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Kultur + Lifestyle Reise

Excursión Conil de la Frontera – an der Grenze zu den Mauren.

„¡No hay mucho que ver!“ – wenig Sehenswürdigkeiten, viel Geschichte und südliches Lebensgefühl.

Jerez de la Frontera, Vejer de la Frontera, Conil de la Frontera – „de la Frontera“, ein Ortszusatz, auf den in dieser Region öfter gestossen wird: „Conil an der Grenze“. Die Bezeichnung markiert die Verteidigungslinie gegen die Mauren, die sich in Andalusien aus Nordafrika kommend kriegerisch breit machten. Die Reconquista begann mit der Schlacht von Covadonga (722) und wurde durch die Rückeroberung von Granada durch die Reyes Católicos am 2. Januar 1492 abgeschlossen. Nun waren die Kräfte Kastiliens, Aragons und Asturiens frei und der Aufstieg zur Kolonialmacht, gefolgt von einer geeinten iberischen Halbinsel, kurzzeitig inklusive Portugal, begann. In den Grenzstädten der la frontera, ist meist eine Burg, immer ein Wehrturm zu finden. In Conil de la Frontera ist es der Torre de Guzmán. Alonso Pérez de Guzmán (* 24.01.1256, León – † 19.09.1309, Gaucín) tat sich besonders bei der Verteidigung dieser Grenze hervor, warum er auch „Guzmán el Bueno“, in diesem Zusammenhang als „der Mutige“ zu verstehen, genannt wird. In Vejer de la Frontera, unweit von Conil, wird er noch heute als Retter der Stadt gefeiert.

Die mittelalterliche Stadtmauer von Vejer de la Frontera.

Die mittelalterliche Stadtmauer von Vejer de la Frontera.

Die Burg Alcázar in Jerez Jerez de la Frontera.

Die Burg Alcázar in Jerez de la Frontera.

Bis auf den genannten Turm, ein erhaltenes Stadttor der nicht mehr existenten Wehrmauer und zwei überdimensionale Kirche, wie sie in vielen spanischen Dörfern oder kleinen Städten überraschend angetroffen werden, kann festgehalten werden: „¡No hay mucho que ver!.“ Wer Kulturschätze sucht, wird in Conil de la Frontera nicht viel zu sehen bekommen. Es teilt die Geschichte einiger kleiner spanischer Fischerdörfer, selbst kanarischer, die irgendwann Bedeutung für die Grenzverteidigung erlangten und daher mit einem Wehrturm versehen wurden, der oft noch nicht einmal zum Einsatz kam. So erging es beispielsweise dem Fischerdorf El Cotillo auf Fuerteventura (s.u.). Als die Bedrohung abgewendet war, fielen diese Ort wieder in Bedeutungslosigkeit, abgesehen von ihrer Aufgabe, als Proteinlieferanten zu arbeiten. Eine zweite Blühte erlangten jene, die mit wunderbaren Stränden gesegnet waren, wie eben El Cotillo oder Conil de la Frontera. Der Tourismus kam.

Playa de los Bateles Conil de la Frontera.

Playa de los Bateles in Conil de la Frontera.

Playa del Castillo aka. Piedra Playa bei El Cotillo, Fuerteventura.

Playa del Castillo aka. Piedra Playa bei El Cotillo, Fuerteventura.

„¡No hay mucho que ver!“, das ist für Kulturschätze richtig, aber nicht im Gesamten. Da wären die fantastischen kilometerlangen Sandstrände von Conil de la Frontera. Sie machten den Ort zu einem beliebten Urlaubsziel recht konservativer Spanier der Mittelklasse. Die coole Surfer Szene, findet sich im Süden in El Palmar de Vejer, besonders aber in Tarifa. Gut Betuchte nennen versteckt gelegene Villen in Conil ihr Eigen. Sie kommen übers Wochenende aus Sevilla oder anderen Städten, über die sich in den Sommermonaten brütende Hitze legt. Der Wind am Atlantik kühlt, das Wasser schafft Temperaturausgleich und erfrischt herrlich. Und da wäre noch der kleine Fischerort Conil, der abseits der zwei Touristen Strassen wunderbar vor sich hinträumt. Versteckte enge Gässchen, die dicht mit Blumen bewachsen sind und an unzähligen Hauseingängen als Sackgasse enden. Kaum ein Tourist verirrt sich dorthin. Das ist seltsam. Die Zeit scheint stehen geblieben. Das könnten gefallen.

Die berühmten Calas de Roche nördlich des Puerto de Conil.

Die berühmten Calas de Roche nördlich des Puerto de Conil.

Conil de la Fronterra, Barrio de los Pescadores – enge Sackgassen zu unzähligen Hauseingängen.

Conil de la Fronterra, Barrio de los Pescadores – enge Sackgassen zu unzähligen Hauseingängen.

Frühmorgens giessen in den engen Gassen ältere Señoras die Blumen, fegen akribisch vor den schmalen Häuschen, denn es soll ordentlich und sauber sein. Im Dorf wird schnell geredet. Ein Schwätzchen mit der Nachbarin, das muss aber sein. Ab spätestens 12 zieht Essensduft durch die verwinkelten barrios, denn das almuerzo muss pünktlich um 14 Uhr auf dem Tisch stehen. Dann kommt traditionell die ganze Familie zusammen, isst gemeinsam und hält danach Siesta.

Die verwinkelten, engen Gasse des Barrio de los Pescadores in Conil de la Fronterra.

Die verwinkelten, engen Gasse des Barrio de los Pescadores in Conil de la Fronterra.

Wer nicht durch diese wunderbaren Gassen streift, hat Conil de la Frontera nicht gesehen. Südländisches Lebensgefühl weht durch sie. In der atlantischen Priese, die es gebrochen in die verwinkelten Viertel geschafft hat, scheint ihr Duft in der Luft zu liegen. Es riecht nach Urlaub und leichtem Leben. Für Touristen trifft dies zu. Dass in einem Touristen Hotsport, ein wenig historisch bemerkenswerter Ortskern, derart erhalten ist, verwundert. Ermöglicht wurde es, da alle Hotelbauten aus dem Dorf verbannt wurden und sich nördlich des Ortes über den Klippen in gemässigter Höhe erheben. Mehr als drei oder vier Stockwerke sind nicht drinnen. Das unterscheidet die Costa de la Luz so wunderbar von der Costa Brava, die in Zeiten der Franco Diktatur, zu einer Betonwüste geformt wurde.

Der Rote Thun – der teuerste Fisch am Markt.

Der Rote Thun (Thunnus thynnus alias Nordatlantischer Thun oder Blauflossen-Thunfisch), ist ein mächtiges Tier. Er ist noch heute das Aushängeschild für Conil de la Frontera. Vielen, die ihn aus der Dose kennen, ist nicht bewusst, was für ein imposanter Fisch er ist: Einer der grössten Knochenfische, bis zu 4,5 m lang und 650 Kg schwer. Defacto ist er am aussterben. Jeder Versuch ihn in Gefangenschaft zu züchten, scheiterten. Japan ging teilweise dazu über, kleinere Exemplare lebend zu fangen und an der Küste in Käfigen zu mästen. Die Fleischqualität leidet darunter verständlicher Weise. Alle Konferenzen, die ein Fangverbot erreichen wollten, scheiterten am Widerstand von Spanien und Japan. Spanien fischt weltweit 80% des Roten Thun, Japan ist mit dem Konsum von 20% grösster Verbraucher. Lediglich auf eine Fangreduktion und Anpassung der Fangmethode, konnten sich die fischenden Ländern einigen. So darf er in Spanien nicht mehr mit Stellnetzen an der Küste gefangen werden, sondern nur noch mit dem Haken in tieferen Gewässern. Jedes Jahr werden Lizenzen an Bote vergeben, die je nach der aktuellen Situation Fangquoten zugeteilt bekommen. Die Fangfahrten müssen mit GPS Aufzeichnungen dokumentiert werden.

Der mächtige, stromlinienförmige Rote Thun.

Der mächtige, stromlinienförmige Rote Thun.

Das Besondere am Roten Thun ist unter anderem sein tiefdunkelrotes Fleisch, das auch beim Braten dunkel bleibt. Japaner essen es am liebsten roh, weshalb es auch äusserst frisch sein muss. In Gran Tarajal, der Fanghafen für Roten Thun auf Fuerteventura, durften 2018 nur rund 20 der Fische mit mächtigen Haken gefangen werden. Sie gehen postwendend per Luftfracht nach Japan. Um ein Gespür für den Wert zu bekommen: Bei der Neujahrsauktion 2018 am weltberühmten Fischmarkt “Tsukiji” (Japan), wurde ein Roter Thun von 405 Kg für 270.000,- Euro ersteigert.

Der Fischerhafen von Morro Jable auf Fuerteventura.

Der Fischerhafen von Morro Jable auf Fuerteventura.

Der Fang von Thunfischen ist keine idyllische Angelei. Vom Haken ist es ein oft stundenlanger Kampf, denn der Fisch ist überaus kraftvoll und mit 80 Km/h extrem schnell. Für den Tiefseefischer ist es die Krönung seiner Leidenschaft, einmal einen dieser kampfbereiten Fische an Deck zu ziehen. Der begeisterte Jäger und Fischer Ernest Hemingway, war Zeit seines Lebens von diesem Zweikampf fasziniert, der sehr oft zu Gunsten des Roten Thun ausgeht. Hemingway widmete diesem Kampf seinen letzten Roman. In „The Old Man and the Sea“, geht es um den Kampf mit einem Marlin (Speerfisch).

Richtig blutig wird es, wenn der Rote Thun mit Stellnetzen an der Küste gefangen wird. An der andalusischen Atlantikküste heisst das almadraba. Der Begriff kommt aus dem Arabischen und steht für „Ort, an dem geschlagen wird“. Als pescadores de almadraba bezeichnen sich in Andalusien noch heute jene Fischer, die den Roten Thun fangen.

Almadraba Verkaufsstand im Corte Inglés Nervíon Sevilla.

Almadraba Verkaufsstand im Corte Inglés Nervíon Sevilla.

Almadraba Verkaufsstand im Corte Inglés Nervíon Sevilla.

Almadraba Verkaufsstand im Corte Inglés Nervíon Sevilla.

Als modernere spanische Variante, kam ab dem 18. Jhd. ein Ausdruck zur Verwendung, der das Geschehen brachialer beschreibt: la matanza. Der Begriff steht im Spanischen für Gemetzel, Schlachterei und wird vom spanischen Militär für besonders blutige Schlachten verwendet. So beispielsweise die La Matanza de Acentejo, in der die Ureinwohner Teneriffas annähern eine gesamte modern ausgerüstet Infanterie und Kavallerie Einheit von 2.000 Mann auslöschten und dass nur mit Wurfsteinen und ihren Kampfstöcken. Metall kannten sie nicht, sie lebten noch in einer Steinzeitkultur.

Torre de Castilnovo südlich Conil de la Frontera.

Torre de Castilnovo südlich Conil de la Frontera.

Bereits Römer fischten an der Costa de la Luz den Roten Thun. Ausgrabungen am Cabo de Trafalgar (s.u.) und Cádiz, brachten römische factorías de salazones, Anlagen um Fisch zu pökeln, zu Tage. In kastilischen Zeiten erhielt das wertvolle königliche Privileg, den Roten Thun an den Küsten von Conil zu fischen, „Guzmán el Bueno“, auf Grund seiner Verdienste im Zuge der Reconquista. Später wurde seine Sippe auch zu den Herren Conils. Unweit südlich von Conil, wurde ein interessantes Bauwerk errichtet, der Torre de Castilnovo und die Poblado Castilnovo (s.u. Cabo de Trafalgar), eine Ansiedlung um den Turm, die mit einer Mauer befestigt wurde. Die Anlage hatte mehrfache Bedeutung. Einerseits diente sie zum Schutz der Küste und war mit Artillerie ausgestattet. Gleichzeitig diente sie aber auch dem Thunfischfang. Die Zeiten waren unruhig, nordafrikanische Seeräuber und Sklavenjäger, machten die Küsten bis nach Grossbritannien und hinauf zu den Niederlanden unsicher. Erbeutet wurde alles was Wert hatte oder zum Essen taugte und es wurde gezielt Jagd auf weisse Sklaven gemacht, die in Afrika sehr begehrt waren. Auf den Kanaren war der Nordafrikaner Xabán Arráez besonders gefürchtet, der dort mit äusserster Brutalität agierte, also so, wie die spanischen Truppen bei der Conquista Teneriffas und Gran Canarias. Xabán Arráez machte die erste Hauptstadt des Archipels Betancuria auf Fuerteventura (s.u.) 1593 dem Erdboden gleich. Er verlud alle Menschen, die ihm für den Verkauf als Sklaven brauchbar erschienen, auf seine Schiffe Richtung Afrika, der Rest wurde ermordet.

Torre de Castilnovo südlich Conil de la Frontera.

Torre de Castilnovo südlich Conil de la Frontera.

Abgesehen vom Militärischen, diente der Torre de Castilnovo als Ausguck, um heranziehende Schwärme des Roten Thun auszumachen. In dem Falle wurden die Stellnetze gesetzt, die zur matanza an die Küste gezogen wurden, um dort die Fische zu schlachten. Östlich des Turms findet sich ein eigenartiger Obelisk am Feld. Seine Bedeutung wird erst erkannt, wenn die meerabgewandte Seit betrachtet wird. Dort finden sich Haltepunkte, an denen die Netzleinen verankert wurden und eingeholt werden konnten. Er ist ein letztes Relikt des Fischens mit Stellnetzen. Um zur meerabgewandte Seite zu gelangen, muss ein niedriger elektrischer Weidezaun überstiegen werden. So dort gerade die andalusische vaca retinto samt Kälbern grast, könnte das Übersteigen des Zaunes tödlich Enden. Die vaca retinto gilt als bedingungslose Beschützerin ihrer Kälber. Die mächtigen Hörner, deren Spitzen gebrochen werden, weisen darauf hin. Auch die Landwirte, betreten diese Weiden nur auf dem Pferd oder im Pickup.

Poller am Torre de Castilnovo – Haltepunkte für die Netzleinen.

Poller am Torre de Castilnovo – Haltepunkte für die Netzleinen.

Weiden am Torre de Castilnovo – Vaca retinto mit Kälbern.

Weiden am Torre de Castilnovo – Vaca retinto mit Kälbern.

Hinauf zum Torre de Guzmán.

Die excursíon durch Conil de la Frontera, wird am besten am Playa de los Bateles nahe des Río Salado begonnen. Dort liegt ein grosser gebührenfreier Parkplatz, an dem bis in den Vormittag hinein immer ein Platz zu finden ist. Zehn Uhr ist eine gute Zeit. Dann erreichen die ersten Sonnenstrahlen die engen Gassen und lassen den Ort leuchten. Die Einfahrt auf diesen sandig-holprigen Platz, ist eigentlich nur für tourismos erlaubt, also auch Vans. Conil lebt vom Tourismus, so genau wird dann doch nicht hingesehen, Höhenbegrenzer gibt es daher keine.

Playa de los Bateles Conil de la Frontera.

Playa de los Bateles in Conil de la Frontera.

Direkt am nördlichen Kreisverkehr des grossen Parkplatzes, beginnt die Avenida de la Playa, die direkt zum Torre de Guzmán hinaufführt. Sie ist eine dieser erwähnten Touristenstrassen und da sie direkt am Strand beginnt, finden sich dort wie üblich Fastfood Lokale und Geschäfte, die allen möglichen Ramsch für den Strand verkaufen. Sie kann zügig durchquert werden. Direkt vom Strand kommend, empfängt Conil den Besucher wenig stilvoll.

Avenida de la Playa Conil de la Frontera.

Avenida de la Playa in Conil de la Frontera.

Die Avenida de la Playa hinauf, die erste rechts, die nächste links und dann ist nach 200 Metern der Plaza de Santa Catalina erreicht. Seinen Namen trägt er von der alten Kirche und dem Convento de Santa Catalina, die südlich am Plaza liegen. Die Kirche wird auch als Antigua Iglesia Santa Catalina bezeichnet, da sie bis Anfang des 20. Jhd. die Hauptkirche war, danach durch die Parroquia de Santa Catalina de Alejandría abgelöst wurde. Derzeit ist sie wegen umfangreichen Renovierungsarbeiten geschlossen (Oktober 2021). Der Konvent beheimatet mittlerweile das Centro Cultural Iglesia de Santa Catalina. Iglesia und Convento gehen auf die damaligen Herren von Conil, die Guzmanes, zurück, die 1411 die Errichtung genehmigten. In Bezug auf die Diskussion ob Alonso Perez de Guzmán nun Moslem oder Christ gewesen sei, ist der Bau interessant, da er ursprünglich als Mudéjar-Tempel errichtet wurde.

Der Plaza de Santa am Torre de Guzmán, Conil de la Frontera.

Der Plaza de Santa Catalina am Torre de Guzmán, Conil de la Frontera.

Iglesia de Santa Catalina Conil de la Fronterra.

Iglesia de Santa Catalina in Conil de la Fronterra.

Am plaza findet sich auch der Torre de Guzmán. Neben der Parroquia de Santa Catalina de Alejandría, ist er die Attraktion von Conil. Das ist seltsam, denn an einem rechteckigen Kasten, der nicht sehr weit in den Himmel ragt, ist wenig sehenswert. Zur Parroquia schaffen es schon weniger. Das scheint dann doch etwas zu weit zu sein.

Torre de Guzmán Conil de la Frontrera.

Torre de Guzmán in Conil de la Frontrera.

Interessant am Torre ist hingegen sein Namensgeber: Alonso Pérez de Guzmán (* 24.01.1256, León – † 19.09.1309, Gaucín). Spannend wird es beim Geburtsort, Léon, Hauptstadt der Provinz Léon in der autonomen Region Kastilien und Léon. Hier streiten sich Historiker, denn einige sind der Ansicht, der wahre Geburtsort läge in Marokko und Guzmán sei Moslem gewesen. Diese systematische Geschichtsfälschung, führen sie auf einen geschichtlichen Säuberungsprozess nach der erfolgreichen Reconquista zurück. Es sollte nicht sein, dass ein Moslem und kein Christ hier entscheidend mitwirkte, u.a. auch Tarifa verteidigte, deren Burg den Namen Castillo de Guzmán trägt. Sie hat ebenso einen Torre de Guzmán als zentrale Verteidigungsanlage.

Torre albarrana de Guzmán el Bueno mit der Burg mit Castillo de Guzmán, Tarifa.

Torre albarrana de Guzmán el Bueno mit der Burg dem Castillo de Guzmán, Tarifa.

Wie es auch immer tatsächlich gewesen sein mag, es könnte etwas an der Geschichte dran sein. Die Geschichtsforschung arbeitet. Bei Geld und Macht endet bekanntlich der Glaube, da wird es flexibel. Schon Wallenstein sagte sinngemäss zu seinem militärischen Widersacher im 30-jährigen Krieg: Wir wissen doch, in Wahrheit geht es um Macht, Religion ist etwas für das gemeine Volk. Und Guzmán war in jeder Hinsicht wirtschaftlich erfolgreich, ausgestattet mit königlichen Privilegien, wie dem Exportmonopol für Getreide nach Marokko. Die Verteidigung Tarifas brachte ihm umfangreiche Ländereien und das Privileg, den begehrten Roten Thun zu fischen.

Torre de Castilnovo südlich Conil de la Frontera.

Torre de Castilnovo südlich Conil de la Frontera.

Durch die Calle de Cádiz ins Barrio de los Pescadores.

Die Calle de Cádiz ist das, was in einem belebten Badeort am Meer als Flaniermeile erwartet wird. Nur gemütlicher als viele andere, weil so eng, blitz sauber und kein billiger Asia-Ramsch eine Auslage findet. Neben den unzähligen Boutiquen platzieren sich angesagte Cafés, in denen sich wunderbar sitzen lässt, um der Hitze zu entfliehen. Oder auch um zu Frühstücken, am Buffet, für die Individualtouristen, die weiter oben am Hügel des Ortes in einfachen Hostals wohnen.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – schöne Boutiquen sämen die Strasse.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – schöne Boutiquen säumen die Strasse.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – angesagte Cafés und Bars.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – angesagte Cafés und Bars.

Zu kaufen gibt es das, was es auch auf Mykonos, in Taormina oder sonstwo zu erwerben gibt: Taschen, Schuhe, Schilder und mehr, das der Tourist gerne haben möchte, zu Hause aber weder gebrauchen noch anziehen könnte. Aber darum geht es nicht. Es ist der Wunsch, etwas von der flirrenden Hitze, der Sonne, den Stränden, der Leichtigkeit des Südens, mit nach Hause zu nehmen, um im Alltag daran erinnert zu werden: Das Leben ist kurz und nicht nur zum Arbeiten da.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – die üblichen Schilder für daheim.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – die üblichen Schilder für daheim.

In der Calle de Cádiz ist es im August so richtig voll, wenn jeder Spanier die Arbeit niederlegt, der es nur irgend kann und ans Meer strömt. Richtig voll nicht für den Mitteleuropäer, sondern so voll, dass auch der Spanier, der darunter etwas ganz anderes versteht, die Situation bereits als bedrohlich empfindet. Kaum ein Durchkommen gibt es in der Gasse. Und das ist wahrlich nicht übertrieben. Das ayuntamiento sah sich sogar genötigt, in Seitengassen Schilder anzubringen, die den Fussgänger motivieren, doch Ausweichrouten zu begehen, wohlgemerkt vor der allgemeinen Covid Hysterie. Geht es in den September hinein, wird es immer ruhiger in der Calle de Cádiz und dann ist sie richtig schön.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – vor Stau in der Gasse wird gewarnt.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – vor Stau in der Gasse wird gewarnt.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – schöne Boutiquen sämen die Strasse.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – schöne Boutiquen säumen die Strasse.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – schöne Boutiquen sämen die Strasse.

Calle de Cádiz, Conil de la Frontera – schöne Boutiquen säumen die Strasse.

Reisende, die das Pech haben, im August Conil besuchen zu müssen, können dem Trubel in kaum 50 Metern entfliehen. Den Hügel aufwärts geht es in das Barrio de los Pescadores, das Viertel der Fischer und schlagartig wird es ruhig und ausgestorben. Das ist verblüffend aber angenehm.

Das Barrio de los Pescadores.

Das Barrio de los Pescadores wirkt für den Touristen so, als ob es eben ein Stadtviertel wäre, in dem ursprünglich nur Fischer wohnten. Nur ganz so ist es nicht. Fischer waren die Einzigen, die ursprünglich an diesem Ort lebten und so finden sich diese Viertel an spanischen Küsten in den besten Lagen und dort, wo sich der historische Ortskern heraus bildete. Als die Orte wuchsen, wurden diese ersten Ansiedelung zum Barrio de los Pescadores, dem Stadtteil der Fischer. So ist es auch in Conil de la Frontera. Wer konnte, lebte in damaligen Zeiten nicht an der Küste, zu feucht, zu schwül im Sommer, zu klamm und ungesund im Winter, zu gefährlich, immer. Überfälle von Piraten waren nicht selten. Das ist ein Muster und auch in Santa Cruz de Tenerife (s.u.) war es nicht anders. Wer es sich leisten konnte, lebte höher gelegen in La Laguna (s.u.) und auch die Fischer bewohnten dort anfangs nur temporäre Hütten, dann, wenn die Fischschwärme durchzogen.

Die Schutzpatronin der Fischer und Marine – Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Die Schutzpatronin der Fischer und Marine – Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Conil de la Frontera – Barrio de los Pescadores..

Conil de la Frontera – Barrio de los Pescadores..

Die Schutzheilige der spanischen Fischer und Marine ist die Nuestra Señora del Carmen. Fischer sagen zu ihr lieber Jungfrau, Virgen del Carmen. Die ehemals prominenteste Strasse ist nach dieser Jungfrau benannt. Um den Tag der Heiligen im römisch-katholischen Kalender, der 16. Juli, findet eine gut einwöchige Fiesta statt. Die sind lang in Spanien. Am Tag der Heiligen, dem día principal de la fiesta, steht das Geschäftsleben, die Strassen quellen über, ob Rollator oder Kinderwagen, jeder, der irgend kann, ist unterwegs, notfalls wird geschoben.

Fiesta Nuestra Señora del Carmen in Corralejo, Fuerteventura.

Fiesta Nuestra Señora del Carmen in Corralejo, Fuerteventura.

Das Barrio de los Pescadores von Conil de la Frontera verblüfft. Jene, die auch nicht touristische spanische Fischerorte kennen befinden, es ist dort in Conil ebenso unverfälscht, obwohl einen Steinwurf entfernt der Tourismus ausufert. Nur mehr Blumen schmücken in Conil das Viertel. Die Hauswände, die kleinen Gassen, stehen das ganze Jahr in Blütenpracht. Eine wahre Augenweide an den gekalkten Mauern und in den patios.

Die verwinkelten mit Blumen geschmückten Gassen des Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Die verwinkelten mit Blumen geschmückten Gassen des Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Die verwinkelten mit Blumen geschmückten Gassen des Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Die verwinkelten mit Blumen geschmückten Gassen des Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Jene, die aufmerksam durch die Gassen des barrios schlendern, werden Häuser entdecken, die weisst gekalkt und deren Fundament mit einem blauen Farbbalken versehen ist. So markierten traditionell spanische Fischer ihre Häuser, um zu zeigen: Hier wohnt ein Fischer. In Conil findet sich diese Tradition nur noch vereinzelt, in kanarischen Fischerdörfern ist sie noch allgegenwärtig.

Ein Fischerhaus mit blau markiertem Fundament im Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Ein Fischerhaus mit blau markiertem Fundament im Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Das Fischerviertel ist wohl das Schönste, das Conil, neben den Stränden, zu bieten hat. Dass es von Touristen links liegen gelassen wird, ist fabelhaft. Es ist dort immer noch so, wie in entlegenen kleinen kanarischen Fischerorten, auf El Hierro (s.u.) beispielsweise. Die Türen stehen offen, nachmittags werden die Sessel in die Gasse gestellt, um dort zu plaudern und Touristen, die sich dennoch dorthin, in die engsten der Gassen, verirren, werden höflich darauf hingewiesen: „no puede salir aquí“, also hier geht es nicht raus, eine Sackgasse. Der Tourist scheint sich offenbar verlaufen zu haben, das ist die Annahme, anders kann sich der Einheimische den Vorfall nicht erklären. Was gäbe es auch hier zu sehen? Ein anderes Leben, fern des eigenen jedenfalls.

Die verwinkelten mit Blumen geschmückten Gassen des Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Die verwinkelten mit Blumen geschmückten Gassen des Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Die verwinkelten mit Blumen geschmückten Gassen des Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Die verwinkelten mit Blumen geschmückten Gassen des Barrio de los Pescadores, Conil de la Frontera.

Keine Blumen – das Barrio de las Flores.

Im Barrio des las Flores findet sich so einiges, nur keine Blumen. Die üppige Blumenpracht ist im Barrio de los Pescadores zu Hause. Das Viertel liegt hoch am Hügel, windig ist es dort. Die verwinkelten Gassen brechen die atlantischen Winde. So gelegen keine bevorzugte Ecke zum wohnen, weshalb das historisch erste Viertel, das Barrio de los Pescadores, auch tiefer am Hang zu finden ist.

Barrio de las Flores Conil de la Frontera.

Barrio de las Flores in Conil de la Frontera.

Der Plaza de Molino im Barrio de las Flores, Conil de la Frontera.

Der Plaza de Molino im Barrio de las Flores, Conil de la Frontera.

Der höchste Punkt des barrio, der Plaza del Molino, ist zugleich die höchste Erhebung über Conil de la Frontera und aus diesem Grund findet sich dort auch eine Windmühle. Der Platz wäre schön gelegen, leider gammelt er vor sich hin. Hundebesitzer lassen ihn von ihren Lieblingen vollkacken. Wer erwischt wird, zahlt eine saftige Strafe. Die Policía Local führt ein Gerät mit, um die Chips der Lieblinge auszulesen. Der ist Vorschrift. Neben der Windmühle thront über Conil eine barca, in der sich ein immer schön geschmücktes Heiligenbild der Virgen del Carmen findet. Gläubige, besonders Fischer, die dort vorbeigehen, halten kurz inne und bekreuzigen sich. Umso erstaunlicher, dass die Verwahrlosung des plaza mit schöner Aussicht akzeptiert wird.

Hundstrümmer können in Spanien teuer werden – Schild am Plaza del Molino, Conil de la Frontera.

Hundstrümmer können in Spanien teuer werden – Schild am Plaza del Molino, Conil de la Frontera.

Fischerboot am Plaza de Molino im Barrio de las Flores, Conil de la Frontera.

Fischerboot am Plaza de Molino im Barrio de las Flores, Conil de la Frontera.

Heiligenbild der Virgen del Carmen im Fischerboot am Plaza del Molino, Conil de la Frontera.

Heiligenbild der Virgen del Carmen im Fischerboot am Plaza del Molino, Conil de la Frontera.

Die Windmühle am Plaza del Molino ist eine männliche Mühle, eine el molino. Diese haben zwei Stockwerke. Die moderneren weiblichen las molinas, sind nicht mehr rund, sondern viereckig und ebenerdig. Ein verbesserter Mechanismus lässt das zu. Da das schwere Tragen der Getreidesäcke in den ersten Stock über eine steile Leiter entfiel, konnten auch Frauen derartige Mühlen betreiben, also la molina (s.u.).

Eine „la molina“ in Tefía, Fuerteventura.

Eine „la molina“ in Tefía, Fuerteventura.

Der historische Hintergrund der Mühle ist interessant, denn es handelte sich um eine Zwangsmühle. Den Bauern eine Region wurde eine Mühle zugewiesen, in der sie ausschliesslich ihr Getreide mahlen lassen mussten. Der Grund war, so die Steuern in vollem Umfang einzutreiben, Unterschlagungen im Keim zu ersticken. Der Eigenbedarf durfte mit einer Handmühle, die in jeder Küche zu finden war, gemahlen werden. An den Grundbesitzer, oft die Kirche, ging der „zehnte Teil“, der „Zehent“, vorsorglich in der Bibel als christliche Pflicht festgehalten. Sehr praktisch, das „Buch der Bücher“, für Steuereintreiber jedenfalls. Gegenüber den heutigen Grenzsteuersätzen jedenfalls ein Bagatellbetrag. Der Monarch kassierte ebenfalls, das ist zwingend, alles als einbehaltene Naturalien. Das Getreide ging meist in den Export. So war mehr Geld zu machen. Hungersnöte der eigenen Bevölkerung wurden gerne ignoriert. Den Bauern blieb jedenfalls wenig.

Die Mühle am Plaza de Molino im Barrio de las Flores, Conil de la Frontera.

Die Mühle am Plaza de Molino im Barrio de las Flores, Conil de la Frontera.

Das Privileg, die Mühle zu betreiben, erhielten die Marquesas de Medina-Sendonia, die auch für die korrekte Abgabe der diversen Steuern zuständig waren. Bei dem Adelsgeschlecht wird wieder auf Guzmán el Bueno gestossen, denn er war einer der Herzöge von Medina-Sidonio, einem der ältesten und wirtschaftlich erfolgreichsten Adelsgeschlechter Spaniens. Auch die Heiratspolitik der Herzöge erwies sich als sehr erfolgreich, denn Luisa de Guzmán wurde durch die Vermählung mit João IV. zur Königin Portugals.

Mühle und Fischerboot am Plaza de Molino im Barrio de las Flores, Conil de la Frontera.

Mühle und Fischerboot am Plaza de Molino im Barrio de las Flores, Conil de la Frontera.

Der Stammsitz der Linie Medina-Sidoni war in der Stadt Léon angesiedelt, in dem ursprünglich auch der Geburtsort des Guzmán el Bueno verortet wurde. Mittlerweile wird aber, wie oben erwähnt, spekuliert, er sei in Marokko geboren und Moslem gewesen. Doch es geht noch etwas komplizierter, bei der Ahnenforschung der Herzöge von Medina-Sendonia, wenn der Name Guzmán beleuchtet wird. Es soll sich um einen Wikinger gehandelt haben, Gundamaris, der via Grossbritannien, die nördliche Küste Spaniens überfiel, ausraubte und dort auch blieb. Ihm dürfte das Wetter mehr als jenes auf der britischen Insel zugesagt haben.

Historische Windmühle über Vejer de la Frontera.

Historische Windmühle über Vejer de la Frontera.

Die erhaltene Mühle im Barrio de las Flores stammt aus dem 18. Jd. Erst ein Jahrhundert später, wurde in Spanien das System der Zwangsmühlen aufgehoben und zahlreiche Mühlen spriessten aus dem Boden. Im nahegelegenen Vejer de la Frontera (s.u.), ein wunderschöner Ort mit vollständig erhaltener mittelalterlicher Stadtmauer, wurden auf zwei günstig im Wind liegenden Höhenkämmen Mühlen errichtet, von denen noch vier im gesamten restauriert erhalten sind.

Der Aussichtsturm – Mirador de la Atalaya.

Es sollte die Muse mitgebracht werden, noch einwenig weiter in den Norden hinauf zu wandern. Der Mirador de la Atalaya steht auf der Tourliste. Der Ort wird seinem Namen atalaya gerecht, denn der steht für Aussichtsturm. Der kleine Platz am gleichnamigen Parque de Antalaya liegt direkt über dem Playa de la Fontanilla en Conil. Die Blicke reichen nach Norden hinauf zum Leuchtturm Faro de Puerto Conil und nach Süden zum Torre de Castilnovo.

Parque und Mirador de la Atalaya, Conil de la Frontera.

Parque und Mirador de la Atalaya, Conil de la Frontera.

Faro de cabo Roche über Puerto de Conil.

Faro de cabo Roche über Puerto de Conil.

Am Mirador de la Atalaya ist es einsam. Touristen interessiert der Ausblick nicht, die sind lieber unten am Strand. Auch schön. Zu dem führt ein etwas versteckter, schön angelegter Pfad über Holzplanken durch dichte Pinien schattig zum Strand hinunter. Es lohnt ihn zu nehmen.

Blick vom Mirador de la Atalaya auf den Playa de la Fontanilla en Conil

Blick vom Mirador de la Atalaya auf den Playa de la Fontanilla en Conil.

Playa de la Fontanilla en Conil.

Playa de la Fontanilla en Conil.

Dominiert wird der Platz von einer recht monumentalen Skulptur, der Escultura Jabeguero. Es ist ein Werk von Antonio Mota, eingeweiht am 25. September 2003. Was wie Bronze wirkt, ist aus Polyesterharz geformt. Wer sich für die Bedeutung des Wortes jabeguero interessiert und es im PONS nachschlagen will, wird es dort nicht finden. Es ist die Bezeichnung für ein kleines Boot, das zum Thunfischfang eingesetzt wurde. Die Skulptur zeigt einen Fischer, der mit äusserstem Einsatz eine nicht sichtbares jabeguero an den Strand zieht (s.o.).

Mirador de la Atalaya mit der Escultura Jabeguero, Conil de la Frontera.

Mirador de la Atalaya mit der Escultura Jabeguero, Conil de la Frontera.

Mirador de la Atalaya mit der Escultura Jabeguero, Conil de la Frontera.

Mirador de la Atalaya mit der Escultura Jabeguero, Conil de la Frontera.

Parade der Heiligen – Parroquia de Santa Catalina de Alejandría.

Vom Mirador de la Atalaya geht es wieder Richtung Süden hinunter in einen barranco und dann hinauf zur Parroquia de Santa Catalina de Alejandría, also der Pfarrkirche, welche die oben erwähnte Antigua Iglesia Santa Catalina als Pfarre ablöste.

Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Laube an der Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Laube an der Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Der Bau ist recht eigen, denn er ist nicht als freistehendes Gotteshaus, wie das in Mitteleuropa üblich ist, zu erkennen. Es ist mehr ein Stadtbaulicher Komplex, der zentrale Elemente des kleinstädtischen Lebens vereint: Kirche, Friedensrichter und Stadtverwaltung. In dicht gedrängten andalusischen Orten ist das keine Seltenheit, wie beispielsweise auch in Aracena an mehreren Bauten zu sehen ist.

Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Von aussen gibt das Gotteshaus nicht viel her, fotografieren lässt es sich auch noch schlecht, da es nicht freistehend ist. Das dürfte wohl auch einer der Gründe sein, weshalb es mehr gläubige spanische Touristen anzieht, Sightseer weniger. Besucher Conils, die einwenig in die spanische Kultur eintauchen wollen, sollten aber das Gotteshaus betreten, um die tief verwurzelte Gläubigkeit der Spanier zu erleben.

Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Parroquia de Santa Catalina de Alejandría Conil de la Frontera.

Interessant im Inneren sind die vielen Heiligenbilder und Statuen, die weniger aus grossem kulturell historischen Interesse aufgesucht werden, sondern aktiv verehrt werden. Schmuck und Kerzen sowie Gläubige, die vor ihnen verweilen und beten, weisen darauf hin. Verehrt wird natürlich auch  erfährt  die Virgen del Carmen, Schutzpatronin der Fischer und Marine, in einem Städtchen wie Conil. Am 16. Juli eines jeden Jahres, findet in vielen spanischen Fischerdörfern eine Wallfahrt, die Romería Virgen del Carmen, statt. In der Regel sind dies keine Wallfahrten im mitteleuropäischen Sinn, eher Prozessionen, an deren Ende die Virgen auf ein Fischerboot verfrachtet wird, um aufs Meer hinaus gefahren zu werden. Mit von der Bootspartie, um guten Fang und sichere Heimkehr der Fischer zu erbitten, ist natürlich an der Seite der Heiligenstatuette der zuständige Pfarrer, der präventiv alles mit Weihwasser, selbst das Wasser selbst, bespritzt. Das fällt auf so einer barca nicht weiter auf.

Fiesta Nuestra Señora del Carmen in Corralejo, Fuerteventura.

Die Fiesta Nuestra Señora del Carmen Corralejo, Fuerteventura.

Fiesta Nuestra Señora del Carmen in Corralejo, Fuerteventura.

Fiesta Nuestra Señora del Carmen in Corralejo, Fuerteventura.

Fiesta Nuestra Señora del Carmen in Corralejo, Fuerteventura.

Fiesta Nuestra Señora del Carmen in Corralejo, Fuerteventura.

Zutritt zu Conil da la Frontera – Puerta de la Villa.

Ruhig und beschaulich war es beim Spaziergang durch das Barrio de los Pescadores, de las Flores und am Mirador de Atalaya. Der Spaziergang hinüber zur Parroquia de Santa Catalina de Alejandría passierte zweckmässige Wohnviertel, hier und da eine Bar, in die sich kein Tourist wagt. Davor an Werktagen vornehmlich ältere Herren, die über dieses und jenes plaudern. Beschaulich aber nicht idyllisch. Dazu ist das Ambiente zu ärmlich, wenn auch nicht arm. Die Herren in langer Hose und faltenfreiem Hemd. Die Frau kümmert sich derweil um den Haushalt. So ist das in Andalusien, ausser in einigen geschäftigen Städten. Tradition wird gross geschrieben. Das finden alle gut.

Conil de la Frontera – einfaches andalusisches Leben abseits des Touristenstroms.

Conil de la Frontera – einfaches andalusisches Leben abseits des Touristenstroms.

An der Parroquia de Santa Catalina de Alejandría wurde es kurz einwenig belebter. Danach werden einsame Gassen hinüber zur Puerta de la Villa passiert. Der Plaza de la Villa wird erreicht und plötzlich ist es wieder da, das quirlige Leben. In Conil de la Frontera drängt sich an wenigen Ecken der nervtötende Tourismus, wird der Weg um eine Ecke in eine Seitengasse gesucht, ist es still. Die Szenerie gleicht dort einer jener der vielen verschlafenen andalusischen Dörfer.

Puerta de la Villa in Conil de la Frontera.

Plaza und Puerta de la Villa, Conil de la Frontera.

Puerta de la Villa in Conil de la Frontera.

Plaza und Puerta de la Villa, Conil de la Frontera.

Und gleich am alten Stadttor, der Puerta de la Villa, sind sie dann, die Cafes und Bars, die mit Breitband Internet werben und in denen sich eine junge Generation zum Frühstück trifft, die in den nahen Hostals günstig wohnt. Sie ist zum Surfen gekommen oder auf der Durchreise als digitale Nomaden, die neue Variante der schlecht bezahlten Wanderarbeiter. Zwar cool aber wenig einträglich. Für beide heisst es rechtzeitig den Absprung schaffen, nachdem der Ausklang der Jugend zu recht genossen wurde.

Puerta de la Villa in Conil de la Frontera.

Puerta de la Villa in Conil de la Frontera.

Cafés an der Puerta de la Villa in Conil de la Frontera.

Cafés an der Puerta de la Villa in Conil de la Frontera.

Durch die Puerta de la Villa wird wieder der ursprüngliche Stadtkern betreten. Vorbei ist es mit dem Reiz des ehemaligen Fischerortes. Touristenlokale, Souvenierläden, wenn auch auf einem anderen Niveau als in üblen mallorquinischen Touristenmeilen. Es wird versucht Haltung zu bewahren. Das gelingt. Der obligatorische Burger King des Ortes, liegt weit entfernt ausserhalb des Ortes nahe der Hotels und des Alzheimer Zentrums.

An der Puerta de la Villa in Conil de la Frontera.

An der Puerta de la Villa in Conil de la Frontera.

An der Puerta de la Villa in Conil de la Frontera.

An der Puerta de la Villa in Conil de la Frontera.

Im Gegensatz zum nahe gelegenen Vejer da la Frontera, ist in Conil von der historischen Stadtmauer, ausser zwei prominenten Toren, nichts mehr erhalten. Ganz anders in Vejer. Dort ist die mittelalterliche Stadtmauer in vollem Umfang präsent, umgibt die Stadt, Gebäude sind mit ihr verwachsen.

Die mittelalterliche Stadtmauer von Vejer de la Frontera.

Die mittelalterliche Stadtmauer von Vejer de la Frontera.

Die mittelalterliche Stadtmauer von Vejer de la Frontera.

Die mittelalterliche Stadtmauer von Vejer de la Frontera.

Durch den Touristentrubel weiter zum Torre de Guzmán und dann wie zu Beginn des Spaziergangs, durch die Avenida de la Playa hinunter zum Playa de los Bateles. Jetzt wäre ein Bad angesagt und danach ein Imbiss in einer der chringuitos, um den Tag in andalusischer Gemächlichkeit ohne Eile und Sorge verstreichen zu lassen. Ein Ort, der auf den ersten Blick wenig gewinnend wirkt, könnte dem Besucher mit seinem versteckten Charme zum bleibenden Erlebnis geworden sein. Etwas sehr eigenes weht durch Conil, etwas, das in vielen spanischen Fischerdörfern zu spüren ist, die wenig Kultur, dafür viel Süden und Herz haben: Die Sehnsucht nach einem einfachen Leben unter der Sonne am Meer. Vieles scheint unerreichbar. Es lohnt über einen Satz des grossartigen Miguel de Cervantes Saavedra nachzudenken: „Die größte Dummheit scheint, das Leben so zu sehen, wie es ist, und nicht, wie es sein sollte.“

Ein Kuss zum Abschied – Playa de los Bateles Conil de la Frontera.

Ein Kuss zum Abschied – Playa de los Bateles Conil de la Frontera.

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