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Reise

Excursión San Cristóbal de La Laguna – Streifzug San Cristóbal.

Die entscheidende Schlacht um Teneriffa – die Ebene La Laguna.

Die ersten normannischen Conquistadoren Jean de Béthencourt und Gadifer de La Salle hatten auf Fuerteventura und Lanzarote leichtes Spiel. Lanzarote mit rund 400 Ureinwohnern, Fuerteventura mit um die 1.700 waren schnell unterworfen. Ausser kleineren Kämpfe waren die beiden Inseln 1403/1404 in den Händen der Eroberer. Auf Teneriffa standen den Eindringlingen über 30.000 wilde und kampfbereite Guanchen gegenüber, die den Tod nicht fürchteten. Sie sahen das irdische Leben nur als Zwischenstation auf einer ewigen Reise. Alle versuche die Insel zu erobern scheiterten, denn wie Jean de Béthencourt waren es allesamt Abenteurer und Kriminelle, die meist keine militärische Ausbildung hatten und ihr Glück, genehmigt durch die spanische Krone, suchten. Teneriffa fiel als letzte Insel des kanarischen Archipels und das erst durch ein kampferprobtes königlich spanisches Heer.

Alonso Fernández de Lugo (* um 1456, Sanlúcar de Barrameda – † 20.5.1525, San Cristóbal de La Laguna) landete im Mai 1495 mit rund 1.700 Mann, davon 300 Kavalleristen, ausgestattet mit den neuesten Fernwaffen, siegessicher auf Teneriffa. Nach wenigen Tagen folgte die Katastrophe. Bis auf 300 Mann wurde sein Heer im Barranco de Acentejo von den Guanchen nur mit Holzlanzen und geschärften Wurfsteinen aufgerieben. Die 300 Überlebenden flohen in wilder Panik und auch de Lugo konnte nur knapp sein Leben retten. Er trug eine schwere Kopfverletzung von einem der geschärften Wurfsteinen der Guanchen davon, die sich als überaus wirkungsvoll erwiesen. In die spanische Geschichte ging die Schlacht als das “Matanza de Acentejo” ein, das “Gemetzel von Acentejo”. Den Barranco de Acentejo durchquerend stellt sich die Frage, was de Lugo zu der Wahnsinnstat bewog, sein gesamtes Herr in das ansteigende, sich verjüngende Tal zu führen.

Romantische Verklärung in Szene gesetzt: Alonso Fernández de Lugo „El desembarco“ + „El Adelantado y los guanches“.

Romantische Verklärung in Szene gesetzt: Alonso Fernández de Lugo „El desembarco“ + „El Adelantado y los guanches“.

Nach dem “Matanza de Acentejo” war de Lugo klar, ohne professionelles Heer war die Insel nicht einzunehmen. Er kehrte im November 1495 nach Teneriffa zurück und betrat die Insel am Playa Añazo nahe dem heutigen Santa Cruz de Tenerife. Er führte ein Holzkreuz mit sich, das er auf einem Hügel in den Boden rammen liess, um seinem Vorhaben Teneriffa für König und Kirche einzunehmen, zu bekräftigen. Das Holzkreuz wird heute in der Parroquia Matriz Nuestra Señora de la Concepción in Santa Cruz de Tenerife aufbewahrt.

Dieses mal machten die Guanchen einen schweren Fehler und griffen die Eindringlinge in der für sie heiligen Ebene La Laguna, dort lag ein grosser See gespeist aus dem Anaga Gebirge, an. Gegen Feuerwaffen, Armbrust und Kavallerie, die in der Ebene ihre volle Wirkung entfalten konnte, waren die Guanchen chancenlos und wurden rachsüchtig ausradiert. Wieviele es waren, ist unbekannt. Manche sprechen von knapp zweitausend, andere von einigen Tausend. Jedenfalls liess man die Toten in der Hitze als Abschreckung liegen, was unter den Guanchen Seuchen auslöste. Als finale Rache wurden die Guanchen am folgenden Weihnachtstag von den Spaniern im Barranco de Acentejo, dort wo das “Matanza de Acentejo“ stattfand, überraschend angegriffen, als sie sich neu formieren wollten. Diesmal ging es für die Spanier aus. Der Sieg war damit besiegelt, wenn er sich auch noch über Jahre in einer Art Guerillakrieg in den Bergen die unsicher blieben, fortsetzte. Unzählige Guanchen flohen in die unübersichtliche Bergwelt und starben lieber, bevor sie sich unterwarfen. Es ging weniger um die Missionierung zum Christentum, als um die Aussicht als Sklave zu enden.

Das Isabella I. von Kastilien (* 22.4.1451, Madrigal de las Altas Torres – † 26.11.1504, Medina del Campo), in Spanien genannt “Isabel la Católica”, recht weltfremd verfügte, man möge die Ureinwohner freundlich behandeln, denn sie wollte sie allesamt als neue Christenmenschen begrüssen, interessierte die Conquistadoren wenig, denn der Sklavenhandel war ein gutes Geschäft und darum ging es den wilden Truppen. Die Missionierung war ein guter Aufhänger sein Gewissen ruhig zu stellen. Alles im Auftrag Gottes.

Torre de la Concepción San Cristóbal de La Laguna Teneriffa – Ausblick auf die Hochebene La Laguna.

Torre de la Concepción San Cristóbal de La Laguna Teneriffa – Ausblick auf die Hochebene La Laguna.

San Cristóbal de La Laguna – eine Stadt der Renaissance.

Die Gründung von San Cristóbal de La Laguna 1496 fiel in den Beginn der Renaissance, der Aufbruch vom Mittelalter in die Neuzeit, eine Epoche, die als eine der grössten kulturellen Errungenschaften Europas gilt. So spiegeln sich in der Anlage der Stadt San Cristóbal de La Laguna die Ideen der Renaissance wider, die Vorstellungen, wie eine moderne Stadt auszusehen hätte: Ein konzentrierter Stadtkern, ein schachbrettartiger Grundriss, eine Wasserleitung aus dem Anaga Gebirge, die in der Basis bis heute besteht und auch Hygiene war schon ein Thema. In einem subtropischen Klima besonders wichtig. Das Schachbrettmuster in dem San Cristóbal geplant wurde, Blaupause für die Städte Neuspaniens in Übersee.

La Laguna bot sich in mehrfacher Hinsicht als optimaler Standort an. Die fruchtbare Ebene samt See geeignet für Landwirtschaft und gelegen am Fusse des wasserreichen Anaga Gebirges, das Klima im Sommer angenehmer und nicht so drückend wie an der Küste, da auf rund 550 m Seehöhe und damit gut 5 Grad kühler samt dem kühlenden Nordost Passat. Im Winter kann es in San Cristóbal allerdings frisch werden. Zur klimatisch günstigen Lage kam, dass die Stadt sicher vor Piratenangriffen war, mit denen bis ins 19. Jhd. zu rechnen war. Santa Cruz de Tenerife wurde nur als Hafen genutzt bzw. wohnten dort die armen Fischer. Der Ort San Cristóbal de La Laguna fungierte rein praktisch als Inselhauptstadt. Im Jahr 1521 wurde beim königlichen Hof in Madrid das Stadtrecht beantragt, doch der meldete sich nicht. So verlieh sich das Cabildo am 21. Juli 1521 kurzer Hand das Stadtrecht selber. Kanarios bis heute sehr eigenwillig, die Devise lautet „Madrid ist weit“. Der Hof hatte keine Ahnung, was man auf Teneriffa trieb.

Park an der Iglesia Convento de Santa Catalina de Siena San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Park an der Iglesia Convento de Santa Catalina de Siena San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

San Cristóbal ist heute mit Santa Cruz de Tenerife zusammen gewachsen. Santa Cruz lief San Cristóbal schon lange den Rang ab, beide Städte Wiege der Aufklärung. San Cristóbal mit der alten Augustiner Universität, die ihren Ursprung im Convento de San Augustin hat und Santa Cruz mit dem ersten Freimaurer Tempel der Kanaren. Dort gab es die “verbotenen Bücher“, die der Vatikan auf den “Index” gesetzt hatte, den “Index Librorum Prohibitorum”. Sie kamen aus der neuen Welt und aus Frankreich, wurden auch ganz offen gelesen ein Unterfangen, das in Spanien lebensgefährlich gewesen wäre. Die Bücher befassten sich mit sozialen Themen, Leibeigenschaft, Sklaverei, Rechte für den normalen Bürger, Technologie, moderner Landwirtschaft oder zweifelten gar an der Existenz eines Gottes. Alles Themen, die Grossgrundbesitzern und Kirche so gar nicht in den Kram passten. Das heranwachsende selbstbewusste Bürgertum begann die Welt anders zu sehen. Das war eine Gefahr für die herrschende Klasse. Selbst in der Zeit des Francismus die katholische Kirche zusammen mit Militär und Grossgrundbesitzer ein fester Block, die jede Art der sozialen Revolution verhindern wollte und in gewisser Weise bis heute konnte.

Ein Dutzend Sehenswürdigkeiten – Kurzanleitung.

Ein Dutzend Sehenswürdigkeiten, das ist nicht alles, aber so das Erste, das gesehen werden sollte, wenn der Weg nach San Cristóbal de La Laguna führt, in diese herrlichen Renaissance Stadt. Alonso Fernández de Lugo, Vater dieser Stadt, war nicht nur blutiger Eroberer sondern auch Intellektueller. Menschen sind eben nicht eindimensional, meist gar nicht, selten etwas und in Wirklichkeit nie wirklich zu verstehen. Sie sind immer ein Produkt ihrer Zeit und nur in diesem Kontext auch das Handeln des de Lugo nachvollziehbar.

Casco de San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Casco de San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Excursión de San Cristóbal de La Laguna ist wie alle „Excursiónes“ von ¡Viva España! als effizienter Streifzug konzipiert, alles in einer Runde, schnell und grob oder in Etappen im Detail über mehrere Tage zu erkunden. Je nach Geschmack, zeitlichem und finanziellem Budget oder Interesse, jedem das Seine. Alle „Excursiónes“ sind aber nur „bocados“, Appetit Häppchen die Geschmack machen sollen mehr zu entdecken. Untypisch kanarisch wird der Reisende bei den Besuchen doch einwenig zur Kasse gebeten. In Relation zum Reisebudget ein geringer Betrag und es sollte nie vergessen werden, diese Kulturschätze zu erhalten kostet viel Geld und dazu sollte jeder, das ist mehr als fair, einen angemessenen Beitrag leisten, der sich an ihnen erfreut. Für das „Museo de Historia y Antropologia“ und die „Catedral de La Laguna“ sind für nicht Bewohner der Kanaren jeweils 5,- Euro fällig, für „den Rest“ gibt es ein Kombiticket, das z.B. gleich bei Station 1, der „Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción“, erworben werden kann und 7,- Euro kostet. Ein Dutzend Sehenswürdigkeiten erwarten den Besucher der wunderbaren Renaissance Stadt und die 17,- Euro, die anzulegen sind, eine sehr sinnvolle Investition in die eigene Persönlichkeit.

Kombiticket San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Kombiticket San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

La docena – en orden de aparición:

  1. Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción.
  2. Torre de La Concepción.
  3. Teatro Leal.
  4. Casa de los Marqueses de Torrehermosa.
  5. Catedral de La Laguna.
  6. Casa Salazar – Obispado.
  7. Palacio de Lercaro. Museo de Historia y Antropologia.
  8. Monasterio de Santa Catalina de Siena.
  9. Rodrígez de Azero – Casino de San Cristóbal Tenerife.
  10. Iglesia Convento de Santa Catalina de Siena.
  11. Ermita de San Miguel.
  12. Iglesia de Santo Domingo de Guzmán.

Nach dem Dutzend lohnt es, im Casco umher zu schlendern, die kleinen Cafés, Bars und Restaurants auszuprobieren, in den hübschen Geschäften zu stöbern, das Flair dieser geschichtsträchtigen Stadt zu inhalieren. Die Devise lautet wie immer: Reisen, nicht besichtigen oder wie es William Golding einmal so treffend formulierte: „Heute haben wir wieder viel fotografiert und wenig gesehen.“

Rodrígez de Azero – Casino de San Cristóbal Tenerife San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Rodrígez de Azero – Casino de San Cristóbal Tenerife San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción.

Adelantado Fernández de Lugo liebte offensichtlich Symbolik. So erklärte er nach der Feier des Fronleichnam Festes im Gründungsjahr von San Cristóbal 1496, genau hier sei der richtige Ort eine Kirche zu errichten, die Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción, „la Inmaculada Concepción“, die „Unbefleckte Empfängnis“. Die Renaissance Kirche ohne barocken Pomp ist von einer beeindruckenden schlichten Schönheit. Der herausragende Holzdachstuhl im Mudejar Stil, eine Kunst welche die Mauren auf die iberische Halbinsel brachten, wird von eleganten Säulen und weit schwingenden Bögen in einer besonderen Leichtigkeit getragen. Statiker haben ihre Freude.

Ebenso das minimalistisch bestimmte Kreuzrippen Gewölbe, das Inbegriff konstruktiver Schönheit ist. Der Schlussstein aus besonders druckfestem vulkanischem Trachyt der Insel, bündelt alle Kräfte in sich, welche die Rippen auf ihn ableiten. Bricht er oder versagt nur eine Rippe, fällt alles in sich zusammen. Alles greift ineinander, ragt in den Himmel und lebt nur als Einheit. Auch das Idee des Gewölbes. Die Baumeister jener Zeit arbeitetet nur auf Basis von Erfahrungswerten ohne jegliche Berechnungen. Grossartig. Für die Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción sollte Zeit mitgebracht werden. Hinsetzen und das Bauwerk wirken lassen, denn die Architektur christlicher Gotteshäuser ist abseits des Religiösen sehr intellektuelle Baukunst. Sie setzt eine grössere Idee gegenständlich um, Kunst eben.

Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Von aussen ist die Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción nicht als Kirche zu erkennen, wäre da nicht der Glockenturm, der in Spanien meist nicht integraler Bestandteil des Bauwerkes ist, sondern isoliert neben dem Gebäude steht. Warum das so ist, eine interessante Frage. Die Kirchen in San Cristóbal, bis auf die kleine Ermita San Miguel, allesamt keine freistehenden Objekte, sondern Elemente eines stadtbaulichen Komplexes. Die Idee für die Gotteshäuser war eine andere. Sie sind Teil des Gesamten, Teil des Alltages.

Die Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción ist Bestandteil des städtebaulichen Komplexes, der auch die „Villa de Arriba“ beheimatet. Dort waren die Handwerkszünfte vertreten und Verwaltungseinheiten angesiedelt. In katholischer Tradition beheimatete die Kirche auch ein Beinhaus. Die Knochen Verstorbener, von denen das Muskelgeweben abgeschabt werden musste, eine recht undankbare Tätigkeit übrigens, wurden dort gelagert. Die Feuerbestattung dem Katholiken bekanntlich streng untersagt. Keine gute Idee in den Subtropen. Nicht nur entfalteten die Knochen bei entsprechendem Luftdruck einen penetranten Gestank aus dem Keller heraus, sondern verseuchten auch das Grundwasser und lösten in San Cristóbal einige Epidemien aus.

Torre de La Concepción.

Die Besteigung des Torre de La Concepción ist Pflicht, selbst für Reisende, die gestützt werden müssen. Eine grandiose Sicht bietet sich dem Besucher vom 18 Meter hohen Turm im toskanischen Stil, der Ende des 17. Jhd. entstand und jenem der Renaissance Kathedrale von Turin nachempfunden wurde. Ein fantastischer Rundblick tut sich auf, über die gesamte Stadt, die weite Ebene von La Laguna und zum Anaga Gebirge hinüber.

Besonders schön dort oben ist es am frühen Vormittag, wenn die dichten Passatwolken im Anaga Gebirge hängen und ihre Feuchtigkeit abgeben. Das ermöglich den märchenhaften Mercedes Wald und die vielen Quellen, die bereits zur Gründung der Stadt gefasst wurden und über ein Leitungssystem San Cristóbal mit Wasser versorgten. Auch heute ist das noch so und die Leitung verläuft modernisiert durch denselben Barranco wie einst vor 500 Jahren. Reisende, die gerne Wandern, finden durch den Barranco und entlang der Leitung und Quellfassungen einen wunderschönen und einsamen Wanderweg hinunter nach San Cristóbal de La Laguna. Naturliebhaber sollten sich das notieren, denn der Weg ist von einzigartiger romantischer Schönheit.

Torre de la Concepción San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Torre de la Concepción San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Im Glockenturm hängt die grösste Glocke des kanarischen Archipels und diese wird erbarmungslos geschlagen, auch wenn Besucher am Turm zugegen sind. Hat der Besucher Glück, oder eben Pech, das ist Ansichtssache, wird ihm dieses Erlebnis zu Teil, das ihn ohne Vorwarnung trifft. Der Schlagmechanismus überrascht aus dem Hinterhalt lautlos. Das Erlebte bewegt sich zwischen aufkommender Taubheit und psychedelischem Schwindel. Die Ohren scheinen zu versagen, das Gehirn im Schädel wackelt. Gut für die Ohren ist es keinesfalls, denn die surren noch lange nach. Nun weiss man, warum Quasimodo mit dem Hören Probleme hatte.

Convento San Augustin San Cristobal de La Laguna.

Das Convento de San Augustín stammt aus dem Jahr 1515 und wurde unter der Leitung der beiden Augustiner Mönche Andrés de Goles und Pedro de Cea errichtet. Sie waren im November 1495 mit den Truppen des Alonso Fernández de Lugo am Playa Añazo in Teneriffa an Land gegangen, um nach dem erwarteten Sieg über die Guanchen nahtlos mit der Missionierung zu beginnen. Als Dank unterstütze Lugo die Errichtung des Convento. Der Segen des Pontifex maximus war ihnen sicher, waren doch schon seine Vorgänger über die neuen Schäfchen der anderen Kanaren Inseln hoch erfreut, die bald allesamt vorbildliche Christenmenschen sein sollten.

Schon 1403 ernannte der Pontifex maximus “El Rubicón” auf Lanzarote, das nur eine notdürftige Steinkapelle hatte, zum Bistum und unterstellte es dem Schutz des Bistums und den Truppen von Sevilla. Der Convent entwickelte sich zu einem Ort der Studien. Die Mönche betrieben bereits ein Observatorium auf dem Teide und 1701 nahm der Convent die akademische Lehrtätigkeit auf, jedoch noch ohne formale Berechtigung. Karl IV. erklärte im März 1792 den Ort der Studien offiziell zur Universität. 1792 ist somit das formale Gründungsjahr der Universidad de La Laguna, die nach wie vor in einigen Disziplinen weltweit einen erstklassigen Ruf geniesst. Aktuell zählt sie 25 tsd. aktive Studenten.

Convento San Augustin San Cristobal La Laguna Teneriffa.

Convento San Augustin San Cristobal La Laguna Teneriffa.

Der Convento ist auch heute noch ein interessanter Ort. Besonders sein Herz, der klassische Klosterinnenhof mit Brunnen und Säulengang, ein Idyll und Ort der Ruhe und Entspannung. Genannt wird er “Jardín Renacentista y Patio de los Cipreses”. In fünf Ausstellungsräumen spannt sich ein interessanter Bogen aus einer Sammlung alter wissenschaftlicher Forschungsinstrumente der Augustiner, ein naturhistorischer und ein anthropologischer Bereich, bis hin zur Geschichte der Inselverwaltung, dem Gobierno de Tenerife. Im Erdgeschoss widmet sich ein Saal neben dem wunderschönen Renaissance Garten moderner Kunst in Wechselausstellungen, die zumeist den maximal möglichen Kontrapunkt setzen. Den Besucher können sie sprachlos in den idyllischen Garten entlassen, wo er die notwendige Ruhe findet, sich zu erholen.

Teatro Leal.

Ob in Santa Cruz de Tenerife oder San Cristóbal de La Laguna: Überall finden sich herrliche Bauwerke im eklektischen Stil. So auch das Teatro Leal, das Antonio Leal im Jahr 1915 nach Plänen des Architekten Antonio Pintor Ocete errichten liess. Es lohnt in der Calle Obispo Rey Redondo stehen zu bleiben und den Kopf nach oben zur Fassade zu richten. Kunstvolle florale Elemente und Tiere schmücken die sehenswerte Hausfront. Wer die grossen Deckengemälden der Maler López Ruiz und Manual Verdugo besichtigen will schafft das nur, wenn er eine Theaterkarte löst. Besichtigungen des Theaters werden leider nicht angeboten.

Casa de los Marqueses de Torrehermosa.

Gegenüber dem Teatro Leal liegt die Casa de los Marqueses de Torrehermosa, das Haus der Grafen von Torrehermosa. Sie liessen das Stadthaus mit wunderschönem Patio 1736 errichten, nachdem sie ein Gebäude aus der Gründerzeit von San Cristóbal abgerissen hatten. Die Casa durchlebte eine wechselvolle und interessante Geschichte. Cesáreo de la Torre y Ceballo erwarb sie 1760, ranghoher Militär gebürtig aus Lima, nach ihm richtete sich der Bischof in der Casa ein. Es wurde Teil des sehr aktiven wissenschaftlichen und kulturellen Lebens der damaligen Stadt. San Cristóbal lag im Wettstreit mit Las Palmas de Gran Canaria und sah sich als intellektuelles Zentrum des kanarischen Archipels.

Casa de los Marqueses de Torrehermosa – Hotel Aguere San Cristóbal de La Laguna.

Casa de los Marqueses de Torrehermosa – Hotel Aguere San Cristóbal de La Laguna.

1885 kaufte der Brite Benjamin Renshaw die Casa de los Marqueses de Torrehermosa und gestaltete sie zu einem Hotel um. Es war die erste goldene Zeit des Tourismus auf den Kanaren, in der sich vor allem Briten und die internationale High Society auf dem Archipel ein Stelldichein gaben. Der Playa de Las Canteras, Stadtstrand von Las Palmas de Gran Canaria, wurde zum angesagten Reiseziel der gut betuchten Gesellschaft, um Agaete wurden Kurhäuser und Kurhotels auf Grund des Heilwasser errichtet und in Teneriffa entwickelte sich vor allem Puerto de Santa Cruz zum angesagten Treff der Haute Volee. Hotels wie das „Monopol“ oder andere entstanden.

In San Cristóbal kam der erste Tourismus nie in dieser Wucht an, aber florierte auch. Der Geldadel suchte eben das Meer, kam auch gerne mit der eigenen Yacht aus Britannia herüber. Keine grosse Sache und sehr schick. Bis heute blieb die Casa ein Hotel und ist nun das „Hotel Aguere“. Kein Luxus aber ein solides Haus in der Fussgängerzone. Vor allem versprüht es den Charme einer vergangenen Epoche. Wer den Patio betritt könnte sich gut Agatha Christie an einem der Tische vorstellen, wie sie gerade an „Tod auf dem Nil“ arbeitet. Das tat sie tatsächlich auf den Kanaren aber am Playa de las Canteras. Christie liebte das Archipel und besuchte und arbeitete auch in Puerto de la Cruz unweit von San Cristóbal.

Catedral de La Laguna.

Bereits im März 1515 beschloss der Gemeinderat von San Cristóbal, das Cabildo, eine zweite Gemeindekirche zu errichten. Der religiöse Eifer ist verblüffend, denn man hatte wohl genug damit zu tun, eine Stadt mit funktionsfähiger Infrastruktur zu errichten und sich zu ernähren. Zu jener Zeit hatte San Cristóbal rund 3.000 Einwohner. Für das kurze Bestehen und die damalige Zeit war dies enorm. Zum Vergleich hatte München zur selben Zeit 13.500 Einwohner und das nach Jahrhunderten der Stadtentwicklung.

Zur Errichtung einer zweiten Gemeindekirche war nicht nur die Genehmigung des durch die Krone eingesetzten Herrschers über die Inseln La Palma und Teneriffa, Alonso Fernández de Lugo, notwendig, sondern auch jene des Bistums Sevilla, denn dem und dem Schutz des starken Heeres von Sevilla, hatte der Renaissance Pontifex maximus Alexander VI. das neue Bistum Teneriffa unterstellt. Begeistert von soviel Frömmigkeit zögerte der Bischof von Sevilla Fernando Vázquez de Arce nicht lange und stimmte im selben Monat der Errichtung zu. In untypisch schneller kanarischer Baugeschwindigkeit entstand in nur sieben Jahren die ursprünglich einschiffige Kirche. Gebaut wurde, wie auch heute noch auf den Kanaren üblich, recht nachlässig. Diese Mängel brachte die Kathedrale immer wieder in Einsturzgefahr.

Aus der einschiffigen Kirche entstand nach und nach die heutige Kathedrale. Der Bau füllt eigene Bücher. Wer das studieren will, der geht in die herrliche Buchhandlung des Cabildos in Santa Cruz de Teneriffa, Librería del Cabildo de Tenerife (s.u.) und findet dort ausgezeichnete Literatur dazu. Ein Blick auf den Grundriss (s.a. Bild Galerie), zeigt die Expansionsschritte zum heutigen Gotteshaus, dessen Ostung leicht misslungen ist. Auch hier wurde nicht so genau gearbeitet.

Catedral de La Laguna Teneriffa.

Catedral de La Laguna Teneriffa.

Ihre Türme bekam die Catedral de La Laguna erst 1656 und man wollte die höchsten der Insel haben. Das gelang nur kurz, denn 1691 mussten sie kurz vor dem Einstürzen abgerissen werden und durch weit niedrigere ersetzt werden. Überhaupt war die gesamte Kirche fast immer baufällig, aktuell nicht, aber das kann noch werden. Die 5,- Euro Eintritt werden dringend benötigt. Die heutige Kuppel, die auch irgendwie zu klinisch perfekt wirkt, bekam die Catedral erst 1905 aufgesetzt. Die alte Kuppel drohte einmal wieder einzustürzen. Die neue Kuppel wurde aus Stahlbeton gegossen und mit Kränen der Kirche aufgesetzt. Die letzte Generalüberholung erhielt die Kirche zwischen 2009 und 2014. Die gesamte Dachkonstruktion samt Kuppel wurde abgehoben und durch eine Stahlbeton Konstruktion ersetzt.

Im Inneren des Kathedrale interessieren, natürlich neben den Glaubensfragen, zwei Dinge besonders. Zum einen das Grabmal des Alonso Fernández de Lugo, dessen Gebeine in die Kathedrale umgebettet wurden (s.a. „Ermita de San Miguel“). In kunsthistorischer Hinsicht sind die Werke des renommierten Barockmalers Cristóbal Hernández de Quintana (* 1651, Orotava – † 1725, ebenda) von Bedeutung, der auch die zentralen Werke in der Basílica de Nuestra Señora de Candelaria schuf. Die Basilika ist aus San Cristóbal mit dem Auto in 30 Minuten zu erreichen.

Die Basílica de Nuestra Señora de la Candelaria, Teneriffa. Wichtigste katholische Pilgerstätte des Archipels.

Die Basílica de Nuestra Señora de la Candelaria, Teneriffa. Wichtigste katholische Pilgerstätte des Archipels.

In der Kathedrale von La Laguna sticht das „Ánimas del Purgatorio“ ins Auge. Es thematisiert die Reinigung der sündigen Seelen im Fegefeuer. Ein bei Barock Malern beliebtes Thema, denn in diesen Werken konnten die Künstler ihrer Fantasie freien Lauf lassen und das gemeine Volk erschrecken. Auch beim bedeutenden kanarischen Barockkünstler Juan Bautista Hernández Bolaños stand das Fegefeuer hoch im Kurs. Überraschend findet sich auf der kulturell dünn besiedelten Kanaren Insel Fuerteventura ein Meisterwerk von ihm: “Las Benditas Animas del Purgatorio“. Es lässt sich in der Iglesia Santo Domingo de Guzmán in Tetir monumental bestaunen und mahnt, ein gottgefälliges Leben zu führen, um die dargestellten Qualen zu vermeiden.

Casa Salazar – Obispado.

Das Bischofsamt “Opisbado” von La Laguna ist in der Casa Salazar angesiedelt, das sich Cristóbal Salazar de Frias, Graf des Valle Salazar, Mitte des 17. Jhd. errichten lies. Es ist eines der schönsten Beispiele des kanarischen Barocks. Besonders sehenswert die vielen Holzgänge, Treppen und Gänge des grossen Patios, zur damaligen Zeit besonderer Luxus. Es sollten auch die Wasserspeier an der Fassade gesucht werden. Die aus Stein gearbeiteten Tierwesen sind eine Anleihe an die aztekische Steinmetz Kunst, oder nach normalem Sprachgebraucht einfach “nachgemacht”.

Casa Salazar – Obispada de La Laguna San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Interessant sind die vielen Herrenhäuser der Grossgrundbesitzer von San Cristóbal, die von ihnen auch bewohnt wurden. Die Herren über Lanzarote, El Hierro, Fuerteventura, La Graciosa bestellten für ihre Besitzungen lieber Platzhalter und lebten ebenfalls feudal im angesagten San Cristóbal, Las Palmas oder der Peninsula. Genau das wollte der weitsichtige Eroberer Alonso Fernández de Lugo verhindern, denn ihm schwebte eine Renaissance Stadt vor, die einen Stadtkern hatte, der lebendig von kulturellem und geistigen Leben befruchtet wurde. Er verfügte, dass Grundbesitzer in der Stadt wohnen mussten, anderen Falls ihre Besitzrechte abzutreten hatten.

Palacio de Lercaro – Museo de Historia y Antropologia.

Das Museo de Historia y Antropologia ist im Palacio de Lercaro angesiedelt. Den Palacio liess der escribano público Gaspar Justiniano, der Notar Justiniano, im italienischen Palaststil errichten. Er ist besonders auch für Architektur Interessierte ein lohnendes Bauwerk, denn er ist im Stil des genuesischen Manierismus errichtet. Manierismus eine Stilrichtung, die sich zwischen Renaissance und Frühbarock entwickelte und widersprechende Stilepochen zu einem neuen Stil kombiniert. In gewisser Weise ist der Manierismus Vorreiter des Eklektizismus des 19. Jhd., wie er in seiner Blüte im Villenviertel von Santa Cruz de Tenerife, dem Barrio de Los Hoteles, in seiner ganzen üppigen Pracht zu bewundern ist.

Der manieristische Palacio de Lercaro bedient sich interessanter Stilelemente, das Grundkonzept ist als klassischer italienischer Palazzo ausgelegt. Der Innenbereich des Palacio de Lercaro wird von mehreren grosszügigen Patios bestimmt, viel Holz, Treppen, kunstvolle Verandas und Rundgänge, Holzdecken im Mudejar Stil, Holzböden. Ein warmes und freundliches Ambiente, um angenehm zu Leben. Nicht nur war diese Art sein Leben zu gestalten nur äusserst wohlhabenden Personen möglich, auch war dies unter jenen, die es sich leisten konnten, in dieser dem Leben zugewandten Form meist nicht üblich.

Palacio de Lercaro – Museo de Historia y Antropologia San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Palacio de Lercaro – Museo de Historia y Antropologia San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Heute findet sich das Museo de Historia y Antropologia in dem wunderschönen Palacio. Es ist ein Streifzug durch die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte von Teneriffa. Es spannt den Bogen von den Ureinwohnern, den Guanchen, über die Entwicklung der Wirtschaft bis hin zum Fuhrpark des Notars Gaspar Justiniano, den prunkvollen Kutschen, die seinen grossen Wohlstand repräsentierten. Gaspar Justiniano starb 1566 in seinem Palast. Danach wurde er bis 1593 von seiner Tochter Catalina Justiniano und ihrem Gatten Francisco Lercaro de León, General von Teneriffa und damit höchster militärischer Repräsentant der Insel, bewohnt.

Besucher des Museo de Historia y Antropologia die Lust bekommen, tiefer in das Gezeigte einzutauchen, sollten nicht verabsäumen das MUNA – Museo de Naturaleza y Arqueología in Santa Cruz de Tenerife zu besuchen. Ein Museum das auch auf der internationalen Bühne seines Gleichen sucht.

Monasterio de Santa Catalina de Siena.

Nur aus der Vogelperspektive, z.B. auf Google, ist zu sehen, welch mächtiger Komplex Santa Catalina de Siena ist. Wird vom Monasterio de Santa Catalina de Siena durch die Gasse zur Iglesia Convento de Santa Catalina de Siena „um die Ecke“ spaziert, wird das Gefühl dafür verloren, dass es sich um einen zusammenhängenden Baukörper handelt.

Das Monasterio de Santa Catalina de Siena ist als Bauwerk an sich schon einen Besuch wert. Ansonsten stellt es alte sakrale und moderne Kunst aus. Nicht nur letzteres ist neben dem technischen Können auch immer Geschmack Sache. Das Monesatrio ein wunderschöner Ort, es lohnt sehr, ihn zu besuchen. Die ausgestellte Kunst ist irgendwie so wie das obligatorische Bild daheim an der Wand: Es hängt, aber wahr genommen wird es nicht. Minimalisten könnten auch gut darauf verzichten, um sich dem Wesentlichen zu widmen: Dem wunderschönen Gebäude, der Ort der Einkehr war und irgendwie noch ist, wie ein Schild bestätigt.

Rodrígez de Azero – Casino de San Cristóbal Tenerife.

Das Casino von San Cristóbal ist ein Musterbeispiel eklektischer Architektur, wie sie zur Zeit der Errichtung Mode war. Der gesamte Stadtteil „Barrio de Los Hoteles” im angrenzenden Santa Cruz de Tenerife, wurde in jenem Stil errichtet. Das Casino ist im “Palaceta Rodríguez de Azero” angesiedelt, das nach Plänen des Architekten Mariano Estanga in den Jahren 1908 und 1909 errichtet wurde. Im lauschigen Garten findet sich die “COCO Lounge”.

Iglesia Convento de Santa Catalina de Siena.

1606 erwarben Juan de Cabrejas, Herrscher über die Insel La Palma und seine Gattin, die Gebäude gegenüber der Ermita de San Miguel, um dort das Kloster Santa Catalina de Siena zu gründen. In den Gebäuden lebte und residierte einst Alonso Fernández de Lugo. Die Ermita de San Miguel gegenüber die Herzensangelegenheit des Alonso Fernández de Lugo, jenes de Lugo, der ursprünglich im Agaete Tal Gran Canaria die ersten Zuckerrohrplantagen und Zuckerfabrik der Kanaren mit portugiesischem Know-how errichtete.

Das wurde de Lugo schnell zu langweilig, er verkaufte Plantagen und Fabrik 1494 an den Genueser Kaufmann Francisco de Palomares und war damit ein reicher Mann. Er wechselte den Beruf und stieg auf Basis seiner militärischen Ausbildung erfolgreich in das Gewerbe des Conquistadoren ein. Sein Geschäftsmodell: Er wollte die Inseln des Archipels für die Krone und den heiligen katholischen Glauben erobern, die noch in den Händen der Feinde des wahren Glaubens waren, wie er das nach Zeitdokumenten bezeichnete. Jedenfalls war dies in der damaligen Zeit eine solide Rechtfertigung für das Vorhaben und gute Strategie die Genehmigung von der spanischen Krone zu erhalten und auch Geldquellen für das Unternehmen anzapfen zu können.

Das Tal von Agaete Gran Canaria.

Das Tal von Agaete Gran Canaria.

Alonso Fernández de Lugo war ein Mann der Tat. Das mit La Palma war schnell erledigt, Teneriffa folgte trotz schwerem ersten Rückschlag. El Hierro wurde irgendwie ausgelassen. Es ist die einzige Insel des Archipels die nie unterworfen wurde. Zu klein, zu unübersichtlich, zu wenig gab es zu holen, um sich mit den widerspenstigen Hierros rumzuschlagen. Jeden auf der Insel einzeln zu jagen war machbar aber zu mühsam. Das Afghanistan der Kanaren eben. Und irgendwann machten die Hierros dann ganz freiwillig im Laufe der Zeit mit, beim Christ sein, das hatte Vorteile.

Das Gotteshaus Iglesia Convento de Santa Catalina de Siena ist zwar nur einschiffig, aber in seiner Präsenz überaus vereinnahmend. Der Dachstuhl mit Kassettendecke ein wunderbares Beispiel des maurischen Mudejar Stils. Alleine dafür lohnt schon der Besuch. Die künstlerische Gestaltung der Kirche konzentriert sich, man könnte es brachial nennen, auf massive alles dominierende Haupt- und Nebenaltare. Der Hauptaltar eine Arbeit der beiden Künstler Antonio de Orbarán y Antonio Álvarez, die ihn, wie damals üblich, von 1665 bis 1667 direkt in der Iglesia de Santa Catalina de Siena schnitzten. Der Altar wurden erst später vergoldet. Oft geübte Praxis, denn sündige Gönner mussten aufgetrieben werden, um ihre Seele vor dem drohenden Fegefeuer frei zu kaufen. Mit Geld war das zu machen und das Sündenkonto getilgt. Praktisch.

Iglesia Convento de Santa Catalina de Siena San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Iglesia Convento de Santa Catalina de Siena San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Die Iglesia Convento de Santa Catalina de Siena hat eine besondere Kuriosität zu bieten: Die erstklassig erhaltene Mumie der María de León y Delgado (* 23.3.1643, El Sauzal – † 15.2.1731, San Cristóbal de La Laguna), genannt “La Siervita” bzw. “Sor María de Jesús”. Der “cadáver”, so heisst das spanisch korrekt, wird in einem gläsernen Sarkophag gelagert. Die ehemalige Nonne wird hoch verehrt, hatte sie doch in bester katholischer Manier das gesamte Programm zu bieten, um als Ausstellungsobjekt zu Enden: Wunder, Stigmata, Ekstasen und ähnliches dominierten ihr Leben. Heutzutage wäre sie wohl in der Psychiatrie gelandet, in der katholischen Kirche ist das beste Voraussetzung in den Prozess der Seelingsprechung des Vatikans eingereiht zu werden. Der Ausgang ist noch offen, denn der Vatikan prüft Wunder immer erst streng wissenschaftlich.

Jedenfalls wird María zweimal im Jahr ausgestellt. Ein makaberes und gewöhnungsbedürftiges Schauspiel. Dann bilden sich lange Schlangen vor der Iglesia. Gerne auch ein Selfie mit dem cadáver für facebook und Instagram – mittelalterlicher Glaube in einer Renaissance Stadt technologisch neu gelebt. Crossover im heutigen Jargon. Einmal findet das Spektakel an ihrem Todestag statt und so dieser nicht auf einen Sonntag fällt, auch noch einmal am darauf folgenden Sonntag. Fällt der 15. auf einen Sonntag, freuen sich die Devotionalien Händler nicht, denn das ist schlecht für den Umsatz. Oft entsteht der Eindruck, die katholische Kirche vereinnahmte nicht nur die keltische Wintersonnwende zum Weihnachtsfest, sondern übernahm auch nahtlos den Manismus, um den bekehrte Christen auch weiterhin das gewohnte heidnische Programm in vollem Umfang bieten zu können. Alles beim Alten mit neuem Gott. Oft bedarf es Pragmatismus, um seine Ziele zu erreichen.

Ermita de San Miguel.

Die kleine Ermita de San Míguel gegenüber dem Convento de Santa Catalina de Siena, wird meist von Touristen übersehen. Dabei ist sie einer der geschichtsträchtigen Orte der Insel Teneriffa. Als das Leben auf Teneriffa nach der Eroberung begann einen geregelten Lauf zu nehmen, holte sich Alonso Fernández de Lugo die Genehmigung des Bischofs von Sevilla, um  eine Kapelle errichten zu dürfen, die ihm auch sogleich erteilt wurde. Er widmete sie dem kämpferischen Erzengel Michael, den er leicht nachvollziehbar sehr verehrte. Am 14. Mai 1506 wurde mit bischöflicher Genehmigung begonnen, die Kapelle zu errichten. De Lugo beauftrage für die kleine Kapelle keinen geringeren als den Architekten und Baumeister Pedro de Llerena, jener der beim Bau der Kathedrale Santa Ana von Las Palmas de Gran Canaria dem ersten Architekten, Diego Alonso de Montaude, nach folgte. Heute wird die kleine Kapelle San Miguel vom Gerichtsgebäude von La Laguna erdrückt, das über den Resten des alten Klosters San Miguel de las Victorias errichtet wurde.

De Lugo wünschte sich, dass einmal an diesem Ort die zentrale Kirche der Insel entstehen würde und seine Kapelle Teil dieses grossen sakralen Bauwerkes sein würde. Er selber wollte in ihr beerdigt werden. De Lugo wohnte wie alle Grundbesitzer, so wie er es angeordnet hatte, in San Cristóbal de La Laguna und starb auch dort gegenüber in den Gebäuden des Convento de Santa Catalina de Siena. So, wie er es sich gewünscht hatte, wurde er im Kloster San Miguel de las Victorias, das auf seine Initiative gegründet wurde, beigesetzt. Es brannte 1810 bis auf die Grundmauern nieder und wurde nicht mehr aufgebaut. Seine Gebeine wurden 1860 exhumiert und 1881 in der Kathedrale von San Cristóbal de La Laguna erneut beigesetzt. Ein Grabdenkmal in der Kathedrale erinnert an ihn.

Iglesia de Santo Domingo de Guzmán.

Auf dem Fundament einer kleinen Einsiedelei errichteten Dominikaner Mönche 1522 die Iglesia de Santo Domingo de Guzmán samt angrenzendem Kloster. San Cristóbal zu jener Zeit intellektuelles Zentrum des kanarischen Archipels und so widmeten sich auch die Dominikaner der Forschung und Lehre. 1622 wurde ein Lehrstuhl für Theologie eingerichtet. Auch eine öffentlich zugängliche Bibliothek wurde aufgebaut. Das klingt Heutzutage recht banal, bedenkt man aber, dass zu jener Zeit Bücher durch Abschriften entstanden und auch gerne als besonders wertvolle Gastgeschenke dienten, bekommt der Aspekt gleich eine ganz andere Bedeutung.

Iglesia de Santo Domingo de Guzmán San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Iglesia de Santo Domingo de Guzmán San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Von aussen macht das Gotteshaus “wenig her”, wirkt gänzlich uninteressant. Weniger fotogen kann ein Gebäude kaum sein. Wird Santo Domingo de Guzmán betreten, überwältigt die unerwartete Pracht. Der weite Raum mit kunstvollem Dachstuhl, dessen Gewicht auf eleganten Säulen und weit ausholenden Bögen ruht, verblüfft. Das die inneren Werte der Iglesia de Santo Domingo de Guzmán so wertvoll ausfallen würden, damit rechnet niemand. Für die damalige Zeit ein statisch herausforderndes Bauwerk.

Vom gleissenden kanarischen Sonnenlicht in das Ambiente der Iglesia zu treten, das hat schon seine Wirkung. Die Augen adaptieren langsam und dann sticht als erstes der kunstvolle Altar entgegen, welche der Virgen del Rosario gewidmet ist, der Jungfrau vom Rosenkranz. Wahrscheinlich aus 1550 strahlt viel Silber aus den reichen Minen Neu Spaniens entgegen. Hat sich das Auge an die dämmrige Stimmung gewöhnt, wirken die monumentalen Fresken. Sie sind neueren Datums und stammen von Mariano de Cossío (* 1890, Valladolid – † 1960, ebenda). Sie thematisieren die Seeschlacht von Lepanto im Ionischen Meer (7.10.1571). Initiiert von Papst Pius V. errang dort eine Flotte der christlichen Mittelmeermächte einen überraschenden Sieg über das Osmanische Reich. Der unerwartete Erfolg der “Heiligen Allianz” hatte beachtliche psychologische Wirkung und bedeutende geschichtliche Folgen, denn zu jener Zeit galten die Osmanen als unbesiegbar.

Iglesia de Santo Domingo de Guzmán San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Iglesia de Santo Domingo de Guzmán San Cristóbal de La Laguna Teneriffa.

Der alte Konvent beherbergt Veranstaltungsräume und Büros. Ein Sicherheitsmann sitzt am Empfang. Es stört aber niemanden, ein wenig in ihm herum zu spazieren und ihn zu geniessen. Alles ist offen, verblüffend, aber kanarisch eben. Einwenig heile Welt noch, so es die jemals gab. Wie üblich der Patio das Herzstück des Konvent, der Brunnen im Zentrum, umlaufende Holzbalkone, Kunst in den Gängen, im oberen Geschoss Menschen, die ganz normal vor dem Computerbildschirm sitzen und arbeiten. Fast hat man das Gefühl, ein Eindringling zu sein, der hier nichts zu suchen hat. Dezent diesen wunderschönen Konvent geniessen, ein Schmuckstück.

Casco de San Cristóbal de La Laguna.

Es ist nett durch das Casco, die Altstadt, von San Cristóbal de La Laguna zu spazieren. Fast ist der Besucher geneigt, die alte Innenstadt als idyllisch zu bezeichnen. Mehrere kleine Parks, in denen sich herrlich sitzen lässt. In den vielen Gassen interessante Restaurants, Cafés und Bars und dazwischen gestreut viele Handwerksbetriebe, die Exquisites produzieren. Vor allem ist San Cristóbal am Archipel und nicht nur dort für sein Leder verarbeitendes Handwerk bekannt. Historisches dazu findet sich im Museo de Historia y Antropologia. Im Casco kann in den Geschäften der Handwerksbetriebe ausgefallenes Schuhwerk oder Taschen gekauft werden, die daheim garantiert für einen Hingucker sorgen werden. Nicht Verstaubtes oder Altmodisches wird dort geboten, sondern sehr Extravagantes von hoher Qualität zu einem sehr angemessenen Preis. Einwenig Zeit und Geld sollte der Besucher von Cristóbal für einen kleinen oder grossen Einkauf vom Reisebudget auf die Seite räumen.

Hin und rum.

Viele werden mit dem Auto anreisen. Sie folgen am besten den Schildern „Parking La Laguna Centro“, eine Parkgarage direkt in der historischen Innenstadt. Danach geht alles zu Fuss.

Wer auf das Auto verzichten will, eine gute Idee, nutzt das erstklassige öffentliche Busnetz „titsa“. Von jeder Ecke der Insel ist San Cristóbal schnell, komfortabel und sehr preisgünstig zu erreichen. Mit den öffentlichen Bussen über das kanarische Archipel zu reisen immer eine gute Idee. Entspannt kann genossen werden, wie die grandiose Landschaft vorbei zieht.

Aus Santa Cruz de Tenerife gibt es zwei Varianten mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach San Cristóbal zu gelangen. Die Schnelle ist jene am „intercambiador“ den Flughafenbus Aeroexpress Linie 20 zu besteigen. Er legt auf dem Weg zum TFN genau einen Stopp ein und zwar am “intercambiador” San Cristóbal. Die Fahrt dauert exakt 6 Minuten, dann geht es in einem 10 minütigen Spaziergang in den historischen Kern von San Cristóbal. Geniesser besteigen am intercambiador die „metrotenerife“ der Linie 1 mit Ziel „Trinidad“. Die Strassenbahn benötigt 50 Minuten nach San Cristóbal und ist eine Sightseeing Tour für etwas mehr als einen Euro. Erst geht es durch die Altstadt von Santa Cruz und dann werden über den Plaza Weyler die 550 Höhenmeter hinauf nach San Cristóbal erklommen. Nach aussichtsreicher und schöner Fahrt in der modernen Tram, sogar USB Stecker finden sind, um das Mobiltelefon oder Tablet nachzuladen, wird als letzte Station „Trinidad“ erreicht. Dort beginnt die Fussgänger Zone. Komfortabler, preiswerter und zugleich umweltbewusster geht es nicht.

Alles darüber wie preisgünstige aufladbare Fahrkarten zu erwerben sind und mehr praktische Tipps unterwegs zu sein unter „Excursión Santa Cruz de Tenerife“.

Praktisches.

Wohnen:

Ein Hauch von Geschichte – Nostalgie pur im Zentrum:
Hotel Aguere*
Calle Obispo Rey Redondo, 55
38201 San Cristóbal de La Laguna
(Anmerkung: Auch ein Stern kann einfach ok sein.)

Komfortabel mit Spa und Gym am Convento Santa Catalina de Siena:
Hotel Laguna Nivaria****
Plaza del Adelantado, 11
38201 San Cristóbal de La Laguna

Essen:
Unzählige Cafés, Bars und Restaurants im historischen Casco.

Öffentliche Verkehrsmittel:
Siehe Excursión Santa Cruz de Tenerife – Streifzug Santa Cruz.

Nützliche Links.

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