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Reise Sehnsucht

Cabo de Trafalgar – Horizont und Leuchtturm.

Länder ohne Meer – ist das noch ein Land oder eher schon autonome Provinz?

Militärstrategen sind sich einig: Ohne einen soliden Hafen am Meer, vor allem auch ganzjährig eisfrei, kann ein Land kein weltpolitisches Gewicht sein. Damals wie heute basieren Konflikte auf dieser Tatsache. Der Brennpunkt Krim ist ein blendendes Beispiel dafür. Viele Urlauber werden die grosse Bedeutung eines Meereszugangs, vor allem eisfrei, vollinhaltlich unterstützen.

Sunset am Outpost – Punta de Pesebre Fuerteventura.

Sunset am Outpost – Punta de Pesebre Fuerteventura.

Der Blick über ein Meer zieht in den Bann. Seen können das nicht in dieser Weise. Ein gegenüberliegendes Ufer lässt sich klar erkennen, jedenfalls an mitteleuropäischen. Es fehlt der ferne Horizont, die Projektionsfläche der Sehnsüchte. Dort in der Ferne, wo Wasser und Himmel verschmelzen, ist alles möglich. Auf dieser Leinwand können Träume spielen, der ersehnte Erfolg, der verborgene Schatz, die Südseeschönheit, ein besseres Leben, Glück, wie immer das definiert wird. Bei den meisten Menschen bleibt es beim Träumen. In einigen wenigen brennt das Feuer so stark, dass sie sich zum Horizont aufmachen, um das zu finden, nachdem sie suchen.

Ein Gefühl von Freiheit – der weite Atlantik und die sinkende Sonne.

Ein Gefühl von Freiheit – der weite Atlantik und die sinkende Sonne.

So Fernão de Magalhães (s.u.), der von der Costa de la Luz, an der auch nördlich Gibraltars das Cabo de Trafalgar in den Golf von Cádiz ragt, in See stach, um als Erster den Versuch zu wagen, den Planeten zu umsegeln. So fern er eben rund sei. Das war zu jener Zeit eine gewagte Vermutung. Ein Aufbruch ins Ungewisse, nicht selten lebensgefährlich. Fernão wusste das. Er fertigte zuvor noch in Sevilla sein Testament an, zurück kehrte er nie. „If you want the ultimate ride, you have to be willing to pay the ultimate price.“ befand Surfer Mark Foo, Big Wave Legende aus Hawaii, der in den berüchtigten Mavericks in der Half Moon Bay sein Leben liess.

Alleine mit den Naturgewalten – Kitesurfen bei Sonneuntergang auf Fuerteventura.

Alleine mit den Naturgewalten – Kitesurfen bei Sonneuntergang auf Fuerteventura.

Leuchttürme – Kristallisationspunkte der Richtungssuche.

Leuchttürme ziehen Menschen magisch an. Wer dieses Thema von Emotionen losgelöst betrachtet, wird darüber verwundert sein. Vor allem bei moderneren Bauten. Eine Betonröhre, die in den Himmel ragt, ohne Leuchtturmwärter Haus auch noch, auf der sich ein Leuchtfeuer dreht, weil das eben so sein muss. Die wesentlichen Teile der Installation mehr Radarbarken und anderes elektronisches Zubehör, Wetterstationen, die im besten Falle GPS Signale unterstützen. Ein Backup System der modernen Seefahrt. Mehr sind sie heute nicht mehr.

Faro de Punta de Jandía Fuerteventura.

Faro de Punta de Jandía Fuerteventura.

Was macht dennoch die Anziehungskraft dieser Türme aus? Vielleicht ist es ihre Wegweiser Funktion, in den nahen sicheren Hafen oder in die weite Ferne. Je nachdem, was anliegt. Die nicht endende Richtungssuche des Menschen, die Frage, was ist der beste Kurs in diese ungewisse Zukunft, die niemanden ganz unbelastet lässt. Ein Leuchtturm als Ort, der darüber zum Nachdenken anregt oder bisweilen zwingt, auch wenn dies wohl nur wenigen so bewusst ist. Das macht sie wohl aus.

Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.

Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.

Ein herrlicher Ort, um die eigenen Gedanken in die Ferne, die Zukunft schweifen zu lassen, ist das antike Ende der Welt, der Nullmeridian auf El Hierro. Am Faro de Punta de Orchilla (s.u.) ist es einsam, wild, geschichtsträchtig, phänomenal, ein inspirierender Ort, um über zentrale Fragen des eigenen Seins nachzudenken. Antworten gibt es am Faro keine, aber die Reise ins eigene Innerste könnte dort beginnen. Ein Anfang wäre gemacht.

Faro Punta de Orchilla El Hierro.

Faro Punta de Orchilla El Hierro.

Faro de Trafalgar – zu allererst die Römer.

Auf der „Tómbolo de Trafalgar“ (Landzunge), einem geschützten spanischen Monument, erhebt sich der Faro de Trafalgar. Er ist einer dieser Orte, die Menschen magisch anziehen. Schöner gelegen kann ein Leuchtturm kaum sein. Auf einer sechs Meter hohen Erhebung, thront er über dem Meer, umgeben von wunderbaren Sandstränden. Erreicht wird er ebenso schön über eine sandige Landzunge. Ursprünglich war der Tómbolo de Trafalgar ein Hügel in der Landschaft. Als am Ende der letzten Eiszeit der Meeresspiegel anstieg, wurde er zu einer kleinen Insel im Atlantik. Ablandige Strömungen formten eine Sandbank, die heute den Leuchtturm mit dem Festland verbindet

Faro de Cabo de Trafalgar.

Faro de Cabo de Trafalgar.

Der heutige Leuchtturm wurde im Jahr 1860 errichtet und ist 34 Meter hoch. Er stammt aus der Periode, als Spanien seine gesamte Küstenlinie nach neuester Methodik exakt vermessen liess und mit einem standardisierten Netz aus staatlichen Leuchttürmen überziehen liess, um die Handelsrouten navigatorisch sicherer zu gestalten. Einen guten Teil der Vermessungsarbeiten wurde vom französische Mathematiker und Seemann Jean-Charles de Borda durchgeführt. Borda wird wenigen bekannt sein. Wer in der Lage ist, den Eurovision Songcontest zu verfolgen, stösst auf nicht kartographische Arbeiten des genialen Mathematikers. Die Abstimmung beim Songcontest folgen dem „Borda-Wahlverfahren“.

Faro de Cabo de Trafalgar.

Faro de Cabo de Trafalgar.

Die Leuchttürme, die heute an spanischen Küsten derart faszinieren, ob auf den Kanaren oder an der Costa de la Luz, sie stammen fast allesamt aus der Zeit zwischen 1840 und 1870. Das Baumuster ist recht ident. Es findet sich unweit eine Mole, um u.a. die grossen Mengen Olivenöl anliefern zu können, mit denen die Leuchtfeuer ursprünglich betrieben wurden. Am Leuchtturm liegt ein Gebäude mit meist zwei Wohnungen, denn üblicher Weise wechselten sich zwei Familien ab, die jeweils ein halbes Jahr den Leuchtturm betrieben. Im Gebäude ist ebenso ein Techniker Raum angesiedelt, den der staatliche Ingenieur regelmässig bewohnte. Er zog von Leuchtturm zu Leuchtturm, um die Installationen zu warten. Unweit des Leuchtturms entlegener Gebiete wurde ein „aljibe“, eine Zisterne, für die Wasserversorgung angelegt, die von Regenwasser gespeist wurde. Den Pegelstand hatte der Leuchtturmwärter täglich, neben unzähligen anderen Daten wie Küsten- und Wetterphänomene, in das Leuchtturmwärterbuch einzutragen. Die spanische Bürokratie ist verblüffend akribisch.

Faro de Cabo de Trafalgar.

Faro de Cabo de Trafalgar.

Die ersten historischen Spuren am Cabo de Trafalgar hinterliessen die Römer, wenn auch keinen Leuchtturm. Obwohl sie keine grossen Leuchtturmbauer waren, stammt doch der älteste erhaltene von ihnen. Es ist der Herkulesturm in A Coruña, Galicien, aus dem 2. Jhd. n.Chr., zwar modernisiert und immer wieder restauriert, aber in der Basis erhalten. Er weisst noch heute die Richtung. Galicien spielte durch seine reichen Erzvorkommen eine zentrale Rolle für römische Waffenschmieden. Am Kap Trafalgar waren die Römer mehr am Fischfang interessiert, der bis heute, vor allem durch den wertvollen roten Thun, grosse Bedeutung hat. Erhalten ist ein Juno Tempel, Thermen und eine Fischkonservierungsanlage, in der Fisch gepökelt wurden. Wer eine solche römische „factoría de salazones“ besichtigen möchte, findet eine erstklassig erhaltene im nahegelegenen Cádiz.

Herkulesturm in A Coruña, Galicien.

Herkulesturm in A Coruña, Galicien.

Der erste Turmbau am Cabo de Trafalgar stammt aus dem 13. Jhd., der Zeit, als Mauren, „moros“, Andalusien eroberten. Recht unscheinbar steht er restauriert und wenig liebevoll gepflegt und schon gar nicht näher beschrieben, am Kap neben dem Leuchtturm. Zu jener Zeit zog sich eine ganzen Reihe dieser Türme, die als Leuchtfeuer wie Aussichtsturm zur Sicherung der Küste dienten, die Costa de la Luz nach Norden hinauf.

Torre de moro am Cabo de Trafalgar.

Torre de moro am Cabo de Trafalgar.

Seeschlacht am Cabo de Trafalgar – der Mythos vom genialen Strategen Napoleon.

Napoleon Bonaparte hatte einen Plan. Grossbritannien sei zu erobern, um den Menschen dort die Vorzüge seiner neuen Weltsicht zu bringen. Bei den angewandten Methoden war er nie zimperlich, meist unkonventionell, für den Gegner überraschend, immer auch innovativ. Die „Konserve“ (s.u.) geht beispielsweise auf Napoleon zurück. Sie sollte seine Truppen ernähren, denn es missfiel ihm, dass es notwendige Praxis war zu plündern, um ein Heer zu ernähren. Ob er wirklich so ein genialer Stratege war, wie das Frankreich gerne inszeniert, scheint öfter fraglich, beispielsweise auch wie sein Plan aussah, die Insel des Empires einzunehmen. Aussergewöhnliche Begabungen verschoben sich wohl in Richtung Grössenwahn.

Napoleón I Bonaparte Fontainebleau (Paul Delaroche, 1845).

Napoleón I Bonaparte Fontainebleau (Paul Delaroche, 1845).

Der Plan war folgender: Der französischen Vizeadmiral Pierre de Villeneuve sollte sich mit der verbündeten spanischen Flotte in die Karibik aufmachen, die Royal Navy dorthin locken, sich dann aber klamm heimlich wieder aus dem Staub machen, um dann die britische Insel, die nun ungeschützt war, bequem einzunehmen. Der Vietnamveteran Walter Sobchak in „The Big Lebowsky“ meinte, Pläne müssen einfach sein, sonst gehen sie in die Hose. Das hätte Napoleon beachten sollen. Die Briten rochen Lunte, setzten nur in kleinem Verband nach und empfingen stattdessen den rückkehrenden Pierre de Villeneuve am Kap Finisterre, wo sie ihm eine erste Abreibung verpassten. Mehr wurde es nicht, denn die Sicht wurde schlecht und die Briten wussten, es kommt eine bessere Gelegenheit, um das Thema Napoleon für sie aus der Welt zu schaffen. Vizeadmiral Pierre de Villeneuve flüchtet nach Cádiz, um seine Haut zu retten.

Szenen der Schlacht von Trafalgar (Étienne François Auguste Mayer).

Szenen der Schlacht von Trafalgar (Étienne François Auguste Mayer, 1805).

Napoleon war erbost, dass Pierre de Villeneuve seinen genialen Plan nicht umsetzen konnte. Um diesen Schnitzer auszubügeln, sollte er sich wenigstens heimlich mit der französisch-spanischen Flotte nach Süditalien aufmachen, um dort eine laufende Invasion zu unterstützen. Diesmal wartete die Royal Navy am 21. Oktober 1805 am Kap Trafalgar auf die Flotte und stellte sie zum Kampf. Vizeadmiral Horatio Nelson griff völlig unkonventionell in direkter Linie an und setze auf seine erfahrenen und gedrillten Soldaten. Es endete verheerend für Franzosen und Spanier. Während die Royal Navy kein einziges Schiff verlor, wurde nahezu die gesamte gegnerische Flotte versenkt u.a. auch die „Santísima Trinidad“. Sie war der Stolz der spanischen Marine, pikanter Weise von einem Briten konstruiert. Als sie 1769 in Havana vom Stapel lief, war sie das grösste Kriegsschiff der damaligen Zeit, die mit beachtlichen 1.500 Mann zum Kampf antrat. Für Nelson gingt Kap Trafalgar jedoch schlecht aus. Er kam bei den Kämpfen ums Leben, wurde aber geschichtlich unsterblich. Für das Empire begannen 100 Jahre der unangefochtenen weltweiten Seeherrschaft, für Napoleon wurde der Untergang eingeläutet.

Santísima Trinidad.

Santísima Trinidad.

Terremoto 1755 – das Erdbeben von Lisboa erschüttert Europa.

Am 1. November 1755 suchte Europa eine der verheerendsten Naturkatastrophen der bekannten Geschichte heim: Das Erdbeben von Lisboa. Es zerstörte Lissabon vollständig. Es war so heftig, dass die Flutwelle selbst auf den Azoren, Kapverden und sogar in Martinique und Barbados Schäden verursachte. In Luxemburg stürzte eine Kaserne ein, an Schweizer Seen kam es zu heftigem Wellengang. Giacomo Casanova, der diesen Tag als Häftling in den berüchtigten „Piombi“ in Venedig verbrachte, hält das Ereignis in seinen Memoiren „Histoire de ma vie“ fest und berichtet, dass der Dachstuhl des Dogenpalastes heftig bebte. Das Epizentrum lag wohl rund 200 Km vom Cabo de São Vicent entfernt im Atlantik, der Azoren-Gibraltar-Bruchzone.

Torre de Castilnovo en Conil de la Frontera.

Torre de Castilnovo en Conil de la Frontera.

Die Atlantiküste von Lissabon bis nach Marokko, wurde von einem heftigen Tsunami von ca. 20 Metern Höhe überrollt. Südlich von Conil de la Frontera wurde die Poblado de Castilnovo völlig zerstört. Lediglich der Torre de Castilnovo, der mit 20 m so hoch wie die Flutwelle war, widerstand als Ruine. Heute ragt der Torre seltsam einsam am Strand, nachdem er 1995 restauriert wurde, aus den Dünen. Wer aufmerksam durch die Gegend streift, wird überall noch Mauerreste des Ortes in der Landschaft finden, der nicht wieder aufgebaut wurde. Am Kap de Trafalgar kam es neben der Flutwelle zu Verwerfungen des Meeresbodens. Die Felsbrocken, die um den Leuchtturm herum aus dem Sand und Wasser ragen, sind die sichtbaren Zeichen des terremoto von 1755.

Terremoto de 1755 am Cabo de Trafalgar.

Terremoto de 1755 am Cabo de Trafalgar.

Der Premierminister von Portugal, Marquis von Pombal, tat sich als brillanter Krisenmanager der Katastrophe hervor. Nach dem Beben sagte er angeblich: „Und nun? Beerdigt die Toten und ernährt die Lebenden.“ Gegen Plünderer wurde rigoros vorgegangen, Tote sofort beerdigt, um Seuchen zu verhindern, die Bevölkerung wurde zum Wiederaufbau verpflichtet und durfte die Stadt nicht verlassen. Nach einem Jahr war Lissabon vom Schutt befreit und zu einem guten Teil wieder aufgebaut. Nur die Ruine des Convento do Carmo erinnert noch an 1755. Die Naturkatastrophe hatte weitreichende Folgen für Europa, politisch, intellektuell wie wissenschaftlich. Marquis von Pombal kann als Vater der Erdbeben Forschung gesehen werden. Er beauftragte Verbreitung und Auswirkungen des Bebens detailliert zu erheben und niederzuschreiben, noch heute ein Wissensschatz für Forscher.

Convento do Carmo Lisboa.

Convento do Carmo Lisboa.

Playas am Cabo de Trafalgar – einsam in der Off-season.

Tobt in den Herbst hinein an den Stränden von Conil de la Frontera noch der Tourismus, besonders wenn am Wochenende Städter aus dem nahen Cádiz, Jerez de la Frontera oder Vejer de la Frontera Erholung suchen, wird es um das Cabo de Trafalgar schon ruhig. Die spärlichen Restaurants und Bars, machen die Ecke für Tagesausflügler weniger interessant. Einwenig erinnert das Ambiente an den Tourismus der toskanischen Küste der 1970iger Jahre. Schöne Strände, dahinter Pinienhaine und dazwischen einfache Hotels, Appartements und auch Campingplätze. Es ist ruhig, kein Partytourismus, nichts für jene, die sich zumindest für reich und schön halten. Sie werden unweit in Marbella oder Malaga an der Costa de la Sol artgerecht gehalten.

Der Strand von Conil de la Frontera am frühen Morgen.

Der Strand von Conil de la Frontera am frühen Morgen.

Playas Cabo de Trafalgar.

Playas Cabo de Trafalgar.

Der Herbst an den Stränden des Cabo de Trafalgar, die sich südlich und nördlich von ihm ausbreiten, ist wunderbar. Ruhig ist es, die ersten Strandbesucher tauchen gegen Mittag auf. Zonen mit Sonnenliegen und -schirmen sind nicht erlaubt. Tagsunter steigen die Temperaturen auf 28 Grad. Die drückende Sommerhitze Andalusiens ist für dieses Jahr gegangen. Gleichzeitig lassen die thermischen Winde nach. Das gefällt den Kitesurfern weniger, für Sonnenanbeter optimal. Der Atlantik erreicht Ende September Anfang Oktober seine höchsten Temperaturen. Beim Baden ist aber höchste Vorsicht geboten. Wie an allen Kaps bilden sich wechselnde Strömungen, die lebensgefährlich werden können.

Playas Cabo de Trafalgar.

Playas Cabo de Trafalgar.

Playas Cabo de Trafalgar.

Playas Cabo de Trafalgar.

Schicke Bars werden an den Playas nicht gefunden. Nur die Chiringuito „Faro Beach Los Caños“ lädt nachmittags und zu Sunset zu Drinks und das sehr sympathisch und locker. In der Saison legt ein DJ im Ibiza Style auf. Passt die Stimmung, wird auch getanzt. Strandbesucher der Off-season, die sich auf einen Drink freuen, werden aber enttäuscht. Die Chiringuito darf nur über den Sommer stehen. Danach wird sie abgebaut und von der „Faro Beach Los Caños“ bleiben vorerst nur noch Abwasser und Wassertanks, bald sind auch die verschwunden. Dann ist der Strand bis zum nächsten Sommer wieder ganz Natur.

Chringuito Faro Beach Los Caños am Cabo de Trafalgar.

Chringuito Faro Beach Los Caños am Cabo de Trafalgar.

Off season – Chringuito Faro Beach Los Caños am Cabo de Trafalgar.

Off-season – Chringuito Faro Beach Los Caños am Cabo de Trafalgar.

Medio Ambiente am Cabo de Trafalgar.

Medio Ambiente am Cabo de Trafalgar.

Die erstaunliche Flora der atlantischen Küste.

Es lohnt in den dunas und den marismas (Marschland) der Costa de la Luz etwas die Augen offen zu halten. Dort sind verblüffende Schönheiten zu entdecken, die selbst botanisch gänzlich Uninteressierte faszinieren könnten. Ursprünglich waren die Pflanzen der Salzwiesen von grossem wirtschaftlichen Interesse. In Zeiten der industriellen Revolution, bescherten sie britischen Händlern am kanarischen Archipel grossen Wohlstand. Aus ihnen wurden Soda, Kali, Farbstoffe und mehr gewonnen (s.u.), Rohstoffe, die ins Empire verschifft wurden. Die Entwicklung der chemischen Industrie in Deutschland, stürzte nicht nur die Kanaren in eine schwere wirtschaftliche Depression (s.u.).

Die Salzwiesen von Conil de la Frontera.

Die Salzwiesen von Conil de la Frontera.

Heute sind in Spanien die marismas streng geschützt, um die empfindlichen Arten zu erhalten. Wirtschaftliche Bedeutung haben sie nur noch geringe. In das Marschland von Conil de la Frontera, wird gegen Sommerende die vaca retinta zum Grasen getrieben. Ihr schmecken und bekommen die Salzpflanzen. In der klassischen kanarischen Küche, wird das Kali-Salzkraut für Salate genutzt. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten, denn nur die jungen Triebe eignen sich. In den älteren reichern sich hoch konzentriert die Alkaloide Salsolin und Salsolidin sowie Oxalsäure und Natriumoxalat an. Sie verursachen beschleunigte Atmung, rasanten Blutdruckabfall und nach rund zehn Minuten massive Herzrythmusstörungen. Das könnte gegebenenfalls der letzte Salat gewesen sein.

Das vaca retinta auf den marismas von Conil de la Frontera.

Das vaca retinta auf den marismas von Conil de la Frontera.

Geht es in den Herbst und Winter hinein, wird es in den Küstenregionen kühler und feuchter. Atlantische Küstenabschnitte, in der Normandie, an der Costa de la Luz oder den Kanaren, beginnen überraschend aufzublühen. In den Dünen steht dann nach Regenfällen der Kammartige Strandflieder (Limonium pectinatum) in kurzer Blühte. Unwirklich wirkt er in der Umgebung, wie ein Teil eines verlorenen Blumenstrausses.

Kammartige Strandflieder (Limonium pectinatum) an der Atlantikküste.

Kammartige Strandflieder (Limonium pectinatum) an der Atlantikküste.

Um den Faro de Trafalgar findet sich ein besonders schönes Gewächs, das am Sommerende blüht: Die Dünen-Trichternarzisse (Pancratium maritimum). Ansehen ist erlaubt, pflücken streng verboten, die Strafen drakonisch und erbarmungslos wie in Spanien üblich.

Dünen-Trichternarzisse (Pancratium maritimum) am Cabo de Trafalgar.

Dünen-Trichternarzisse (Pancratium maritimum) am Cabo de Trafalgar.

Einwenig Hippie – Vermarktungs- und Überlebensstrategie.

Als in den 1960igern die Hippiebewegung aufkam, später „Flower Power“, thematisierte sie Elemente, die schon die Romantik kannte, oder die heute die FFF-Sekte als ihre Erfindung betrachtet. Zentrale Elemente waren dem Spiessbürgertum und dem Leistungsdruck zu entkommen, Spiritualität und Naturverbundenheit. Aber die Bewegung hatte auch ganz pragmatische Ansätze, beispielsweise dem Vietnamkrieg zu entgehen, um sich dort nicht sinnlos verheizen zu lassen. Amerikaner zog es nach Spanien, an Orte, an denen mit wenig Geld ganzjährig am Strand gelebt werden konnte. Schön und einsam sollten sie sein und auch klimatisch gut geeignet, um Gras anzubauen. Einer dieser Kult Orte war das Valle Gran Rey auf La Gomera. Anfang der 1960iger Jahre existierte ausser an ausgewählten Orten wie dem Playa de las Canteras Las Palmas de Gran Canaria (s.u.), dem Badehaus in Agaete oder an Orten wie Puerto de la Cruz auf Teneriffa (s.u.), kein Tourismus auf dem kanarischen Archipel. Jener war einer wohlhabenden, meist englischen, Klasse vorbehalten. Was an einsamen entlegenen Orten der Kanaren sonst noch geschah, die wie das Valle Gran Rey noch nicht einmal mit einer Strasse zu erreichen waren, interessierte niemanden. Nach und nach wurden diese Orte vom Massentourismus erschlossen, kampieren am Strand und Hunde ab nun verboten. Das Valle Gran Rey wir nun regelmässig durch die Polizei von Nostalgikern geräumt.

Cabo de Trafalgar – einwenig Hippie Nostalgie.

Cabo de Trafalgar – einwenig Hippie Nostalgie.

Die Hippiebewegung kam in der Realität an und entdeckte den Pauschaltouristen als gute Einnahmequelle. Der Spiessbürger fühlte sich damals wie heute vom Anrüchigen des Hippielebens angezogen, liess sich bei Sonnenaufgang mit scheinbar asiatischen Massagetechniken verwöhnen, suchte Spiritualität bei Heilern, die mit Klangschalen und Bachblüten Sitzungen abhielten. Ganz Verwegene zogen auch einmal heimlich an einem Joint, um daheim von Unglaublichem berichten zu können. Ein Andenken an diese wilde Zeit mit TUI und Thomas Cook musste her: Bastelarbeiten, bedruckte T-Shirts, Batik der Hippie Community wurden gekauft, die zu Hause an den Urlaub vom Biedermeier Dasein erinnern sollten.

Cabo de Trafalgar – einwenig Hippie Nostalgie.

Cabo de Trafalgar – einwenig Hippie Nostalgie.

Am Cabo de Trafalgar etablierte sich ebenso ein Zweig der Hippiebewegung. Heute sind es Tagträumer, Sinnsucher, Menschen die keine Lust haben regelmässig zu arbeiten, Gestrandete und andere. Das Label „Hippie“ zieht immer noch als Erwerbsquelle. Reikimassagen, spirituelles Yoga am Strand und mehr lassen sich blendend verkaufen. Und auch die Andenkenindustrie in Form von „artenasía“ oder „hecho a mano“, mehr schulische Bastelarbeiten oder zugekaufte asiatische Handelsware, bringt nach wie vor ansehnlichen Umsatz für die Neuhippies.

Cabo de Trafalgar – einwenig Hippie Nostalgie.

Cabo de Trafalgar – einwenig Hippie Nostalgie.

Den Urlaubern gefällt es und so lenkte die Gemeinde das Treiben in geregelte Bahnen. Am Ende der Zufahrt zum Faro de Trafalgar, wurde die beste Location für die „Asociación de Artesanos“ reserviert. Dass die begehrten Standplätze nicht hippielike im Zeichen des Gemeinwohls und der Völkerverständigung unter dem Motto „Make love, not war!“ vergeben werden, mag ein Stilbruch sein, aber irgendwann kommt jede Bewegung in der Realität an.

Cabo de Trafalgar – einwenig Hippie Nostalgie.

Cabo de Trafalgar – einwenig Hippie Nostalgie.

Weiter lesen.

Fernão de Magalhãe – Paseo por el Parque de María Luisa en Sevilla.

Längengrad Null – die Meridian Insel El Hierro.

Playa de las Canteras – Copacabana gemütlich.

Bilderbuch Teneriffa – Highlights der Kanaren Insel.

Lissabon – entspannen im Grünen.

Die kanarische Farbenindustrie.

Die Kali und Soda Industrie der kanarischen Inseln.

Der Ursprung der Konserve.

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