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Kultur + Lifestyle Reise

Architektur Expedition Barcelona – am bicicleta zu 15 bemerkenswerten Orten.

Barcelona – Eldorado für Architektur Enthusiasten.

Jene, die sich für die Zuckerbäcker Architektur eines Antoni Gaudí interessieren, die final in einer grössenwahnsinnigen nicht umsetzbaren Gigantomanie in Form der La Sagrada Família endete, die sind mit den gängigen Reiseführern gut bedient. Dort wird diese Art zu bauen für ganz fabulös befunden. Solches wird bei dieser Architektur Expedition nicht zu sehen sein. Hier werden Architekturliebhaber zu Orten klarer, sachlicher Linien geführt. Form follows function und Reduktionismus die Maxime jener, die verstanden haben, Perfektion lässt sich ohne Reduktion nicht erreichen. Das gilt für Datenbanken, Bildhauerei, das eigene Körpergewicht und auch Architektur. Der japanische „Kare-san-sui“ (vlg. Zen-Garten), oder beispielsweise die Proportionenstudien des Bildhauers Josef Pillhofer, bringen diese Geisteshaltung auf den Punkt. Sie zeigen auch: Sehr wenig kann besonders schön sein.

Proportionen Studie Josef Pillhofer.

Proportionen Studie Josef Pillhofer.

Barcelona war und ist ein Schmelztiegel der Kulturen mit spannender Geschichte. Architektur Liebhaber finden einen fulminanten Schatz an Sehenswertem und Inspirierendem, durch alle Epochen und Stilrichtungen. Neandertaler und der Cro-Magnon Mensch besiedelten diesen strategisch günstig gelegenen Ort. Wahrscheinlich wurde um 230 v. Chr. durch den Karthager General Hamilkar Barkas, dem Vater Hannibals, der Grundstein Barcelonas gelegt. Die Römer folgten, legten durch Barcelona die Via Augusta. Heute ist Barcelona zentraler Wirtschaftsmotor Spaniens, ein Ort der Moderne und des Designs, der Technologie. Immerhin arbeitet an der UPC (Universitat Politècnica de Catalunya) mit dem „MareNostrum“ (Mittelmeer), der schnellste Supercomputer der EU. Respektlos wie die Bürger Barcelonas gegenüber Autoritäten eben sind, wurde MareNostrum in der alten Universitätskapelle Torre Girona installiert. Religion hat an einem Ort der Aufklärung ohnedies nichts zu suchen. MareNostrum, nicht der schnellste aber der am schönsten inszenierte Supercomputer des Planeten. Das ist sicher.

Barcelona – Centro Nacional de Supercomputación. (© Lucia Meler)

Barcelona – Centro Nacional de Supercomputación. (© Lucia Meler)

Barcelona – Centro Nacional de Supercomputación. (© Lucia Meler)

Barcelona – Centro Nacional de Supercomputación. (© Lucia Meler)

Barcelona – Centro Nacional de Supercomputación. (© Lucia Meler)

Barcelona – Centro Nacional de Supercomputación. (© Lucia Meler)

Katalanen sind Zerrissene: „Seny y rauxa“ – so sehen sie sich selber. Es bedeutet soviel wie Fleiss, Disziplin und rauschhafte Erregung. Das macht Barcelona so spannend. Eine Stadt in geradezu manischer Aktivität, die dennoch so feiert, als ginge morgen die Welt unter. Um doch noch etwas Gütliches zu Gaudí zu vermerken: Vielleicht ist seine verspielt infantile Architektur der notwendige Gegenpol zur strengen Moderne, die keine statische Überbestimmung duldet, um dem Leben etwas die Härte zu nehmen. Kitsch kann gelegentlich, in homöopathischen Dosen genossen, dem Gemüt gut tun. Das ist seine Daseinsberechtigung. Unter diesem Blickwinkel, könnten die Werke Gaudís als Zweckbauten durchgehen.

Bici de alquiler – eine grüne Idee Barcelonas aus dem Jahr 2007.

Die beste und intensivste Art eine Stadt zu erleben, ist zu Fuss. Anderes behaupten nur unsportliche Menschen. Barcelona bietet die zweitbeste Alternative der städtischen Exploration: Das bici de alquiler, das Leihfahrrad. In Barcelona ist es eine alte Sache. Es startete am 22. März 2007, wurde als Lizenz vergeben und ist Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Es firmiert unter „bicing“, ein Kunstwort mit Anlehnung an das Englische. Spanier lieben Abkürzungen: bici statt bicicleta, hinten dran was Englisches, fertig, nun ist es international. Anfangs war die Nutzung von bicing umständlich. Es wurde eine „tarjeta B:SM“, eine Wertkarte des „Barcelona Serveis Municipal“ benötigt. Um diese zu erwerben, war eine DNI oder NIE notwendig. Erster erhält jeder Spanier bei Geburt. Sie ist seine Identifikationsnummer für alles und jedes, von der Steuer bis zur Sozialversicherung. Ausländer, mit dauerhaftem Wohnsitz in Spanien, bekommen eine NIE, das E für extranjeros, also Ausländer. Allen anderen war das Leihrad in Barcelona nicht zugänglich, für eine Touristenmetropole nicht optimal.

Barcelona – die Ursprünge des Bikerentals.

Barcelona – die Ursprünge des Bikerentals.

Nach bald 15 Jahren erfolgreichem und expansivem Betrieb, ist im technologieaffinen Barcelona nun alles anders. Neben 6.000 klassisch mit Muskelkraft betriebenen Bikes, sind aktuell 1.000 (zunehmend) E-Bikes im Einsatz, die nur noch zur optischen Abrundung des Gesamteindrucks, mit simulierter Muskelkraft betrieben werden. Die geruchsfreie Variante des französischen „Vélosolex“ aus dem Jahre 1946. Damit wird es nun auch Konditionsschwachen möglich, die alpinen Regionen des Montjuïc (173 m), hoch über Barcelona, zu erklimmen. Dort wird die !Viva España! Architektur Expedition am Mirador del Poble Sec beendet, von dem aus noch einmal alle angesteuerten Orte vor dem Expeditionsteilnehmer ausgebreitet liegen. Mieten lassen sich die Bikes mittlerweile bequem über eine App. Wer sich zur Vorbereitung diese installieren und die Lage der Leihstationen studieren möchte, siehe unten.

Website von bicing Barcelona.

Website von bicing Barcelona.

Ein gutes Basislager, um in Barcelona auf Architektur Expedition zu gehen, ist das „Barceló Occidental Atenea Mar – Adults only“ *). Es liegt im Stadtteil San Martí, in dem auch die Architektur Expedition von ¡Viva España! startet. Das Hotel bietet Leihfahrräder, Sonnendeck und Pool, liegt am Strand und hat wie alle Hotels der Grupo Barceló ein fulminantes Frühstücksbüffet, sowie für Hotels ein überdurchschnittliches, teils exzellentes Gym.

Barcelona – Barceló Occidental Antenea Mar.

Barcelona – Barceló Occidental Antenea Mar.

Barcelona – Platja de la Nova Mar Bella.

Barcelona – Platja de la Nova Mar Bella.

Barcelona – Barceló Occidental Antenea Mar.

Barcelona – Barceló Occidental Antenea Mar.

Etapa 1: Fachada de Sant Martí – einmal Südwest Barcelona.

Expeditionen sind etwas für Frühaufsteher. Bike Expeditionen in Barcelona auch. Es geht in 15 Etappen Südwest durch Barcelona. Startaufstellung wird an der Mole Espigó del Llevant genommen, Ziel ist der Mirador del Poble sec am Montjuïc.

Barcelona – Mole Espigó del Llevant.

Barcelona – Mole Espigó del Llevant.

Von der Mole ist in der Ferne Richtung Südwesten blickend das Ziel, der Montjuïc, auszumachen. Das erste Etappenziel, die Fassaden der Wasserfront Sant Martí, liegt direkt gegenüber. Die Sonne im Rücken, strahlen sie dem Expeditionsteilnehmer vor stahlblauem Himmel entgegen. Das sanfte Licht der flachen Morgensonne profiliert die Bauwerke und zeichnet ein tiefes räumliches Bild. Schöner geht das lichttechnisch für Architektur nicht mehr. Kamera raus und abdrücken. Besser wird das nicht mehr.

Barcelona – Platja de la Nova Mar Bella.

Barcelona – Platja de la Nova Mar Bella.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

An klaren Tagen steigt die Sonne spektakulär aus dem Mittelmeer. Der morgendliche Ausblick von den oberen, ostseitigen Apartments der Wohntürme, muss spektakulär sein. Wer den Sonnenaufgang dort als Eigentümer geniessen möchte, sollte einige Millionen Euro zur freien Verfügung haben. Dass es hier hochpreisig zugeht, signalisiert die grosse Engel & Völkers Filiale in einem der Gebäude der zweiten Reihe. Wenn damit gelebt werden kann, ein Apartment in den hinteren Reihen auf 120 m² zu bewohnen, ohne Aussicht versteht sich, kann bereits für 1,6 mio. Euro einziehen. Dafür gibt es die schönsten Sandstrände der Küstenlinie Barcelonas vor der Türe, den Platja de Llevant und den Platja de la Nova Mar Bella beispielsweise, sowie einen herrlichen Park.

Barcelona – Platja de la Nova Mar Bella.

Barcelona – Platja de la Nova Mar Bella.

Bevor Sant Martí in das Stadtgebiet Barcelonas, als zehnter Bezirk mit der zweitgrössten Bevölkerung, eingegliedert wurde, war es die Gemeinde Sant Martí de Provençals. Der Namenszusatz leitet sich vom Lateinischen provincialis ab, denn in Römerzeiten lag die Gemeinde vor den Stadtmauern. Sie hatte ein wichtiges Asset: Wasser, den Fluss Besós. Auf den Namen Besós wird später noch in Zusammenhang mit Wasser gestossen werden. Der Wasserreichtum begründete auch die explosionsartige Ansiedelung von Industrie- und Gewerbebetrieben im 19. Jhd. Textilindustrie, Gerbereien, chemische Industrie und andere liessen sich nieder. Bald waren es um die 250 Betriebe. Sant Martí war zu jener Zeit ein wenig attraktiver Arbeiter und Industriebezirk. Im Viertel wird auf denkmalgeschützte Backstein Industriebauten gestossen. Eines dieser Denkmäler wird später besichtigt und ggf. bestiegen werden.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Zwei Gebäudekomplexe mit jeweils zwei Türmen, die links und rechts des Parque de Diagonal Mar errichtet wurden, ragen markant aus der Wasserfront. Überraschend, das derart prominente Bauwerken nicht mit einem Namen geschmückt wurden. Jedenfalls wurde der Wasserfront vom Ayuntamiento (Stadtverwaltung) ein Name gegeben. Sie heisst offiziell Front Marítim del Poblenou.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Auf der Mole Espigó del Llevant in die Pedalen treten und zum Aufwärmen die paar hundert Meter zum ersten Besichtigungsobjekt hinüber radeln, dem Gebäudekomplex am Paseo García Faria 73-75. Ein nach Westen hin flacher Komplex, der die Wasserfront mit zwei Türmen abschliesst. Der dem Strand nahe ist exakt Nord-Süd ausgerichtet. Ein Wohnturm, dessen Appartements in bester Lage so den ganzen Tag Sonne abbekommen. Der hintere Turm ist zum vorderen exakt um 90 Grad gedreht, denn er wird vom südseitigen Turm beschattet. So erhalten die Wohnungen vormittags oder nachmittags Sonne. Im vorderen Turm ist die „Voramón Batxillerat Internacional“ angesiedelt. Eine sogenannte internantionale Schule, die sich üblicherweise an den Nachwuchs gut situierter Expats oder Einheimischer, die ihren Kindern besondere Chancen im Leben eröffnen wollen, richtet. Die Lage ist perfekt gewählt.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Dauerbewohner derartiger Objekte werden rasch feststellen, dass in Ländern wie Spanien die allgegenwärtige Sonne bald mehr als Pein denn als Vergnügen gesehen wird. In den eigenen vier Wänden wird es daher wenigstens am Nachmittag schattig geliebt: Zeit für eine Siesta. Ein interessantes Beschattungssystem bildet die Fassade des Gebäudes, verschiebbare Elemente mit Lamellen, die vor Fenster und Balkons geschoben werden können. Das hat einen interessanten Effekt, der nur mit der Zeit ins Auge springt. Die Fassade „lebt“, immer tut sich etwas, immer sieht sie anders aus und dies auf einer stattlichen Fläche. Das und das elegante Grau, machen wohl die beiden Türme anziehender als die benachbarten Glastürme.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Zurück auf den Sattel und vorerst noch vorbei am Eingang des Parque de Diagonal Mar zum Paseo García Faria 85 radeln. Dort ragen zwei imposante Wohntürme in die Höhe. Das gesamte Ausmass der Anlage wird erst später aus dem Park Diagonal Mar zu sehen sein. Die Türme sind mit einem flachen Gebäude verbunden. Genau hingesehen wird bemerkt, dass das Dach des obersten Stockwerkes teils offen ist und sich darunter begrünte Patios mit Blick auf den Park befinden. Luxuriöses wohnen.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Wohl um den Türmen die harte Ausstrahlung zu nehmen, wurde die Fassade profiliert, die Kanten teils aufwändig architektonisch gebrochen. Es wäre interessant zu wissen, was dies für die Geräuschkulisse an stürmischen Tagen bedeutet.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Das Glas ist jedenfalls interessant gewählt. Der Komplex leuchtet zu jeder Tageszeit in einer Farbe, die nahe dem Farbton „Aqua Sky“ liegt. In Kombination mit den in „Cool Grey“ gehaltenen Nachbartürmen, eine sehr edle Wirkung. Ein Blick auf den Parque de Diagonal Mar in der Mitte, die schönen Sandstrände und das Mittelmeer bestätigt: Eine schöne Ecke Barcelonas um anspruchsvoll zu wohnen.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Weiter Richtung Nordwesten wird es etwas unattraktiver, die Bauten zweckmässiger. Die grossen internationalen IT Konzerne residieren dort. Das obligatorische Hilton ragt für Geschäftsreisende, nicht unattraktiv, in den Himmel, das später noch besser zu sehen sein wird. Mit dem folgenden CCIB (Centre de Convencions Internacional de Barcelona) und dem Shoppingcenter Diagonal Mar Centro Comercial, wird es dann grossstädtisch normal uninteressant. Also besser durch den Park.

Etapa 2: Parque de Diagonal Mar.

Durch den Parque de Diagonal Mar. Seine stattlichen 14 Hektar werden von eleganten Wohntürmen begrenzt. Seinen Namen trägt er durch die Lage an einer der wichtigsten Verkehrsadern Barcelonas, der Avinguada Diagonal (diagonale Allee). Wer sich für den Park weniger interessiert, sollte ihn trotzdem durchstreifen und einfach die Blicke nach oben richten und die eleganten Bauwerke inspizieren.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Geplant wurde der Park von den Architekten Enric Miralles und Benedetta Tagliabue und wurde nach knapp dreijähriger Bauzeit 2002 eröffnet. Als besonderes Element liessen sich die Architekten einfallen, den ganzen Park mit einem durchgehenden Band aus Metallrohren zu umspannen und zu durchziehen, fast wie ein hingeworfenes Wollknäuel, das sich teilweise aufgerollt hat. Chaotische Knäuel fassen Pflanzungen zusammen oder ragen als Kunstobjekt aus den Teichen. Wie das gefunden wird, ist Geschmacksache, teilweise wirkt es so, als hätten Kanalarbeiter lieblos Material entsorgt oder vergessen.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Der Park ist in drei Zonen gegliedert. Die dem Meer am nächsten liegende, bildet ein System aus Teichen, deren unregelmässige Ufer Wellen symbolisieren sollen. Etwas sehr weit hergeholt. Ebenso wellenförmig verläuft eine lange Brücke über die Teiche. Den Vögeln gefällt es jedenfalls. Es hat sich dort der grösste Artenreichtum der Gegend, bald 200 verschiedene wurden ausgemacht, permanent oder temporär auf der Durchreise nach Afrika oder den Kanaren, angesiedelt.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Der folgende Bereich wird für Botaniker sehr interessant, denn er wurde mit einer überraschend vielfältigen Vegetation bepflanzt, darunter auch der bei Teneriffa Touristen beliebte kanarische Drachenbaum oder die kanarische Palme. Wurden Vertreter der jüngeren Generation für die Expedition Zwangsverpflichtet, wird nun hier einer oder der Höhepunkt der Tour für sie erreicht: Der „Montaña Mágica – Toboganes“, ein kleines Hügelsystem, das mit grossen, wellenförmigen Rutschen (toboganes) durchzogen ist. Das Ganze sieht sehr einladend aus und könnte auch ältere Semester reizen. Im hinteren Teil des Parks wird auch der Blick zum Turm des Hotels Hilton frei gegeben

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Das Grundstück, auf dem der Parque del Diagonal Mar errichtet wurde, stand bis zum Verkauf an die Stadt im Eigentum des Industrieunternehmens „Material y Construcciones S.A.“, in Spanien gemeinhin als MACOSA bekannt. Es hatte und hat einen Fokus auf die Eisenbahnindustrie, ging wiederum aus Mergern hervor mit einer Initialgeschichte von über 100 Jahren und gehört heute nach weiteren Transformationen zu GEC-Alsthom zur Vossloh Gruppe. Das Areal war für MACOSA auf Grund des Wasserreichtums interessant. Das letzte Relikt der Grundwasser Pumpstation, ist der Torre de les Aigües del Besòs. Zu dem geht es nun hinüber.

Barcelona – Sant Martí.

Barcelona – Sant Martí.

Etapa 3: Auf den Torre de les Aigües del Besòs – ein Insidertipp.

Der Torre de les Aigües del Besòs, diente nicht als Wasserspeicher oder Druckbehälter, sondern als Pumpwerk, in der eine Förderpumpe mit langem Hub betrieben wurde. „Aigües“ steht im Catalán für den Plural von Wasser. Ein ü weisst, wie im Castellano, darauf hin, dass hier ein u in Kombination mit einem g nicht wie qua zu sprechen ist, sondern einzeln als u wie im Deutschen. Im Castellano heisst der Turm Torre da las Aguas del Besós. Er präsentiert sich wie ein typisches Bauwerk der Epoche und wurde am Donnerstag, den 21. Juni 1882, eingeweiht. Er sollte ursprünglich 80 m hoch werden, es wurden dann nur 51 m, so, wie er restauriert zu sehen ist. Zur Eröffnung gab es zur Speicherung des geförderten Wassers auch erst ein aljibe von 600 m³. Geplant waren zwei monumentale Speicherbecken, eines von 40 und eines von 80 m Höhe. Dazu kam es nicht.

Barcelona – Torre de les Aigües del Besòs.

Barcelona – Torre de les Aigües del Besòs.

Die Geschichte des Turms ist spannend. Nach der grossen Dürre in Spanien von 1875 und 1876, beschloss ein Konsortium unter der Führung des Hauptinvestors Francisco Javier Camps i Puigmartí, das Land zu erwerben und eine Pumpstation zu errichten, die das Grundwasser des Río Besós anzapfen sollte. Eine Analyse ergab, dass es von guter Qualität sei. Wird der pro Kopf Wasserverbrauch europäischer Metropolen zu jener Zeit ausgehoben, so sind die Ergebnisse in Bezug auf den pro Kopf Wasserverbrauch pro Tag in Liter überraschend: Marseille ca. 400, Paris und Glasgow ca. 200, Barcelona weniger als 20. Gebadet wurde offensichtlich nicht viel. Die Phantasie der Investoren ging so weit, dass mit dem Projekt das pro Kopf verfügbare Wasser in Barcelona verdoppelt werden sollte. Die Jagd nach Profit war masslos, die Pumpen arbeiteten derart gierig, dass Meerwasser angesaugt wurde und das Wasser als Trinkwasser unbrauchbar wurde. Als das Fiasko aufflog, kam Francisco Javier Camps i Puigmartí, die Ursache konnte nie geklärt werden, ums Leben. Zufall oder nicht, niemand weiss es.

Barcelona – Torre de les Aigües del Besòs.

Barcelona – Torre de les Aigües del Besòs.

Briten, wieder einmal (s.a. unten Punta Umbría), witterten ihre Chance, kauften Anlage und Immobilie als „Barcelona Besós Waterworks Company Ltd.“, wurden damit zwar auch nicht glücklich, berichtete Todesfälle gab es bei ihnen jedenfalls keine. So landete Werk und Grund bei dem Unternehmen MACOSA, das nicht weit entfernt eine Eisenhütte betrieb. Für die Bereitstellung von Brauchwasser taugte die Anlage allemal. Zusammen mit der Errichtung des Parque de Diagonal Mar wurde der Turm restauriert. Im Inneren findet sich ein Museum, das obige Geschichte im Detail mit Bildern präsentiert. Ist es geöffnet, lässt sich auch der Turm besteigen, der einen Ausblick auf Sant Martí gibt. Das Museum öffnet unregelmässig. Der Eintritt muss online gebucht werden (s.u.).

Barcelona – Torre de les Aigües del Besòs.

Barcelona – Torre de les Aigües del Besòs.

Aufs Rad und 2,5 Km zum Torre Agbar, den kennt jeder, vom Bild wenigstens und zum Museu del Disseny de Barcelona, das kennen wiederum weniger, radeln. Wer bis jetzt gemütlich am Weg war, könnte schon leichten Hunger verspüren. Dann ist zu raten, die Route über die Carrer de Pujades No. 362 zu planen. Das ist unweit des Wasserturms. Dort findet sich eine Filiale der Kette „elFornet“ (G Plus Code s.u.), die für ihre sehr günstigen und hervorragenden bocadillos bekannt ist. Die bocadillos werden in Spanien traditionell immer, ausser es handelt sich um Serrano, caliente gemacht und hübsch verpackt. Erstklassigen Café gibt es dort auch.

Etapa 4: Torre Agbar aka. Torre Glòries + Museu del Disseny de Barcelona.

Der Torre Agbar ist erreicht. Unförmig und plump, steht diese Scheusslichkeit in der Gegend herum, wie ein adipöser Grobian ohne Manieren. Auch die Umbenennung in Torre Glòries hat ihn weder schöner noch eleganter gemacht. Damit das alles erträglich ist, wurde das Monster auf eine passabel weite Fläche gestellt. Zugegeben, die Umsetzung der Glasfassade ist technologisch sehr interessant, aber das sind auch Bio-Kläranlagen. Am schönsten ist der Turm von sehr weit weg anzusehen, nachts, wenn er bunt in unterschiedlichsten Farben leuchtet, wie es eben gerade jenem an der Lichtanlage einfällt, der die 4.500 LED-Projektoren steuert. Das kann dann von der Ferne nach Vergnügungspark oder auch Landebahnfeuer für Ufos aussehen.

Barcelona – Torre Agbar.

Barcelona – Torre Agbar.

Verantwortlich für diese Geschmacksentgleisung zeichnet die „Grupo Agbar“, ursprünglich „Aigües de Barcelona“, oder auch einfach das Wasserwerk von Barcelona. Folglich soll der Turm eine Wasserfontäne darstellen. Es scheint unmöglich, diese Allegorie zu erkennen. Beauftragt zur Gestaltung dieses 142 Meter hohen Klotzes, höchstes Bauwerk Kataloniens, wurde der französische Architekt Jean Nouvel, der schon durch die Galeries Lafayette in Berlin negativ auffiel. Viel hatte er offensichtlich auch in Barcelona nicht zu tun. Er beabsichtige zur Homage an Antoni Gaudí, Gedanken jenes in das Bauwerk einfliessen zu lassen. Ob das ein opportunistischer Akt war, um den Auftrag zu erschleimen, kann nur vermutet werden. Jedenfalls gelang es Jean Nouvel seine Drohung mit dem Bauwerk umzusetzen. Am besten setzt sich der Barcelona Besucher vor dem Torre Glòries auf einen der Liegestühle, geniesst die Sonne des Mittelmeeres und lässt sich durch die missratene Wasserfontäne nicht weiter stören.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona.

Das eigentliche Ziel ist er aber nicht der Torre Agbar, sondern das fantastische Museu del Disseny de Barcelona. Stephan Braunfels sagte zur Kritik an seiner Pinakothek der Moderne in München einmal treffend, das Gebäude hätte der in ihr ausgestellten Kunst zu dienen und solle kein gut fotografierbares Monument sein. Das wäre eine Themenverfehlung. Diese Aussage bringt es auf den Punkt und die Pinakothek der Moderne leistet das vortrefflich. Das Gebäude des Museu del Disseny de Barcelona präsentiert Designgeschichte im Inneren fantastisch, aber architektonisch ist es ebenso interessant. Obwohl verschwindend klein gegenüber dem Torre Agbar, spielt es diesen an die Wand. Der Torre Glòries öde langweilig, das Museu del Disseny de Barcelona durch seine Asymmetrien und Proportionen ein spannender Blickfang, der das dahinter liegende Monster bedeutungslos macht. Der Entwurf des Bauwerkes stammt von der Architektengruppe „MBM ARQUITECTES“, die sich der Moderne verschrieben hatten und deren Gründer Josep Martorell, Oriol Bohigas and David Mackay waren.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona und Torre Agbar.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona und Torre Agbar.

Einmal durch das Designmuseum zu rennen, wäre ein Frevel. Ein ganzer Tag sollte es sein, den Besuch für einen späteren Termin aufheben. Zu sehen Klassiker, die erste Trial Maschine der Geschichte, eine Montesa, BH Bikes, Flughafenbestuhlungen, zwei Stockwerke präsentieren Textildesign, Graphikdesign und mehr. Der geschlossene Aussichtsbalkon, der Teil des Gebäudes der weit in den Raum ragt, zeigt einen Blick auf Barcelona, eingerahmt wie ein Bild, so, wie es der Meister César Manrique, gefeierter Sohn Lanzarotes, bei seinen miradores auf den Kanaren so brillant umgesetzt hat (s.u.). Umfangreicher wird das Museum im Artikel „Design Museum Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona. Sehenswert.“ beleuchtet (s.u.) .

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona, Trial Maschine von Montesa.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona, Trial Maschine von Montesa.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona, BH Klapprad.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona, BH Klapprad.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona, Textile Geschichte.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona, Textile Geschichte.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona.

Ein kurzer Besuch der Cafeteria des Museu del Disseny de Barcelona sollte aber auf jeden Fall eingeplant werden. Einwenig in der interessanten Buchhandlung stöbern, in der öffentlichen Bibliothek, eine Fundgruppe für Designenthusiasten, ein Imbiss, Café, Mittagessen, einwenig Zeit in einer Atmosphäre designaffiner Menschen verbringen, das alles lohnt.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona.

Etapa 5: Zwei Türme und ein goldener Fisch.

Vom Museu del Disseny de Barcelona geht es hinunter Richtung Strände in den Stadtteil Barceloneta. Lediglich 2,5 Km sind es auf leicht abfallenden Strassen zum Port Olímpic. Dort wurde im Juli und August 1992 um die Wette gesegelt. Heute interessiert die Touristen mehr der „Peix d’Or Barcelona“, der goldschimmernde Fisch, am Platja de Sant Miquel. Es ist wohl einer der meist fotografierten Objekte nach den Gaudi Scheusslichkeiten in Barcelona. So schön glänzend, wie er immer in den Büchern gesehen wird, ist er schwer in die Kamera zu bekommen. Die Sonne muss genau richtig stehen, es heisst herumwandern, bis er endlich aufleuchtet. Und dann steht meist irgendein Mast oder eine Palme im Weg.

Barcelona – Peix d'Or von Frank Gehry und Blue Building.

Barcelona – Peix d’Or von Frank Gehry und Blue Building.

Barcelona – Goldener Fisch von Frank Gehry.

Barcelona – Goldener Fisch von Frank Gehry.

Barcelona –Peix d'Or von Frank Gehry, Blue Building und Torre Mapfre.

Barcelona –Peix d’Or von Frank Gehry, Blue Building und Torre Mapfre.

Der Peix d’Or Barcelona wurde anlässlich der Olympischen Spiele errichtet und stammt vom Architekten und Designer Frank O. Gehry. Der Fisch ist ein nicht selbsttragendes Geflecht aus vergoldeten Edelstahlbändern, das vom einer Konstruktion im Inneren gestützt wird. Es kann unter das Objekt gegangen werden, dann ist die Statik gut zu sehen. Bei richtigem Licht könnten Fischschuppen erkannt werden. Das Objekt scheint ein Abfallprodukt der Entwurfsarbeiten des Designers im Zuge für den Wettbewerb für das Guggenheim-Museum Bilbao zu sein. Er präsentierte sein Konzept 1993 und erhielt den Zuschlag. Wie Santiago Calatrava mag es Frank O. Gehry komplex organisch. Das Bauwerk erhielt den „Outstanding Structure Award“ der IABSE. Das Objekt ist Geschmacksache, dass es von einem Könner und sehr einzigartig ist, steht ausser Frage.

Architekt und Designer Frank O. Gehry – Guggenheim-Museum Bilbao (CCL Javier Alamo).

Architekt und Designer Frank O. Gehry – Guggenheim-Museum Bilbao (CCL Javier Alamo).

Weniger verspielt geht es im Hintergrund des Peix d’Or zu. Dort stehen zwei sehr konträre Türme. Ersterer nennt sich „Blue Building“, keine gute Idee, so nennen sich mehrere Gebäude in Barcelona. Es heisst jedenfalls genau hinsehen. Durch ein strahlend weisses Gerippe, leuchten tiefblaue Fenster. Das Gebäude ist für Statiker interessant. Ein Fachwerk bildet die Fassade und trägt das Gebäude. Zug- und Druckstäbe, die meist versteckt werden, bekommen eine Bühne. Irgendwie sieht es aus, als wäre das Gebäude als Studienarbeit zum Thema Statik entworfen worden. Ist das besonders schön oder originell? Nein. Es erinnert an Statik Vorlesungen.

Barcelona – Peix d'Or von Frank Gehry, Blue Building und Torre Mapfre.

Barcelona – Peix d’Or von Frank Gehry, Blue Building und Torre Mapfre.

Barcelona – Blue Building und Torre Mapfre.

Barcelona – Blue Building und Torre Mapfre.

Östlich des Blue Building strahlt es intensiv Silber über die Küste. Mehr geht nicht, der Torre Mapfre. Kein Element hat bessere optische Reflexionseigenschaften als Silber. Poliert reflektiert es, das für das menschliche Auge sichtbare Licht, zu fast 100%. Nicht umsonst sind Silberspiegel die besten. Bei soviel Glanz kann es sich nur im ein Unternehmen handeln, das im Finanzbereich aktiv ist. Und so ist es. Mapfre ist einer der führenden Finanzdienstleister und Versicherer in Spanien. Wem seine Gesundheit in Spanien lieb ist und es irgendwie finanziell stemmen kann, schliesst bei Mapfre eine private Krankenversicherung ab, denn in einem öffentlichen spanischen Krankenhaus zu landen, hat immer noch etwas von Bürgerkriegslazarett der Franco Zeiten. Nicht nur auf Grund des Alters der Mediziner.

Barcelona – Torre Mapfre.

Barcelona – Torre Mapfre.

Barcelona – Blue Building und Torre Mapfre.

Barcelona – Blue Building und Torre Mapfre.

Etapa 6: Torre Mare Nostrum vlg. Edificio de Gas Natural.

Vom goldenen Fisch, ist ein Kilometer Richtung Westen zu absolvieren. Am Plaza del Gas liegt ein sehenswertes Gebäude, das kaum von Touristen besucht wird: Der Torre Mare Nostrum, im Volksmund Edificio de Gas Natural. Letzteres wird später aufgelöst. Der spektakuläre Komplex wurde vom Duo Enric Miralles und Benedetta Tagliabue (Link zu Bios s.u.) entworfen und erhielt im Jahr der Fertigstellung 2005 den Quatrium Architekturpreis für das innovativste Bürogebäude. Ein Bauwerk, in dem 3.500 Tonnen Stahl verbaut wurden und das mit einer besonders dämmenden und reflektierenden Glasfassade verkleidet wurde. Daher leuchtet es auch so besonders schön in der Sonne gegen den blauen Himmel. Die Fassade macht das Gebäude nicht nur schön sondern auch energieeffizient.

Barcelona – Plaza del Gas.

Barcelona – Plaza del Gas.

Barcelona – Plaza del Gas.

Barcelona – Plaza del Gas.

Am besten, es wird einmal um das Gebäude herumspaziert. 86 Meter hoch ist es, 20 Stockwerke gibt das her. Die Geometrie des Objektes ist spannend, daher ist es so lohnend, es genau zu betrachten. Drei asymmetrische angerundete Kuben, die sich vertikal verjüngen, sind ineinander gesteckt. Asymmetrische Einzelteile, die in der Gesamtsicht verjüngend als Turm in den Himmel steigen. Die grosse freie Fläche, die mit dem Torre Agbar verschandelt wurde, wäre in derartiger Weise spektakulärer verbaut worden. Leider gibt es keine Möglichkeit, den Torre Mare Nostrum von innen zu besichtigen, um herauszufinden, wie die komplexe Geometrie das Innenleben beeinflusst.

Barcelona – Plaza del Gas.

Barcelona – Plaza del Gas.

Am spektakulärsten ist das Gebäude von der Westseite anzusehen. Dies sollte am Nachmittag erfolgen. Leider ist die Strasse Carrer de Cermeño und der westliche Platz vor dem Torre Mare Nostrum nicht sehr gross und so wirkt das Gebäude nicht so, wie es könnte. Auf der Ostseite liegt der grosse Plaza del Gas, der mit einigen Bäumen bewachsen ist, welche die Sicht auf das Edificio de Gas Natural verstellen. Das ist für Parkbesucher schön, dem Architekturinteressierten versperren sie die Sicht. Dort beginnt sich aufzuklären, warum Taxi- und Busfahrer oder Bewohner der Stadt mit Torre Mare Nostrum nichts anfangen können. Der Plaza del Gas wird von einem historischen Gerippe dominiert, die Reste eines Teleskopgasbehälters, der dazu diente, Versorgungsschwankungen im Gasnetz auszugleichen. So wie einst in Wien die „Gasometer“. Bei den Wiener Gasometern wird wieder auf den Architekten des Torre Agbar gestossen, Jean Nouvel, der Anbau und Innenausbau des historischen Komplexes entwarf. Das hingegen gelang ihm. Nördlich vom Ausgleichsbehälter des Plaza del Gas liegt ein schöner Turm des alten Gaswerkes

Barcelona – Plaza del Gas.

Barcelona – Plaza del Gas.

Wien – Gasometer.

Wien – Gasometer.

Barcelona – Plaza del Gas.

Barcelona – Plaza del Gas.

Die Geschichte der Objekte geht auf das Jahr 1843 zurück, als in Barcelona beschlossen wurde, die Stadt nachts zu beleuchten und zwar innovativ mit Gas. In jener Zeit waren auch Städte dieser Grösse, bis auf einige mit Walöl betriebenen Lampen, für deren Betrieb die patrouillierenden Nachtwächter zuständig waren, dunkel. Am Plaza del Gas liegt die Wurzel der Strassenbeleuchtung Barcelonas. Später wurde die Stadt als erste Spaniens mit einem E-Werk versorgt. Auch diesen historische Ort erreicht die Architektur Expedition später.

Barcelona – Plaza del Gas.

Barcelona – Plaza del Gas.

Barcelona – Plaza del Gas.

Barcelona – Plaza del Gas.

1843 ging die zum Zweck der städtischen Gaslichtbeleuchtung gegründete „Catalana de Gas“ daran, Barcelona nachts leuchten zu lassen. Wer im historischen Gerippe des Teleskopgasbehälter steht, ist im Zentrum der damaligen Energiequelle. Durch historische Netzwerke erfolgte die Expansion nach Lateinamerika. In den 1960igern entdeckte Catalana de Gas den elektrischen Strom und errichtete das erste Atomkraftwerk Spaniens. Erst 1991 erhielt das Unternehmen, durch den Merger mit „Gas Madrid“ und „Repsol Butano“, den Namen Namen „Gas Natural“, unter dem es heute alle kennen. Es folgten unzählige Akquisitionen. Mittlerweile ist es zum Energiekonzern gewachsen, firmiert seit 2018 als „Naturgy“ mit Sitz in Madrid und ist im IBEX35 gelistet.

Etapa 7: Platja de la Barceloneta – Sonne, Strand und Meer.

Halbzeit, viel wurde schon erlebt, mehr folgt, Zeit einen Sprung ins Mare Nostrum, das Mittelmeer, zu wagen. Nur 500 Meter sind es hinunter zum Espigón del Gas, zur Mole, an der das Gas für Catalana de Gas angeliefert wurde. Dort liegt der schöne Platja de la Barceloneta. Badehose und Handtuch gehören zum Equipment des Architektur Expeditionsteilnehmers. In den weichen Sand legen, die Sonne geniessen, ein Bad nehmen und wenn es mit elFornet oder der Cafeteria des Museu del Disseny de Barcelona nichts wurde, dann ist genau jetzt die Zeit, eine der chiringuitos am Strand zu besuchen.

Barcelona – Platja de la Nova Icària.

Barcelona – Platja de la Nova Icària.

Barcelona – Platja de la Nova Icària.

Barcelona – Platja de la Nova Icària.

Etapa 8: L’estel ferit.

Am Platja de la Barceloneta liegt es sich gut, die Stimmung entspannt, in den chiringuitos locken kulinarische Verführungen und ein Gläschen, da kommt in den Sinn: ¡Mañana será otro día! Hier einfach Schluss machen, den Nachmittag am Strand abhängen und morgen die Expedition fortsetzen. Für jene die Zeit haben, eine gute Idee. Andere sollten sich aufraffen, denn gegen Ende der Tour wird es noch einmal fulminant.

Also auf den Sattel und von der Mole einen halben Kilometer gemütlich den paseo nach Westen radeln. Dort liegt am Platja de Sant Miquel die Skulptur „L’estel ferit“. Beim Objekt von Heidemarie Rebecca Horn, soll es sich angeblich um einen Stern handeln. Zwar zehn Meter hoch, aber das Ding sah in den Reiseführern monumentaler aus. Verloren und deplatziert steht es auf dem langen Sandstrand herum und unterstreicht seine Bedeutungslosigkeit in Perfektion. Im übersichtlichen Wikipedia Eintrag zur deutschen Aktionskünstlerin, was das auch sein mag, ist zu lesen, dass sie „ … sich oftmals im Grenzbereich verschiedener künstlerischer Disziplinen …“ bewegen würde. Im Grenzbereich der Einfallslosigkeit jedenfalls.

Barcelona – „L’estel ferit“ am Platja de Sant Miquel.

Barcelona – „L’estel ferit“ am Platja de Sant Miquel.

Etapa 9: Homenatge a la Natació.

Auf den wenigen Metern zur Teleférico del Puerto, wird am Plaza del Mar auf die Skulptur „Homenatge a la natació“ von Alfredo Lanz aus dem Jahre 2004 gestossen. Hier soll es sich um die Thematisierung des Wassersportes in Ausprägungen wie Tauchen, Wasserball, Synchronschwimmen und noch anderen handeln. Das mit dem Wasserball, das ist zu erkennen, für jene, die das auch wissen. Alfredo Lanz und Rebecca Horn wirken seelenverwandt. Zu einem Wikipedia Eintrag, wie die Aktionskünstlerin, brachte es Alfredo, Jahrgang 1945 (Madrid), noch nicht. Das wird eng.

Barcelona – Homenatge a la Natació.

Barcelona – Homenatge a la Natació.

Etapa 10: Teleférico del Puerto – Torre de Sant Sebastian.

Endlich an der Teleférico del Puerto, die letzten beiden Stationen waren nicht bereichernd. Jetzt wieder zu Sehenswertem, zu einer technisch wie historisch bedeutenden Seilbahn. Gebaut wurde sie anlässlich der Weltausstellung 1929, um das damals technisch Machbare vorzuführen. Vom Turm der Mittelstation, 119 m über dem Meer, feuerten als bescheidene Luftabwehr MGs auf die Franco Flieger, gelegentlich Deutsche, von Adolf an seinen Freund Franco verliehen (z.B. Legion Condor, Luftwaffen-Verband der deutschen Wehrmacht). ¡Viva España! hat diesem technischem Meisterwerk einen eigenen Artikel gewidmet: „Teleférico del Puerto – hoch über Barcelona.“ (s.u.).

Barcelona – Torre de Jaume I, Telefèric del Port de Barcelona.

Barcelona – Torre de Jaume I, Telefèric del Port de Barcelona.

Barcelona – Teleférico del puerto Barcelona.

Barcelona – Teleférico del puerto Barcelona.

Heute wird nur der 86 m hohe Turm Sant Sebastian besichtigt. Die Bergstation Miramar der Teleférico del Puerto, die auf einer Seehöhe von 57 m liegt, wird mit dem Rad erreicht, denn dort ist das Ziel der Expedition, der Mirador del Poble sec am Montjuïc. Möglichst nahe am Turm sollte senkrecht nach oben geblickt werden, um ein Gespür für die massiven Eisenträger zu bekommen, verbunden durch grosse Nieten. Das gibt einen Vorgeschmack für jene, die eine Fahrt an einem anderen Tag wagen, denn am Jaum I in 119 m Höhe ist es luftig über der See und oft sehr windig. Dann stoppt die schaukelnde Gondel im Windschutz des Jaum I, wartet ein Nachlassen des Windes ab, um dann ihre Fahrt fortzusetzen. Die kleine historische Gondel, gestanden wird auf dünnem Blech, wirkt nicht sehr vertrauenswürdig. Wer Höhenangst hat, könnte Panik Attacken bekommen und den grandiosen Ausblick verpassen. Obwohl meist Schlangen an der Hafenstation anstehen, ist die kurze Fahrt, obwohl spektakulär, nicht für jeden etwas.

Barcelona – Teleférico del puerto Barcelona.

Barcelona – Teleférico del puerto Barcelona.

Barcelona – Teleférico del puerto Barcelona.

Barcelona – Teleférico del puerto Barcelona.

Barcelona – Teleférico del puerto Barcelona.

Barcelona – Teleférico del puerto Barcelona.

Etapa 11: Port Vell – der alte Hafen.

Port Vell, das ist Catalán und heisst alter Hafen. Castellano wäre puerto viejo. Ihm erging es wie den Hafenbezirken in San Franzisko, London, Hamburg und vielen anderen weltweit, die spätestens mit der Erfindung des Containers ausgedient hatten. Die immensen Lagerkapazitäten wurden nicht mehr gebraucht. Lagerhallen und Getreidespeicher verfielen. Einst belebte, prosperierende Viertel wurden zu heruntergekommen Orten, die nach Einbruch der Dunkelheit, meist auch davor, besser gemieden wurden. Manche Städte schafften es, diesen Orten neues Leben einzuhauchen, denn Charme hatten die alten Backsteingebäude. Manchen Städte gelangen es, manchen nicht. London schaffte es und Barcelona auch.

Barcelona – Port Vell, Palau de Mar, Museu d'Història de Catalunya.

Barcelona – Port Vell, Palau de Mar, Museu d’Història de Catalunya.

Barcelona – Port Vell, Palau de Mar.

Barcelona – Port Vell.

Barcelona – Port Vell.

Die Initialzündung für Barcelona waren die Olympischen Spiele 1992. Ein ambitioniertes Programm zur Stadterneuerung wurde gestartet. Barcelona sollte der Welt in modernem Gewandt präsentiert werden. Das gelang. Der Port Vell wurde herausgeputzt. Shopping Center, das musste sein, ein bemerkenswertes Seewasseraquarium wurde gebaut, alte Lagerhallen restauriert. In einer, dem Palau de Mar, der Palast des Meeres, zog das sehenswerte Museu d’Història de Catalunya, teure Geschäfte und ebensolche Restaurants ein. Mit der Errichtung des Gebäudes für Capitanía Marítima übernahm sich Barcelona aber nicht. Ein Blick auf die historischen Gebäude der selben Bestimmung, beispielsweise in Sevilla, zeigen: Früher einmal, da war die Hafenmeisterei noch etwas Bedeutendes und das wurde präsentiert.

Barcelona – Capitanía Marítima Port Vell.

Barcelona – Capitanía Marítima Port Vell.

Barcelona – Capitanía Marítima Port Vell.

Barcelona – Capitanía Marítima Port Vell.

Sevilla – Capitanía General.

Sevilla – Capitanía General.

Die Milliarden und dies so wie geschrieben, liegen im alten Hafenbecken des Port Vell. Dort legt die Topliga der Superyachten an, um in Barcelona Geschäfte zu machen, die Stadt zu geniessen oder um das Schiff in der Werft überholen oder umbauen zu lassen. Gäste, die öfter zu sehen sind, beispielsweise die Dilbar und die Madame Gu.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Madame Gu.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Madame Gu.

Die Dilbar liegt mit ihren 156 m Länge über alles auf Platz sechs der längsten Motoryachten. Ihr Preis ab Werk wurde mit 800 Mio. bis 1 Mrd. USD geschätzt. Um so etwas zu besitzen, sollte die Berufsbezeichnung beispielsweise Oligarch sein. Der Eigner ist der Russe Alischer Burchanowitsch Usmanow.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Dilbar.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Dilbar.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Dilbar.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Dilbar.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Dilbar.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Dilbar.

Mit ihrer Länge über alles von 99 m deutlich kürzer als die Dilbar, ist die Madame Gu jedoch wesentlich eleganter und stilvoller. Wer nur Bilder von ihr kennt und dann vor ihr steht wird überrascht sein, welche Dimension sie in Bezug auf ihre Ausmasse hat. Das Design ist derart gelungen, das sie schnittig wie ein Schnellboot wirkt. Das fanden auch viele Fachjuroren und so sammelte die elegante Madame Gu unzählige renommierte Auszeichnungen. Die Linien von Madame wurden von Andrew Winch, Winch Design London, gezeichnet, ein Unternehmen, das Flugzeugen, Gebäuden und Schiffen ein markantes Gesicht verleiht. Ein Besuch der Website lohnt (s.u.). Der Eigner der Dame, wie könnte es anders sein, ist einer laut Forbes 500 vermögendsten Russen, Andrei Wladimirowitsch Skotsch.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Madame Gu.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Madame Gu.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Madame Gu.

Barcelona – Port Vell, die Superyacht Madame Gu.

Barcelona – Port Vell, Superyacht Madame Gu + Dilbar.

Barcelona – Port Vell, Superyacht Madame Gu + Dilbar.

Der Architektur- und Designinteressierte sollte nicht verpassen, einen Runde durch den Yachthafen zu drehen. Architektur am Wasser, oft sehr schön mit ausgewählten Designstücken.

Etapa 12: Jardins de les Tres Xemeneies – die AEG Schornsteine.

Barcelona – Fuerzas Electricas de Cataluña mit den drei historischen AEG Schornsteinen.

Barcelona – Fuerzas Electricas de Cataluña mit den drei historischen AEG Schornsteinen.

Zum Jardins de les Tres Xemeneies, zum Park der drei Schornsteine, sind vom Port Vell nur etwas mehr als ein Kilometer zu radeln. Zurück an der Avinguada Diagonal, dort liegt er, an der langen Strasse, die Barcelona diagonal durchzieht und an der am frühen Vormittag bereits der El parque de Diagonal Mar besucht wurde. Der Park ist ein angesagter Treff der Skaterszene Barcelonas. Im Funpark sind Könner zu beobachten. Das Ambiente entspricht dem Stereotyp  der Szene: Bunte Graffitis an den Wänden, der Geruch von Gras liegt in der Luft, Bässe wummern.

Barcelona – Skaterpark Fuerzas Electricas de Cataluña.

Barcelona – Skaterpark Fuerzas Electricas de Cataluña.

Das Interesse der Expedition gilt aber den drei „chimeneas“ oder in Catalan „xemeneies“, den Schornsteinen. Sie sind nicht nur für Barcelona sondern für ganz Spanien von historischer Bedeutung. Barcelona war die erste Stadt des Landes, die „elektrifiziert“ wurde. Ihr folgten chronologisch Bilbao, Sevilla und erst dann die Hauptstadt Madrid. Um Barcelona nachts mit Gaslicht zu erleuchten, wurde 1843 das Unternehmen „Catalana de Gas“ gegründet. 43 Jahre später im Jahr 1886 wurde die „Compañía Barcelonesa de Electricidad“ etabliert, um die nächste Innovation den technologieaffinen Katalanen zu bringen: Den elektrischen Strom. Das Know-how und die Finanzierung kam von der deutschen „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“, die jeder als AEG kennt und die ursprünglich als „Deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Electricität“ gegründet wurde. AEG war damit in Spanien verankert und wirkte bei der Elektrifizierung der anderen spanischen Grossstädte mit. Geblieben von dem Glanz sind die drei Schornsteine, an denen die meisten Besucher Barcelonas vorbeieilen, ohne sie weiter wahr zu nehmen.

Barcelona – Fuerzas Electricas de Cataluña mit den drei historischen AEG Schornsteinen.

Barcelona – Fuerzas Electricas de Cataluña mit den drei historischen AEG Schornsteinen.

Barcelona – Dampfdruckleitung Fuerzas Electricas de Cataluña.

Barcelona – Dampfdruckleitung Fuerzas Electricas de Cataluña.

Barcelona – Dampfdruckleitung Fuerzas Electricas de Cataluña.

Barcelona – Dampfdruckleitung Fuerzas Electricas de Cataluña.

Pionier der spanischen Elektrifizierung, die Compañía Barcelonesa de Electricidad, durchlief wie die Catalana de Gas in den folgenden Jahrzehnten eine turbulente Zeit, vor allem in Zeiten des spanischen Bürgerkrieges. Im Zuge der Liberalisierung des europäischen Energiemarktes, ging das Unternehmen in der Endesa, S.A. auf. Es dominiert in ganz Spanien, ob auf der iberischen Halbinsel oder den kanarischen Inseln, die Stromversorgung und hat sich auch in Las Palmas de Gran Canaria einen soliden Büroturm gebaut. Heute wird die Endesa mehrheitlich vom italienischen Enel Konzern kontrolliert. Dadurch gelang es, die bereits gefürchtete Dienstleistungsqualität der Endesa, noch fruchteinflössender zu gestalten: Viele Mitarbeiter, keiner ist Zuständig, alles dauert. Nur das mit den Smartmetern, das klappt, schon seit zehn Jahren, denn das ist bequem.

Etapa 13: Pavelló Mies Van der Rohe – Bauwerk eines Visionärs.

Von den AEG Schornsteinen wird gemütlich 2,2 Km zu dem Highlight der Tour hinüber geradelt, zum Pavelló Mies Van der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Um zu verstehen, vor welchem monumentalen Werk der Architektur und das ist inhaltlich zu verstehen, gestanden wird, muss in der Geschichte zurück geblickt werden. Vor 92 Jahren wurde dieses Bauwerk entworfen und es ist heute immer noch in der Anmutung so modern wie vor fast 100 Jahren. Gutes Design ist zeitlos und nicht modisch. Mies van der Rohe entwarf den Pavillon für die Weltausstellung 1929. Es sollte die Weimarer Republik modern präsentieren und zeigen, zu welcher Präzision in der Ausführung deutsche Ingenieure und Handwerker in der Lage waren. Nach der Weltausstellung wurde der Pavillon einfach abgerissen. Er war mit derart hochwertigen Materialien ausgeführt, dass die Bauteile für gutes Geld zu verkaufen waren. Der Besucher steht also heute in einer detailgetreuen Replik.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Zur gleichen Zeit fand in Sevilla die Exposición iberoamericana de 1929 statt, als Gegenpol zur Weltausstellung. General Miguel Primo de Rivera y Orbaneja (* 08.01.1870, Jerez de la Frontera – † 16.03.1930, Paris), im bürgerlichen Beruf Diktator, war es ein Dorn im Auge, dass die ganze Welt auf Barcelona blickte, das sich hartnäckig erst gegen Diktator Riviera und dann Franco zur Wehr setzte. Er beauftragte den in Andalusien angesagten Architekt Aníbal González Álvarez-Ossorio (10.06.1876, Sevilla – 31.05.1929, Sevilla) damit, die Gebäude für die Ausstellung zu entwerfen. Aníbal war gerade dabei, ganz Andalusien mit neoklassizistischen Bauten zu überziehen. Geringfügig moderner wurde er in Sevilla. Er ging im Stile des Eklektizismus ans Werk (s.u.). Ein Vergleich der Architektur in Sevilla und jener in Barcelona zeigt, dass sich Mies Van der Rohe bereits in einem anderen Architektur Universum befand.

Sevilla – Plaza de España, Parque de María Luisa Sevilla, Aníbal González Álvarez-Ossorio.

Sevilla – Plaza de España, Parque de María Luisa Sevilla, Aníbal González Álvarez-Ossorio.

Ludwig Mies van der Rohe (* 27.03.1886, Aachen – † 17.08.1969, Chicago) hiess nach Geburt Maria Ludwig Michael Mies. Vielleicht ist er der bedeutendste Architekt der Moderne. Als in ganz Europa noch kleinbürgerlich, spiessig und miefig gebaut wurde, ging der Meister mit Sachlichkeit, Logik, Reduktionismus, gezielter Wahl der Baumaterialien und einem herausragenden Gespür für Proportionen ans Werk. Seine Bauten sind geprägt durch Offenheit, Räume die ineinander übergehen, die Einbeziehung der Aussenwelt durch grosse Glasfronten. Seine Ideen zur Entwicklung von Stahlstrukturen, die Gebäude trugen, machte es erst möglich, derart frei zu bauen. Keine tragenden Wände mussten die Räume durchschneiden.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Wasserflächen dienten als Spiegel, um die Architektur von einer anderen Perspektive betrachten zu können und auch Kunst war ein wesentliches Thema. Auch die Konzepte Santiago Calatravas greifen immer wieder auf Teiche zurück, die um die Gebäude angelegt werden. Sie sind nur wenige Zentimeter tief. Der wahre Zweck ist die Spiegelfläche. Am extensivsten setzt Calatrava dieses Gestaltungselement in der Ciudad de las Artes y las Ciencias in Valencia ein (s.u.).

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Die Bauwerke von Mies van der Rohe können als Gesamtkunstwerke bezeichnet werden, denn sie folgten einem Konzept, wie in ihnen in neuer Art und Weise gelebt werden konnte. Marcel Breuer meinte, „Moderne Architektur ist kein Stil sondern eine Haltung!“. Architektur ist kein Bauwerk alleine, es ist eine Vorstellung darüber, wie das Leben sein sollte. Offenheit, ein wesentlicher Punkt der Moderne. Die offenen Bauwerke von Rohe, konnten durch Raumteiler variabel umgestaltet werden, um der Situation entsprechend genutzt werden zu können. Möbel wurden entworfen, die dem Leben in modernem Ambiente entsprachen. Heute sind sie Designklassiker. Den „Barcelona Sessel“ kennt jeder. Zu sehen sind diese Designstücke auch im Museu del Disseny de Barcelona (s.u.).

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Barcelona – Pavelló Mies Van Der Rohe.

Etapa 14: Torre de comunicacions de Montjuïc – Torre de Calatrava.

Die letzte Bergetappe steht an, danach ist nur noch ein kleiner Gegenanstieg zum grossen Finale am Mirador del Poble sec zu bewältigen. Erst geht es noch 1,7 Km und satte 60 Höhenmeter vom Pavelló Mies Van der Rohe zum Torre de comunicacions de Montjuïc der „Telefónica“. In Barcelona wird der Funkturm aber meist „Torre Clatrava“ genannt.

Barcelona – Torre de comunicacions de Montjuïc.

Barcelona – Torre de comunicacions de Montjuïc.

Anlässlich der Olympischen Spiele 1992, wurden zwei Funktürme auf den beiden Hausbergen Barcelonas errichtet, um TV Bilder der Spiele möglichst perfekt in die Welt zu tragen. In den 90igern waren Liveübertragungen noch deutlich anspruchsvoller in der Umsetzung. Einen dieser Türme für die Telefónica S.A., die nationale Telefongesellschaft Spaniens, durfte Santiago Calatrava Valls am Montjuïc entwerfen. Der Montjuïc ist der städtisch nahegelegenste Hausberg Barcelonas, erreicht aber nur 173 m Seehöhe. Weiter nordwestlich erhebt sich der zweite Funkturm, der Torre de Collserola den Norman Foster gestaltete. Er wurde am Turó de Vilana (425 m) errichtet, einem Nebengipfel des Tibidabo, der mit 512 m Seehöhe deutlich aus der Landschaft ragt. Er ist die höchste Erhebung der Serra de Collserola. Die Bergkette erstreckt sich zwischen dem bereits bekannten Río Besós und dem Río Llobregat. Von den Bunkers del Carmel (s.u.) ist der Funkturm von Norman Foster und die Serra de Collserola perfekt zu sehen.

Torre de Collserola von Norman Foster am Turó de Vilana nahe Barcelonas. (CCL Felix König).

Torre de Collserola von Norman Foster am Turó de Vilana nahe Barcelonas. (CCL Felix König).

Im Gegensatz zum Torre de Collserola, fiel der Torre Calatrava filigran aus. Das Bauwerk von Norman Foster ragt 152 m in die Höhe und ist über und über mit Sendeanlagen verbaut. Mit einem Personenaufzug wird eine Aussichtsplattform erreicht, die in 135 m Höhe über dem Fundament und auf 560 m Seehöhe liegt. Der Ausblick ist grandios, der Besuch empfehlenswert. Der Torre de Calatrava ist, wird die filigrane Spitze mitgerechnet, 136 m hoch. Der offene Ring, der die Antenne umschliesst, schwebt in einer Höhe von 72 m.

Barcelona – Torre de comunicacions de Montjuïc.

Barcelona – Torre de comunicacions de Montjuïc.

Lässt sich beim Torre de Collserola nicht erkennen, dass hier ein Stararchitekt am Werk war, ist das beim Torre de comunicacions de Montjuïc klar zu erkennen. Der Turm soll einen Sportler, der die olympische Flamme hält, symbolisieren. Umgeben wir der Turm von einem Wasserbecken. Spätestens hier sieht der Kenner sofort das Werk Calatravas. Ein wellenförmiges Becken, versehen mit den typischen Kacheln, die in Calatravas Werken immer wieder auftreten, so beispielsweise in der Ciudad de las Artes y las Ciencias in Valencia (s.u.) oder am Auditorio de Tenerife in Santa Cruz de Tenerife (s.u.).

Barcelona – Torre de comunicacions de Montjuïc.

Barcelona – Torre de comunicacions de Montjuïc.

Um fair zu bleiben muss festgehalten werden, dass dem Funkturm am Montjuïc keine herausragende funktechnische Bedeutung bei den olympischen Spielen zukam und sich Calatrava ganz anders als Foster entfalten konnte. Der Tibidabo in der Serra de Collserola ist ein Naherholungsgebiet für Städter, die dort im Sommer in der Morgenkühle wandern gehen. Am Montjuïc, in Zeiten der Franco Diktatur, als Catalan verboten war, „Montjuich“ geschrieben, vibriert hingegen das andere Barcelona, das von Technologie und Wirtschaft geprägte. 1929 fand am Montjuich die Weltausstellung statt, 1992 die Olympischen Spiele. Am Circuit de Montjuïc wurden Formel 1 und Motorrad WM Läufe ausgetragen. Doch das alles ist Vergangenheit. Heute ist der Montjuïc ein Magnet für Touristen, denn eine Woche könnte er besichtigt werden, vom botanischen Garten bis hin zur Fundació Joan Miró und mehr.

Barcelona – Torre de comunicacions de Montjuïc.

Barcelona – Torre de comunicacions de Montjuïc.

Etapa 15: Retrospektive – Mirador del Poble sec.

Barcelona – Parc del Mirador del Poble Sec in der Ferne die historischen AEG Schornsteine.

Barcelona – Parc del Mirador del Poble Sec in der Ferne die historischen AEG Schornsteine.

Letzte Etappe, 2,5 Km und 72 Höhenmeter, in die Pedalen treten, die Bergstation der Teleférico del Puerto wird passiert. Das wars, die etwas andere ¡Viva España! Architektur Expedition durch Barcelona ist fast zu Ende. Retrospektive! Reisende konsumieren nicht, sie erleben, sind abends reicher an Eindrücken und Wissen, als sie es morgens nach dem Aufstehen waren. Vom Mirador del Poble sec ein Blick über Barcelona. Hinüber zur Küste, zum Platja de la Barceloneta, der in der späten Nachmittagssonne liegt. Erinnerungen an ein Bad im Mare Nostrum, die salzige Brise und den feinen Sand kommen in den Sinn. Weit in der Ferne, im Dunst noch zu erkennen, der Stadtteil Sant Martí. Dort ging es zeitig morgens los. Direkt vor dem Mirador del Poble sec, ragen die drei AEG Schornsteine aus der Stadt. Der Tag breitet sich vor dem Expeditionsteilnehmer wie eine Landkarte aus.

Barcelona – Port Vell und Teleférico del puerto Barcelona vom Parc del Mirador del Poble Sec.

Barcelona – Port Vell und Teleférico del puerto Barcelona vom Parc del Mirador del Poble Sec.

Barcelona – die historischen AEG Schornsteine vom Parc del Mirador del Poble Sec.

Barcelona – die historischen AEG Schornsteine vom Parc del Mirador del Poble Sec.

Wer mit dem Barcelona Leihrad unterwegs war, der kann nun seinen Tag fulminant ausklingen lassen. Rad an einer der Stationen zurück geben und an der Bergstation der Teleférico del Puerto, die direkt am mirador liegt, eine Karte lösen. Kein warten, keine Schlange wie im Hafen. Der Tourist fährt stur nach Führer die eine Richtung, die vorgeschriebene. In der späten Sonne hoch über das Meer schweben und dann über den Paseo entlang der Strände zurück nach Sant Martí spazieren. Vorbei geht es an angesagten teuren Restaurants und preiswerteren chiriguitos am Strand. Zeit bei einem Abendessen am Meer den Tag revue passieren zu lassen. Ein Sundowner, die Füsse im Sand. Was für ein spektakulärer Tag geht zu Ende! Morgen aufs Neue, ¡mañana será otro día!

Barcelona – Teleférico del Puerto, Blick von Miramar hinüber zu Jaum I.

Barcelona – Teleférico del Puerto, Blick von Miramar hinüber zu Jaum I.

Barcelona – der Mercat dels Encants nahe des Torre Agbar + Museu del Disseny de Barcelona.

Barcelona – der Mercat dels Encants nahe des Torre Agbar + Museu del Disseny de Barcelona.

Weiter lesen.

Architektur + Design.

Unterwegs nach Valencia – Ciudad de las Artes y las Ciencias.

Auditorio de Tenerife – Santiago Calatrava Valls.

Design Museum Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona. Sehenswert.

Paseo por el Parque de María Luisa en Sevilla.

Excursión Arrecife – Streifzug Arrecife.

Winch Design London.

Architekt Enric Miralles.

Architektin Benedetta Tagliabue.

Barcelona.

Teleférico del Puerto – hoch über Barcelona.

Barcelona – Bunkers del Carmel – zum schönsten Aussichtspunkt. Gratis.

Peninsula.

Temprano por la mañana – frühmorgens am Punta Umbría.

Technologie-Land Spanien – kurios bis High-tech.

Excursión Conil de la Frontera – an der Grenze zu den Mauren.

Tipps.
(en orden de aparición.)

bicing.

Grupo Barceló.

Barceló Occidental Atenea Mar – Adults only.

Torre de les Aigües del Besòs.

Grupo elFornet.

elFornet.
Carrer de Pujades, 362
08019 Barcelona, Spanien
Google Plus Code: C655+6Q Barcelona, Spanien

Bildnachweis.

MareNostrum: © Lucia Meler | www.luciameler.com. Mit freundlicher Genehmigung des Centro Nacional de Supercomputación vom 17.10.2017.

Guggenheim-Museum Bilbao: CCL, Javier Alamo.

Torre de Collserola: CCL Felix König (bearbeitet, color grading ¡Viva España!).

Alle weiteren Bilder: © Dr. Ingmar Köhler.

!Al final, como siempre: no promoción!

Und wie immer: Keine Werbung, keine Promotion, keine Zuwendungen oder Abmachungen welcher Art auch immer von und mit Dritten, insbesondere auch nicht mit der *) Grupo Barceló. ¡Viva España! ist ein Leuchtturm, der aus dem Nebel des Mainstreams ragt, ein Monument der Ratio, der aus eigener Kraft und ohne Interferenzen strahlt.

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