südwest Spaniens, besonders ausgeprägt ab Aracena hinauf in die Extremadura. Auf den dehesas grasen Schafe, Kampfstiere, das berühmte Pata negra Schwein, dessen Leibspeise Eicheln sind, aber auch ganz normale Milchkühe. Wer das erste Mal die dehesas Südwestspanien durchwandert, ist nicht selten überwältigt von diesem Idyll, einer Bilderbuchlandschaft, deren Schönheit fast schon surral wirkt. So schön ist die La Breña y Marismas del Barbate natürlich nicht, aber einige Flecken erinnern doch sehr an dehesas.

Über die Carretera Arroyo San Ambrosio vorbei an den Dehesas des Naturschutzgebietes La Breña y Marismas del Barbate.

Über die Carretera Arroyo San Ambrosio vorbei an den Dehesas des Naturschutzgebietes La Breña y Marismas del Barbate.

Über die Carretera Arroyo San Ambrosio vorbei an den Dehesas des Naturschutzgebietes La Breña y Marismas del Barbate.

Über die Carretera Arroyo San Ambrosio vorbei an den Dehesas des Naturschutzgebietes La Breña y Marismas del Barbate.

Die interessante Landschaft und das permanente Slalomfahren, um von keinem gabelbrechend tiefen Schlagloch zu Boden gebracht zu werden, lässt die knapp, im Sommer sehr staubigen, 6 Km rasch unter den Rädern vergehen. Vorsicht, nicht, wenn der Flow sich eingestellt hat, an San Ambrosio vorbeiradeln, denn sie ist bereits so zugewachsen, dass von der Piste nur Natur aber keine Basilika zu sehen ist. Vor dem heiligen Haus liegt ein grosser Baumstumpf bereit, auf denen bereits jetzt Erschöpfte vor der Besichtigung noch Platz nehmen können.

An der Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

An der Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

An der Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

An der Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

La Ermita de San Ambrosio – die Natur gibt den Ton an.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Der erste Anblick der Basilika ist erschreckend. In welcher Weise das Obispado de Cádiz y Ceuta dieses wichtige Kulturgut des frühchristlichen Spaniens verkommen lässt, ist escandaloso y triste, wie der Spanier sagen würde. Der Grund und das geschützte Bauwerk steht im Eigentum des Bistums, das es auch zu erhalten hätte. Die Ermita de San Ambrosio präsentiert sich völlig zugewuchert als unbedeutende Ruine samt historischem Nebengebäude.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Ist das verkraftet, sticht der eigenartige Grundriss der ermita ins Auge. Eine Kuppel schmückt nicht den Chor, wie das üblich wäre, sondern eine zu späterer Zeit angebaute Kapelle. Sie kann begangen werden. Die Verbindung zum Hauptschiff wurde zugemauert, wohl um die Stabilität der tragenden Wand zu erhöhen. Die markante Schiessscharte zeigt, dass in diesen Zeiten Gotteshäuser auch immer Zufluchtsorte und Wehrburgen waren.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Dort, wo sich der Chor befindet, also gegenüber des Haupteingangs, scheint es einst einen Kirchturm gegeben zu haben oder einer, der begonnen und nicht fertig gestellt wurde. Eine gängige Praxis, ob bei gotischen Kathedralen oder Dorfkirchen: Den Glockenturm gab es erst später, weil das Geld ausging. Bei gotischen Monumentalbauten wurde auch gerne aus zwei geplanten Türmen, dann nur einer oder ein kleiner und ein grosser. Heute nutzt den verbliebenen Stumpen ein Storch zum Brüten. Im Frühling erfüllt ein fortwährendes Klappern die marismas, welche dicht von Störchen besiedelt werden.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Einen Weg durch das Gestrüpp suchen, um den Haupteingang zu erreichen. In die angebaute Kapelle zu treten, lohnt nicht. Sie ist leer und dunkel, also ins Hauptschiff. Zuallererst: Einen ausgiebigen und umfassenden Blick auf die mit einer Stahlkonstruktion abgestützten Spitzbögen und die nicht stabilisierten Seitenwände werfen. Die haben aber nicht mehr viel zu tragen. Sie müssten die Kräfte aufnehmen, welche die Bogenkonstruktionen weiterleiten, aber zum einen übernimmt das nun die Stahlkonstruktion, zum anderen haben die Bögen nur noch ihr Eigengewicht zu tragen. Verdächtig wirkt der nicht abgestützte Bogen des Haupteingangs. Dieser wurde mit zwei Stahltoren versperrt. Wie das aber in Spanien üblich ist, interessiert das Besucher, die solche Stätten erkunden, oder  jene, die eine Schlaf- oder Partystätte daraus machen wollen, wenig. In Spanien werden die Schlösser regelmässig aufgebrochen. Nachschau hält an solchen Orten in Spanien nach der Fertigstellung ohnedies niemand mehr. Wartung und Instandhaltung ist nicht die Sache des Spaniers. Es ist also möglich, die ermita zu betreten. Wer das tut, sollte auf der Hut sein, immer ein Auge zum Himmel gerichtet haben, nicht zum Schöpfer sondern zu den Bögen, denn ein Stein kann schnell einmal aus dem Gemäuer brechen. Trifft der, wird das Bike nicht mehr benötigt. Nicht zu nahe an die Wände treten oder unter einem Bogen beim obligatorischen Selfisieren verweilen.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Am Hauptportal fällt ein Wappen auf, dass aber zu verwittert ist, um auszumachen, um was es sich handeln könnte. Auffällig ist, dass die Säulen der ermita ungleiche Durchmesser haben, auf denen die Spitzbögen ruhen. Sinn macht das auch in Bezug auf die Optik keinen. Es könnte vermutet werden, dass sie von einem anderen Ort hergebracht wurden, um sie hier zu verwenden. Keine Seltenheit, denn das anfertigen von Säulen mit Hammer und Meissel ist eine zeitraubende Sache und etwas für Könner. Die Kapitelle könnten jedenfalls römischen Ursprungs sein, immerhin steht die ermita auf den Fundamenten einer römischen Villa und irgendeinen Tempel gab es sicher nahe feudaler Ansiedelungen.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Wer sich bis zur Apsis vor wagt, oder besser wo sie angesiedelt wäre, findet den Bogen zugemauert. Das wird wohl wegen des desolaten Turmrestes der Fall sein. In ihr soll ein Becken, wohl als Taufbecken eingesetzt, liegen. Historiker sind der Ansicht, es gehörte einst zur römischen Villa, auf deren Fundament San Ambrosio ruht. 4). Berichte geben an, dass zu späteren Zeiten ein Umbau zum Mudéjar Stil erfolgte. In der Regel betraf das kunstvolle und mit Schnitzereien verzierte Dachkonstruktionen. Besonders ausgeprägt findet sich der Mudéjar Stil auch auf den Kanaren. Jedes Gotteshaus, dass das Geld aufbringen konnte, schmückte sich mit einem Dachstuhl im Mudéjaren Stil. Als Mudéjaren werden Moslems bezeichnet, die nach der Reconquista in Spanien verblieben. Meist waren es Handwerker von grossen Fähigkeiten. Mit der maurischen Invasion eines Teiles der iberischen Halbinsel, erreichte auch die hohe arabische Handwerkskunst die iberische Halbinsel, die gegenüber der arabischen Kultur in Sachen Kunst, Wissenschaft, Literatur, Medizin oder Handwerkskunst stark rückständig war. Viele handwerkliche Begriffe stammen noch heute aus dem Arabischen.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Basilika Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Biker, die noch mehr vor haben, sollten der Piste weiter folgen, bis sie in die Avenida de Buenavista einmündet. Dieser folgen, um das überaus sehenswerte Vejer de la Frontera zu erreichen. Die avenida ist eine kleine, schmale Strasse, teils mächtig ramponiert, die ihren Namen Buenavista  zu recht trägt. Wunderbare Aussichten warten, die mit teils giftigen Anstieg verdient werden müssen.

Die Fuente de Juan Cubierta an der Avenida de Buenavista.

Die Fuente de Juan Cubierta an der Avenida de Buenavista.

Auf halbem Weg wartet die Quelle Fuente de Juan Cubierta, deren Pumpwerk aber kaputt ist. Der gesprayte Schriftzug „aqua no potable“ ist also nicht von Nöten. Vejer wird auf einer untypischen Route erreicht, die kaum ein Tourist kennt, nämlich von oben. Final geht es über einen Pass mit einem nachdenkenswerten Zitat. Vejer liegt unter diesem.

Der Pass auf der Avenida de Buenavista über Vejer de la Frontera.

Der Pass an der Avenida de Buenavista über Vejer de la Frontera.

Noch einen Kilometer und die historischen Windmühlen sind erreicht. Dort bieten sich herrliche Ausblicke vom Mirador a Trafalgar über die Küste, Trafalgar ist interessanter Weise nicht zu sehen,  vom Mirador del Santo umwerfende über Vejer de la Frontera. Es lohnt in die historisch bedeutende Stadt hinunter zu fahren. Dort wartet auf den Biker eine noch zusammenhängende, mittelalterliche Stadtmauer und wunderbare historische Gassen, mit lauschigen Cafés in patios. Auf der Route nach Vejer sind ca. 6,5 Km und gut 200 Hm zu bewältigen.

Mirador a Trafalgar – herrliche Blicke auf die Küste, Trafalgar ist aber nicht zu sehen.

Mirador a Trafalgar – herrliche Blicke auf die Küste, Trafalgar ist aber nicht zu sehen.

Mirador de Santo – spektakulärer Blick auf Vejer de la Frontera.

Mirador del Santo – spektakulärer Blick auf Vejer de la Frontera.

Wem das auch noch nicht reicht, nimmt von Vejer die schmale, extrem kurvenreiche CA-5203 mit spektakulärer Abfahrt in die Ebenen. Durch die weiter nach Barbate.  Dort kann der neue Radweg genommen werden, der direkt nach Conil de la Frontera zurück führt. Das wäre dann die Rundtourvariante für sportliche.

Vuelto – auf einen Café und Montaditos an der Parroquia de Santa Catalina de Alejandría.

An der Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

An der Ermita de San Ambrosio in der Gemeinde Barbate, Provinz Cádiz.

Die Ermita de San Ambrosio ist gesehen. Wer eine Sensation erwartete, wird enttäuscht sein. Es geht mehr darum, ein Kulturgut auf sich wirken zu lassen und ein winziges Puzzlestück seinem Wissen hinzuzufügen, um die Welt, wie sie ist und warum sie so ist, besser zu verstehen. Der gebildete Mensch findet Anknüpfungspunkte zu dem, was bereits in seinem Kopf gespeichert ist. Das Spannende ist die Vernetzung und welche ganz neuen Erkenntnisse sich daraus ergeben. Bildung und Sport, die Königsdisziplinen eines kultivierten Menschen.

¡Vuelto! Es geht zurück ins ruhige, frühlingshafte Conil de la Frontera, das sich auf den grossen Ansturm im Sommer vorbereitet. Heute heisst es kräftig in die Pedale zu treten. Radfahren kann an der Costa de la Luz ein kräftezehrendes Unternehmen werden, irgendwie ist es das immer. Entweder es fegt ein unangenehmer Wind aus Ost, West oder Nord, Atlantikküste eben, bleibt der aus, ist es schon im Frühling oder auch im Herbst ein Kreislauftest auf Grund der Hitze. Im Winter ziehen sintflutartige Regenfälle über die Küstenregionen. Trotzdem ist Radfahren an der Costa de la Luz fabelhaft. Manchen erscheint das eigen – jeder hat seine Präferenzen. An diesem Tag wird der Radfahrer vom Levante traktiert. Levante bezeichnet die Mittelmeerküste Spaniens und den Wind der dort, zwischen dieser Küste und der afrikanischen Nordküste, grossflächig entsteht. Es ist ein schwacher Wind, nicht mehr an der Costa de la Luz. Das grossflächige Wetterphänomen strömt nach Westen und wird durch die Sierra Nevada und das marokkanische Rif Gebirge (ar-Rif), verdichtet. An der Costa de la Luz ist es dann stürmisch.

Vuelto – auf einen Café an der Parroquia de Santa Catalina de Alejandría, Conil de la Frontera.

Vuelto – auf einen Café an der Parroquia de Santa Catalina de Alejandría, Conil de la Frontera.

An der Parroquia de Santa Catalina de Alejandría angekommen, das ging in die Beine. Es ist ruhig, keine Touristen und die grossen umliegenden Gebäude geben Windschutz. Bei soviel verbrannten Kalorien, darf es auch mal weniger gesund sein. Also in 100 Montaditos, eine Kette aus Sevilla, die kleine Köstlichkeiten wie lomo con ajo anbietet, also gebratene Schweinelende mit Knoblauch. Man stellt sich zusammen, was einem so ins Auge sticht und bekommt das frisch zubereitet serviert. Jeder Happen kostet einen Euro. Wer mehr Hunger hat, bestellt eine racíon. Es handelt sich bei all dem aber keineswegs als Tapas. Diesen Fehler machen nur Touristen, keine Reisenden. Wer den genauen Unterschied zwischen tapas, montaditos und raciones verstehen will, sollte sich dem Artikel „Die Köstlichkeiten des Mercado de Triana in Sevilla.“ (s.u.). Wem das 100 Montaditos zu gemein ist, der geht nebenan in die Vintagebar, was für Jüngere oder die sich so fühlen. Ebenfalls gegenüber, aber gediegener, ist die Cantina del Mono. Cantinas widmen sich in Spanien der traditionellen, lokalen Küche. Der plaza an der Parroquia de Santa Catalina de Alejandría hat für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel etwas. Und da dies keine erste Lage ist, strengen sich die Gastronomen an der mächtigen Kirche, die unbedingt besichtigt werden sollte, mehr an.

Vuelto – auf einen Café an der Parroquia de Santa Catalina de Alejandría, Conil de la Frontera.

Vuelto – auf einen Café an der Parroquia de Santa Catalina de Alejandría, Conil de la Frontera.

Quellen.

1) Ayuntamiento de Barbate – Ermita de San Ambrosio.

2) Ermita de San Ambrosio – Wikipedia, la enciclopedia libre.

3) Hübner, Emil: Inscriptiones Hispaniae Christianae, Berlin, G. Reimer, 1871. – erschienen in einer Neuauflage 1975.

4) Hispania Nostra – Ermita de San Ambrosio.

Weiter lesen.

Runners delight – andalusischer Küsten Trail, brutal schön.

Die Köstlichkeiten des Mercado de Triana in Sevilla.

Über den Dächern von Conil – Coworking an der Costa de la Luz.

5 phantastische Badebuchten am Cabo Roche Conil de la Frontera.

Almadraba – Roter Thun aus Conil de la Frontera.

Navidad en Conil de la Frontera – Weihnachten an der Costa de la Luz.

Excursión Conil de la Frontera – an der Grenze zu den Mauren.

Cabo de Trafalgar – Horizont und Leuchtturm.

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