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Reise

Barcelona – Bunkers del Carmel – zum schönsten Aussichtspunkt. Gratis.

Mit der Masse – Teleférico del puerto Barcelona.

Die historische Telefèric de Montjuïc: Spektakulär aber auch schön teuer inklusive Anstehen.

Die historische Teleférico del puerto Barcelona: Spektakulär aber auch schön teuer inklusive Anstehen.

Klassischer Weise nimmt der Barcelona Besucher, der einen spektakulären Ausblick auf die Stadt und den Hafen haben möchte und der die Bunkers del Carmel nicht kennt, die Teleférico del puerto Barcelona. Die Hafenseilbahn, die 1929 als Attraktion zur Weltausstellung gebaut wurde, erreicht über zwei Türme den Montjuïc und baumelt, wenn sie den Turm der Mittelstation im Hafenviertel passiert, 119 m über dem Meer. Damit war dies über 37 Jahre hinweg bis 1966 die höchste Seilbahnstütze weltweit und wurde erst dann von der Bahn Kaprun III in Österreich abgelöst. Es ist schon ein besonderes Gefühl, denn noch heute wird der Fahrgast in den ursprünglichen Gondeln transportiert, ein Gebilde aus dünnstem Blech, Plexiglasscheiben und zweifelhaft dünnem Boden, der, so meint man, das Potential hat jeden Moment durchzubrechen. In Summe, auch für den absolut schwindelfreien Menschen, ein mulmiges Gefühl. Für nicht schwindelfreie oder etwas ängstlichere Menschen, kann der nur einige Minuten dauernde Tripp recht nervenaufreibend werden. Es ist ratsam in dem Fall eine Begleitung dabei zu haben, an der man sich etwas festhalten kann. Die meisten Gondeln sind überdies voll besetzt und steht man in der Sommerhitze mit 20 schwitzenden Menschen, deren Atem man im Genick spürt, sardinengleich in dieser Blechbüchse, nebst Revierkämpfen, um ein Foto aus dem Fenster zu ergattern, erzeugt das zusätzlich noch ein gewisses klaustrophobisches Extra zur Abrundung des Gesamttrips.

Telefèric de Montjuïc – nur am frühen Morgen, vor der ersten Fahrt, ist der Andrang noch überschaubar.

Teleférico del puerto Barcelona – nur am frühen Morgen, vor der ersten Fahrt, ist der Andrang noch überschaubar.

Preiswert ist das Erlebnis in der Teleférico del puerto Barcelona mit 11,- Euro die Einzelfahrt und 16,50 Euro „ida y vuelta“, also hin und zurück, nicht. Ist man gar als Familienvater mit seiner in Summe vier köpfigen Familie unterwegs und plant die Hin- und Rückfahrt mit dieser als Urlaubshighlight vorgesehenen Attraktion, kann es beim Berechnen der Gesamtkosten für dieses jeweils magere 3 Minuten dauernde Spektakel, ohne Anstehen natürlich, schon vor dem Passieren der Mittelstütze zu Schweissausbrüche kommen.

Könnte es da nicht eine stressfreiere Variante geben, Barcelona von oben zu sehen, die eventuell auch kostengünstiger ist? Ja, die gibt es, die Bunkers del Carmel. Der Ausblick ist nicht minder spektakulär, man erreicht sie völlig kostenlos, sicherer und entspannter ist es oben drein.

Abseits der Massen – zu den Bunkers del Carmel.

Katalanen sind besonders stolz darauf, dass sie sich von Beginn an im Spanischen Bürgerkrieg gegen das Franco Regime zur Wehr setzten. Das brachte ihnen in 2 Jahren über 200 Bombenangriffe durch die Putschisten unter General Francisco Franco ein, der übrigens, wenig bekannt, den Bürgerkrieg auf Teneriffa im Esperanzawald anzettelte und dort seine Getreuen einen Eid schwören ließ. Ironischer Weise erreichte der Spanischen Bürgerkrieg die Kanaren nie und wohl deswegen kümmert es niemanden, dass auf den Kanarischen Inseln noch jede Menge wichtiger Strassen nach Franco benannt sind. Die tausenden Deportierten nach dem Bürgerkrieg, die auf die Kanaren verschifft wurden, waren willkommene kostenlose Arbeitskräfte, die man unter der heissen Sonne Strassen und Staudämme bauen liess, für die sich sonst keine einzige Arbeitskraft gefunden hätte.

Um Barcelona gegen diesen Bombenwahnsinn auf normale Bürger zu schützen, errichtete man in aller Eile eine Luftabwehrbatterie und tat dies auf jenem Hügel, auf dem man einen absolut freien Rundblick über Barcelona hat, am Gipfel des Parc del Guinardó, dem strategisch besten Punkt dafür. Die Bunkers del Carmel entstanden, hoch über dem Stadtteil El Carmel und El Guinardó, die gesamte Stadt überblickend. Der Krieg ist vorbei, die Bunker und der fantastische Ausblick blieben. Heute ist es dort oben friedlich, ein Treffpunkt für Barcelonas Jugend, frisch Verliebte, ältere Damen, die dort spazieren gehen oder junge Familien mit schmalem Geldbeutel, welche die herrlichen Kiefer Lichtungen im Parc del Guinardó am Wochenende für ein Picknick nutzen. Da völlig touristenfrei, gibt es weder ein Cafe noch einen Supermarkt und man hofft, es bleibt so.

Ausgangspunkt das Hospital de Sant Pau – die erste Sehenswürdigkeit am Weg.

Hospital de Sant Pau Barcelona – sehenswert und ganz in der Nähe der Standseilbahnen.

Hospital de Sant Pau Barcelona – sehenswert und ganz in der Nähe der Standseilbahnen.

Ausgangspunkt für den Weg zu den Bunkers del Carmel ist die Metro Station Guinardó / Hospital de Sant Pau. Natürlich gibt es viele Wege zum Aussichtspunkt, dieser passiert aber den Mirador del Nen de la Rutlla, eine lauschige Aussichtsterrasse über Barcelona und ist für wirklich jeden geeignet. Ältere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuss sind, überwinden den steilen Anstieg mit den Standseilbahnen und Rolltreppe und finden ausreichend schattige Plätze zum Rasten. Sportler, die ihren Activity-Tracker mit Punkten versorgen wollen, nehmen statt der Standseilbahn die steilen Treppen, die neben her führen und auch für junge Familien, selbst mit Buggy, ist dieser Weg leicht zu schaffen. Überdies warten an jeder Ecke für die „Rasselbande“ neue Attraktion, die Rolltreppe mitten in der Stadt oder die Standseilbahnen, um die Jüngsten bei Laune zu halten. Verliebte Pärchen werden den Weg durch den lauschigen Kiefernwald schätzen und die schöne Aussichtsterrasse.

Bevor man sich jedoch auf den Weg zu den Bunkers del Carmel macht, sollte man noch das alte Hospital de Sant Pau besichtigen, was wirklich lohnend ist. Lluís de Domènech i Montaner erdachte und setze ab 1902 ein Krankenhaus um, das heute noch vom Konzept modern wäre. Die ersten Mittel hierfür stellte der Bankier Pau Gil, der dem Vorhaben sein Erbe vermachte. Lluís de Domènech i Montaner war der Ansicht, zum Gesund werden bedarf es mehr als nur Medizin, man bräuchte auch Sonne, frische Luft, ein farbiges, positives und helles Ambiente. So baute er 26 lichtdurchflutete Pavillons in einen weitläufigen Park, verband sie unterirdisch mit Gängen und unterirdisch lagen auch alle Wirtschafts- und Verwaltungsräume. Heute heisst so etwas ganzheitliche Medizin und ist nur in angesagten Privatkliniken zu finden. Mittlerweile beherbergt das „Sant Pau“ kulturelle und universitäre Einrichtungen und ist Weltkulturerbe. Einen Besuch sollte man schon wegen der Architektur und dem Park nicht auslassen. Übrigens verbrachte auch Antonio Gaudí die letzten vier Tage seines Lebens im Hospital de Sant Pau und starb dort am 10. Juni 1926.

Zum Parc del Guiardó – Eine Rolltreppe und zwei Standseilbahnen.

Weniger spektakulär dafür kostenlos: Standseilbahnsystem zu den Bunkers del Carmel.

Kostenlos: Standseilbahnsystem zu den Bunkers del Carmel.

Weniger spektakulär dafür kostenlos: Standseilbahnsystem zu den Bunkers del Carmel Bracelona.

So findet man die Rolltreppe und zwei Standseilbahnen (Google Maps).

Das Stadtviertel El Guinardó liegt teils an sehr steilen Hängen unterhalb des Parc del Guinardó. Um den Bewohnern den Weg durch dieses steile Viertel zu erleichtern und den Parc del Guinardó zugänglicher zu machen, legte die Stadt eine lange Rolltreppe und zwei Standseilbahnen an, ein System, mit dem man den gesamten Steilhang von der Metro Station bis zum Park mühelos überwinden kann. Wer diesen Weg wählt wird verblüfft sein, mitten in einem Wohnviertel unter freiem Himmel auf eine lange Rolltreppe zu stossen, der zwei Kabinen-Standseilbahnen, die Carrer del Telégraf, folgen. Das System ist recht eigen und ebenfalls zur Überraschung vieler gratis, jeden Tag von 7:00 bis 23:00 Uhr in Betrieb.

Touristen verirren sich zu diesem Unikum keine, denn man muss schon sehr ortskundig sein, um es zu finden. Von der Metro Station den über ihr liegenden Fussballplatz rechter Hand bergaufwärts passieren (siehe Karte), um dann die erste Rolltreppe zu erreichen. Von da geht es gemütlich und schattig mit der Carrer del Telégraf bis zum Parkplatz am Rande des Parc del Guinardó weiter. Hier angekommen breitet sich bereits ein herrlicher Blick vor einem auf Barcelona aus.

Schon am Ende der Standseilbahnen am Weg zu den Bunkers del Carmel, eröffnen sich herrliche Ausblicke auf Barcelona.

Schon am Ende der Standseilbahnen am Weg zu den Bunkers del Carmel, eröffnen sich herrliche Ausblicke auf Barcelona.

Vom Aussichtspunkt am kleinen Parkplatz geht es dann sanft ansteigend über lauschige Waldwege zu Fuss weiter. Unzählige Wege durchstreifen den schönen Park aus Kiefern, kanarischem Cardón und anderen heimischen Pflanzen, alle führen zu den Bunkers del Carmel, aber nur einer nimmt die Schleife zum Mirador del Nen de la Rutlla, daher auf die Wegweiser achten, denn diesen Aussichtspunkt sollte man sich nicht entgehen lassen.

Aussichtspunkt Mirador del Nen de la Rutlla.

Mehrere Aussichtsterrassen säumen den Weg; Mirador del Nen de la Rutlla. Ruhig und sonnig mit Blick auf Torre de Agbar und Sagrada Familia.

Am Weg liegt der Mirador del Nen de la Ruttlla – ruhig und sonnig mit Blick auf Torre de Agbar und „Sagrada Familia“.

Der Mirador del Nen de la Ruttlla ist ein richtiges Kleinod. Überraschend taucht er im Kiefernwald auf und bietet einen ganz fantastischen Blick über Barcelona. Ob Torre de Agbar oder „Sagrada Familia“ – alles liegt einem zu Füssen und weit vor einem der Stadtstrand und das Meer. Herrlich ist es, man könnet ins Schwärmen geraten, denn selbst am Wochenende sitzen hier nur eine Hand voll Einheimische, lesen Zeitung, geniessen den Ausblick, ruhig, still und sonnig ist es und kein einziger Tourist weit und breit, in einer Stadt, die derzeit von Touristen überrannt wird. Wer an Werktagen vormittags diesen Aussichtspunkt aufsucht, wird ihn meist ganz alleine für sich haben.

Durch lauschigen Kiefernwald – zu den Bunkers del Carmel.

Idyllisch, sanft ansteigend und schattig geht es durch Kiefernwald zu den Bunkers del Carmel.

Idyllisch, sanft ansteigend und schattig geht es durch Kiefernwald zu den Bunkers del Carmel.

Gusseiserne Trinkwasserspender sorgen überall in Barcelona für kühle Erfrischung.

Gusseiserne Trinkwasserspender sorgen überall in Barcelona für kühle Erfrischung.

Kann man sich vom Mirador del Nen de la Ruttlla endlich losreissen, geht es beschaulich und nun besonders romantisch über leicht ansteigende Wege weiter hinauf zu den Bunkers del Carmel. Man sollte seine Wasserflasche nicht vergessen, denn heiss wird es in Barcelona gegen Mittag und man findet überall in der Stadt und sogar hier die traditionellen Wasserspender, aus denen das kühle Nass bedenkenlos getrunken werden kann.

Der ultimative Ausblick – Rundblick am Flakturm.

Ultimativer Ausblick auf Barcelona – die alten Flaktürme der Bunkers del Carmel aus dem Bürgerkrieg.

Ultimativer Ausblick auf Barcelona – die alten Flaktürme der Bunkers del Carmel aus dem Bürgerkrieg.

Bunkers del Carmel – der Treffpunkt bei Barcelonas Jugend am Wochenende.

Bunkers del Carmel – der Treffpunkt bei Barcelonas Jugend am Wochenende.

Ältere Damen treffen sich hier zum Spaziergang und Tratscht hoch über Barcelona.

Ältere Damen treffen sich an den Bunkers del Carmel zum Spaziergang und Tratscht hoch über Barcelona.

Hoch über Barcelona: Bunkers del Carmel, spektakulärer Rundblick.

Hoch über Barcelona: Bunkers del Carmel, spektakulärer Rundblick.

Erreicht man, nach dem der Parc del Guinardó durchquert ist, die Bunker und Flaktürme der Bunkers del Carmel, eröffnet sich dem Besucher ein atemberaubender Rundblick über ganz Barcelona, ein Blick, den es sonst nirgends zu finden gibt. Man steht am schönsten Aussichtspunkt der Stadt und versteht sofort, warum genau hier die Luftabwehrbatterie gebaut wurde. Der Weg hierher ist schön, ausgefallen und kurzweilig und nun dieser Ausblick. Verwundert stellt man auch fest, dass es an so einem Platz weder ein Kaffee, noch ein Kiosk noch nicht einmal einen kleinen Supermarkt oder Eisladen gibt. Daher bringen sich Einheimische ihr Picknick mit und geniessen das Essen mit Freunden an einem der vielen ungestörten Ecken und Winkel, die es dort oben auf dem Höhenzug zu finden gibt. Einzig ein kleines Museum ist geöffnet, das stolz über den Widerstand gegen die Franco Truppen berichtet.

Die Bunkers del Carmel sind der Treffpunkt der jungen Leute aus Barcelona. Die jungen Damen haben sich herausgeputzt, so wie die jungen Caballeros. Man hält Ausschau und balzt oder trifft sich zu einem Date. Die schon Verliebten sitzen Händchen haltend auf den Bunkern. Zu diesem bunten Treiben gesellen sich junge Familien mit Kinderwagen, die den Park nutzen, alte Damen, die sich zum Plauschen treffen, oder Studenten, die tiefsinnigere Gespräche führen. Eine bunte, angenehme und entspannte Mischung, nur Touristen sieht man kaum mal einen. An Werktagen, z.B. vormittags, ist der Besucher hier überhaupt sehr alleine. Wenn es noch einen Geheimtipp in Barcelona gibt, dann sind es die Bunkers del Carmel und die Carrer del Telégraf. Vielleicht sollte man gar nicht über sie schreiben.

Erschöpft? Für 99 Cent zurück in die Stadt!

Gehfaule können direkt mit der Linie 119 für 99 Cent von den Bunkers del Carmel in die Innenstadt von Barcelona fahren.

Gehfaule können direkt mit der Linie 119 für 99 Cent in die Innenstadt von Barcelona fahren.

Wie schon erwähnt, gibt es verschiedenste Möglichkeiten zu den Bunkers del Carmel zu gelangen. Die Beschriebene ist wohl die Schönste. Eine andere Art den Aussichtspunkt zu erreichen, ist jene, mit dem kleinen Citybus, der hier “Taxonera” heisst, der Linie 119. Das öffentliche Verkehrsnetz erschliesst auch diese Ecke der Stadt komfortabel und da sich nur eine kleine, steile Strasse auf die Bunkers del Carmel hinauf schlängelt, wird ein City-Bus eingesetzt. Der fährt pünktlich nach Zeitplan je nach Tageszeit ca. dreimal pro Stunde und bringt den Fahrgast z.B. zur Metro. Hat man es nicht verabsäumt, sich in Barcelona mit einer Mehrfahrtenkarte am Automaten auszustatten, dann kostet die Fahrt gerade mal 99 Cent oder weniger, je nach Fahrkarte. Die Bushaltestelle liegt direkt an den Bunkern.

Die Bunkers del Carmel und der Weg zu ihnen ist wirklich jedem, der einwenig Zeit in Barcelona verbringt, zu empfehlen. Ob wegen schmaler Urlaubskasse, dem Naturerlebnis des schönen Parks, des herrlichen Ausblicks oder eines idyllischen Picknicks wegen – es gibt viele Gründe hier her zu kommen. Schnell ist hier auch ein ganzer Tag verbracht, nur verpassen sollte man dieses herrliche Ausflugsziel nicht!

Nützliche Links.

 

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