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Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.
Reise

Charme der Off-season – von Barcelona nach Calella.

Calella im Februar – ungeschminkt und sehr tranquilo.

Calella liegt knapp 50 Kilometer östlich von Barcelona an der Costa del Maresme. Wie so viele Orte an spanischen Küsten, wandelte er sich vom kleinen Fischerdorf zum beliebten Ziel der Sommertouristen. Auch er trägt die Wunden der Architectura Bruta aus Zeiten der Franco Diktatur, als die Küsten für den Massentourismus zubetoniert wurden. Das spülte Devisen für den geplanten Umbau Spaniens in ein modernes Industrieland in die Staatskassen. Der Unternehmer Don Juan Riu, vielen Touristen durch die RIU Hotelgruppe bekannt und heute mit TUI verschränkt, mischte ganz vorne mit. Einige behutsamere Bauten aus dieser Ära, als noch nicht rücksichtslos in den Himmel betoniert wurde, finden sich allerdings auch in Calella, so beispielsweise das Hotel Las Vegas. Sie wurden renoviert, die grössten Schandflecken abgerissen, so ist das alles erträglich, wenn auch nur gelegentlich.

Hotel Las Vegas in Calella an der katalanischen Costa del Maresme.

Hotel Las Vegas in Calella an der katalanischen Costa del Maresme.

Am Paseo des Platja Gran de Calella, dem Stadtstrand, finden sich noch einige Villen aus jener Zeit, als Calella bei den wohlhabenden Barcelones als ruhiger Badeort nahe der Grossstadt beliebt war. Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Appartement Anlagen säumen die Sandstrände, die besonders bei deutschen Touristen beliebt sind. Die Jugend Barcelonas strömt in den Sommermonaten zur Rambla de Capasbre, an der sich angesagte Nachtclubs aufreihen. Teils öffnen sie erst um Mitternacht und machen dicht, wenn die Sonne aufgeht. Dann sind schon wieder die ersten Vorstadtzüge von Calella nach Barcelona auf den Schienen.

Gründerzeitvillen in Calella an der katalanischen Costa del Maresme.

Gründerzeitvillen in Calella an der katalanischen Costa del Maresme.

Gründerzeitvillen in Calella an der katalanischen Costa del Maresme.

Gründerzeitvillen in Calella an der katalanischen Costa del Maresme.

Im Februar ist von all dem nichts zu spüren. Durch Calella weht dieser anziehende Charme der Off-season, der manchen quirligen Badeorten im Winter innewohnt. Schwer zu beschreiben, was es ist. Es liegt irgendwo zwischen Wehmut, dass der Sommer Geschichte ist und einem Wohlbefinden, das in den Residentes aufkommt, nun wieder ganz entspannt und unverstellt unter sich sein zu dürfen. In Calella, Conil de la Frontera, Punta Umbria und vielen anderen dieser Orte, weht diese Stimmung mit der Winterbriese vom Meer durch die Gassen. Bei Reisenden, die sich zu dieser Jahreszeit in die Küstenorte aufmachen, kann das ganz aussergewöhnliche Emotionen auslösen. Es sollte probiert werden. Für jeden ist das nichts. Nicht wenige werden von einer aufkommenden depressiven Stimmung befallen. Gefestigtere Menschen reisen ins eigene Ich. Das beschäftigt und lässt Emotionen aufkommen.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Die Restaurants am Platja Gran de Calella in der Off-season geschlossen.

Die Restaurants am Platja Gran de Calella in der Off-season geschlossen.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Der Paseo von Calella am Platja Gran de Calella im Februar verlassen.

Der Paseo von Calella am Platja Gran de Calella im Februar verlassen.

In der Off-season zeigen Badeorte ihr wahres Gesicht. So wie die Geliebte, die am frühen Morgen ihrem Geliebten das erste Mal ungeschminkt und verschlafen begegnet. Das kann ein schockierendes Erlebnis sein, aber auch ganz wunderbar, wenn die natürliche Schönheit jede Fassade überstrahlt, ein schöner Charakter im Morgenlicht zu glänzen beginnt. Das entfacht wahre Leidenschaft, die andauern kann. Ganz besonders gut kann das Conil de la Frontera an der Costa de la Luz. Calella auch, bei weitem nicht so brillant, aber immerhin. Das verwinkelte Casco von Calella hat seinen Charme. In den geöffneten Cafés sitzen Einheimische und lesen Zeitung, auf den Bänken vor der neoklassizistische Kirche Parròquia de Santa Maria i Sant Nicolau, wird angeregt geplaudert. Der Einheimische trägt Winterjacke, dem Nordländer ist schon frühlingshaft nach T-Shirt zu Mute. Und auch am Aparcament Plaça del Mercat, der sich einmal pro Woche, wie in Spanien üblich, vom Parkplatz zum Wochenmarkt wandelt, geht es belebt zu. Nur die Touristen fehlen. Viele kommen ohnedies nur zum Schauen und Knipsen, denn immerhin wurde All-in gebucht.

Parròquia de Santa Maria i Sant Nicolau in Calella.

Parròquia de Santa Maria i Sant Nicolau in Calella.

Parròquia de Santa Maria i Sant Nicolau in Calella.

Parròquia de Santa Maria i Sant Nicolau in Calella.

Das Casco von Calella an der katalanischen Costa del Maresme.

Das Casco von Calella an der katalanischen Costa del Maresme.

Mit der Rondalies entlang der Costa del Maresme nach Calella.

Barcelona ist faszinierend. Eine Stadt, die sich seit den Phöniziern laufend neu erfindet, die beides kann, energisch arbeiten und ebenso feiern. „Seny y rauxa“, so nennen das die Barcelones. Wem der Sinn nach mehr steht, als einer Tour zur infantilen Zuckerbäcker Architektur eines Gaudí, der ist in Barcelona in seinem Element. Phantastische Museen, bemerkenswerte historische Bauten durch alle Epochen, puristische Architektur der Moderne, Wassersport, Nachtleben und erstklassige Gastronomie lassen erkennen, hier sollte ein Jahr verbracht werden. Barcelona ist Kultur, Genuss, Mode und Design, pulsierendes Leben, Geschichte und Zukunft gleichsam. Im Centro Nacional de Supercomputación werkt der schnellste Supercomputer der EU, der MareNostrum und das in einem Ambiente das zeigt: Barcelona ist stilsicher. Auch er kann besichtigt werden, denn er ist schön.

Barcelona – Centro Nacional de Supercomputación. (© Lucia Meler)

Barcelona – Centro Nacional de Supercomputación. (© Lucia Meler)

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona, Textile Geschichte.

Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona, Textile Geschichte.

Es lohnt, einen Blick in das Umland Barcelonas zu werfen, beispielsweise auf den Höhenzug der Serra de Collserola: Prähistorische Minen, alte Befestigungsanlagen oder auch wunderbares Revier für Mountainbiker und Wanderer. An der Küste fädeln sich Badeorte auf, die in der Off-season zu einem erlebnisreichen Ausflugsziel werden können. Eines davon ist Calella, Garant für einen kurzweiligen Tagesausflug aus Barcelona. In einer halben Stunde lässt er sich über die Autobahn erreichen. Wer es genussvoll liebt, sich seinem Ziel kontemplativ als Reisender nähern möchte, der sollte die Rondalies nehmen, das Vorortbahnnetz der Eisenbahngesellschaft RENFE. Die Züge starten von jeder grösseren Nahverkehrsstation Barcelonas und schlängeln sich aussichtsreich an der Küste, vorbei an Buchten und Stränden, nach Calella.

Die Rondalies von Barcelona nach Calella.

Die Rondalies von Barcelona nach Calella.

Wer genau hinsieht, dem wird die aussergewöhnliche Spurweite der Bahnstrecke auffallen. Es sind exakt 1.668 mm. Diese wahnwitzig krumme Zahl ergibt sich aus der nicht metrischen Definition aus Fuss und Inch. Die Inch noch einmal als Bruch aus 21/32 Inch gebildet, um es komplizierter zu gestalten. Das kann nur von Briten stammen und so ist es. Sie begannen Eisenbahnnetze auf der Peninsula aufzubauen, um beispielsweise die Minas de Riotinto nahe Huelva zu erschliessen oder andere Schätze der iberischen Halbinsel auszubeuten. Noch heute ist diese Spurweite in Spanien und Portugal im Einsatz, die sich aber nur für Streckenführungen ohne enge Radien eignet. Die Spurweite ist die zweit weiteste je gebaute. Nur die britischen Bahngleise in Indien messen 8 mm mehr.

Die Rondalies fährt in Calella ein.

Die Rondalies fährt in Calella ein.

Die Rondalies fährt in Calella ein.

Die Rondalies fährt in Calella ein.

Die Rondalies fährt in Calella ein.

Die Rondalies fährt in Calella ein.

Wie nun auch immer die Spurweite ist, einsteigen, an einem Fenster rechts zur Fahrtrichtung Platz nehmen, die vorbeiziehende Küstenlinie, die kleinen Buchten und Sandstrände wirken lassen, über das Meer blicken und geniessen. Reisen, um dem Leben Inhalt zu geben. Die Schienen der Rondalies, auf denen die Regionalzüge mit überraschend hohem Tempo im Ort Calella einfahren, sind eine Demarkationslinie zwischen historischem Ort und Platja Gran de Calella. Aussteigen, nach wenigen Metern Sand unter den Füssen spüren und im Mare Nostrum, dem Mittelmeer, baden. Oder in das Casco spazieren. Die eine wie die andere Wahl ist eine gute. Am besten beides und danach noch mehr, denn der Exkursion sollte ein Tag gewidmet werden, der früh beginnt und spät endet.

Die Rondalies fährt in Calella ein.

Die Rondalies fährt in Calella ein.

Platja Gran de Calella – der Stadtstrand von Calella.

Entlang der Küste vom historischen Tarragona über Sitges, Castelldefels, Barcelona und Calella bis Lloret de Mar, erstrecken sich sandige Strände und Buchten, einige einsam, andere sehr belebt. Direkt vor Calella an der Rondalies Bahnstation, liegt der breite und lange Platja Gran de Calella.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Im August Liegestuhlreihen und Sonnenschirme am Strand, im Februar erinnert nichts daran. Kleine Fischerboote liegen am Strand. Die Fischschwärme kommen erst, sie müssen noch auf ihren Einsatz warten. Bis dahin werden sie ausgebessert und bekomme einen neuen Anstrich, denn sie sollen auch schön sein. Eigner lehnen an ihnen und plaudern, wenige Strandspaziergänger geniessen die Ruhe und das Ambiente, denn es liegt schon Frühling in der Luft. Mandelbäume blühen, die Orangenbäume tragen überraschend dicke Früchte. Nordsee Bewohner sollten die Badehose einpacken. Wassertemperatur um die 14 Grad, das geht schon, nach einem Sonnenbad, denn die Sonne ist bereits kraftvoll.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Orangenbäume im Monestir de Pedralbes Barcelona im Februar.

Orangenbäume im Monestir de Pedralbes Barcelona im Februar.

Es sitzt und liegt sich herrlich am Strand. Gut, dass die Bars und Restaurants geschlossen haben, sonst wäre die Versuchung gross, den Tag faul am Platja Gran de Calella verstreichen zu lassen. Aber dafür bietet sich noch die Gelegenheit, am Ende des Tages, in der Bucht Cala Roca Grossa.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Platja Gran de Calella an der Costa del Maresme.

Wegweiser – Far de Calella.

An einem kleinen Hügel westlich von Calella, wurde 1859 der Leuchtturm Far de Calella errichtet. Das war jene Zeit, als Spanien seine gesamten Küstenlinien neu vermessen liess und begann, sie mit einem systematischen Netz aus Leuchttürmen zu überziehen. Tatsächlich alle Küstenlinien, ob am Ende der antiken Welt auf El Hierro oder am Cabo Trafalgar, an dem Lord Nelson die spanische Armada versenkte. Die Bauhöhe des Leuchtfeuers Far de Calella oder Faro de Calella ist nur 13 m, samt der geographischen Höhe kommen 50 m Leuchtfeuer Höhe über normal Null zu Stande. Das ist nicht viel, fürs Mittelmeer reicht es. Das Leuchtfeuer ist bis auf 18 nautische Meilen (ca. 33 Km) auszumachen. Den Touristen interessiert das weniger, er freut sich, dass der Leuchtturm so einfach zu erklimmen ist. Vom Platja Gran de Calella, wird der Far de Calella auf einem Spazierweg entlang der Küste leicht erreicht.

Leuchtturm Far de Calella an der Costa del Maresme.

Leuchtturm Far de Calella an der Costa del Maresme.

Am Leuchtturm erwartet den Besucher, neben einem wunderbaren Ausblick auf Calella, den Platja Gran de Calella und natürlich auf das Mittelmeer, ein kleines Museum. Betrieben wird der Faro vom Port de Barcelona. Wer ausserhalb der spärlichen Öffnungszeiten (s.u. Tipps) kommt, findet nicht nur das Museum geschlossen vor, sondern auch die Terrasse des Leuchtturms. Dann heisst es durch den Zaun einen Blick auf das historische Bauwerk werfen.

Leuchtturm Far de Calella an der Costa del Maresme.

Leuchtturm Far de Calella an der Costa del Maresme.

Der Platja Gran de Calella gesehen vom Far de Calella an der Costa del Maresme.

Der Platja Gran de Calella gesehen vom Far de Calella an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica – die optischen Telegraphen von Calella.

Gleich gegenüber des Far de Calella, liegen die Ruinen zweier optischer Telegraphen aus dem 19. Jhd. Auf der 118 m hohen Erhebung, überragen sie das Leuchtfeuer deutlich. Ein gut angelegter Wanderweg führt durch einen kleinen Wald hinauf. Oben erwartet den Besucher eine spektakuläre Aussicht über die Cala Roca Grossa und eine schattige Oase unter schönem Baumbestand, die zu einem Picknick einlädt. Aussicht und Ambiente lassen den Besucher in ein wunderbar mediterranes Flair eintauchen. Ruhig ist es, wenige Spaziergänger lassen sich blicken, auch Läufer, denn Trailrunner ziehen hier gerne ihre Trainingsrunden. Ein Ort, an dem sich heisse Sommertage fantastisch verträumen lassen.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Das mediterrane Ambiente über dem Mittelmeer würde ausreichen, diesen Ort zu besuchen. Interessant ist aber seine technologische wie geschichtliche Bedeutung. Bei den beiden Türmen handelt es sich um optische Telegraphen. In der Regel wird in diesem Zusammenhang an die Signallampen gedacht, mit denen Kriegsschiffe kommunizierten, auch heute noch. Doch das System beruhte auf jenem des Franzosen Claude Chappe, das am Ende des 18. Jhd. entwickelt wurde und bis zur Erfindung des elektrischen Telegraphen in Europa sehr verbreitet war. Im wesentlichen war es eine primitive Holzkonstruktion aus mehreren grossen Balken, mit denen über weite Entfernung gut sichtbare Zeichen gesetzt werden konnten. Meist auch in einem verschlüsselten System, um die Nachrichten geheim halten zu können.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Die beiden Torrets de Telegrafia Òptica von Calella wurden 1849 errichtet und lediglich bis 1857 betrieben. In diesem Jahr wurde das System der optischen Telegraphen in Spanien eingestellt. Die Torrets waren Teil der Kommunikationslinie Madrid – Valencia – Barcelona – Girona – La Jonquera. Der dem Meer zugewandte Turm diente rein der militärischen Kommunikation, der dahinter liegende wirtschaftlicher Nachrichtenübermittlung. Am militärischen sind unzählige Schiessscharten auszumachen, denn er wurde von einer Garnison bestehend aus 15 Mann bewacht und war in den historisch interessanten Carlisten Krieg von taktischer Bedeutung. Die sogenannten Carlisten wollten die weibliche Thronfolge von Isabella II. María Luisa (* 10.10.1830, Madrid – † 9.4.1904, Paris), auch Isabel de Borbón y Borbón-Dos Sicilias oder Isabel II de España, nicht anerkennen. In drei Carlisten Kriegen zwischen 1833 und 1876 kämpften Carlisten in Guerilla Manier gegen Isabella II. Um sie niederzuringen, benötigte es kleiner, mobiler Einheiten, denen durch optische Telegraphen ein taktischer Informationsvorsprung gesichert werden sollte. Der Kampf gegen Isabella II. wurde auf allen Ebenen verbissen und radikal geführt, auch von der Geistlichkeit. Am 2. Februar 1852 versuchte der Priester Martín Merino y Gómez Isabella nach dem Besuch einer Messe zu erstechen. Isabella kam mit leichten Verletzungen davon, für Gómez endete die Angelegenheit vor dem Scharfrichter.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Der Auslöser für die Carlisten Kriege war eine Änderung des Salischen Rechts (lex salica – Franken Gesetz der Spätantike) durch Ferdinand VII. von Spanien. Er wollte seiner Tochter Isabella II. die Thronfolge sichern und strich kurzerhand jene Passagen aus dem seit Jahrhunderten geltenden Rechtsgebäude, die eine weibliche Thronfolge ausschlossen. So stellte er seinen jüngeren Bruder Don Carlos (daher Carlisten) kalt, der laut traditionellem Recht den Anspruch auf die Thronfolge gehabt hätte. Isabella II. wurde tatsächlich im Alter von zwei Jahren 1833 zur Regentin von Spanien gekrönt, auch wenn sie erst mit 18 Jahren in die Amtsgeschäfte eingriff. Isabella hielt allen Widerständen stand und gab erst am 25. Juni 1870 den Thron zu Gunsten ihres Sohns Alfons XII. auf und zog sich nach Paris zurück. Die Thronfolge des Alfons XII. hatte fatale Folgen für Spanien. Alfons war ein schwacher Opportunist, koalierte mit jedem, der ihm seine Macht erhielt. Die Cortes (verfassungsgebende Institution Spaniens) schrieben ihn schliesslich zur Verhaftung aus. Alfons konnte nach Italien flüchten und starb dort im römische Exil. Er war derart verhasst, dass sogar die Überführung seines Leichnams nach Spanien abgelehnt wurde. Alfons XII. kann als wesentlicher Wegbereiter der spanischen Militärdiktatur gesehen werden. Wie auch seine Mutter Isabella II., entging auch er nur knapp einem Mordkomplott. Dafür landete der wohl unschuldige Francesc Ferrer i Guàrdia (* 10.01.1859, Alella bei Barcelona – † 13.10.1909, Barcelona) am Mountjuic vor einem Erschiessungskommando. Er war ein einflussreicher antiklerikaler Anti-Monarchist und Begründer der „Escuela Moderna“. Am Mountjuic wurde ihm ein Denkmal gewidmet. (s.u. Paseo por el Parque de María Luisa en Sevilla).

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Februar Sonne in der Cala Roca Grossa.

Von den Torrets de Telegrafia Òptica ist es nicht weit zur Cala Roca Grossa. Den Wanderweg zurück, dann aber nicht Richtung Calella abbiegen, sondern die Fussgängerbrücke über die Bundesstrasse N2 nehmen.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Torrets de Telegrafia Òptica an der Costa del Maresme.

Auf der anderen Seite führt ein steiler Weg hinunter in die herrliche Bucht Cala Roca Grossa, über der die Schienen der Rondalies verlaufen. Die breite sandige Bucht wird von mächtigen Felsen, den rocas, östlich und westlich begrenzt. Sie schützen an windigen Tagen und fangen die Wärme der Sonne ein. So ist es auch im Februar an Sonnentagen in der kleinen Bucht angenehm warm. Einem Sonnenbad steht nichts im Wege. Im Februar ist es einsam in der Bucht, im Sommer brechend voll. Dann wird sie von Nudisten bevölkert. Hängende Bäuche ersetzen die Badebekleidung, sodass auch nackt nichts Anstössiges zu sehen ist, das streng Gläubige seelisch zerrütten könnte. In der Off-season ist der Strandbesucher vor solch ästhetischen Entgleisungen sicher.

Cala Roca Grossa südlich von Calella.

Cala Roca Grossa südlich von Calella.

Cala Roca Grossa südlich von Calella.

Cala Roca Grossa südlich von Calella.

Cala Roca Grossa südlich von Calella.

Cala Roca Grossa südlich von Calella.

Im Mondschein retour nach Barcelona.

Der Tag verging wie im Fluge, die Eindrücke bleiben. Lebenszeit, die nicht verschwendet wurde. Sie ist knapp bemessen, jede Minute, die Zeit verstreicht unwiederbringlich. Es sollte darüber nachgedacht werden.

Nach der Cala Roca Grossa wartet das Casco von Calella, touristenfrei, das ist selten. Durch die Gassen streifen, eine Cantina suchen und dort den Abend ausklingen lassen. Google Maps muss dazu nicht befragt werden. Es ist ganz einfach: Dort, wo Einheimische dicht gedrängt sitzen, es so riecht, dass Hunger aufkommt und keine Speisekarte mit Bilder an die Wand geklebt wurde, da sollte eingekehrt werden.

Die Zugfahrt retour wird still, besinnlich, das Erlebte zieht durch den Kopf. Wenn der Rondalies die Küste entlang zieht und der Mond günstig steht, dann spiegelt er sich im Mittelmeer. Realität und Gedankenwelt verschmelzen. Vor Barcelona wird der Reisende in das Heute und Jetzt zurück geholt: Die leuchtende Skyline von Poblenou empfängt den Besucher kurz bevor der Rondalies in sein unterirdisches Schienennetz taucht.

Nächtliche Skyline von Poblenou Barcelona.

Nächtliche Skyline von Poblenou Barcelona.

Tipps.

Öffnungszeiten Far de Calella:

April bis Juni und Oktober:
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 10:00-14:00 Uhr.

Juli und August:
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 17:00-21:00 Uhr.

Weiter lesen.

Architektur Expedition Barcelona – am bicicleta zu 15 bemerkenswerten Orten.

Teleférico del Puerto – hoch über Barcelona.

Barcelona – Bunkers del Carmel – zum schönsten Aussichtspunkt. Gratis.

Design Museum Barcelona – Museu del Disseny de Barcelona. Sehenswert.


Excursión Conil de la Frontera – an der Grenze zu den Mauren.

Navidad en Conil de la Frontera – Weihnachten an der Costa de la Luz.


Temprano por la mañana – frühmorgens am Punta Umbría.


Cabo de Trafalgar – Horizont und Leuchtturm.


Paseo por el Parque de María Luisa en Sevilla.


El Hierro – Nachricht vom Ende der Welt.

Längengrad Null – die Meridian Insel El Hierro.

Bildnachweis.

MareNostrum: © Lucia Meler | www.luciameler.com. Mit freundlicher Genehmigung des Centro Nacional de Supercomputación vom 17.10.2017.

Alle weiteren Bilder: © Dr. Ingmar Köhler.

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