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Reise Service

Mit der Fähre über die Kanaren – Fred. Olsen versus Naviera Armas.

Las navieras –  die Redereien.

Auf den kanarischen Inseln operieren zwei grosse Fährgesellschaften, Naviera Armas und Fred. Olsen, welche die sieben Hauptinseln miteinander verbinden. Die Schiffe sind alle als grosse Autofähren ausgelegt. Nur der kleine „Benchi Express“ von Fred. Olsen, der lokal auf La Gomera verkehrt, ist Passagieren vorbehalten. Seitdem die spanische Wirtschaftskrise überwunden ist, bieten beide Gesellschaften auch eine wöchentliche Autofähre zwischen kontinental Europa ab Huelva an. In der Wirtschaftskrise verkehrte nur noch Transmediterránea von Cadíz aus. Kleinere Fährbetriebe operieren auf den Kanaren lokal, wie zwischen Fuerteventura, Lanzarote und der Isla de Lobos oder bedienen Küstenbereiche in Teneriffa oder Gran Canaria für Ausflugsgäste und Wanderer. Sie alle haben aber nur touristische Bedeutung und betreiben keine Autofähren.

Naviera Armas, S.A. ist ein kanarisches Familienunternehmen, das 1941 von Antonio Armas Curbelo in Las Palmas de Gran Canaria gegründet wurde und aktuell von seinem Sohn Antonio Armas Fernandez geführt wird. Das Unternehmen startete rein als Frachtunternehmen und betrieb Frachtensegler aus Holz, die hauptsächlich Salz verschifften. Die Frachtsegler wurden nach und nach motorisiert. Erst recht spät wurde in die Personenbeförderung eingestiegen. Heute besitzt das Unternehmen mit der „Volcán de Teneguía“ nur noch ein Container Schiff, das Container von den grossen Schiffen im Tiefwasser-Hafen Las Palmas übernimmt und auf die Inseln des Archipels verteilt. Zehn Autofähren werden betrieben, davon sind mittlerweile drei Schnellfähren in Katamaran Bauweise im Einsatz. Man folgt damit der Rederei Fred. Olsen, denn Reisegeschwindigkeit und die Geschwindigkeit im Roll-on – Roll-off sind unschlagbar. Ein top moderner weiterer “High Speed Wave Piercing Catamaran“ ist derzeit für Armas in Bau. Das Flaggschiff der Rederei Armas ist die „Volcán de Teide“, eine Autofähre die von Huelva aus kontinental Europa mit Las Palmas de Gran Canaria verbindet. Top modern wird dem Fährgast die rund eineinhalb Tage dauernde Überfahrt komfortabel gestaltet. Selbst ein Sonnendeck samt Pool gibt es. Alternativ bietet sich die Rederei Trasmediterránea mit der Autofähre „Albayzin“ ab Cadíz an oder die „Nápoles“ von Fred. Olsen ebenfalls ab Huelva aus Palma de Mallorca kommend.

Auch Fred. Olsen & Co ist ein alter Familienbetrieb. Er wurde von den drei Olsen Brüdern, allesamt Kapitäne zur See, 1848 in Norwegen gegründet und hat seinen Hauptsitz in Oslo. Aktuell wird er in der fünften Generation von Anette S. Olsen geführt. Fred. Olsen & Co stand immer für Innovation und Modernität. Bereits 1897 betrieb es das erste reine Dampfschiff, 1914 besass das Unternehmen mit der „Brazil“ das erste Motorschiff unter norwegischer Flagge, ab 1999 führte es die ersten innovativen “High Speed Wave Piercing Catamaran“ der Werft Incat Australia Pty Ltd und Austal Australia Ltd auf den Kanaren ein, besitzt mit dem „Benchijigua Express“, seit 2005 im kanarischen Fährbetrieb, das weltweit zweitgrösste Schiff in Trimaran Bauweise. Ab April 2020 wird sich der “Bajamar Express” als weitere Superlative dazu gesellen. Eine Passage mit dem „Benchijigua Express“ ist nicht nur in Sachen Ausmasse sondern auch in Bezug auf die Reisegeschwindigkeit von gut 70 Km/h ein echtes Erlebnis. Ist der „Benchijigua Express“ “nur” der zweitgrösste Trimaran weltweit, stellt Fred. Olsen Express mit dem “Betancuria Express” das grösste Schiff in Katamaran Bauweise weltweit.

Auf den Kanaren betreibt die Fred. Olsen Express, eigentlich Fred. Olsen, S.A., die Geschäfte der Muttergesellschaft und ist Marktführer am kanarischen Archipel. Aktuell sind acht Fähren im Einsatz, weitere sind in Bau. Sieben Express Fähren und ein Schiff in klassischer Rumpfbauweise, die „Nápoles“, die via Huelva die Balearen mit den Kanaren verbindet, operieren. Dem Unternehmensgeist entsprechend ist die „Nápoles“ ein besonders umweltfreundliches Schiff, ein „smart ship“. Fred. Olsen Express führte auch als erstes das völlig papierlose Boarding auf seinen Linien ein. Papiere werden nicht mehr benötigt. Ein Ausweis reicht für jene, die eine Buchung haben.

Die Familie Olsen war eng mit dem norwegischen Abenteurer Thor Hayerdahl befreundet und unterstützte seine Expeditionen. Als Hayerdahl 1990 die Pyramiden „Güíamar“ auf Teneriffa sah, stellte er sofort eine Verbindung zu den ähnlich aussehenden Pyramiden in Mexiko her und sah sie als Unterstützung für seine diversen Besiedelungstheorien. Das Unternehmen Fred. Olsen erwarb darauf hin das Gelände auf Teneriffa und ermöglichte Thor Hayerdahl archäologische Ausgrabungen. 1998 wurde das Gelände der Pyramiden in einen „ethnographische Park“ umgewandelt und ist heute Touristenattraktion betrieben von Fred. Olsen. Diese Geschichte erklärt, warum bei den Pyramiden von Güíamar auch eine Nachbildung der „Ra II“ von Hayerdahl im Museum ausgestellt wurde. Tausende Touristen pilgern zum „ethnographische Park“ und lassen sich begeistern. Kleiner Schönheitsfehler: Wissenschaftlich nachgewiesen haben die Pyramiden so nun gar nichts mit den Ureinwohnern von Teneriffa, den Guanchen, am Hut, denn sie sind aus dem 19. Jhd. jener Zeit, als der Tourismus auf Teneriffa ins Laufen kam. Wer sie anlegte und wozu ist nicht bekannt. Aber was soll’s, den Touristen gefällt es und sie pilgern ja auch zum ältesten Drachenbaum der Welt. Weit über 1.000 Jahre alt soll er sein, der Baum in Icod de los Vinos auf Teneriffa. Leider ist er, wenn es gut geht, kaum einmal 300 Jahre alt. Um sich nicht dieser beiden touristischen Attraktionen zu berauben, wird dieser kleine Fauxpas einfach übersehen. Ganz im Sinne von Thor Hayerdahl, denn er war mehr ein spätromantischer Träumer und Abenteurer denn Wissenschaftler. Er wollte immer nur das sehen, was seine eigenwilligen Theorien unterstützte.

Precio del trayecto – der Fährtarif.

Wer der beiden grossen Redereien preislich die Nase vorne hat, ist bei der heutigen Buchungstechnik schwer zu durchblicken. Zu viele Tarifarten gibt es, die preislich, je nach Auslastungsgrad, laufend angepasst werden. Selbst die Tarife für Residente der Kanaren, die ca. 50% des „normalen“ Tarifs betragen, werden noch einmal in unzählige Unterkategorien aufgegliedert, Kontingente für ein paar Euro, flexible und fixe Termine und mehr. Tendenziell hat der Fährgast jedoch das Gefühl preislich bei Armas etwas günstiger zu liegen. Die Unterschiede sind jedoch so gering, dass die Präferenzen für eine der Fährgesellschaften die wenigen Euro Unterschied meist irrelevant machen.

Los naufragios – die Schiffbrüche.

Sicherheit, ein wichtiges Thema und in einem Transportmittel zu sitzen, ohne die geringste eigene Kontrolle darüber zu haben, erzeugt leicht Ängste. Die einen haben Angst abzustürzen, andere mit einem Schiff zu sinken. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass die Anreise zum Flug- oder Seehafen im Auto oder Bus der gefährlichste Teil der Reise ist.

Der deutsche ADAC ist regelmässig mit europäischen Fähren unterwegs, auch auf den Kanaren. Die Bewertung bezieht auch die Sicherheit der Fährschiffe mit ein. Bewertet werden benannte Fährschiffe. Die Rederei Naviera Armas erhielt 1x „mangelhaft“, 1x „befriedigend“, 1 x „gut“, die Rederei Fred. Olsen 1x „befriedigend“, 3x „gut“ und 1x „sehr gut“.

In Bezug auf Schiffsunglücke, naufragios, gibt es in Bezug auf Fred. Olsen nichts zu berichten, einiges aber über Naviera Armas:

30. April 2008 – „Assalama“ | Naviera Armas | Tarfaya | Marokko.

30. April 2008 herrscht schwere See vor der Küste von Marokko und selbst das Hafenbecken von Tarfaya ist stürmisch. Dem Kapitän dürfte nicht wohl zumute gewesen sein und so läuft er erst nach Rücksprache mit seiner Rederei in Las Palmas de Gran Canaria aus. Ein schwerer Fehler, denn er und die kubanische Crew bringen das 41 Jahre alte Schiff „Assalama“, vormals unterwegs als „Volcán de Tenaguam“, schon nicht heil aus dem Hafenbecken hinaus. Zum Auftakt der Seereise wird erst einmal die Hafenmole gerammt. Der Schaden wird als nicht grob angesehen und den Passagieren mitgeteilt, das Auslaufen würde fortgesetzt, der Schaden auf See behoben. Eine ganz ausgezeichnete Idee bei stürmischem Atlantik. Rund 5 Km von Tarfaya entfernt entdeckt die Mannschaft ein Leck nahe des Maschinenraums, durch das massiv Wasser eintritt und beschliesst das Schiff zu evakuieren. Ein Problem taucht auf: Für die 113 Passagiere (die „Assalama“ zugelassen für 350) existieren nur 2 Rettungsboote. Und das auch nicht wirklich, denn eines hat ein Loch, das zweite keinen funktionsfähigen Motor. Also gibt es kein einziges Rettungsboot.

Rettung naht durch eine Flotte marokkanischer Fischer, die im Pendelverkehr alle Passagiere und die Besatzung abbergen. Die See ist mittlerweile so stürmisch, dass die rettende Überfahrt jeweils eine Stunde dauert. Nur mit dem, was sie am Leibe tragen, finden sich die Passagiere und Crew im rund 60 Km von Tarfaya enfernten „El Aaiún“ wieder, ein zu dieser Zeit von der UNO kontrolliertes Gebiet in der West Sahara. Sie berichten, dass sich die Rederei tagelang kaum um sie kümmerte, sie um Hotelzimmer und anderes kämpfen mussten und auf die Almosen der Anwohner angewiesen waren. Erst nach Tagen wurden sie von Binter Canarias Sondermaschinen ausgeflogen. Auch wird berichtet, die Rederei unternahm die ersten Tage in denen es noch möglich schien, keine Anstrengungen die Fracht zu bergen. Nach dem Unglück der „Assalama“ entstand eine grosse Diskussion bzgl. der Sicherheitsstandards der Rederei Naviera Armas. Die Fährverbindung zwischen den Kanaren und Tarfaya wurde nie wieder aufgenommen. Wurde eine Wiedereinführung noch 2015 intensiv diskutiert, ist sie nun aus verständlichen Gründen nicht mehr gewünscht.

23. April 2017 – “Volcán de Tarmasite“ | Naviera Armas | Las Palmas de Gran Canaria.

Am 23. 4. 2017 rammt die Fähre “Volcán de Tarmasite“ um 20:20 Uhr (UTC) aus Teneriffa kommend ungebremst und direkt mit dem Bug spektakulär die Hafenmole „Nelson Mandela“ in Las Palmas de Gran Canaria. Dabei zerstört sie eine Brennstoffleitung der Hafeninfrastruktur, 60.000 Liter Brennstoff treten aus, ein 15 Km langer Ölteppich bildet sich. Die Strände um Las Palmas müssen gesperrt werden. Bis auf ein paar leichte Blessuren, die sich einige Passagiere zuzogen weil sie stürzten, wurde niemand ernsthaft verletzt. Eine genaue abschliessende Untersuchung des Unfalls gab es nicht. Die Rederei gab an ein Stromausfall hätte das Schiff manövrierunfähig gemacht. Das Video auf YouTube, das den Hergang bildfüllend festhält, gibt nicht den Eindruck gestoppter oder rückwärts laufender Maschinen. Da hatte es wohl etwas mehr, als der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte.

11. November 2018 – „Alborán“ |  Naviera Armas | Las Palmas de Gran Canaria.

Und wieder die Linie Teneriffa – Gran Canaria. Mittlerweile auch von Armas mit einem “High Speed Wave Piercing Catamaran“ bedient, übersieht die Fähre „Alborán“ von Las Palmas auslaufend um ca. 16:30 Uhr (UTC) einen Lastkahn, rammt in breitseitig mit über 50 Km/h Geschwindigkeit und versenkt ihn in der Sekunde. Der Kapitän entdeckt nur noch Trümmer und Rettungswesten im Wasser und schliesslich einen treibenden Container, auf den sich alle 3 Crewmitglieder des Lastkahns, wie durch ein Wunder völlig unverletzt, retten konnten. Sie werden schnell von einem SAR Hubschrauber aus Las Palmas abgeborgen. Die Passagiere der „Alborán“ kommen mit dem Schrecken davon, nicht so die neue Jetfähre. Der Backbord Rumpf des neuen australischen Katamarans schlägt leck. Schoten verhindern ein Sinken. Die „Alborán“ kann sich zwar mit schwerer Schlagseite aber aus eigener Kraft in den Hafen Las Palmas retten. Das spricht für die Qualität der Katamarane.

(Quellen und Links s.u.)

Los nudos – die Knoten.

Fred. Olsen setzte von Anfang an im kanarischen Fährverkehr auf “High Speed Wave Piercing Catamarans“ der Incat Australia Pty Ltd und Austal Australia Ltd Werften. Hoch innovative Schiffe, die eine Überfahrt auch zu einem technischen Erlebnis werden lassen. 40.000 PS beschleunigen den Stahlkoloss, der mit Autos und LKWs beladen ist, atemberaubend rasant auf 70 Km/h. Das ist auf dem Wasser eine enorme Geschwindigkeit! Dagegen sind klassische Einrumpffähren in der Regel „nur“ mit etwas mehr als 10.000 PS motorisiert die das Schiff mit rund 30 Km/h laufen lassen. Nur ein besonders leistungsfähiges Einrumpf-Schiff der Naviera Armas Flotte bringt es auf 28.000 PS und 26 Knoten, also ca. 45 Km/h.

Um diesen Geschwindigkeitsvorteil ausspielen zu können, bedarf es aber einer längeren Fährstrecke. Bei der Überfahrt Fuerteventura – Lanzarote, dem Durchqueren der Seestrasse „La Bocaine“, spielt es kaum eine Rolle, ob die Fähre mit 20 oder 40 Knoten unterwegs ist. Die Passage ist in Summe nur 8 Km, in den Hafenzonen muss mit stark reduzierter Geschwindigkeit gelaufen werden, bleiben noch 6 Km um Gas zu geben.

Für Reisende, die nicht nur zu Nachbarinsel wollen, bzw. über mehrere Inseln reisen müssen, da keine direkte Linie existiert, für die spielt das Fährkonzept der Rederei eine wesentliche Rolle, denn das ist bei Naviera Armas und Fred. Olsen Grund verschieden. Fred. Olsen bezeichnet sich als „Brücke“, wechselt auf den kürzesten Wegen zwischen den Inseln. Das erfordert den Betrieb mehrerer Häfen. Naviera Armas hat das ein Hafen Konzept.

Ein Beispiel: Wer von Fuerteventura nach Teneriffa möchte, dem steht keine Direktverbindung zur Verfügung. Naviera Armas läuft in Puerto del Rosario, Fuerteventura aus, dann in Las Palmas de Gran Canaria ein und von dort geht es mit demselben Schiff weiter nach Santa Cruz de Tenerife. Bei Fred. Olsen wird in Morro Jable, Fuerteventura die Jetfähre bestiegen, die läuft in Las Palmas de Gran Canaria ein. Dort wird von Bord gegangen, der Passagier besteigt einen Fred. Olsen Bus, der die Inselseite nach Puerto de las Nieves wechselt. Im Hafen wird die Fähre nach Teneriffa bestiegen, die abgestimmt ablegt. Wer mit dem eigenen KFZ unterwegs ist, erreicht schnell und komfortabel über die Autobahn GC-3 Puerto de las Nieves. Naviera Armas umschifft gesamt Grand Canaria, Fred. Olsen macht das nicht, was in Summe die Reisedauer erheblich verkürzt.

El embarque – die Einschiffung.

Fred. Olsen war eine der ersten Fährgesellschaften, die das komplett papierlose Einchecken einführte, auf den Kanaren überhaupt die erste. Mittlerweile hat auch Naviera Armas nachgezogen. Das spart nicht nur tonnenweise sinnloses Papier, sondern macht auch das Reisen deutlich angenehmer. Wer über das Internet bucht gibt an, wie er sich ausweisen will und tippt ggf. das Autokennzeichen noch ein. Optimaler Weise wird als Identifikation die Nummer eines maschinenlesbaren Pass oder Personalausweises genommen. Wird bei der Fähre eingescheckt, zu Fuss oder mit dem Auto, zieht der Hafenmitarbeiter den Ausweis durch sein Lesegerät, vergleicht das Bild im Ausweis und die Kennzeichennummer auf seinem Lesegerät und das wars. In wenigen Sekunden ist alles erledigt. Automatisch werden auch diverse Buchungsdetails im Hintergrund abgewickelt, wenn z.B. ein flexibler Tarif gebucht wurde.

In Bezug auf das „Beladen“ der Fähren sind die Einweiser im Hafen und am Schiff wahre Künstler. Das gilt für beide Fährgesellschaften in gleicher Weise, denn diese Mitarbeiter im Schiffsbauch, die nie ein Trinkgeld sehen oder ein „Danke“ hören, leisten einen fabelhaften Job. Der Neuling, der sich in unzähligen Reihen vor dem Fährschiff anstellt, das in 20 Minuten ablegen sollte, richtet sich schon auf langes Warten und verspätetes Ablegen ein. Doch er sollte bereit im Auto sitzen und vorbereitet sein, denn es geht ohne Vorwarnung rasant zur Sache. Einweiser im Hafen und im Schiffsbauch dirigieren die Armada an Autos und LKW geübt ins Innere, weisen auf Zentimeter Distanz ein, geben den nicht so guten Autofahrern klare Anweisungen wie zu kurbeln und zu fahren ist und füllen das Schiff bis auf den letzten Zentimeter auf. Und obwohl das alles so atemberaubend schnell geht, keine Hektik, kein Schreien, nichts von dem und vor allem keine ramponierten Autos bei all dem Gedränge. Schon nach 10 Minuten ist das Schiff beladen und die Einweiser patrouillieren auf der Rampe, um die üblichen bekannten Nachzügler in Empfang zu nehmen, die schnell noch eine Fähre früher erreichen wollen: LKW der Frischedienste, die kreuz und quer das Archipel versorgen, Geschäftsleute und andere. Nur Touristen warten schon 45 Minuten vor Termin am völlig leeren Pier auf die Fähre und wundern sich da ganz alleine, ob die Fähre wohl noch kommen wird. Der erfahrene Canario versucht auch noch drei Minuten vor dem Ablegen auf das Schiff zukommen, was auch gelingt. Fährbetrieb auf den Kanaren, das ist eben wie U-Bahn fahren in Berlin – etwas ganz normales.

Sonreír a los pasajeros – den Fährgäste anlächeln.

Es muss leider gesagt werden, Freundlichkeit ist kein Thema der Naviera Armas Crew. Wird eine Fred. Olsen Fähre bestiegen, warten am Eingang des Passagierdecks freundliche Mitarbeiter, die jeden Gast mit einem Lächeln und Gruss in Empfang nehmen. Fehlanzeige bei Armas, die Crew scheint sich zu verstecken. Ähnlich geht es an der Bar weiter. Sind diese bei Fred. Olsen mit freundlichen und aufmerksamen Mitarbeitern besetzt, die höflich und flott bedienen, scheint der Gast bei Naviera Armas als Störenfried gesehen zu werden. Missmutig wird er bedient, kein Gruss, kein Wort, dazu gibt es ein schlecht gelauntes Gesicht. Warum das so ist, darüber kann nur spekuliert werden. Augenfällig ist jedoch, das die Mitarbeiter von Fred. Olsen deutlich besser geschult wirken und irgendwie auch den Eindruck vermitteln, gerne im Unternehmen tätig zu sein.

Estilo de viajar – Reisestil.

Hier trennen sich die Geister in zwei Lager: Die einen nehmen nur die Armas Fähren, die anderen ausschliesslich Olsen. Es gibt ganz klare Präferenzen. Entscheidend ist der bevorzugte Reisestil.

Bei Fed. Olsen geht es klar um Tempo, möglichst schnell und komfortabel von A nach B zu kommen. Bis auf die kleineren Jetfähren gibt es nur ein Mini-Aussendeck für Raucher, alles andere spielt sich im Inneren ab. Klimatisiert in Pullmansitzen umgeben von Monitoren, auf denen alle möglichen TV Kanäle laufen und gratis Internet während der Passage, wird die Reise verbracht. Eine grosse Bar die Getränken und kleine Gerichte offeriert mit grossem Sitzbereich, ein Bordshop, ein Kinderspielbereich. Durch die dunkel getönten Scheiben können die Blicke über die Küste oder das Meer schweifen. Alles ist sauber und gut in Schuss, auch die WC Anlagen schiffsuntypisch gross und gepflegt. Bemühte und freundlich lächelnde Mitarbeiter schwirren herum, die leere Becher und sonstiges sofort einkassieren und so alles vorbildlich ordentlich halten. Wer fragen zu einer Weiterfahrt auf einer Anschlussfähre oder anderen Informationsbedarf hat, dem wird freundlich und prompt geholfen. Angenehm und entspannt ist es auf den Jetfähren der Fred. Olsen Rederei und es gibt nichts, was der kritische Gast zu beanstanden hätte. Nur eines sind die Überfahrten mit den Fred. Olsen Jetfähren nicht – schöne, klassische Seereisen, so wie im Film eben. Am Bug die Haare im Wind wehen lassen, über Decks flanieren, sich vielleicht sogar in einen Liegestuhl zu setzen und das Gesicht in die Sonne zu halten, am Sonnendeck einen Drink zu nehmen oder was einem sonst noch so zum Thema Seereise einfällt, mit all diesem nostalgischen Krempel, damit kann Fred. Olsen nicht dienen. Es ist das moderne, schnelle, klimatisierte Reisen und allzeit online via WiFi.

Nostalgisch, ja das kann Naviera Armas noch, mit den klassischen Einrumpf-Fähren. Sie sprinten nicht mit 40 Knoten über das Meer, sondern gehen die Passage mit 20 Knoten gemächlicher an. Wie lange noch, das ist die Frage, denn auch bei Naviera Armas hat die Umstellung auf die Katamaran Jetfähren begonnen. Die Klassiker werden nach Nahost oder sonst wohin verkauft. Wer also noch dem klassischen Seereise Vergnügen frönen möchte, der sollte eine der klassischen Armas Fähren besteigen, solange es noch möglich ist. So wird selbst ein halbstündiger Kurztrip von Corralejo, Fuerteventura nach Playa Blanca, Lanzarote zu einer echten kleinen Seereise. Und auch wenn einiges am Schiff nicht mehr so ganz taufrisch und gepflegt ist wie es wünschenswert wäre, das Personal zu grossen Teilen mürrisch und unaufmerksam ist, so kann das alles doch nicht den besonderen Flair dieser Art der Passage zerstören. Über die Decks schlendern, das Meer und die Inseln beobachten, an windigen Tagen im „Solarium” sitzen. Macht der Wind keinen Strich durch die Rechnung auf einem Liegestuhl die Beine ausstrecken, in der netten Aussenbar achtern einen Drink nehmen, oder im Innenbereich in einem der Salons Platz nehmen. Und für die Kids gibt es einen eigenen grossen Raum, in dem sie sich austoben können. Das alles ist irgendwie einwenig Kreuzfahrt Feeling, auch wenns nur in einer halben Stunde auf die Nachbarinsel geht. Wer übrigens nach der Passage ans Volant muss, sollte in den Bars auf Alkoholisches tunlichst verzichten. In Spanien passieren für den nicht Landeskenner verblüffende Dinge. So kann am Wochenende schon um 10 Uhr morgens ein Grossaufgebot der Guardia Civil die Fährgäste mit einem Planquadrat im Hafen in Empfang nehmen und Alkotests durchführen oder Drogenhunde durch die Reihen schicken. Man weiss warum, denn der Canario ist besonders am Wochenende sehr trinkfreudig und ein, zwei Café mit Rum oder das erste Bier ist zur frühen Stunde keine Seltenheit.

En punto – Pünktlichkeit.

Ob Armas oder Fred.Olsen – beide Fährgesellschaften legen auf die Minute pünktlich ab. Es könnte die Uhr danach gestellt werden. Bei normalen Wetterbedingungen legen sie eben so pünktlich an. Anders sieht es bei schwerem Wetter aus. Herrscht hoher Seegang können Katamarane nicht mit ihren 40 Knoten unterwegs sein bzw. legt ein guter Kapitän auch ein passagierfreundlichen Kurs, um z.B. ein Rollen des Schiffs zu vermeiden, bei dem garantiert jeder Landratte nach einer Stunde schlecht ist. Wer bei längerer Überfahrt auf Nummer sicher gehen will, nimmt sich SUPERPEP® Reisekaugummi mit, das schnell wirkt und im Gegensatz zu Tabletten nur im Fall der Fälle genommen werden muss. Wirkstoffe gegen die Reiseübelkeit sind Antihistamine, die müde machen und das kann man, so die Seereise genossen werden soll, auf keinen Fall gebrauchen.

El resumen – Resümee.

Naviera Armas oder Fred. Olsen, das ist die Frage. Jenen, denen ihr Terminkalender enge Zeiten vorgibt, müssen die Fähre nach Fahrplan wählen. Andere können ihre Präferenzen ins Spiel bringen. Wer öfter mit den Fähren auf den Kanaren unterwegs sein will, sollte beide Redereien ausprobieren und herausfinden, welcher Reisetyp er ist. Solange das noch geht, denn irgendwann werden auch alle Naviera Armas Fähren moderne Schnellfähren sein. Dann ist es vorbei mit der kleinen Seereise, der mini Kreuzfahrt, dem Feeling, das die „alten“ Fähren mit klassischem Rumpf vermitteln. Irgendwie schade, aber alles hat eben seine Zeit. Das sollte jeden daran erinnern im Leben nichts aufzuschieben, denn vieles zieht vorbei und kommt nie wieder.

Enlances útiles – nützliche Links.

 

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